DGM: Hidden Place

DGM orientieren sich etwas zu deutlich an ihren Vorbildern, um restlos zu überzeugen. Alle, die vom SYMPHONY X-Sound aber immer noch nicht genug bekommen können, dürften auch mit "Hidden Place" keine Probleme haben.

Wer irrigerweise annimmt, aus Italien käme nur Melodic Speed Metal mit Eunuchengesang, der dürfte beim Hören von Hidden Place eine mittlere Überraschung erleben. Statt sich in die endlose Zahl dieser identitätslosen Combos einzureihen, fabrizieren DGM auf ihrer vierten Full-Length-CD eine gelungene Progressive Metal-Melange, für die sie in Japan auch schon hochtrabend als europäische Antwort auf DREAM THEATER und SYMPHONY X bezeichnet wurden.
Und während das Quintett sich auch qualitativ nicht mit den beiden Bands messen lassen kann, so ist der Vergleich, wenn es um die Kategorisierung der Musik geht, gar nicht mal verkehrt. Während insbesondere das ruhige Invisible Rain sowohl hinsichtlich der Piano-Klänge, der Gitarrenharmonien und der Gesangsdarbietung von Titta Tani deutliche Parallelen zum Traumtheater aufweist, so treten doch die SYMPHONY X-Einflüsse um einiges deutlicher hervor. Immer wieder wollen einen das typische, rasante Stakkato-Riffing sowie die für die Amerikaner so typischen kurzen Keyboard-Solo-Intermezzi glauben machen, man habe es mit verloren geglaubten Aufnahmen von Michael Romeo & Co zu tun. Nicht zu letzt aber auch Frontmann Titta Tani, der mit seiner kräftigen und nicht zu hohen Stimme keinerlei gesangstechnische Schwächen vorzuweisen hat, scheint relativ gründlich Russel Allen studiert zu haben, bedient er sich doch gerne ähnlicher Phrasierungen und Gesangslinien,die auch auf einem SYMPHONY X-Album nicht wie ein Fremdkörper wirken würden. Der Opener A Day Without The Sun oder das teils speedige Heaven (mit tollen Gesangsharmonien) seien da nur exemplarisch genannt. Beim abwechlsungsreichen Winter Breeze, welches ruhig beginnt, hat Tani dann aber eindeutig das Überraschungsmoment auf seiner Seite, als er plötzlich, nachdem sich das Stück in seiner Intensität immer weiter gesteigert hat, blackmetallisches Gekreische von sich gibt. Solche genrefremden Elementen hätten DGM ruhig noch etwas öfter verarbeiten können. So klingt das Album leider oft wie ein – wenn auch nicht billiger, sondern gekonnter – Abklatsch der Genregrößen.
Da einige Melodien, aber auch das Gitarrenriffing und das Keyboard-Solo-Gedudel doch ziemlich austauschbar klingen, ist Hidden Place mit Sicherheit auch für Prog-Fans kein Pflichtkauf. Dennoch befinden sich auf dem Album eine ganze Reihe wirklich starker Songs, wie etwa die leicht melancholische und gar nicht mal so proggige Melodic Metal-Perle Hidden Places (mit Ohrwurm-Refrain) oder das balladeske Alone, welches in der Melodieführung etwas an KAMELOT erinnert. Erfreulich an Hidden Place auch, dass sich im Gegensatz zum Keyboarder Saitenhexer Diego Reali mit sinnlosem Solo-Gefrickel einigermaßen zurückhält, sondern auch mal richtig melodische, nachvollziehbare Soli vom Stapel lässt, die einem auch im Ohr hängen bleiben. Bestes Beispiel dafür das Ohrwurm-Solo in Save Me.

DGM orientieren sich etwas zu deutlich an ihren Vorbildern, um restlos zu überzeugen. Alle, die vom SYMPHONY X-Sound aber immer noch nicht genug bekommen können, dürften auch mit Hidden Place keine Probleme haben.

VÖ: 19.05.2003

Spielzeit: 59:55 Min.

Line-Up:
Titta Tani – Vocals
Diego Reali – Guitars
Andrea Arcangeli – Bass
Fabio Sanges – Keyboards
Fabio Costantino – Drums

Produziert von Giuseppe Orlando
Label: Scarlet Records

Homepage: http://www.dgmsite.com

Tracklist:
1. A Day Without The Sun
2. Save Me
3. Hidden Places
4. Invisible Rain
5. Storm #351
6. Heaven
7. Alone
8. Blind!!
9. Age Of The Flame
10. Winter Breeze