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BONG-RA: Esoterik

Ein Gegenentwurf zu „Black Noise“: BONG-RA experimentieren auf „Esoterik“ mit Industrial, und schrecken dabei nicht vor Drones und Darkjazz zurück. Ein schwer zu knackende Nuss, selbst für hartgesottene Hörer*innen.

Einem produktiven und offenen Geist wie Jason Köhnen gehen die Möglichkeiten, Musik zu kreieren und zu dekonstruieren nicht aus. Somit erfindet sich der Niederländer mit seinen zahlreichen Projekten regelmäßig neu, ohne dass er von seiner Linie abweicht. Hauptsache: Pechschwarz. Diese Varianz ist selbst in seinem Industrial/Breakcore-Projekt BONG-RA spürbar. Nur etwas mehr als ein Jahr trennt „Esoterik“ von seinem Vorgänger „Black Noise“, offensichtlich ist das eine Album ohne das andere nicht vollständig, auch wenn die Ausrichtung eine andere ist. „Esoterik“ ist ein bizarres Gebet, ein spirituelles Album, ein abgründiger Ritus, ein hypnotischer Choral.

BONG-RA weiten das stilistische Feld: „Esoterik“ ist sowohl ein psychedelischer Trip, als auch brachial heavy.

Drones, repetitive Rhythmen, brachiale Riffs und heisere Growls leiten durch das Album, verglichen mit „Black Noise“ ist die Aggression aber zurückgefahren, auch wenn der mit Dissonanzen gespickte Opener „Harmony Cloak“ zuckt und drückt. Schon hier klingt „Esoterik“ eher nach einem psychedelischen Trip, als nach Standard-Industrial, mit Chören und Saxofon dazwischen. Köhnen, der durch seine zahlreichen anderen Projekte BONG-RA auf natürliche Weise weit öffnet, bis fern abseits von Industrial, lässt auch – wie sollte es anders sein? – Darkjazz einfließen, nicht nur in Form von Colin Websters Saxofon. In „Pleasures Of The Flesh“ kommen die Maschinen zum Stehen, und Erinnerungen an THE LOVECRAFT SEXTET und THE KILIMANJARO DARKJAZZ ENSEMBLE werden wach.

Verglichen mit dem kompakten und relativ eingängigen „Black Noise“ ist „Esoterik“ schwer verdaulich und monolithisch. Es besteht eher eine Verwandtschaft zu „Hymns“ von GODFLESH und liegt an der Grenze zwischen karger Brutalität und Introspektion. „Duality Of One“ hat diesen monotonen Sprechgesang, der unter die Haut kriecht. Es verändert sich zusehends, findet aber immer wieder zum Ausgangsmoment zurück. „Esoterik“ lässt sich nur langsam greifen und verweigert sich immer wieder. „Machine Halo“ ist dann eine Doom-Sludge-Variante des Industrial, ein trostloses Stück, das durch psychedelische Momente ergänzt wurde, und in einer Kakophonie gipfelt.

„Esoterik“ gräbt tief zwischen den Genres: Selbst offenen Geister liegt dieses BONG-RA-Album schwer im Magen.

Zu behaupten, „Esoterik“ wäre ein ungewöhnliches Album, wäre maßlos untertrieben. Zwischen Doom, Drone, Industrial und Darkjazz liegt dieses tief grabende, schwer verdauliche Album, das BONG-RA äußerst eigenständig präsentiert. In diese vierzig Minuten hineinzufinden ist entsprechend schwierig, da Jason Köhnen selbst die Hörgewohnheiten offener Geister herausfordert. Dabei passiert mehr in diesen fünf Songs, als es zunächst den Anschein macht. Es braucht Ausdauer, um „Esoterik“ wertschätzen zu lernen. Doch egal wie tief BONG-RA auf diesem Album graben, mit der spirituellen Kraft von Justin Broadricks Projekten und BLUT AUS NORDs „777-Trilogie“, oder der Durchschlagskraft von AUTHOR & PUNISHER kann „Esoterik“ nicht mithalten. Weil Köhnen aber Köhnen ist und ausschließlich Musik, die Hand und Fuß hat, präsentiert, ist dieses Album für alle geeignet, die Industrial komplex, atmosphärisch und heavy mögen.

Wertung: 3,5 von 5 klandestine Riten

VÖ: 20. März 2026

Spielzeit: 39:26

Line-Up:
Jason Köhnen – Guitar, Bass, Programming, Synths, Vocals

Gastmusiker:
Botond Fogl – Baritone Guitar
Colin Webster – Saxophone

Label: Debemur Morti Productions

BONG-RA „Esoterik“ Tracklist

1. Harmony Cloak
2. Pleasures Of The Flesh (Official Video bei Youtube) 
3. Serpentine Helix
4. Duality Of One (Official Video bei Youtube) 
5. Machine Halo

BONG-RA „Esoterik“ Full Album Stream bei Youtube 

Mehr im Netz:

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