NAPALM DEATH: Utilitarian

"Utilitarian" steht den Klassikern der Band in nichts nach, im Gegenteil: Von NAPALM DEATH im Jahre 2012 können sich alle, aber auch wirklich alle im harten Business eine dicke Scheibe abschneiden.

Manche werden eben nicht älter, sondern besser. NAPALM DEATH, deren Debütalbum vor fünfundzwanzig Jahren das Dunkel der Welt erblickte, gehören zu diesen wenigen Ausnahmen. Da bedarf es keiner großen Kurskorrekturen, das bleibt in Ewigkeit grandios. Und doch, NAPALM DEATH experimentieren in ihrem Kosmos, der sich immer mehr erweitert. Es bleibt dunkel, es schäumt immer noch vor Wut, und doch ist es wieder irgendwie neu und aufregend. Utilitarian, Album Nummer vierzehn von NAPALM DEATH setzt genau da an, wo Time Waits For No Slave aufhörte, zwischen brutalen Grindcore-Angriffen in Höchstgeschwindigkeit, flotten Moshparts, treibenden Grooves und ein paar ungewöhnlichen Momenten, die eben etwas nach Noise Rock klingen.

Aber das ist noch lange nicht alles, was Utilitarian spannend macht. Der Bogen, den NAPALM DEATH zwischen ihrem traditionellen Grind und den leicht noisig angehauchten Momenten spannen, wird in keiner Weise überstrapaziert. Utilitarian zeigt mit The Wolf I Feed, dessen Chorus nach PITCHSHIFTER klingt, mit Fall On Their Swords und dessen einem SWANS-artigem Mittelteil und dem rockigen Blank Look Against Face dass sich die Kreativität im Hause NAPALM DEATH noch lange nicht darauf beschränkt, alte Ideen neu aufzuwärmen. Denn als würden sie wie ein Katalysator wirken, sorgen die etwas ungewöhnlicheren Songs dafür, dass der traditionelle Anteil an Utilitarian extrem stark ist: Errors In The Signals, Quarantined, Collision Course, Think Tank Trials und Analysis Paralysis zeigen unsere Lieblinge von ihrer Schokoladenseite.

NAPALM DEATH haben hörbar in das Songwriting investiert

Schön ist, dass Mitch Harris bessere Gesangseinsätze bekommt und in The Wolf I Feed und Orders Of The Magnitude zeigen kann, was für eine fiese Stimme, ähnlich Alan Dubins, in ihm steckt. Auch Barneys Cleangesang hat sich erheblich verbessert, seine Einsätze in Blank Look About Face und Leper Colony schwanken zwischen unbändiger Wut und einer gewissen Epik, fügen sich dabei nahtlos in das Gesamtbild ein. Die Freundentränen lässt Everyday Pox fließen, in dem JOHN ZORN einen wundervoll chaotischen Gastauftritt hat und dessen Performance am Saxophon an selige Naked City-Zeiten denken lässt. Grandios! Generell haben NAPALM DEATH hörbar viel in das Songwriting investiert: Der brutale und der düstere Teil passen gut zueinander, Utilitarian ist ein Album, das einem Fluss folgt, eines das mit unglaublicher Energie fünfundvierzig Minuten lang in die Fresse allen Übels dieser Welt schlägt.

Manche werden eben nicht älter, sondern besser

Dieses Mal verfügen NAPALM DEATH auch über eine tadellose Produktion, und merzen den einzigen Schwachpunk von Time Waits For No Slave aus. Utilitarian klingt massiv, mit vielen Bässen und dreckigen Gitarren und ist trotzdem transparent. Utilitarian ist ein intelligentes und dennoch impulsives Statement einer Band, der glücklicherweise niemals die Themen und die Motivation ausgehen. Eine hervorragend eingespielte Einheit, sechzehn brillante Songs voller unbändiger Energie, ein alles zertrümmerndes Album, das stinkt geradezu nach dem ersten wirklichen Jahreshighlight und hinterlässt in dieser Scheißwelt auf einmal doch einen kleinen Hoffnungsschimmer. Wie gesagt, manche werden nicht älter, aber besser. Ergo steht Utiliarian Bandklassikern wie Harmony Corruption, Utopia Banished oder Enemy Of The Music Business in rein gar nichts nichts nach. Von NAPALM DEATH im Jahre 2012 können sich alle, aber auch wirklich alle im harten Business eine dicke Scheibe abschneiden.

Veröffentlichungstermin: 24. Februar 2012

Spielzeit: 45:20 Min.

Line-Up:
Mark Barney Greenway – Vocals
Mitch Harris – Guitar, Vocals
Shane Embury – Bass
Danny Herrera – Drums

Label: Century Media Records

Homepage: http://www.napalmdeath.org
Mehr im Netz: http://www.facebook.com/officialnapalmdeath

NAPALM DEATH: Utilitarian Tracklist

1. Circumspect
2. Errors In The Signals
3. Everyday Pox
4. Protection Racket
5. The Wolf I Feed
6. Quarantined
7. Fall On Their Swords
8. Collision Course
9. Orders Of The Magnitude
10. Think Tank Trials
11. Blank Look About Face
12. Leper Colony
13. Nom De Guerre
14. Analysis Paralysis
15. Opposite Repellent
16. A Gag Reflex