KILLSWITCH ENGAGE: Atonement

Zunächst klingt es wie der Traum eines jeden KILLSWITCH ENGAGE-Fans: Für „The Signal Fire“ haben die Amerikaner mit Howard Jones niemand geringeren als ihren ehemaligen Sänger ins Studio geholt. Jesse Leach und Howard Jones Seite an Seite: Damit erübrigt sich eigentlich auch die Diskussion, wer denn nun der bessere Frontmann sei – auch wenn wir feststellen müssen, dass Jones letztendlich gar keine Klargesangsanteile übernommen hat. Die Performance beider Sänger ist makellos und drückt dem leicht thrashigen Track spätestens im Refrain den typischen KILLSWITCH ENGAGE-Stempel auf.

Ein derart nach vorn preschender Hit ist für „Atonement“ nach dem eher gemäßigten Auftakt „Unleashed“ der todsichere Eisbrecher, der auch den letzten Anhänger an Bord holt. Richtig enttäuscht sein werden von dem, was folgt, wohl nur die Wenigsten, denn die elf neuen Tracks sind von vorne bis hinten zu einhundert Prozent KILLSWITCH ENGAGE.

Auf “Atonement” gibt es die üblichen Markenzeichen

Das heißt gleichzeitig aber auch, dass es kaum Überraschungen oder gar großartige Neuerungen zu verzeichnen gibt. Im Großen und Ganzen bleibt „Atonement“ eine sichere Bank, selbst wenn ausnahmsweise TESTAMENT-Frontmann Chuck Billy den Thrash-Einflüssen in „The Crownless King“ den passenden Rahmen gibt.

„I Am Broken Too“ ist mit seiner persönlichen Botschaft über Depression der melodiöse Ausreißer, der fast komplett ohne Screams auskommt, während „Know Your Enemy“ mit seinen Parallelen zu AS I LAY DYING das andere Ende der musikalischen Bandbreite markiert. Dazwischen gibt es die üblichen Trademarks, die in „As Sure As The Sun Will Rise“ auch mal mit Blastbeats und später einer tragenden Leadgitarre aufgepeppt werden.

KILLSWITCH ENGAGE fehlt es am Willen, den eigenen Sound zielstrebig weiterzuentwickeln

So sauber wie die Produktion ist auch das Material auf „Atonement“. Wenn sich alle Versatzstücke perfekt ineinanderfügen, gipfelt das in einer melodischen Hymne wie „I Can’t Be The Only One“. Meistens jedoch bleiben die konservativen Stücke vergleichsweise unscheinbar („Take Control“, „Us Against The World“).

Obwohl KILLSWITCH ENGAGE kurzzeitig den größten aller Fanwünsche wahr werden lassen, fehlt es im Weiteren am Willen, den eigenen Sound zielstrebig weiterzuentwickeln. Wäre der aggressive Abriss „Bite The Hand That Feeds“ zum Ende hin nicht so ein erfrischender Wachmacher, würde das eigentlich solide „Atonement“ wohl das gleiche Schicksal ereilen wie 90% aller Träume: Es wäre zehn Minuten später schon wieder vergessen.

Veröffentlichungstermin: 16.8.2019

Spielzeit: 39:02

Line-Up:

Jesse Leach – Vocals
Adam Dutkiewicz – Gitarre, Backing Vocals
Joel Stroetzel – Gitarre
Mike D‘Antonio – Bass
Justin Foley – Drums

Produziert von Adam Dutkiewicz

Label: Columbia / Sony Music

Homepage: http://www.killswitchengage.com/
Facebook: https://www.facebook.com/killswitchengage

KILLSWITCH ENGAGE “Atonement” Tracklist

01. Unleashed (Audio bei YouTube)
02. The Signal Fire (feat. Howard Jones) (Video bei YouTube)
03. Us Against The World
04. The Crownless King (feat. Chuck Billy)
05. I Am Broken Too (Video bei YouTube)
06. As Sure As The Sun Will Rise
07. Know Your Enemy
08. Take Control
09. Ravenous
10. I Can’t Be The Only One
11. Bite The Hand That Feeds