NOVEMBERS DOOM: Nephilim Grove

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Man könnte argumentieren, ich sei der falsche Rezensent für diese Platte. „Progressive Doom Death“, sowas hab ich noch nie gehört, und die neue DISILLUSION find ich auch eher so meh. Andererseits aber erscheint auch die neue NOVEMBERS DOOM bei Prophecy, und das Cover-Artwork ist wunderschön, also hab ich mal zugeschlagen, und nun hab ich den Salat.

Die Parallele zu DISILLUSION liegt nahe: Auch NOVEMBERS DOOM gibt es schon ewig, die Musik klingt ähnlich, und für beide Bands ist es dieses Jahr das Prophecy-Debüt. Allein, eine Veröffentlichung bei Prophecy Productions schützt mich heutzutage nicht mehr vor unangenehmen Hörerlebnissen: das aufdringlich plastikhaft klingende Schlagzeug etwa oder die penetrant in den Vordergrund gemischten Growls. Sowieso, die Growls: Was soll das? Ihr könnt doch singen! Ihr müsst nicht grunzen! Ihr dürft es natürlich, aber warum klingt es so fehl am Platze?

Ist „Nephilim Grove“ eine Sammlung von Lückenfüllern?

Ach, ich sag ja, ich bin der Falsche – vermutlich Geschmackssache. Auf dem Papier machen NOVEMBERS DOOM ja einiges richtig: typische Prog-Harmonien, dynamische Arrangements, alles sauber gespielt. Drei Lieder sind vorbei, und ich will gerade an das Gegrunze und den immer noch seltsam künstlichen Klang gewöhnen, da schmettern die Herren mir mit „What We Become“ einen derart widerlichen Schmachtfetzen um die Ohren, dass es leider gar nicht mehr geht: „One day, You’ll love me like you used to / Someday, You’ll love me like you care / One day, You’ll miss my arms around you / Someday, I’ll be right here for you“; ernsthaft jetzt? Bei dem Song fehlt das Grunzen, und ich bekomme Lust, es angesichts der Vorstellung eines Mannes, der jeden Abend vorm Fenster seiner Verflossenen steht und ihr droht, eines Tages werde sie ihn ganz bestimmt schon wiederhaben wollen, spontan beizusteuern. Igitt!

Digitales Elend

Ich versuche es weiter, denn fortan wird es wieder härter und textlich zumindest einigermaßen erträglich, wenngleich man dazu tendiert, sich immer wieder in Phrasen zu verlieren. Aber die Songs nerven. Ich wiederhole mich: Der Sound ist unerträglich, laut, auf Hochglanz poliert, ein digitales Elend, Melodien und Gefühl haben so keine Chance. Oder fehlen sie ganz? Je länger das Album dauert, desto belangloser erscheint es mir, eine Ansammlung von Riffs und Ideen, die nicht zusammenpassen und schon gar nicht zusammenwirken. „Nephilim Grove“ ist nach dreißig Jahren Bandgeschichte das elfte Album von NOVEMBERS DOOM – vielleicht wollte man zuviel oder hat einfach keine packenden Ideen mehr. Oder ich bin einfach der Falsche dafür…

Spielzeit: 53:05 Min.
Veröffentlichung am 1.11.2019 auf Prophecy Productions

NEPHILIM GROVE – „Nephilim Grove“ – Tracklist

1. Petrichor (Video bei YouTube)
2. The Witness Marks
3. Nephilim Grove (Lyrics-Video bei YouTube)
4. What We Become (Video bei YouTube)
5. Adagio
6. Black Light
7. The Clearing Blind
8. Still Wrath
9. The Obelus

Andreas Holz
Andreas ist mit vampster und Metal großgeworden, liebt Wald- und Wiesenmusik und dreckigen Punk und alles, was dazugehört (Whisky, Wanderschuhe und ein kaltes Bier in dunklen Kellern z.B.), und schreibt und singt und kämpft für das Wahre, Gute und Schöne.