ENTERPRISE EARTH: Death: An Anthology

ENTERPRISE EARTH tragen den Deathcore mit “Death: An Anthology” in eine neue Ära – ohne Scheuklappen, ohne Zwänge, aber dafür mit großer Experimentierfreude.

Ihr fünftes Album als Anthologie zu vermarkten, ist selbstverständlich ein cleverer Marketing-Kniff, um Ungleiches zusammenzuführen: Denn abseits des gemeinsamen lyrischen Rahmens scheinen sich ENTERPRISE EARTH diesmal keinerlei Grenzen mehr zu setzen. In seinen unterschiedlichen Abhandlungen über den Tod und seine Erscheinungsformen weicht Sänger Travis Worland nun regelmäßig vom genre-üblichen Gegrowle ab: „Death: An Anthology“ bietet schneidendes Screaming ebenso wie erhabenen Klargesang, wodurch sich selbst ein Track wie der so technisch und furios beginnende Auftakt „Face Of Fear“ zur Hälfte plötzlich öffnen kann.

Die erdrückenden Tiefen des Deathcore tauschen die US-Amerikaner dann gegen eine fast schon federleichte, erhebende Atmosphäre, über die Gitarrist Gabe Mangold ein fantastisches Solo legt. Direkt im Anschluss trifft in „The Reaper’s Servant“ oldschool Thrash-Riffing auf moderne Deathcore-Grooves, die uns Gastshouter Darius Tehrani (SPITE) im krachenden Breakdown humorlos in die Gehörgänge hämmert.

Wiederholungen scheinen bei ENTERPRISE EARTH völlig vom Tisch

Tief gestimmtes Djent-Riffing à la MESHUGGAH stützt in „King Of Ruination“ wiederum das Feature des mächtigen Ben Duerr (SHADOW OF INTENT), nachdem „Spineless“ den zunächst schleppenden Auftakt gegen Thrash-Grooves und Stakkato-Breakdowns eingetauscht hatte. So variabel wie in diesen Anfangsminuten geht es munter weiter; Wiederholungen scheinen bei ENTERPRISE EARTH anno 2024 offenbar gänzlich vom Tisch.

Immerhin betten Akustik- und Lead-Gitarre das siebenminütige „Casket Of Rust“ in eine unheilvolle Grundstimmung, der das Quartett bald angeschwärzte Symphonic-Elemente beimischt und diese dann in einem klar gesungenen Refrain kulminieren lässt. Folglich lässt „Death: An Anthology“ nur in den seltensten Fällen locker: So beginnt das allgemein sehr melodisch gehaltene „Blood and Teeth“ mit Piano-Untermalung fast schon balladesk – ein krasser Gegensatz zur wilden Gitarrenarbeit im Instrumental „Accelerated Demise“, die uns an die stürmischen MASTODON der „Leviathan“ (2004) und „Blood Mountain“-Ära (2006) erinnert.

ENTERPRISE EARTH bringen den Deathcore in eine neue Ära

Dass so viel Variation bei einer Laufzeit von knapp 60 Minuten unsere komplette Aufmerksamkeit fordert, versteht sich von selbst. Enorm sättigend ist dieser völlig ungezügelte Ansatz nämlich ohne Frage. Daher ist es ein Glück, dass ENTERPRISE EARTH am Ende des Tages den roten Faden nicht gänzlich aus den Augen verlieren: Zusammengehalten wird dieser heterogene Genre-Cocktail vorwiegend durch das lyrische Konzept Worlands. Das bunte Resultat als Anthologie unters Volk zu bringen, ist somit auch konzeptionell ein geschickter Schachzug, um die Experimentierfreude der Band zu erklären, welche ENTERPRISE EARTH künftig in der Speerspitze einer neuen Deathcore-Generation etabliert.

Veröffentlichungstermin: 02.02.2024

Spielzeit: 59:07

Line-Up

Travis Worland – Gesang
Gabe Mangold – Gitarre, Backing Vocals
Dakota Johnson – Bass
Brian Zackey – Schlagzeug

Produziert von Gabe Mangold

Label: MNRK Heavy

Homepage: https://enterpriseearthband.com/
Facebook: https://www.facebook.com/enterpriseearthband

ENTERPRISE EARTH “Death: An Anthology” Tracklist

  1. Abyss
  2. Face of Fear
  3. The Reaper’s Servant (Feat. Darius Tehrani) (Video bei YouTube)
  4. Spineless
  5. King of Ruination (Feat. Ben Duerr) (Video bei YouTube)
  6. Casket of Rust (Video bei YouTube)
  7. I, Divine
  8. Malevolent Force (Feat. Wes Hauch)
  9. Accelerated Demise
  10. Blood and Teeth
  11. Curse of Flesh (Feat. Matthew K. Heafy)
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