FEUERSCHWANZ: Memento Mori

FEUERSCHWANZ bleiben mit “Memento Mori” der Linie des Vorgängers weitgehend treu. Die Mitelalter- / Power Metal-Band trägt ihre Einflüsse dabei mit breiter Brust zur Schau, ohne die Abwechslung zu vergessen: ein Schritt nach vorne.

„Never change a running system.”, sagt man so schön. Und warum auch? Immerhin hat es der Vorgänger auf das Treppchen der deutschen Albumcharts geschafft und in Verbindung mit klugem Marketing für einen nie gekannten Höhenflug gesorgt. Dass FEUERSCHWANZ mit „Memento Mori“ also ganz offiziell an „Das elfte Gebot“ (2020) anknüpfen wollen, kann ihnen niemand verdenken. Dass sie die Sache mit dem Nachfolger aber gar so wörtlich nehmen, wirkt gerade zu Beginn erschreckend einfallslos. Der eröffnende Titeltrack ist vor allem ein inhaltlich müder Aufguss des letzten Albums: „It’s My Life“ im Mittelalter-Korsett.

Viel mehr zu sagen haben FEUERSCHWANZ dieser Tage dann auch nicht: Der spaßigen Wurzeln hat man sich endgültig entledigt und besingt nun wahlweise „Herr der Ringe“ („Rohirrim), Schwert, Schlacht und Alkohol – oder mit Kriegsmetaphern auch mal die Liebe  („Hannibal“). Kurzum, das übliche Mittelalter- / Folk-Brimborium eben.

FEUERSCHWANZ verstecken ihre Einflüsse keineswegs, bemühen sich aber gleichzeitig um Abwechslung

Ihren eigenen Charakter zieht die Formation daher aus der diesmal noch präsenteren Power-Metal-Schlagseite, die „Memento Mori“ von anderen Genre-Beiträgen wohltuend abhebt. Zumindest teilweise, denn ihre Einflüsse tragen FEUERSCHWANZ diesmal noch deutlicher auf dem polierten Brustpanzer: Die lateinischen Wortfetzen (u.a. „Krampus“, „Feuer & Schwert“), die opulenten Chöre, die Zwischenrufe in „Ultima Nocte“ – das alles erinnert, auch strukturell, stark an POWERWOLF. Im Gegenzug stellt „Untot im Drachenboot“ das breitgefächerte Ethno-Instrumentarium ins Zentrum, verlässt sich aber in seinen dreieinhalb Minuten zu sehr auf den Refrain.

Dennoch bemüht sich die Band im weiteren Verlauf um Abwechslung: Mit „Am Galgen“ spinnt sie etwa eine Mittelalter-Metal-Nummer um das Traditional „Stella Splendens“, nachdem die HÄMATOM-Kollaboration „Rausch der Barbarei“ mit bratenden Gitarren und knurrenden Vocals zuvor die primitiv-wilde Seite der Musiker gezeigt hatte. Dass man zwischendurch in „Krampus“ mit „Kling, Glöckchen, klingelingeling“ ein deutscher Weihnachtsklassiker zitiert wird, als sei es eine absolute Selbstverständlichkeit, spricht wiederum für FEUERSCHWANZ und ihre Fähigkeit, Songs schlüssig zu arrangieren.

In vielerlei Hinsicht übertrifft “Memento Mori” seinen Vorgänger

Daher ist es umso verblüffender, warum es manchen der sieben Cover-Versionen der Bonus-Disc gerade an dieser Kompetenz mangelt. Während die Gruppe sich „Blinding Lights“ (THE WEEKND) und die MANOWAR-Hymne „Warriors Of The World United“ dank stimmiger Folk-Arrangements und purer Stimmgewalt der Gastsänger in letzterem souverän zu eigen macht, scheitern die Neuinterpretationen von „The Bad Touch“ (BLOODHOUND GANG) sowie „Twilight Of The Thunder God“ (AMON AMARTH) auf ganzer Linie. Trotz kluger Einbindung der Schalmeien fehlt Ersterem das nüchterne Understatement des Vorgängers, wenn das Sängerduo das ehemals kontrastreiche Spannungsfeld von Text und Musik schlicht niedergrunzt. Der AMON AMARTH-Hymne fehlt als Power-Metal-Neuinterpretation schlicht die unbändige Energie des Originals, zumal Prinz Hodenherz in der durchaus hoch dargebotenen Strophe stimmlich am Limit zu agieren scheint.

Obgleich also nicht jeder Schuss sein Ziel findet, zeigen FEUERSCHWANZ immerhin den Mut, selbst populären Stücken den eigenen Stempel aufzudrücken. Eine Tugend, die wir uns auch für die Eigenkompositionen in stärkerem Umfang wünschen würden, wo die Formation gerne stärker aus der eigenen Komfortzone ausbrechen darf. Nichtsdestotrotz übertrifft „Memento Mori“ in vielerlei Hinsicht seinen Vorgänger, allein schon, weil die Kompositionen griffiger sind und dank der dominanteren Power-Metal-Anleihen mehr Elan entfalten können. Sicherlich genug, um auch diesmal wieder die deutschen Verkaufslisten zu erobern – denn wenn das hiesige Publikum erfahrungsgemäß eines zu schätzen weiß, dann ist es qualitative Konstanz mit dezent genutztem Optimierungsspielraum. Never change a running system.

Veröffentlichungstermin: 31.12.2021

Spielzeit: 43:54 („Memento Mori“) / 30:27 („Die glorreichen Sieben“)

Line-Up

Hauptmann Feuerschwanz – Vocals, Gitarre
Hans der Aufrechte – Gitarre
Prinz R. Hodenherz III – Flöten, Rauschpfeife, Dudelsack, Gesang
Johanna von der Vögelweide – Geige, Drehleier
Jarne Hodinsson – Bass
Rollo H. Schönhaar – Drums

Produziert von Simon Michael

Label: Napalm Records

Homepage: https://feuerschwanz.de/
Facebook: https://www.facebook.com/feuerschwanz

FEUERSCHWANZ “Memento Mori” Tracklist

  1. Memento Mori (Video bei YouTube)
  2. Untot im Drachenboot (Video bei YouTube)
  3. Ultima Nocte (Video bei YouTube)
  4. Rausch der Barbarei
  5. Krampus (Video bei YouTube)
  6. Feuer & Schwert
  7. Das Herz eines Drachen
  8. Rohirrim
  9. Am Galgen
  10. Hannibal
  11. Skaldenmet

FEUERSCHWANZ „Die glorreichen Sieben“ Tracklist (Bonus-Disc)

  1. Blinding Lights
  2. Warriors of the World United feat. Thomas Winkler, Saltatio Mortis, Melissa Bonny (Video bei YouTube)
  3. Twilight of the Thunder God
  4. The Bad Touch
  5. Dragostea Din Tei
  6. Square Hammer
  7. Der Graf