MASTER MUSICIANS OF BUKKAKE: Far West

Stand auf den drei Vorgängeralben mehr ein meditatives Erlebnis im Vordergrund, agiert man nun abwechslungsreicher, arrangierter und teilweise einprägsam, büßt damit aber auch ein übergeordnetes Konzept ein.

Nein, ich gehe jetzt nicht auf den Bandnamen ein, der an Absurdität kaum zu überbieten scheint und wohl eher einer Porngrindband zu Gesicht stünde. Und nein, ich werde kein Wort darüber verlieren, dass es sich bei den sieben Meistermusikanten um eine Art Supergroup aus Mitgliedern von EARTH, BURNING WITCH, GRAILS, THE ACCÜSED und ASVA handelt, die sich entschlossen haben, sich abseits von Drone, Hardcore und Post-Rock psychedlisch auszutoben. Okay, zugegebenermaßen hab ich es doch getan und eine kurze Einleitung gegeben, aber um den Variantenreichtum und den darum wabernden Kosmos der MASTER MUSICIANS OF BUKKAKE auf Far West zu begreifen, sollte man die Hintergründe nicht unangetastet lassen.

Eignete sich die Totem-Triologie, welche mit dem Album Three 2011 ihren Abschluss und gleichzeitigen Höhepunkt fand, hervorragend als Untermalung für mit Nebelschwaden durchzogene Rituale, so verlässt die Gruppe mit dem neuesten Output zwar nicht vollständig diese surrealen Pfade, sucht aber durchaus nach Alternativrouten. Das Grundgerüst bleibt dabei stets tranceartig, doch variieren die Zutaten für den angerichteten Zaubertrank in erhöhtem Maße, denn soviel sei vorweg verraten, wird dieses Mal erhöht auf Formen des Gesangs zurückgegriffen. Mit White Mountain Return beginnt die Zeremonie gebührend, und im Verlauf des Tracks erheben sich vor dem geistigen Auge immer mehr greifbare Formen aus dem Chaos. Aus Feedback wird bedrohliche Percussion, aus Trommeln steigen verwaiste Gitarrenakkorde empor, aus immer dicker werdenden Schichten von Synthesizern erklingen Stimmen, nur um schließlich in sich zusammenzubrechen und den Weg für den nächsten Song zu ebnen. Und plötzlich befindet sich der Hörer mitten im ersten richtigen Lied beziehungsweise auf einem Plateau in einer Steppe wieder, überblickt die weite Prärie und lauscht andächtig folkigen Indianergesängen, die mit Tamporinklängen und einprägsamen Slidegitarren veredelt sind. Auch in Cave of Light – The Prima Materia tönen für MASTER MUSICIANS OF BUKKAKE-Verhältnisse ungewöhnlich viele Stimmen. Hier wird der Gesang allerdings nicht nur unterstützend eingesetzt, sondern übernimmt sogar ab dem ersten Lieddrittel eine tragende Rolle. Vom Gesangsstil erinnert das Ganze an einen okkult halluzinierenden Morrissey, harmoniert aber mit Bläsern, Rasseln, schamanischen Chören und allerlei Effekteinwürfen überraschend gut und stößt den Zugang zur spacigen Unterwelt in You Are A Dream Like Your Dreamer – The Dark Peace auf. Nach diesem albtraumartigen Intermezzo endet Far West mit der positiven Hippie-Vibe-Hymne Circular Ruins. Bemerkenswert ist die Verschmelzung von folkiger Musik und Literatur, denn der Titel orientiert sich an Jorge Luis Borges´ Die kreisförmigen Ruinen, welches ähnlich surreale Elemente auf einer anderen Medienform bietet.

Die aktuelle Veröffentlichung der Seattler Band bietet erneut allerhand psychedelische Kost. Stand auf den drei Vorgängeralben mehr ein meditatives Erlebnis im Vordergrund, agiert man nun abwechslungsreicher, arrangierter und teilweise einprägsam, büßt damit aber auch ein übergeordnetes Konzept ein. Die Tracks fließen nicht mehr so gut ineinander, sondern schlagen teils komplett unterschiedliche Richtungen ein. Damit wirkt Far West im Ganzen gesehen etwas kopflos, auch wenn Tracks wie zum Beispiel Gnomi oder Cave of Light immer noch von der außerordentlichen Klasse dieser Avantgardisten zeugen.

Veröffentlichungstermin: 07.06.2012

Spielzeit: 45:22 Min.

Line-Up:
Bass – Don McGreevy, Timm Mason, Keith Lowe
Gesang – Nils Petterson, Rabia Quazi, Richie Rico
Gitarre – Don McGreevy, Milky, Timm Mason
Keys – Randall Dunn, Don McGreevy, Milky, Timm Mason
u.a.

Label: Important Records

Homepage: http://www.mmobmusic.com

Tracklist:
1. White Mountain Return
2. γη-νομος – Gnomi
3. Arche
4. Cave Of Light The Prima Materia
5. You Are A Dream Like Your Dreamer – The Dark Peace
6. Circular Ruins