HARDLINE: II

HARDLINE: II

Ich weiß nicht, wie viele Melodic (Hard)Rock-Alben mir schon untergekommen sind. Doch immer wieder scheitern sie an der Latte, die durch beiden (für mich) besten Genre-Scheiben aller Zeiten sehr, sehr (unerreicht?) hoch gelegt wurden. Zum einen hätten wir da das selbstbetitelte Bad English-Debut aus dem Jahre 1989, zum anderen “Double Eclipse”, das erste Hardline-Album aus dem Jahre 1992. Zehn Jahre später liegt nun das zweite Album vor. Zwar sind Ex-Journey-Gitarrist Neal Schon (Songwriting, Guitars, Produktion), Deen Castronovo (Drums) – die beide auch auf der o.g. Scheibe von Bad English zu hören waren – und Ex-Alice Cooper/David Lee Roth-Basser Todd Jensen nicht mehr dabei (auch wenn Herr Schon hier zumindest als Gastmusiker und Gastkomponist zu hören ist), aber eine der göttlichsten Stimmen gehört glücklicherweise weiterhin zum Lineup der Band. Die Rede ist von Johnny Geoeli, der in den letzten Jahren hauptsächlich als Stimme von Axel Rudi Pell von sich reden/hören machte. Auch sein Bruder Joey (Guitars) ist weiter Teil der Band, die von absoluten Ausnahmekönnern wie Two Fires-Gitarrist Josh Ramos und Ex-Vinnie Vincent-Drummer Bob Rock komplettiert wird. Doch nun zu den Songs, die handwerklich, von den Arrangements und soundtechnisch natürlich ohne jegliche Beanstandung sind, was ich aber bei solchen alten Hasen einfach voraussetze. Es wird sicherlich Menschen geben, für die es sich um nicht mehr als altbackenen, schon tausend Mal gehörten Hardrock handelt, der weder innovativ noch originell ist. Und diese Leute hätten sogar Recht, das kann ich problemlos zugeben. Aber wäre es glaubwürdiger gewesen, wenn sich Musiker mit einem solchen Background plötzlich an Black oder Nu Metal versuchen würden, nur weil diese Musik vielleicht gerade angesagt und hip ist? Nein, ich denke, die Musiker haben die Songs geschrieben und eingespielt, auf die sie Bock hatten. Alles andere wäre auch verlogen gewesen. Okay, die Qualität des Erstlings bleibt unerreicht, aber mit einer Steigerung des dort gebotenen Standards hab zumindest ich nicht ernsthaft gerechnet. Doch nichtsdestotrotz ist „II“ eine wirklich starke Melodic Rock-Scheibe geworden, die keinen Genre-Anhänger enttäuschen dürfte. Klar, die Gioeli-Brüder haben nicht gerade viele neue Ideen gehabt und bedienen sich wirklich jedes Genre-Klischees, machen das – was sie machen – aber wirklich hervorragend und zu meiner vollsten Zufriedenheit. Natürlich hat man mal halbe, mal totale Balladen („Only a Night“, „Face the Night“ und den o.g. Neal Schon-Song „The Gift“) am Start, doch genauso natürlich greifen die Herren Gioeli und Ramos bei Songs wie „Hold me down“, „Y“, „Paralyzed” (ein Partyrocker der Güteklasse „A“) kräftig in die sechs Saiten und verhindern dadurch ein Abgleiten in zu poppige Gefilde (wobei man zu der Musik aber immer noch poppen kann). Daß die Musiker aber nicht gänzlich in der soundtechnischen Vergangenheit stehengeblieben sind, beweisen die (allerdings dezenten) modernen Gitarrensounds, die z.B. im Opener „Hold me Down“ zu hören sind, so daß man der Band bescheinigen kann, daß sie mit „II“ einen gekonnten Spagat zwischen „Gegenwart“ und „Vergangenheit“ hingelegt hat. (OL)

Spielzeit: 46:48 Min.

Line-Up:
Johnny Geoeli

Joey Geoli

Bob Rock

Josh Ramos

Chris Maloney

Michael T. Ross

Produziert von Bob Burch
Label: Frontiers

Homepage: http://doubleeclipse.com (Unofficial)

Tracklist:
Hold Me Down

Y

Paralyzed

Face The Night

Do Or Die

Hey Girl

Only A Night

Your Eyes

Weight

Way It Is, Way It Goes

This Gift