Na, letztes Jahr ist es mir passiert: „Georgie And The Dragon“ hieß die EP, die Mr Specter mit CURTA’N WALL rausgehauen hatte, nur ein Jahr nach dem Album „YR GWYDDBWYLL„, diesem geradezu größenwahnsinnigen Versuch, mit den eigenen Mitteln ALESTORM und Konsorten Konkurrenz zu machen – und da war ja auch so einiges dabei: echte Folk-Instrumente, eine elfengleiche Sängerin, ganz viel möglichst klarer Klargesang, kaum noch Black Metal und ein druckvoller, sauberer Klang. Die Begeisterung war groß. Und doch: Irgendwas fehlte. Wer Grime Stone Records, das Label Specters, kennt, wusste irgendwann, was es war: der Dreck. Ohne ihn wissen seine Lieder zwar durchaus auch zu bezaubern, aber es ist wie beim Bier: Ohne die Bitternoten fehlt was, und man kann nicht soviel saufen wie man möchte. Was also tun? Zucker entfernen, back to the roots, Raw Medieval Black Metal, obwohl man da doch irgendwie rausgewachsen war? Ne, oder?
„Georgie And The Dragon“ war genau das: ein Versuch, die eigene Unschuld wiederzuerlangen, indem man alles auf Null setzte. Aber die Unschuld war weg, und die Fans wollten das ganze Paket, geilen Sound, aber bitte nicht zu geilen, geile Melodien, aber bitte ganz viel Gekrächze, und wozu eigentlich diese ganzen echten Instrumente, hä, ein Synthesizer kriegt das doch mindestens genau so gut hin, ach was, viel besser, und kann mir verdamm tnochmal bitte jemand nochmal den Krug vollmachen?!
„Castle Crusher“ – Wunderschön, großartig und absolut geil
Abysmal Specter ist ein Genie und hat den Ruf gehört: „Castle Crusher“ ist, anders als von Vinyl-Label Phantom Lure angekündigt, zwar keine „Full-Length“ (das stellt Abysmal Specter schon im Intro klar, Leute!), aber ein 20minütiges verficktes Meisterwerk, und wer was anderes behauptet, kriegt eins mit dem Morgenstern. Denn hier sind acht Songs drauf, und alle acht sind perfekt.
Ja, selbst die ohne offensichtliche schöne Melodien. Denn die haben schöne Rhythmen und Sounds (und schöne Melodien). Und einen guten klaren Klang, der an „Siege Ubsessed!“, das eigentliche Meisterwerk CURTA’N WALLs, erinnert, aber ihn noch verfeinert: Schlagzeug und Gitarren klingen klar und druckvoll, aber reduziert, und einen Bass braucht man im Mittelalter nicht wirklich, denn sämtliche Feinde sind bereits durch Axt und Amboss – nun ja – gecrusht worden, angelockt von den Synthesizer-Sirenen, die Specter seine Freundinnen zu nennen die Ehre hat.
Denn das ist in der Tat das Großartige und Neue an diesem Release: CURTA’N WALL weiß, was es kann, hat sich ausprobiert in jeder Hinsicht und setzt seine Mittel nun bewusst ein, und dann hören wir ein fieses Black-Metal-Stück wie „Kingdom Come“ ebenso gerne wie einen spaßigen Mittelalter-Folk-Synthie-Klopper wie „The Holy Grail“, und danach verzaubert uns „Ye Olde Roman Road“ als reines Akustik-Folk-Stück. Das ist wunderschön, großartig und absolut geil und genau das, was ich von CURTA’N WALL hören will. Ach, das Ganze dauert nur 20 Minuten? Ja, schade, aber es ist alles drin, und Abysmal Specter ist so kreativ, dass die nächste EP, das nächste Album oder was auch immer jederzeit erscheinen könnte, denn Grime Stone Records geben ja auch einen gepflegten Fick auf Veröffentlichungskonventionen.
Also alles geil? Na ja: die „Wizard Party“ von DJ JOHN am Ende hätte ich jetzt nicht unbedingt noch gebraucht. Insofern werft ihm bitte jetzt einen Dollar Fuffzig in den Rachen und genießt die beste Mittelalter-Metal-EP des Jahres. Danke!
Spielzeit: 23:07 Min.
Veröffentlichungsdatum: 20.03.2026
Labels: Grime Stone Records (digital & Kassette), Phantom Lure (Vinyl)
https://grimestone.bandcamp.com/album/curtan-wall-castle-crusher
Tracklist – CURTA’N WALL – „Castle Crusher“
1. Introduction to the Program
2. Wizard Party
3. Kingdom Come
4. Clover’s Tower (ft. Count Jeffrey)
5. The Holy Grail
6. Ye Olde Roman Road
7. Castle Crusher!
8. Brick By Brick
9. Breaking Wheel
10. Wizard Party (DJ JOHN Remix)