KNOCK OUT FESTIVAL: Schwarzwaldhalle, Karlsruhe, 19.12.2015

KNOCK OUT FESTIVAL: Schwarzwaldhalle, Karlsruhe, 19.12.2015

Reibungslos organisiert und musikalisch gut besetzt bescherte das KNOCK OUT FESTIVAL 2015 alles, was das Metal-Herz begehrt. Die zentral gelegene Schwarzwaldhalle hatte genau die richtige sprich stimmungsförderliche, aber nicht beengende Größe. Bei einem Programm, das von 17 bis 1 Uhr durchläuft, war der wahre Gewinner der Biergarten in der direkt angeschlossenen Nebenhalle. Hier waren die Essensstände sowie zahlreiche Bänke und Tische angesiedelt. Selbst zu den Stoßzeiten der Umbaupausen gab es genügend Platz für Fußmüde bzw. hungrige Banger. Man hörte von den Bands zwar nichts mehr, doch auch das hatte Vorteile. Weder musste man seine Bestellungen aus voller Kehle brüllen, noch litten die Ohren unter Dauerbeschallung. Zudem gab es an den geschickt über das Areal verteilten Getränkeständen keine nennenswerten Schlangen – und das trotz der durchgängig hohen Nachfrage nach Gerstensaft. Die gelungene Organisation hat sicher einen wesentlichen Teil dazu beigetragen, dass die Stimmung durchweg positiv und angenehm war. Bei vier- bis fünftausend Besuchern erübrigte sich dann auch die Frage, ob der Metal nun tot ist oder nicht. An diesem Abend lebte er, etwas älter, ja, aber vital und munter!

ORPHANED LAND

Die aktuelle Besetzung von ORPHANED LAND präsentierte sich dem Karlsruher Publikum bestens eingespielt. Die Atmosphäre in der Halle war schon beim Opener All Is One locker und wohlwollend. Der Sound war laut, alle hatten ihren Spaß. So vergingen die 40 Minuten Spielzeit wie im Fluge. Als Sänger Kobi Farhi den letzten Song Norra el Norra (Entering The Ark) ankündigte, würdigten die Zuhörer das mit mehr als reinem Höflichkeitsapplaus. Angesichts der fast schon überschwänglichen Reaktionen möchte ich gar nicht groß über den Einsatz von Keyboard- und Gesangsspuren vom Band monieren.

ORPHANED LAND konnten als erste Band gleich einen Großteil des Publikums begeistern.

AXXIS

Musikalisch boten AXXIS wie erwartet melodischen Metal nach DIN 1988. Klar, dass hier Parallelen zu Landsmännern wie SCORPIONS oder RUNNING WILD durchklangen. Kitschige Keyboards nahmen den Songs die Heaviness, während der druckvolle Sound und der kraftvolle Gesang klar im Heavy Metal verortet waren. Dank der eingängigen Refrains war der Auftritt auch für alle, die mit der Band wenig vertraut waren, sehr unterhaltsam. Sänger Bernhard Weiß, der ansonsten auch als Moderator durch den Abend führte, stand klar im Mittelpunkt der Show. Natürlich ist die Musik wichtig, aber mit seinen sympathischen Ansagen traf er genau den richtigen Ton. So erhielten auch AXXIS reichlich Publikumszuspruch. Als dann auch noch ein achtjähriger Junge aus dem Publikum als spontaner Gastmusiker auf die Bühne geholt und für Touch The Rainbow mit einem Tamburin ausgestattet wurde, hatte wirklich jeder in der Halle ein Grinsen im Gesicht. Nach einer Reise durch die Bandgeschichte (u.a. mit dem griffigen Hall Of Fame, dem stampfenden Heavy Rain und dem flotten Tales Of Glory Island) beendete der Klassiker Kingdom Of The Night einen starken Auftritt.

AXXIS
AXXIS lieferten den kommunikativsten Auftritt des Abends ab.

RAGE MEETS REFUGE

Der Auftritt von RAGE verband alle Vor- und Nachteile von Festivalauftritten miteinander. Die neue Besetzung mit Marcos Rodriguez an der Gitarre und Vassilios Lucky Maniatopoulos am Schlagzeug konnte sich einem großen Publikum vorstellen, ohne gleich neues Material vorstellen zu müssen. Mit Black In Mind ging auch gleich die Post ab. Over And Over, Sent By The Devil und End Of All Days klangen frisch, zumal die beiden Neulinge Bandchef Peavy gesanglich gerade in den höheren Lagen unterstützten. Wie angekündigt gesellten sich anschließend die beiden Ex-RAGEler und Jetzt-REFUGEler Manni Schmidt (Gitarre, Ex-GRAVE DIGGER) und Efti (Schlagzeug, TRI STATE CORNER) mit auf die Bühne, und zu fünft präsentierte man Shame On You. In der alten Trio-Besetzung ging es dann weiter mit Solitary Man, Firestorm, Don´t Fear The Winter und Refuge. Zum Schluss waren wieder alle fünf Musiker auf der Bühne und verabschiedeten sich mit Higher Than The Sky.

Der Auftritt machte allen Spaß, keine Frage. Er war aber auch recht kurz, zumal wertvolle Spielzeit mit einem längeren Intro vergeudet wurde. Bei Headliner-Auftritten von RAGE bzw. REFUGE bekommt man ein ungleich facettenreicheres Programm geboten. Freilich fehlt dann das Gefühl, das entsteht, wenn Tausende Kehlen Higher Than The Sky mitsingen. Für mich persönlich dominierte hier klar der Nostalgie-Faktor, waren RAGE 1993 doch eine der ersten Metal-Bands, die ich live auf einer Clubbühne erleben durfte.

RAGE
Für Shame On You und Higher Than The Sky standen RAGE zu fünft auf der Bühne.

D-A-D

D-A-D lieferten den bodenständigsten Auftritt des Abends ab, viel Rock, viel Feeling, lockere Stimmung auf und vor der Bühne. Ich schenkte mir aus Konditionsgründen weite Teile der Show, kam aber noch rechtzeitig zum Hit/Rausschmeißer Sleeping My Day Away in die Halle zurück. Nicht weltbewegend, aber solide.

D-A-D
D-A-D waren dieses Jahr beim KNOCK OUT FESTIVAL für den bodenständigen Rock zuständig.

OPERATION:MINDCRIME

Auch die Stücke vom neuen OPERATION:MINDCRIME-Album The Key gehörten zu den Festivalopfern. Statt aktueller Songs spielte Ex-QUEENSRYCHE-Sänger Geoff Tate das komplette Operation: Mindcrime-Album. Nicht wenige Fans im Publikum sangen jedes Wort mit. Ein Hauch von Magie lag in der Luft. Doch dieser Hauch täuschte nicht darüber hinweg, dass die Bandchemie fehlte, und dass Tate stimmlich nicht mehr so fit ist wie auf den 1988er-Aufnahmen. Das Timbre war freilich noch da – und in Sachen Bühnenpräsenz ist der Irokesenfrisurträger ein alter Hase. Insofern war der Auftritt bestens Festival-geeignet, zumal zum Schluss nach dem ergreifenden Eyes Of A Stranger mit Empire noch ein bärenstarker Rausschmeißer kam. Da war es dann auch egal, ob es Magie oder Nostalgie war, die einen Großteil der Zuhörer bei der Stange hielt. Ähnlich wie bei RAGE blieb freilich auch hier die Frage, ob die Welt neues Material der Combo braucht, unbeantwortet.

“OPERATION:MINDCRIME
OPERATION:MINDRCIME spielten das gleichnamige Album und boten damit typische Festivalkost, die man sich gerne anhörte, wegen der allein man aber wohl nicht extra zu einem Konzert gereist wäre.

 

BLIND GUARDIAN

Nach fast 100 Konzerten war dies der vorletzte Auftritt der blinden Wächter dieses Jahr. Müdigkeit machte sich jedoch nicht auf der Bühne breit – nur in meinen Füßen. Aber egal. BLIND GUARDIAN haben sich im Lauf der Zeit zu einer richtig starken Live-Band entwickelt, allen voran Sänger Hansi Kürsch, der im Gegensatz zu vielen Kollegen (Peavy, Tate…) live stetig besser und versierter wurde. Auch in Karlsruhe ließ der Frontmann nichts anbrennen. Egal ob es die hohen Schreie bei Tanelorn (Into The Void) oder die variablen Charaktere bei Time Stands Still (At The Iron Hill) waren, alles saß. Selbstverständlich unterstütze das Publikum als überdimensionierter, alkoholisierter Chor das musikalische Geschehen. Den Höhepunkt erreichte das Ganze bei Lord Of The Rings und Valhalla. Hier hätte auch ein Stromausfall den Geräuschpegel nicht merklich gesenkt. Die Setlist bot eine schöne Mischung aus alten Gassenhauern (Lost In The Twilight Hall, Banish From Sanctuary), Mitsingsongs (Nightfall, The Bard´s Song – In The Forest) und neueren Stücken (Prophecies), wobei letztere klar in der Minderheit waren. Nach anderthalb Stunden und einer gewohnt starken Darbietung von Mirror Mirror war eigentlich Schluss. Doch die Stimmung war so gut, dass spontan noch der Oldie Majesty ausgepackt und die Sperrstunde um zehn Minuten nach hinten verschoben wurde.

Alles in allem war das KNOCK OUT FESTIVAL 2015 somit ein kurzweiliges, unterhaltsames Unterfangen. Bei aller Nostalgie schimmerte hier und da auch aktuelles Material durch, wobei das Traditionsbewusstsein sicher zu den Stärken des Heavy Metal an sich gehört. Statt kurzlebiger Trends gab es Musik, die ein Großteil der Anwesenden auch schon vor 20 Jahren begeistert gehört und live abgefeiert hat.

Fotos: Jutze/vampster.com 

BLIND
Der Headliner BLIND GUARDIAN ließ nichts anbrennen und brachte noch mal das gesamte Publikum dazu, Fantasy-Hymnen wie Valhalla und The Last Candle mitzusingen.
 
 

Teilen macht Freude: