NÓWFRAGO: Now In Common

NÓWFRAGO: Now In Common

Matthias Gunsch ist seit seiner Kindheit der Musik verfallen, mit „Now In Common“ hat der Berner unter dem Banner NÓWFRAGO mit Hilfe seiner Schweizer MitstreiterInnen sein zweites Album im Angebot. Und das ist mal ganz was anderes, eigenwillig, sperrig, durchaus seltsam bis sonderbar. Aber mal ehrlich: mir sind durchaus Musiker lieber, die ihr ganz eigenes Ding machen ohne auf den Musikmarkt zu schauen, als die nächste ach so professionelle Band, die klingt wie all die anderen Bands. Und ja, NÓWFRAGO ist anders, soviel ist mal sicher!

Das macht „Days In Everywhere“ schnell klar, beim ersten Durchgang stand noch ein fettes Fragezeichen auf der Stirn. Irgendwo sind sehr frühe PINK FLOYD zwischen „The Piper At The Gates Of Dawn“ und „Ummagumma“. Würde man deutsch singen, wären auch schräge Krautrocker ein Ansatz. Aber eben auch nicht, hier ist auch viel Alternative Rock drin, und doch wieder anders. Mit dem zappeligen Drumming und dem seltsamen, aber durchaus griffigen Groove kommt Bewegung ins Spiel, ausgebremst von der trötenden Posaune. Das liest sich negativ? Nein nein, nur seltsam, mit Vergleichen bleibe ich ratlos zurück. Wenn es hierfür eine eigene Szene gibt, dann hat diese sich bisher erfolgreich vor mir versteckt. Gurrende Tauben, ein Zeichen für in der Masse untergehen? Graue Gestalten, die im wirren Alltag ihre Bahnen ziehen? Mainman Matthias Gunsch hat mit seiner ehemaligen Arbeit für Greenpeace sicher einiges erlebt, und Gedankenlos sind seine Texte nicht. Perfektes Englisch klingt anders, auch die Vocals liegen gern mal neben der Spur, aber der Weg ist hier das Ziel, die Vision der eigenen Musik lebt er mit hörbarer Leidenschaft aus.

NÓWFRAGO klingen anders, eigenwillig, und das leidenschaftlich

Das gern mal auch etwas düsterer bis komplett durchgeknallt wie bei „This Is How I Feel“ mit seinem Mix aus schönen Pianoklängen und spinnigen Abflügen. Ist das beswingt, oder gar wavig, wie „Our Live As Sunset“ daher kommt? Ist dann schon ein neues Lied? Das doch recht gleichförmige Drumming, der sich immer auf gleicher Linie bewegende Gesang, das hartnäckig trötende Posaunenspiel, man weiss es nicht! Man weiss nur, dass die Musiker hier eigenwillig ihren Weg gehen und bei „Then The Pawn“ mal vollkommen abdrehen. Das alles hier ist und bleibt seltsam, schwere Kost, und doch mag man nicht aufgeben und weiter zuhören. Auch das traurig singende Cello schaut immer mal wieder vorbei wie ein vertrauter Bekannter. Bei „On Common Ground“ kommt gar ein Flow auf, bei dem man unweigerlich mitswingt. Ein schöner Schlusstrack für diese absolut interessante Reise … ist es aber nicht! Es ist noch Platz für das wirklich schöne „Up Is The New Down“, wo Rea Dubach mit zarten Vocals Farbe ins Spiel bringt. Ich hab´s! Das ist immer der Song, bei dem ich an meine Niederländischen Alternative-Lieblinge I AM OAK denken muss. Vielleicht würden sich NÓWFRAGO gut im Rooster des sympathischen Uitrechter Labels Snowstar Records machen? Auch dieser Song würde das Album gut beenden, aber den SchweizerInnen reicht es noch nicht, „Fredens Ni Liver“ zieht noch an uns vorbei, lässt mich ebenfalls Richung Uitrecht denken.

NÓWFRAGO spielen interessanten Alternative-Kraut-Seltsam-Rock

Ist das Alternative-Kraut-Seltsam-Rock? Es ist fast egal, was NÓWFRAGO hier machen, es bleibt vor allem sehr eigen und wird selbstbewusst genau so präsentiert. Jeder beteiligt sich, gern mal an den anderen vorbei, aber man hört nicht auf zuzuhören. Und legt „Now In Common“ öfter in den Player, als man es beim ersten verwirrten Durchgang vermutet hätte. Mit einem passenden Label, das die entsprechende Zielgruppe bedient, dürften NÓWFRAGO ihre Fans finden. Die können sich das lustige Video zu „Days In Everywhere“ anschauen, veräppeln sie hier „Smells Like Teen Spirit“? Boah, und ich brauche, wie bei jedem neuen Durchgang, hinterher erstmal einen musikalischen Tritt in den Hintern, ohne Schnörkel, Experimente und Fragezeichen!

Veröffentlicht am 18.10.2019

Spielzeit: 52:06 Min.

Lineup:
Matthias Gunsch (aka Nówfrago) – Vocals, Backing Vocals, Synthesizer, Percussion, Programming
Rea Dubach – Vocals (8)
Maja Nydegger – Keyboards
Bidu Rüegsegger – Bass
Philippe Adam – Drums
Julia Rüpfert – Trombone
Sara Kaser – Cello

Label: Eigenproduktion

Homepage: https://www.nowfrago.net

Mehr im Web: https://www.facebook.com/nowfragotheband

Die Tracklist von „Now In Common“:

1. Days In Everywhere
2. A Place To Hide
3. This Is How I Feel
4. Our Life As Sunset
5. No Surrender
6. Then The Pawn
7. On Common Ground
8. Up Is The New Down
9. Fredens Ni Liver

Frank Hellweg
Frank (“WOSFrank”) ist seit 2002 bei vampster und alt genug, um all die spannenden Bands live gesehen zu haben, als die selber noch jung und wild waren! Er kümmert sich um Reviews, News und andere Artikel sowie um interne Hintergrundarbeit. Lieblingsbands: TROUBLE, CANDLEMASS, BLACK SABBATH, SWALLOW THE SUN. Genres: Doom, Stoner, Classic/Retro/Hard Rock, US/Power Metal, Southern/Blues Rock, Psychedelic/Progressive Rock, Singer/Songwriter.