CHRISTIAN STEIFFEN: Ferien vom Rock`n Roll- Tour

CHRISTIAN STEIFFEN: Ferien vom Rock`n Roll- Tour

Es war wieder ein sehr besonderer Abend. Ist der Christianisierungsprozess einmal in Gang gekommen, gibt es kein Entkommen. Ich selbst habe bereits Stufe drei eben jener Christianisierung erreicht. Der Auftritt am 31.05.2018 im Kleinen Klub der Saarbrücker Garage war für Hardy Schwetter alias CHRISTIAN STEIFFEN und das ihn live begleitende ORIGINAL HASELAND ORCHESTER ein erstes Mal. Und das obwohl die „Ferien vom Rock`n Roll“-Tour nicht nur gefühlt seit Jahren läuft. Der Mann der nach eigenen Angaben von allen Frauen UND Männern gewollt wird, zieht das Publikum mit seiner sexy Überheblichkeit ziemlich machomäßig in den Bann. Faszinierend!

Als ich den Kleinen Klub betrat, stachen mir sofort rote, grüne und rosa Hemden ins Auge und ich wurde auch gleich darauf von einem Grünhemd angesprochen. Offensichtlich handelte es sich um einen CHRISTIAN STEIFFEN Fan-Club:“ Nein, wir sind kein Fan-Club, wir fahren nur zu den Konzerten, haben einen STEIFFEN-Bus mit STEIFFEN-Kennzeichen und später steigt die CHRISTIAN STEIFFEN Party. Komm doch mit!“ Nettes Angebot, trotzdem: Nein danke! Für jemanden, der in diesem Etablissement für gewöhnlich vor Bands wie SACRED REICH und Co. steht, doch etwas merkwürdig.

Zum allerersten Mal gab es eine Absperrung aus Metall vor der Bühne. Braucht es die wirklich? Das einzige was an „normalerweise“ erinnerte, war der klebende Fußboden. Doch eins war klar: Das Publikum freute sich auf die ausverkaufte Show. Der Vorab-Gesang der Fans hörte sich ein wenig nach einem Medley quer durch die beiden Alben „Arbeiter der Liebe“ und „Ferien vom Rock`n Roll“ an. Ich stand in der zweiten oder dritten Reihe vor der Bühne, als ich von einer silbern glitzernden Dame angesprochen wurde. Es war wohl ihr erstes Mal und sie hatte gehört, man -also Frau- könne „Du und Ich“ mit ihm gemeinsam auf der Bühne singen. Anscheinend hatte sie mir trotz meines DEATH ANGEL-Shirts die fortgeschrittene Christianisierung angesehen. Und ja, ich konnte ihr Tipps geben! Hätte sie besser zugehört, wäre sie eine Stunde später nicht gleich wieder von der Bühne geschickt worden. Tja.

Es ging los wie gewohnt mit “ Wie gut, dass ich hier bin“. Nun ja, bietet sich auch irgendwie an. Das Lied wurde begleitet von Pfiffen, lautem Mitgesang und sogar den „Christian, ich liebe dich!“-Rufen eines Mannes. „Ich hab die ganze Nacht von mir geträumt“ löste den Opener ab.

Gutes Aussehen + Herrenmode Dresden = Gutes Aussehen!

Wir lernten von Herrn STEIFFEN anschließend was Mann braucht um gut auszusehen: 1. Gutes Aussehen und 2. Herrenmode Dresden. Woraufhin die ersten „Ausziehen!“-Rufe folgten. Und bei „Ein Glück, dass wir nie was miteinander hatten“ denke er immer an einen ganz bestimmten Menschen. Mehr durften wir dazu leider nicht erfahren. Aber wer noch am Anfang der Christianisierug stand, durfte gespannt der Geschichte lauschen,wie CHRISTIAN SEIFFENs Freundin 1996 Schluss gemacht hat. Es folgte „Sexualverkehr“. „Arbeiter der Liebe“ wurde drangeknallt. Der Kleine Klub tropfte und tobte. Was kühlt da besser ab als „Eine Flasche Bier“?! Irgendwo mittendrin wechselten die Lyrics ins französische. Aber auch das stellte so grenznah kein Problem dar! Und schwupps, stand Frau Glitzer vom Beginn auf der Bühne. Wie schon erwähnt! Hätte sie mir nur besser zugehört! Die nächste hatte Sonnenblumen in den Haaren und machte ihre Aufgabe gut. Ich hatte mich mittlerweile etwas nach hinten gekämpft und sah, wie auch die Männer am Mischpult ganz offensichtlich ihren Spaß hatten.

Er hat „Die dicksten Eier der Welt“, aber das Publikum flirtet mit dem HASELAND ORCHESTER!

„Die dicksten Eier der Welt“ wurden von „Selbstmitleid“ abgelöst. Herr STEIFFEN bat die laute Fangemeinde auf „HASELAND“-Rufe zu verzichten, da Herr Haselandorchester sonst womöglich noch Geld für die Show wolle. Er sei zwar sein bester Freund und er habe ihn von der Tanzmusik weggeholt, aber das hieße ja nicht, dass er ihn auch bezahlen wolle. „Die faule Sau“ ließ die Lauschenden erneut toben. Wir erfuhren, dass dieses Programm an jenem Abend so zum letzten Mal gespielt wurde und ein neues Album in der Mache sei. „Champagner und Kaviar“ gabs trotzdem oder gerade deshalb. Wenn das kein Grund zum Feiern ist! Erste Zugabe-Rufe hallten durch die Songpause. Aber so weit waren wir noch nicht. „Ich fühl mich Disco“ und „Ich hab dir den Mond gekauft“ folgten. „Du hasst die Menschen einfach gern“ kam ebenfalls gut an und „Ich habe Haschisch probiert“ wurde vom Publikum lautstark mit „Scheiß egal!“-Rufen unterstützt, was vorher nur angekündigt, aber nicht geübt werden musste. So langsam fing auch CHRISTIAN STEIFFEN auf der Bühne an zu tropfen. Das Hemd war bereits offen und „Ich weiß, was ich weiß“ ließ ihn zu Höchstform auflaufen.

CHRISTIAN STEIFFEN macht „Ferien vom Rock`n Roll“ in Saarbrücken!

Danach beendete er die Show und diesen Lebensabschnitt, der bei ihm mit Mitte 10 begonnen hatte und nun quasi in den Urlaub geschickt wird. „Ferien vom Rock`n Roll“ war der letzte Titel vor den Zugaben. Hr. STEIFFEN zog unter lautem Geschrei und schrillen Pfiffen sein Jackett wieder an, um es sich bei „Ich fühl mich Disco“ vom Körper zu reißen. Erneute Zugabe-Rufe und Pfiffe folgten. Wer sich beim Vorgänger-Song noch nicht zum Affen gemacht hatte, bekam nun die finale Chance dazu und die Möglichkeit sich der heilenden Kraft der Polonaise hinzugeben, begleitet vom „Eine Flasche Bier“-Marsch. „Träum von mir ein Leben lang“ ließ die Fans ausflippen. Anschließend erfuhren wir, dass Saarbrücken wohl frühestens im übernächsten Jahr erneut besungen wird, man müsse sich ja schließlich um Städte wie Köln, Berlin und Hamburg kümmern. Aha. Und dann beendete der König der Rhythmen „Dankeschön!“ den gelungenen und sehr lustigen Abend!!!

Fotos: Anke Braun/ vampster.com