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ROBERT PLANT: Lullaby And … The Ceaseless Roar

ROBERT PLANT: Lullaby And … The Ceaseless Roar

Zugegeben, seit dem tollen Album “Raising Sand” von 2007 gemeinsam mit der Bluegrass/Country-Schönheit ALISON KRAUSS hab ich über ROBERT PLANT nicht mehr nachgedacht. Das hat sich sicher nicht nur bei mir geändert durch die klasse Re-Releases der ersten drei LED ZEPPELIN-Alben Ende Mai und die Ankündigung des Nachschubs der nächsten zwei Rockklassiker am 24. Oktober. LED ZEPPELIN sind wieder allgegenwärtig, und damit natürlich auch Sänger ROBERT PLANT. Zufall oder nicht, er schiebt nun passend sein neues Soloalbum “Lullaby And … The Ceaseless Roar” raus, dass PLANT mit seiner Begleitband THE SENSATIONEL SPACE SHIFTERS eingespielt hat. Da war die Begeisterung anfangs nicht so groß, selber Schuld, wenn man ausgerechnet in zwei recht sperrige oder eher fremdartige Songs rein hört. Glück aber, wenn dann die Neugier doch größer ist und man mit einem starken, abwechslungsreichen Album belohnt wird.

Von Weltmusik war anfangs die Rede, und der Auftakt mit dem überarbeiteten Traditional “Little Maggie” ist dann auch gleich mal ordentlich anders. Eine zappelige Melodie, heiter-wilde Fidelklänge, ein komischer Groove, getragener Gesang, ein mutiger Einstieg – der entweder verwirrt oder halt nachhaltig neugierig macht, was da noch so kommt. So gibt es dann auch folgend einen eher normalen Rocksong, mit eingängiger Melodie, einer Uhuhuuuu-Bridge zum Mitsummen, da schunkelt die wie ROBERT PLANT ebenfalls gereifte Hauptzielgruppe gern mit. Es ist schon interessant, wie schwergängig Songs wie “Pocketful Of Golden” trotz eingängiger Melodie bleiben, das mal mehr, mal weniger deutliche Einfließen afrikanischer Musik gepaart mit einer oft hypnotischen Atmosphäre hat meist einen ganz eigenen Charakter. Oft sind die Songs auf den ersten Blick recht einfach gestrickt, bei “Embrace Another Fall” aber fährt man das volle Programm auf. Wieder getragen von hypnotischen Grooves, betörenden (Keyboard-) Streichern und einer einlullenden Melodie zieht einen PLANT in den Song. Fast unbemerkt wackelt der Hintern schwungvoll im Takt mit, die lauten Rockgitarren reißen einen erschreckt hoch, um dem alten Groove wieder Platz zu machen, der von orientalisch anmutenden weiblichen Vocals durchzogen wird. Ein interessanter Song, der auch gern mal unter den Kopfhörer einlädt. Mit den rockigen Gitarren und den an LED ZEPPELIN erinnernden Gesangslinien könnte “Turn It Up” tatsächlich auch ein Oldie der Rock-Urväter sein, aufgepeppt mit exotischen Rhythmen. Wobei wir hier von einem 66-jährigen Rockhelden reden, der auch die lauteren Momente in Reife taucht und natürlich nicht mehr mit jugendlicher Energie heraus haut. Da passt auch die zarte, melancholische Ballade “A Stolen Kiss”, für Junghörer wohl allenfalls Kuschelrock-kompatibel, für reifere Musikfans ein purer Herzerwärmer. Da wird bei Liveshows garantiert gekuschelt bis das Feuerzeug zu heiß wird. Ganz ohne Song mit Hitpotential geht es natürlich nicht, “Somebody There” kommt mit einer so großen, typisch englischen Melodie, da singt man sofort mit. Simpel, gut – live und gern auch zuhause darf getanzt und mitgesungen werden. Keine Ahnung, warum ich hier immer an die BEATLES denken muss. Ähnlich bunt geht es auf dem ganzen Album weiter bis zum sonderbaren Schlusssong “Up On The Hollow Hill”, ein schräger Mix aus Exotic und Wavesound. “House Of Love” klingt ein wenig wie ein Mix aus BRUCE SPRINGSTEEN und ROY ORBISON im englischen Gewand, das Cover des Blues-Musikers LEAD BELLY-Songs “Poor Howard”, auch schon mindestens 75 Jahre alt, klingt hier erfrischend zeitlos.

Mag man beim ersten Durchgang an ein nettes buntes Album eines reifen Musikers mit seiner Band denken, ein wenig zu leichtgängig, halt passend für die mit ROBERT PLANT gereiften LED ZEPPELIN-Anhänger, so hat “Lullaby And … The Ceaseless Roar” letztendlich viel mehr zu bieten. Mit jedem Durchgang taucht man tiefer ein, gerade in die etwas fremd wirkenden, dann meist afrikanischen Elemente, man entdeckt immer mehr Feinheiten. Hier ist alles durchdacht und von großen Songwritern erarbeitet, ohne dass es kopflastig wirkt – überall zieht sich die Leidenschaft für diese selbst erschaffene Musik durch. Das ist erfrischend, wo viele alte Rockstars seit Ewigkeiten leichte Kost anbieten, um ihren Fans zu gefallen und damit die eigene Rente zu sichern, macht ROBERT PLANT wie gehabt das, wozu er Lust hat. Und das macht er wie immer richtig gut. Natürlich lebt das Album hauptsächlich von seiner Stimme, die natürlich von Reife geprägt ist, gerade in den ruhigeren Momenten aber einen zarten, fast jugendlichen Touch behält. Dass PLANT hier und da im Gesang typische LED ZEPPELIN-Momente einfließen lässt, nun, wer sollte das anders erwarten. Zumal das den Fans garantiert willkommen ist, nicht nur weil die Rock-Helden gerade wieder so präsent sind. Nein, Hoffnung will er den alten und nachgewachsenen Fans damit aber garantiert nicht machen. ROBERT PLANT glaubt von sich selbst nicht, dass er noch mal ein LED ZEPPELIN-Album machen könnte. Eine Reunion der Rockgiganten schließt er weiterhin aus, auch wenn die aktuellen (Re-) Releases vielleicht anderes vermuten und erhoffen lassen könnten. Warum auch, wo so viele junge Bands diesen Sound heute so gut rüberbringen und er selbst schon längst daran gewöhnt ist, sich musikalisch vollkommen frei zu bewegen.

ROBERT PLANT bietet mit “Lullaby And … The Ceaseless Roar” genau das, was seine Fans erwarten. Zeitlose Musik, immer irgendwie vertraut und dabei abenteuerlustig genug, um Neues zu bieten, ohne die Fans zu überfordern. Ein Album zum Hinsetzen und Genießen, zum Zuhören und Eintauchen, ein bunter Mix aus eher dezentem Rock, Weltmusik, Folk und afrikanischen Klängen. Aber so ehrlich muss man sein: die Zielgruppe ist eher erwachsen bis reif. Jungrocker, die durch den immer noch aktuellen Retro-Trend bei LED ZEPPELIN gelandet sind, werden mit den Solosachen von ROBERT PLANT nicht so viel anfangen können. Reinhören darf die BLUES PILLS/GRAVEYARD-Generation aber trotzdem, gute Musik geht immer!

ROBERT PLANT:Little Maggie beim Glastonbury Festival 2014 – Video bei Youtube

Veröffentlichungstermin: 05.09.2014

Spielzeit: 50:03 Min.

Line-Up:
Robert Plant – Vocals
Liam Tyson – Banjo, Guitar, Backing Vocals
John Baggott – Keyboards, Loops, Moog Bass, Piano, Tabal, Backing Vocals
Billy Fuller – Bass, Drum Programming, Omnichord, Upright Bass
Julden Camara – Kologo, Ritti, Fulani Vocals
Justin Adams – Bendirs, Djembe, Guitars, Tehardant, Backing Vocals
Dave Smith – Drums

Gäste:
Julie Murphy – Vocals (4)
Nicola Powell – Backing Vocals (8)

 

Label: nonesuch Records /Warner Music

Homepage: http://www.robertplant.com

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/robertplant

Tracklist:
1. Little Maggie
2. Rainbow
3. Pocketful Of Golden
4. Embrace Another Fall
5. Turn It Up
6. A Stolen Kiss
7. Somebody There
8. Poor Howard
9. House Of Love
10. Up On The Hollow Hill (Understanding Arthur)
11. Arbaden (Maggie´s Babby)

Frank Hellweg
Lebensmotto "stay slow", Doomer halt.... Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!