AL DI MEOLA: Across The Universe

AL DI MEOLA: Across The Universe

Mit AL DI MEOLA ist das ja so eine Sache. Freunde von World- und Fusion Music und vor allem Musiker, da vor allem Gitarristen sind entzückt, wenn der Name des Italo-amerikanischen Ausnahmemusikers fällt. Und dann gibt es die zahllosen „normalen“ Musikfans, die mit dem Gitarrengedudel nichts anfangen können und so schnell das Weite suchen, wie die Finger von MEOLA die Töne auf dem Hals seiner Gitarre. Egal, ob man nun vom Jazz kommt, sonnige Flamencoklänge liebt oder doch eher zur harten Garde der Metalhelden gehört – von dem Schaffen dieses Mannes und der spielerischen Finesse, gepaart mit grenzenlosem Feeling und unfassbarem Highspeed-Shredding kann man nur Respekt haben. Aber auch er zeigt Respekt, nun mit „Across The Universe“ zum zweiten Mal vor den BEATLES. Bereits 2013 tat er dies mit dem rein akustischen Album „All Your Life – A Tribute To The Beatles“. Sie waren letztendlich der Auslöser, dass er Profi-Musiker wurde.

AL DI MEOLA drückt BEATLES-Songs seinen eigenen Stempel auf

Nun nimmt er sich abermals Songs der Pilzköpfe vor, geht aber deutlich energischer und lauter zur Sache, um einigen ihrer Hits, aber auch weniger abgenudelten Songs seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Und das gelingt AL DI MEOLA wenig überraschend ausgezeichnet! Ein kurzer Auftakt im Latino-Style führt erst in die Irre, aber dann kommt sie, diese einnehmende Melodie von „Here Comes The Sun“. MEOLA beginnt schamlos, den Song zu zerlegen, spielt mit sich, gegen sich, ein knurrender Rickenbacker-Bass, ein Turm aus Saitenklängen baut sich auf. Und verleiht diesem so vertrauten Song ein ganz eigenes Leben, bis einen die bekannte Melodie wieder erinnert, wo man gerade ist. „Golden Slumbers Medley“ lullt einen unabwendbar ein, auch dieser Song vom „Abbey Road“-Kultalbum als Sammlung verschiedener Parts klingt hier sehr eigen und weiss auch in dieser Form zu gefallen. Wie auch all die Hits, „Norwegian Woods“ mit exotischem Touch, das beswingte „Strawberry Fields Forever“. Unvermeidbar die Evergreens „Yesterday“, hier mit Latino-Flair, oder das in eine spinnige Jazzorgie abdriftende „Hej Jude“ mit fordernden Akkordeon-Einlagen.

„Across The Universe“ ist eine bunte Mischung instrumentaler Kunst

Aber da ist noch viel mehr, gerade in den Momenten, wo MEOLA nicht so bekannten Songs neues Leben einhaucht. Beim tänzelnden „Dear Prudence“ seinen flinken Fingern zuzuhören ist Wahnsinn, ob „Julia“ eine feurige Latina war? Klingt so, das Akkordeon lässt sie vor dem geistigen Auge tanzen. Wunderschön klassisch das akustische „Here, There And Everywhere“, vielleicht ein Überbleibsel der „All Your Life“-Session? Lustig kann Herr Meola auch, zum Ausklang gibt es eine kurze Sequenz zu „Octopus´s Garden“. Hier hat er aufgenommen, wie seine Tochter Ava mit zarten 3 Jahren hinten im Auto eben dieses Lied gesungen hat. So geht man mit einem Schmunzeln aus dem Album, das ansonsten auch mal sehr fordernd sein kann, gerade wenn AL DI MEOLA es laufen lässt oder in jazzige Spinnereien abdriftet. All diese Momente aufzugreifen, zu entdecken und zu verstehen, das lädt einen immer wieder neu ein, das Album konzentriert zu hören. Das meiste hat der Ausnahmemusiker selbst aufgenommen, hier und da gab es Gäste, um die Lieder noch bunter zu machen.

AL DI MEOLA bietet Musik für Genießer!

So ist es wieder mal faszinierend, was uns AL DI MEOLA präsentiert. Musikalisch kann man nur staunen, was der Mann hier wieder bietet und damit – das war ja der Plan – die BEATLES ehrt. Das alles kommt in einem wunderbar warmen, differenzierten Sound, der hier auf Vinyl richtig lebt. Da wurde nichts groß- oder gar totproduziert, hier klingt eine Les Paul direkt ohne Schnickschnack im Marschall eben so, wie sie auch zuhause klingt. Und auch die Aufmachung von „Across The Universe“ ist sehr edel, die Plattenhüllen zieren Fotos, die zwei Platten auszupacken macht schon Spaß. Wie eben das ganze Album, dass jeden offenen Musikfan begeistern sollte und BEATLES-Fans die Songs ihrer Helden neu entdecken lässt. Nun ja, als AL DI MEOLA-Bewunderer kommt man eh nicht daran vorbei, dieses Album zu genießen. Wer als Normalo mit diesem Gitarrengedudel nicht klar kommt, der wird auch hier nicht die Klasse dieses Musikers verstehen, aber für diese Musikhörer spielt AL DI MEOLA auch nicht. Musik für Genießer!

Veröffentlichung am 13.03.2020

Spielzeit: 61:46 Min.

Lineup:
Al Di Meola – Guitars, Bass, Keyboards, Percussion, Drums, Vocals

Gäste:
Budapest Strings
Brass Members of the New Jersey Philharmonic
Valentina Di Meola, Hernan Romero – Voices
Amit Kavthekar – Tabla
Derek Wieland – Brass Section
Hernan Romero – Chaka strums, Palmas
Fausto Beccalossi – Accordion
Randy Brecker – Trumpet
Ava Di Meola – Vocals

Label: ear Music

Homepage: https://www.aldimeola.com

Mehr im Web: https://www.facebook.com/AlDiMeolaMusic

Die Tracklist von „Across The Universe“:

1. Here Comes The Sun
2. Golden Slumbers Medley
3. Dear Prudence
4. Norwegian Wood
5. Mother Nature´s Son
6. Strawberry Fields Forever (Video bei youtube)
7. Yesterday (Audio bei youtube)
8. Your Mother Should Know
9. Hey Jude
10. I´ll Follow The Sun
11. Julia
12. Till There Was You
13. Here, There And Everywhere
14. Octopus´s Garden

Frank Hellweg
Frank (“WOSFrank”) ist seit 2002 bei vampster und alt genug, um all die spannenden Bands live gesehen zu haben, als die selber noch jung und wild waren! Er kümmert sich um Reviews, News und andere Artikel sowie um interne Hintergrundarbeit. Lieblingsbands: TROUBLE, CANDLEMASS, BLACK SABBATH, SWALLOW THE SUN. Genres: Doom, Stoner, Classic/Retro/Hard Rock, US/Power Metal, Southern/Blues Rock, Psychedelic/Progressive Rock, Singer/Songwriter.