CALLEJÓN: Blitzkreuz

Ein starkes, melodisches Metalcore-Album abseits ausgetretener Genre-Pfade.

Bereits mit dem Vorgänger Videodrom war die deutsche Metalcore-Band CALLEJÓN (auf Deutsch: (Sack-)Gasse) auf einem beachtlichen 31. Platz in den deutschen Charts eingestiegen, der Überhit Sommer, Liebe, Kokain schaffte es gar bis auf die Tanzflächen der Metaldiscos. Durch die Zusammenarbeit mit Produzent Colin Richardson (u.a. MACHINE HEAD, SLIPKNOT, TRIVIUM) wird deutlich, dass nun mit Blitzkreuz der nächste große Schritt in Richtung Erfolg kommen soll. Zudem wird dadurch ein großer Makel von Videodrom, die matschige Produktion, ausgeräumt und durch einen glasklaren Sound ersetzt.

Musikalisch setzen CALLEJÓN auf ihr bewährtes Konzept zwischen harten Songs und melodischeren Einschüben. Der vorab veröffentlichte Titelsong ist gleich mal ein Volltreffer und gehört zu den absolut besten Songs der Band, doch auch weitere härtere Songs wie Kojote U.G.L.Y., Atlantis und Bring Mich Fort sind auf allerhöchstem Niveau. Doch auch das etwas ruhigere, mit einem leichten Punk-Einschlag versehene Vergissmeinnicht weiß zu überzeugen. Auf etwaige Peinlichkeiten wie langweiliges Breakdown-Gewitter verzichten CALLEJÓN zum Glück völlig, im Gegenteil, sie überzeugen mit innovativen Riffs, schönen Melodien und packenden Ohrwurmrefrains.

 Eine interessante Kombination findet sich bei Porn From Spain 2. War bei Porn From Spain, zu finden auf ihrem Zweitwerk Zombiactionhauptquartier, nur der Berliner Rapper K.I.Z. dabei, sind nun zusätzlich noch Mille von KREATOR und Sebastian von Madsen mit an Bord. Gute, ungewöhnliche Nummer, aber nicht herausragend, und auch nicht ganz auf der Höhe der ersten Variante. Leider gibt es neben dem nichtssagenden Bevor Du Gehst noch zwei weitere Tiefpunkte zu vermelden. Das mit Streicher- und Pianoeinlagen versehene, abschließende Kind Im Nebel ertrinkt mit seinem von Pathos triefenden Text rettungslos im Kitsch, während mich der grausame, fast schon schlagerhafte Refrain des viel zu poppigen Meine Liebe bei jedem Durchlauf einen kompletten Satz Fußnägel kostet.

Um CALIBAN vom recht unangefochtenen (HEAVEN SHALL BURN spielen längst in einer eigenen Liga, NEAERA haben mit Metalcore nur noch am Rande zu tun) nationalen Thron des klassischen Metalcore zu stürzen reicht es mit Blitzkreuz noch nicht. Doch die Songs zünden, die Texte, bei deutschsprachigem Metal gerne eine Schwachstelle, sind – wie gewohnt – mal nachdenklich, mal provokant, doch immer klug formuliert, und somit sollte es für Anhänger moderner Klänge keinen Grund geben, hier nicht reinzuhören.

Veröffentlichungstermin: 15.06.2012

Spielzeit: 43:35 Min.

Line-Up:
BastiBasti – Vocals
Bernhard Horn – Guitars
Christoph Kotsche Koterzina – Guitars
Thorsten Becker – Bass
Max Kotze Kotzmann – Drums

Produziert von Colin Richardson
Label: Nuclear Blast Records

Homepage: http://www.callejon.de/

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/callejonofficial

Tracklist:

01. Blitzkreuz
02. Kojote U.G.L.Y.
03. Meine Liebe
04. Atlantis
05. Vergissmeinnicht
06. Porn From Spain 2
07. Bevor Du Gehst
08. Polar
09. Was Bleibt Seid Ihr
10. Bring Mich Fort
11. Kind Im Nebel