FEAR FACTORY: Archetype

FEAR FACTORY: Archetype

Jawoll, diese Platte beginnt doch schon so, wie man es sich gewünscht hatte! Stakkato, Stakkatto, Stakkkattto, Doublebass, Groove, irgendwo hinten wimmernde Keyboards und aggressives Geshoute. Ratter, Ratter, Brüll, Brüll, Brüll, „Slave Labor“. Herrlich! Selten haben Name und Cover so sehr den Spirit einer Platte ausgedrückt wie in diesem Fall. FEAR FACTORY haben ihren Stil bis auf das Skelett entkleidet, den Archetypus freigelegt und neu aufgebaut. Aller Konzepte, Experimente und Spielereien entledigt, geht diese Platte schlicht nach vorne, ist Aggression, Melodie und vor allem Schlagzeug. Ohne Umwege und mit einer für FF Verhältnisse fast schon erdigen Produktion knallt diese Platte gandenlos. Beispielhaft sei Cyberwaste“ genannt. Mit seinen Blastbeat-Attacken, dem growligen Gesang und den fast schon punkig einfachen Riffs klingt es wie ein Befreiungsschlag. Oder der geniale Stakkato-Brecher „Bonescraper“. Klasse!

Allen Statements zum Trotz („Wenn einer geht, ist es nicht mehr dasselbe, blablabla…“) beweisen FF, dass nur der Weggang Raymond Herreras diese Band wirklich zerbrechen lassen könnte. Kein anderer Drummer versteht es, Präzision so organisch und groovig klingen zu lassen. Davon hat diese Band immer gelebt und tut es weiterhin. Gott sei Dank!

Diese Platte versprüht die Frische, die vielleicht bei „Digimortal“ durch Experimente und bei „Obsolete“ durch übertriebene Kälte ersetzt wurde. Ohne die Sterilität und Machinenhaftigkeit zu verlieren, rücken FF die Konzepthaftigkeit etwas in den Hintergrund, auch wenn ich die textlichen Konzepte sehr gut fand, dafür aber als Band wieder näher an den Zuhörer und sind greifbarer.

Auf den ersten Blick mag „Archetype“ aufgrund der Härte und der Songstrukturen wie „Demanufacture II“ klingen, aber das wäre zu kurz gegriffen. Diese Platte vereint alle Trademarks der bisherigen Alben, inkl. ruhiger Keyboard-Passagen, 80er-Wave Melodien und maschinellem Gehacke, eingedampft auf das Wichtigste und dadurch in ihrer jeweiligen Form vollendet. Kurz, es kickt wie die Hölle, ist von vorne bis hinten genial und zum Durchbangen wie geschaffen.

Der Gitarrenarbeit ist der Weggang(?) von Dino überhaupt nicht anzumerken und wenn der Split so viel Energie freigesetzt hat, freue ich mich schon tierisch auf ein neues Album von BRUJERIA, sollte es eins geben…

Als Anspieltipps seien „Cyberwaste“ und das genial-melodische und tödlich groovende Titelstück genannt. Durchhänger und Füller sind aber auch dieses Mal nicht durch die Qulitätskontrolle am Ende des Fließbandes der Angstfabrik gekommen. (Über das Nirvana-Cover „School“ kann man streiten, aber als Cover-Version lasse ich es jetzt aussen vor.)

Es fällt mit etwas schwer, die anderen Alben, vor allem „Digimortal“ gegenüber dieser Platte abzuwerten, da ich sie alle immer noch genial finde, aber FF haben sich auf „Archetype“ so überzeugend neu erfunden, dass es anders kaum geht.

Nach MACHINE HEAD die zweite meiner Lieblings-Bands, die es geschafft hat, zurück zu kommen, ihren Status neu zu erobern und zu behaupten.

Das muss erstmal einer hinschnuppern, wo die schon dran gepinkelt haben…

Veröffentlichungstermin: 19.04.2004

Spielzeit: 59.10 Min.

Line-Up:
Burton C. Bell – Vocals

Raymond Herrera – Drums

Christian Olde Wolbers – Guitar

Byron Stroud – Bass

Produziert von Fear Factory / Mike Catain
Label: Roadrunner Records

Homepage: http://www.fearfactory.com

Tracklist:
1.Slave Labor

2.Cyberwaste

3.Act of God

4.Drones

5.Archetype

6.Corporate Cloning

7.Bite the Hand that bleeds

8.Undercurrent

9.Default Judgement

10.Bonescraper

11.Human Shields

12.Ascension

13.School ( Nirvana-Cover)