RUMOURS: The Lower We Sink, The Less We Care

Ein wirklich sehr gutes Rock-Album mit allem, was man in einer gerechten und geschmackvollen Realitäts-Ebene für eine Welt-Karriere brauchen würde!

RUMOURS aus dem scheinbar nie versiegenden Kreativ-Pool der Leipziger Metal/Black Metal-Szene sind natürlich zunächst mal eine Band, die klar im Fahrwasser von THE DEVIL´S BLOOD ihren Kurs auf den schwarzen Gewässern des düsteren Retro- oder Occult-Rock setzt und damit nicht die erste und mit Sicherheit nicht die letzte Band ist, für die man ein Review mit genau diesen Worten anfangen kann. 

Man könnte ein Makro erstellen und regelmäßig das Review anpassen nach den Kriterien „Sound: zu modern/altmodisch warm“ + „Stimme mehr Goth/Weniger Goth“ oder „Gitarre mehr psychedelisch/weniger hypnotisch“ + „Attitude mehr antikosmisch/weniger Drogen“, etc. 

RUMOURS verschmelzen Teufelsblut und Schinkengott

Warum zur Hölle sollte man sich das also anhören oder auch noch drüber schreiben, wobei letzteres, also über Musik schreiben, ja eigentlich ohnehin zum Scheitern verurteilt ist?

Naja, es gibt tatsächlich einigen gewichtige Punkte, die bei RUMOURS dafür sprechen, sowohl für das Hören als auch das Darüber-Schreiben. 

Es ist nämlich nicht nur der selige Selim, der in der Musik auf „The lower we sink, the less we care“ (genialer Albumtitel by the way) eine Rolle spielt, sondern genau so sehr ist eine Vorliebe für  DANZIG-Blues und das entsprechende Pathos, am besten zu hören bei „And the Name of the Star was Bitterness“, bis hin zu fast Horror-Punk-artigen Riffing zu bemerken. Zumindestens mich erinnern viele Riffs und vor allem der Gesang an den melancholischen Teil dieses Genres wie etwa an NIM VIND. Ohnehin ist ein punkiger Einschlag das ganze Album über zu spüren, am eindrucksvollsten bei zu „Echoes of Decline“ und am coolsten bei „Chronophobia“.

Punkiger Tritt in den Hintern

Das hebt die Band von vielen anderen, die in diesen Gewässern unterwegs sind, positiv ab und zudem sind es zwei zusätzliche Einflüsse, die nicht nur wirklich gut zu den THE DEVIL’S BLOOD Riffs und Melodien passen, sondern diesen an der richtigen Stelle auch mal einen kleinen Tritt in den okkulten Hintern verpassen und eine Menge Kraft freisetzen, bevor man sich zu sehr ins spirituelle Delirium dudelt. Das gefällt mir ausgesprochen gut und fügt den durchaus emotionalen und eindringlichen Songs nochmal eine Extra-Note an Bissigkeit hinzu, die das Album wie schon gesagt über den Durchschnitt hebt.

Also ein eindeutiger Grund, sich mit dieser Band zu beschäftigen, vor allem, wenn man bedenkt, das es sich hier erst um das Debüt handelt, auch wenn die Musiker keine Frischlinge mehr sind. Die Band steht trotzdem erst am Anfang und wenn sie so weitermachen, freue ich mich schon auf die nächste Platte. 

Angezerrte Gitarren mit Druck – Es geht doch!

In jedem Fall muss man noch die sehr gelungene Produktion von Martin Ehrenkrona (Studio Cobra in Stockhom) erwähnen, die es wirklich eindrucksvoll schafft, lediglich angezerrte, ja fast-cleane Gitarren trotzdem kraftvoll in Szene zu setzen und mit den anderen Instrumenten zu einem harmonischen und druckvollen Ganzen zu verschmelzen, ohne auch nur im Ansatz modern zu wirken. 

Was die musikalische Intensität in meiner Wahrnehmung angeht, ist die Reihenfolge noch knapp anders herum, aber bei der Produktion: In your face, SLAEGT!

(Positiver Nebeneffekt: Aufgrund des Bandnamens mal wieder das genau so betitelte Album von FLEETWOOD MAC rausgekramt – wunderschön!)

Label: Lupercalia Records
Release date: 6. May 2022 

LINE-UP 

Sebastian Beissert – Vocals
Andy Heinrich – Guitar
Anton Hoyer – Guitar
René Kögel – Guitar
Birger Schwidop – Bass
Jordi Farré – Drums

RUMOURS “The Lower We Sink, The Less We Care” Tracklist

1. The Impetuous Glory Of Terror
2. That Glimmer Of Freedom That People Call Death
3. I Am The Midnight
4. The Sky Is Comin’ Down Again
5. Chronophobia
6. And The Name Of The Star Was Bitterness
7. Echoes Of Decline
8. Broken Sighs And Burning Tears

https://sruomur.bandcamp.com/album/the-lower-we-sink-the-less-we-care