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DUN RINGILL: Welcome

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Das war schon irritierend: Da haben die Göteborger Doomer THE ORDER OF ISRAFEL mit “Wisdom” und “Red Robes” zwei starke Scheiben abgeliefert, und Tom Sutton (NIGHT VIPER, Ex-CHURCH OF MISERY) beschließt mal eben, ab September 2017 ein Jahr oder mehr eine Auszeit zu nehmen. Statt Mikro und Gitarre ist die Heimat Australien angesagt und andere Abenteuer. Als Die-Hard-Fan macht man erstmal dicke Backen, die Kollegen zucken kurz mit den Schultern und machen halt eine neue Band. Die TOOI Rhythm Section mit Patrik Andersson Winberg (Ex-DOOMDOGS, SOUTHERN TRAIN FESTIVAL) am Bass und Drummer Hans Lilja (LOTUS) hat für DUN RINGILL einige ebenfalls namhafte Kollegen der Göteborger Szene eingesammelt. So nutzt Patrik die Gelegenheit, wieder mit DOOMDOGS-Kollege Tomas Eriksson (INTOXICATE, Ex-GROTESQUE) zusammenzuarbeiten. Tommy Stegemann (SILVERHORSE), Jens Florén (LOMMI, DARK TRANQUILLITY/Live) und Patric Grammann (SOUTHERN TRAIN FESTIVAL, NEON LEON) runden das Team als Gitarrenfraktion ab.

DUN RINGILL versammeln auf “Welcome” namhafte Kollegen der Göteborger Szene

Ein düsteres, doomiges Werk sollte es laut Patrik werden, aber auch nordische Folkmusik sollte einfließen. Und seine verborgenen schrägen Fantasien wollte er in den Lyrics ausleben: “with lyrics in the land of evil and darkness that were hiding behind a closed door“. Passt, genau dieses bekommen wir auf dem Debütalbum der sympathischen Band. Willkommen in der wirren Welt von DUN RINGILL, die uns passend einladen mit Zirkusgebimmel und dem treffenden Titel “Welcome To The Fun Fair Horror Time Machine”. Aber Clowns sind böse, sagt nicht nur Stephen King, sagt auch der Song. Ein zähes, kraftvolles Riff, auf dem sich Tomas mit kranken Vocals austobt. Extra nochmal die DOOMDOGS gehört, so irre war er da noch nicht! Sehr cool, sehr schräg, sehr theatral, und ja – sehr böse! Fieser düsterster Doom, bis zur Mitte hin die Scheinwerfer angehen und bunte Zwerge einen nordischen Tanz vorführen, begleitet von einem schmissigen Groove und der zündenden Flöte von Björn Johansson. Dass man hier an IAN ANDERSON und seine JETHRO TULL denkt ist klar, der Bandname deutet ja auf deren Song hin vom 79er “Stormwatch”-Album. Die folkigen Themen bleiben aber stets stur zuhause im hohen Norden statt sich wirklich der irisch/britischen Schule anzubiedern.

DUN RINGILL präsentieren sich auf “Welcome” düster doomig gepaart mit nordischem Folk

“Black Eyed Kids”, die Fantasien dazu zeigten sich wohl schon im Video zu THE ORDER OF ISRAFEL´s Abgehnummer “On Black Wings, A Demon”. Das Riff, der Groove, die Fäuste gehen sofort gen Himmel, der Popo wackelt im schweren Takt, Doomdancing ist angesagt. Nicht überraschend, aber stimmig gibt es einen verträumten Mittelpart, zarte Gitarrenmelodien, eine schüchterne Flöte – und wieder den ebenfalls erwarteten kraftvollen Tritt in den Hintern. Das Ende macht Spaß, ein klassisches BLACK SABBATH-Riff, eingepflegt tolle Southern Rock-Vibes. Nicht verwunderlich, Patrik und Patric spielen gemeinsam in der Band SOUTHERN TRAIN FESTIVAL, wo sie ihre Vorliebe für diesen Sound ausleben. Nordische Folkmelodien, vorgetragen von doomigen Gitarrenwänden, gibt es bei “Open Your Eyes (And See The Happiness And Truth)”. Nöö, es gibt genug Schönes zu erleben, keiner braucht Menschen um sich, die ihm nicht gut tun. “The Door” mit schönem Video, möchte man überhaupt wirklich wissen, was hinter der Fassade unserer Mitmenschen so schlummert? Ein toller Flow, man swingt sofort mit, und wenn der Song zupackt, verknotet man sich die Beine beim Doomdancing. Öffnet man die Tür und der Song bricht ein, dann wird es nicht zart und schön, sondern doomigst zäh, hätte man gern weiter auswalzen können.

Wieder erstaunlich, wie auf dem ganzen Album, wie sich Tomas mit seinen Vocals die Songs zu Eigen macht und sich sehr abwechslungsreich auslebt. Live sicher ein Fest! Wir freuen uns auf die Show in Göteborg! Bei THE ORDER OF ISRAFEL scheiterten manche an den Vocals, hier bei DUN RINGILL passt alles. Was Tomas mit seinen Vocals macht, das erreichen auch die Kollegen, man hört gern genauer hin. Sehr stark das klassische Rock-Drumming von Hans, das Raum lässt für ganz fetten Groove, auf den Punkt kommt oder auch mal herrlich laid back. Zudem ist es ein Fest, den Sound seines fetten Ludwig-Sets zu genießen. Was da aus den paar Toms kommt, das ist klasse. Patriks Bass brummelt sich verspielt durch die Songs, stumpf einen Teppich legen ist nicht sein Ding und passiert nur dann, wenn es der Song braucht. Die Gitarrenarbeit ist so unterschiedlich wie die Gitarristen selber, Patric Grammann meint man an den Southern-Vibes im Spiel zu erkennen. Das einer der Herren einen seltsam-quäkigen Lead-Sound hat, das soll wohl so sein…

Rosinenpopelei, hier ist wirklich alles stimmig. “Snow Of Ashes” fasst als klassischer Doom-Nummer vieles nochmal zusammen, auch hier wird man vom Mittelteil bekuschelt. Da sind sie auch wieder, die angenehmen Southern-Vibes. Gegen das abschließende “The Demon Within” verblasst es hingegen. Patriks Tochter Matilda Winberg steuert Elfenzarte Vocals bei zum einlullenden Intro. Dann wird es zäh, zermürbend, herrlich unbequem. Die Vocals wunderbar irre, der Takt mit so viel Raum, dass es wehtut, die perfekte Vertonung des Songtitels. Zum Ende hin wird Fahrt aufgenommen, die 70er kommen durch, da tönt ein beflügelnder Mix aus URIAH HEEP und BLACK SABBATH. An der Hammond schaut lautstark Per Wiberg (CANDLEMASS, KAMCHATKA, Ex-OPETH, Ex- SPIRITUAL BEGGARS) vorbei. Danach geht der Finger sofort wieder zur Repeat-Taste.

Auf “Welcome” ist alles stimmig, da geht der Finger sofort wieder zur Repeat-Taste

Das vielleicht einzige, was man kritisieren könnte, sind die teils langen Pausen zwischen den Songs. Das gibt jedem Song für sich mehr Raum zu wirken, nimmt aber dem Album als Gesamtwerk etwas die Durchschlagskraft. Egal, Luft zum Durchatmen, denn jeder Song nimmt einen auf seine eigene Weise gefangen. Aufgenommen haben die Jungs “Welcome” mit Julien Fabré, der in Göteborg lebende Franzose hat dem Album einen klaren, aber sehr kraftvollen Sound verpasst. Das hübsche Cover stammt von Niklas Sundin (DARK TRANQUILLITY, LAETHORA), bekannt für seine Bilder für u.a. ARCH ENEMY, ABLAZE MY SORROW, DARK AGE, SENTENCED oder auch IN FLAMES, für die er auch lange die Texte schrieb. Ha, die Vinyl-LP im grell-quitschigen Orange sieht fantastisch aus auf dem Plattenteller!

“Welcome” gehört in jede Doom-Sammlung, aber nicht nur dort hin

DUN RINGILL sind groß, keine Spur von einem Urlaubsprojekt, bis THE ORDER OF ISRAFEL wieder aktiv werden. Man ist gar nicht so weit weg. Statt deren Ausflüge in CATHEDRAL-liken Party-Doom und Hard Rock-Elementen, gibt es hier halt viele wohltuende, tanzbare Folk-Melodien und reichlich Southern Rock in den Gitarren. Das eingebettet ins Grundgerüst Doom. Im Gesamtbild wird einem erst bewusst, wie viel Einfluss Patrik Andersson Winberg und Hans Lilja auf die Musik von THE ORDER OF ISRAFEL hatten. Sie haben für DUN RINGILL zweifelsohne die passenden Mitstreiter gefunden, um diesen Sound weiter auszubauen. Für Doom-Freaks ein Pflichtkauf, aber auch mutige 70er-Hard Rock- und Southern-Fans sollten der Einladung zu “Welcome” folgen.

Veröffentlicht: 01.03.2019

Spielzeit:

Lineup:
Tomas Eriksson – Vocals
Hans Lilja – Drums
Patrik Andersson Winberg – Bass
Jens Florén – Guitar
Tommy Stegemann – Guitar
Patric Grammann – Guitar

Gäste:
Emil Rolof – Piano (1), Mellotron (2)
Björn Johansson – Flute(1)
Per Wiberg – Hammond (6)
Matilda Winberg – Intro Vocals (6)

Produziert von Julien Fabré und Dun Ringill

Label: Argonauta Records

Mehr im Web: www.facebook.com/DunRingillSwe

Die Tracklist von “Welcome”:

1. Welcome To The Fun Fair Horror Time Machine
2. Black Eyed Kids
3. Open Your Eyes (And See The Happiness And Truth)
4. The Door
5. Snow Of Ashes
6. The Demon Within

Frank Hellweg
Frank (“WOSFrank”) ist seit 2002 bei vampster und alt genug, um all die spannenden Bands live gesehen zu haben, als die selber noch jung und wild waren! Er kümmert sich um Reviews, News und andere Artikel sowie um interne Hintergrundarbeit. Lieblingsbands: TROUBLE, CANDLEMASS, BLACK SABBATH, SWALLOW THE SUN. Genres: Doom, Stoner, Classic/Retro/Hard Rock, US/Power Metal, Southern/Blues Rock, Psychedelic/Progressive Rock, Singer/Songwriter.