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I PREVAIL: Violent Nature

I PREVAIL orientieren sich an den Spielregeln der modernen „Core“-Szene. Das Resultat ist für Fans des Subgenres ordentlich, aber zahnlos bleibt „Violent Nature“ dadurch dennoch.

Als würden sie es allen unter die Nase reiben wollen: „Violent Nature“ ist als Albumtitel natürlich plakativ; eine Zusicherung, dass man eben schon noch auf den Putz hauen kann. Gerade nach der Trennung von Sänger Brian Burkheiser, der I PREVAIL zuvor zeitweise in besonders poppige Gefilde führte, scheint ein solches Statement doppelt selbstbewusst.

Derweil haben die US-Amerikaner ihre Herangehensweise nicht komplett auf links gedreht, sondern lediglich stärker an gängigen Gepflogenheiten ausgerichtet. Die gänzlich genrefremden Augenblicke reduziert das Quintett während dieser guten halben Stunde auf ein Mindestmaß, wobei sich „Synthetic Soul“ als effektschwangerer Synth-Rocker noch am deutlichsten abhebt.

I PREVAIL orientieren sich an den Spielregeln der modernen „Core“-Szene

Ansonsten fügen sich I PREVAIL den Spielregeln der modernen „Core“-Szene: An die Stelle der gänzlich abwesenden Hardcore-Einflüsse tritt breitwandiges Rock-Riffing („NWO“), das im Zusammenspiel mit dem simplen, aber effektiv groovenden Schlagzeug schnell ins Ohr geht. Die Vocals sind sowohl in harscher als auch klar gesungener Ausführung mit Post-Produktion zugekleistert, während sich die Songstrukturen auf kurze Appetithäppchen beschränken.

Deutlich länger als drei Minuten wird es selten, dafür sichern poppige Gesangslinien à la „Pray“ oder „Rain“ die Radiotauglichkeit. Umgesetzt ist dieser Alternative Metal im Core-Pelz selbstverständlich kompetent, obschon arg berechnend. Die Emotionen wirken kalkuliert, die ganze Platte dadurch mehr steril als berührend. Tatsächlich lässt „Violent Nature“ vor allem den eigenen Charakter missen: I PREVAIL klingen auf ihrem Studioalbum wie eine Band von vielen, schlimmer noch: wie ein Produkt.

„Violent Nature“ ist ein größtenteils zahnloses Album

Das gipfelt im völlig beliebigen „Annihilate Me“, das sich ausgerechnet die jüngeren Eskapaden ARCHITECTS‘ zum Vorbild genommen zu haben scheint. Der anschließende Wutausbruch in Form des Titelstücks knüpft dann – ob seines grenzdebilen Textes – auch inhaltlich an die vorherrschende Ideenlosigkeit an. Komplettiert wird dieses Triumvirat durch das gestriegelte Malen-nach-Zahlen-Muster von „Into Hell“, das WAGE WAR wohl nicht glattgebügelter hinbekommen hätten.

Allzu viel ist bei genauerer Betrachtung offenbar nicht übrig vom proklamierten Naturell: „Violent Nature“ ist ein braves, größtenteils zahnloses Album, das für Fans des Subgenres ein immerhin anständiges Grundniveau bietet. Fortschritt, Originalität und Killer-Instinkt finden wir hingegen weniger. Auch wenn I PREVAIL Letzteren eisern in die Welt rufen, hat die alte Volksweisheit weiterhin Bestand: Hunde die bellen, beißen nicht.

Veröffentlichungstermin: 19.09.2025

Spielzeit: 32:08

Line-Up

Eric Vanlerberghe – Vocals
Steve Menoian – Gitarre
Dylan Bowman – Gitarre, Backing Vocals
Jon Eberhard – Bass, Keyboards
Gabe Helguera – Drums

Produziert von Jon Eberhard, Zakk Cervini (Mix), Julian Gargiulo (Mix) und Ted Jensen (Mastering)

Label: Fearless Records

Homepage: https://iprevailband.com/
Facebook: https://www.facebook.com/IPrevailBand/
Instagram: https://www.instagram.com/iprevailband/
Bandcamp: https://iprevail.bandcamp.com/

I PREVAIL “Violent Nature” Tracklist

  1. Synthetic Soul
  2. NWO
  3. Pray (Video bei YouTube)
  4. Annihilate Me (Video bei YouTube)
  5. Violent Nature (Video bei YouTube)
  6. Rain (Video bei YouTube)
  7. Into Hell (Video bei YouTube)
  8. Crimson & Clover
  9. God
  10. Stay Away