STYGMA IV: Die schmutzigen kleinen Gedanken

STYGMA IV: Die schmutzigen kleinen Gedanken

Die Österreicher STYGMA IV waren in ihrer bisherigen Bandgeschichte wirklich alles andere als Glückspilze. Die Karriere hatte zwar ganz gut gestartet, als das Rock Hard einen Song des selbstproduzierten Albums Solum Mente Infirmis auf ihren ersten Unerhört-Sampler packte, doch das Business machte der Band immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Doch nun scheinen die Probleme endlich aus der Welt geschaffen zu sein und mit The Human Twilight Zone hat die Band genau das richtige Album ins Spiel gebracht, mit dem sich nun endlich der wohlverdiente Erfolg einstellen könnte.

Zu Beginn des Interviews kann ich es mir natürlich nicht verkneifen, der Band erst mal zum zweiten Album unter ein und demselben Bandnamen zu gratulieren, was bei Ritchie erst mal ein etwas gequältes Lachen hervorruft…

Vermutlich werdet ihr damit zur Zeit ständig konfrontiert. Kotzt euch das inzwischen schon an, dass ihr als die Band geltet, die mit jedem Album einen neuen Namen ankommt?

Naja, es kotzt mich dann und wann an, wenn einer vier Zeilen über den Namenswechsel schreibt, aber nichts über die Musik. Wenn über das Album ausführlich berichtet wird, dann ist mir das eigentlich egal. Die Frage gehört eben irgendwie dazu.

Gut, dann reden wir doch gleich über die Musik…zu Solum Mente Infirmis-Zeiten habt ihr mal gemeint, dass ihr in Zukunft etwas straighter werden wollt. Ich persönlich hab das bei den letzten Alben nie so mitbekommen und vor allem bei The Human Twilight Zone jetzt würde ich nicht unbedingt von einem straighten Album sprechen.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich schon denke, dass Phobia eindeutig – wenn ich das mal so sagen darf – das straighteste Album in der Bandgeschichte war. Es ist eben so, dass wir bei Solum Mente gemerkt haben, dass die Leute mit dem Material zum Teil ein wenig überfordert waren. Auf Court of Eternity war es dann genau richtig. Nach Court of Eternity hatten wir dann eine lange Pause und haben bei Phobia versucht, das ganze noch eine Spur eingängiger zu machen. Dieser Schuss ist dann aber leider ein bisschen nach hinten losgegangen. Witzigerweise gibt es viele Leute die sagen, Phobia wäre unser bestes Album, manche meinen aber auch es wäre das schlechteste. Nachdem wir mit Phobia dann aber außer auf dem Wacken nicht viel gespielt haben, hatten wir recht viel Zeit. Phobia war so eine Art Nagelprobe für die Band, nervlich und auch psychisch. Da war der Labelwechsel, der Namenswechsel, und so weiter. Wir haben damals dann auch schon ein paar Songs geschrieben, die uns aber nicht wirklich gefallen haben. Diese haben wir im Nachhinein dann noch etwas aufgemöbelt und festgestellt, dass sie dann doch gar nicht so schlecht sind, haben noch ein paar neue Songs geschrieben und so entstand dann das neue Album.

Eure Karriere ist ja eh nie so richtig gut verlaufen. Mit Solum Mente Infirmis sah die Sachen ja extrem vielversprechend aus, so richtig ins Rollen kam es bei euch aber nie. Wie siehst du persönlich denn so den Verlauf eurer Karriere?

Die Karriere von STYGMA IV ist im Grunde genommen eine Abfolge von unglücklichen Zufällen. Wie du sagtest, hatten wir einen guten Start – Album, Tour – und die Reaktionen damals waren auch ganz gut. Wir haben schon auf Tour damals das Material für Court of Eternity geschrieben, den Schwung aus der Tour mit ins Studio nehmen können und so das zweite Album eingeprügelt. Dann ist aber eben der große Stillsteher gekommen, weil zum Veröffentlichungstermin keine geeignete Band auf Tour gewesen wäre. Im Herbst hätten wir dann mit TESTAMENT auf Tour gehen können, aber das wollten Modern Music damals wieder mal nicht sehen. Ich habe damals gesagt, dass es egal ist, dass wir mit jeder Band auf Tour gehen können. Gerade TESTAMENT ist eine Band, die sehr viele alte Fans hat, die auch andere Sachen hören. Als wir dann mit Phobia im Studio waren, hat uns die frohe Kunde ereilt, dass der Namenswechsel nicht ausreichend gewesen wäre, und das obwohl ich damals gesagt habe, dass wir den Namen nur in Stigmata IV ändern, wenn wir danach nie wieder Probleme damit haben werden. Also sollte das Label das mehrmals checken und sich alles schriftlich geben lassen, was aber scheinbar nicht erfolgt ist. Dann hätten wir eigentlich den Posten von SONATA ARCTICA auf der STRATOVARIUS-Tour gehabt und der wurde uns fest zugesagt. Modern Music haben das aber wieder nicht gesehen und wir haben sogar die Hose bis zu den Knöcheln runtergelassen, wir hätten sogar den Plattenvertrag auf zwei Alben verlängert. Sie waren aber nicht zu überzeugen, das zu bezahlen wegen dem Namenswechsel und von wegen Newcomerband und blablabla. Dann ist plötzlich ein Brief von Modern Music gekommen, wir hätten einen Vertragsbruch begangen, indem wir behauptet hätten, wir hätten die Rechte am Namen STIGMATA. Ich habe dann aber extra noch mal im Vertrag nachgeschaut, weil das genau der Punkt war, den wir nicht vom Standardvertrag übernommen haben, dann wären wir nämlich wirklich fällig gewesen. Heutzutage im Zeitalter des Internet kann man eigentlich überhaupt nicht sicher sein, weltweit die Rechte an einem Bandnamen zu haben. Ja und so ist unsere Karriere im Prinzip ins Stocken geraten. Das Management hat dann auch nicht mehr gepasst, denn die Streiterei mit Modern Music haben nicht wir durchgeführt sondern mehr oder weniger das Management. Im Nachhinein haben wir dann auch mitbekommen, dass da zu viel Porzellan dabei zerschlagen wurde, als dass im Endeffekt noch eine Zusammenarbeit möglich gewesen wäre. Jetzt sind wir zum Glück bei Rising Sun und sind frei gekommen, durch die Übernahmen von Sanctuary Music waren die plötzlich nicht mehr interessiert an uns. Ja und es war dann so, dass Clemens im Grunde genommen schon vor der Phobia Interesse an uns gehabt hätte, er aber aufgrund der CRIMSON GLORY-Geschichte finanziell nicht in der Lage war, so die großen Sprünge zu machen. So haben wir also das Album einfach mal veröffentlicht um zu schauen, wie die Reaktionen so sind und damit die Leute auch wissen, dass wir überhaupt noch leben. Ja und dann haben wir angefangen am neuen Album zu werkeln. Teilweise hatten wir die Songs schon vorher und wir haben jetzt auch ein neues Management und haben auch in Frankreich einen Vertrag, wo wir jetzt auch gleich eine kleine Minitour mit ANGRA und SILENT FORCE. Also ich denke wir haben die Talsohle überschritten und es geht langsam wieder bergauf. Wenn im Herbst jetzt noch eine passende Band für Deutschland kommt, denke ich, dass das auch machbar sein wird.

Dann wird es also nach wie vor so aussehen, dass ihr noch immer nicht von der Musik leben könnt, oder? Du wirst immer noch als Postbote tätig sein…

Nein, bin ich nicht mehr, seit vorigen Herbst. Die Post hat mir eine Möglichkeit eingeräumt, diese Tätigkeit nicht mehr auszuüben. Ich habe noch eine Rock-Coverband und da bin ich eigentlich ziemlich viel unterwegs.

Und wie sieht es bei den anderen aus?

Ja also der Günter ist Gitarrenlehrer an der Musikschule, er hat ja auch eine klassische Ausbildung. Alex schlägt sich mehr oder weniger mit Gelegenheitsjobs und Bassschulung durch und der Herb ist eigentlich der einzige, der noch einen festen Job hat, er ist Taxifahrer. Von daher ist es so, dass wir jederzeit loslegen können.

Als einen eurer größten Einflüsse habt ihr ja schon immer BLACK SABBATH genannt und tatsächlich entdecke ich in euren Texten etwas, das mich an alte DIO oder an BLACK SABBATH in der DIO-Phase erinnert. Die Texte sind wie kleine Kurzgeschichten und etwas ähnliches bekommt man heutzutage eigentlich kaum noch zu hören.

Naja gut, BLACK SABBATH ist tatsächlich der kleinste gemeinsame Nenner bei uns. Ich denke dass die Band den Heavy Metal maßgeblich geprägt hat. Textlich muss ich sagen, dass ich – als ich jung war – gerne die Fähigkeit gehabt hätte, Texte wie DIO zu schreiben. Aber der DIO ist viel mehr Metaphoriker als ich. Ich versuche mit den Texten der Musik ein Gesicht zu geben und eben meine innere Befindlichkeiten zum Ausdruck zu bringen und Dinge zu verarbeiten. Deshalb ist das neue Album auch ziemlich düster geworden und alle Alben im Prinzip Konzeptalben.

Ist das Konzept des neuen Albums denn eines über Paranoia?

Nein, The Human Twilight Zone hat für mich nichts mit Paranoia zu tun. Wenn du dir den Song genauer anhörst, geht es um Secrets. Es ist quasi so, dass jeder seine eigenen Leichen im Keller hat und das findest du überall. Wenn du zu deinen Nachbarn zu Besuch gehst, kannst du vielleicht auch mal durch einen Spalt in die Human Twilight Zone blicken. Es geht um die schmutzigen kleinen Dinge und Gedanken, die man niemanden erzählen würde und in sich trägt.

Auf Paranoia komm ich eigentlich dadurch, dass auf dem Album immer dieses Gefühl mitschwebt, aber auch schon bei den vorherigen Alben. Die ersten Worte auf The Human Twilight Zone lauten Have you ever had that strange feeling that someone´s watching you. Ebenso fühlt sich der Mensch in Sleep in diesem kleinen Raum ständig beobachtet und das Cover mit den Augen passt da ja dann auch ganz gut rein.

Ja, wir versuchen auch immer, dass das ganze auch von der Optik her eine runde Sache wird. Paranoia – ich würde es nicht als Paranoia bezeichnen, sondern einfach als Open Minded. Wenn man gerade nach Deutschland schaut, Schily´s neue Gesetze…ich habe vor Jahren mal George Orwell´s 1984 gelesen und da ist mir wirklich 14 Tage lang nicht gut gegangen als ich das Buch fertig hatte, weil ich damals schon erkannte dass es darauf zuläuft. Und wenn du siehst, dass die Amerikaner den Leuten Chips unter die Haut pflanzen wollen, dann siehst du wo das hinführt. Paranoia – in Calculation Towers geht es darum, dass irgendwo eine Schaltzentrale ist – von mir aus das Pentagon – wo die Fäden zusammenlaufen, wo die Leute überwacht und kontrolliert werden. Wenn du dir nur die Fernsehprogramme anschaust, die es auch in Deutschland gibt, so wirst du feststellen, dass auch die alle in eine Richtung arbeiten. Die generelle Strömung ist einfach da. Im Prinzip ist es so, dass wir permanent verarscht werden. Schau nur die Sache mit dem Euro, es hieß, dass nichts teurer wird, aber letzten Endes ist alles teurer geworden. Im Nachhinein sagen wir dann oh, da hat man uns wieder verarscht, aber im Grunde findet man sich schon damit ab. Ich möchte im Prinzip den STYGMA IV-Fan auf gewisse Dinge aufmerksam machen. Ich möchte nicht den Zeigefinger erheben, aber ich spreche halt über Dinge die mich bewegen und wie ich feststellen muss sind das Gefühle, die die Leute nachvollziehen können.

Eine Sache, die uns alle beschäftigt hat und die offensichtlich und selbstverständlich auch dich beschäftigt hat, waren die Ereignisse am 11. September, wozu du ja auch einen Song geschrieben hast. Ich befürchte, dass wir in der nächsten Zeit mit einer ganzen Schwemme von derartigen Songs überschüttet werden und meiner Meinung nach ist das ein ganz gefährliches Thema, da man hier sehr viel falsch machen kann. Was waren für dich die Gründe diesen Text zu schreiben und ihn so zu schreiben wie er ist?

Ich denke du hast recht, das ist eine brandheiße Sache. Earth Children war im Grunde genommen der letzte Song, der noch keinen Text hatte und da ist diese Geschichte passiert. Es wollte und wollte mir kein Text einfallen und plötzlich hatte ich dieses New York im Kopf, so dass ich wusste, dass ich die Melodie so singen muss. Den Text habe ich dann mehr oder weniger in einem Zug geschrieben. Wenn du den Text von Earth Children durchliest wirst du feststellen, dass weder das eine, noch das andere gutgeheißen wird. Ich will hier auch nicht so etwas sagen wie alle die dunkelhäutig sind und Moslems gehören sofort weggeblasen. Ich denke das ist das dümmste. Die menschliche Geschichte müsste doch jeden der ein bisschen Gehirn hat lehren, dass Gewalt niemals mit Gewalt zu einzudämmen war. Die Krux von dem Text ist We are Earth Children, born under one old sun, we are one people, why do we hate what we don´t know. Es ist im Prinzip so, dass Gewalt immer Scheiße und der Hass die größte Schwäche und die Manifestation des Teufels unter den Menschen ist. Denn es ist die Emotion, bei der jegliches vernünftiges Denken völlig ausgeschaltet wird. Darum habe ich auch versucht mich textlich nie auf eine Seite zu stellen. Wenn man die Geschichte beobachtet, sieht man, dass es schon Gründe gibt, warum bestimmte Leute einen Hass auf Amerika haben.

Why do we hate, what we don´t know trifft das Problem meiner Meinung nach ganz gut. Denn wenn man die Hintergründe für viele Dinge in Afghanistan objektiv betrachten wollte, müsste man im Grunde genommen ein ganzes Studium absolvieren…

Ja, das stimmt. Aber es ist im Prinzip ja so, dass es einfach Fakt ist: die Leute hassen, was sie nicht kennen. Deshalb habe ich diesen Satz auch verwenden können, ohne mich zu weit heraus zu lehnen. Es kommt auch immer darauf an, auf welcher Seite du sitzt. In Pakistan ist sicher ein ganz anderes Fernsehprogramm zu sehen. Wir erfahren hier nur das, was von den Behörden vorgefertigt ist und die erfahren nur schlechte Sachen über uns. Es ist wieder diese Medienpropaganda, der wir täglich ausgesetzt sind. Wenn du überlegst, was du von dem Krieg in Afgahnistan gesehen hast, dann ist das im Prinzip nur eine Verarsche. Die Amerikaner konnten da mal wieder machen, was sie wollten.

Vorher ist es ja schon mal angeklungen, dass du viel liest und auch ein gewisses Faible für bestimmte Verschwörungstheorien hast. Nach dem Anschlag am 11. September gab es ja auch eine Unmenge an solchen Theorien. Wie sieht es denn aus, gibt es da den ein oder anderen Ansatz, der dir sehr realistisch vorkommt oder bei dem du das Gefühl hast, dass da etwas dran sein könnte?

Ja ich denke, dass es nicht eine rein arabische Sache war. Ich denke, dass da auch einige Leute in Amerika – vielleicht auch einige Leute die nicht arabisch und keine Moslems sind mitgearbeitet haben. Ich bin wirklich eine Woche vor dem Fernseher gesessen und habe die Berichterstattung verfolgt. Da haben sie ja in einem weißen Auto Fluganleitungen in arabisch für Boeings gefunden und ich denke wenn ich so einen Anschlag abziehe, dann lass ich nicht Flugmanuale in arabisch im Auto liegen. Die sind ja richtig offensichtlich dagelegen. Wir werden wahrscheinlich nie erfahren, was da wirklich abgegangen ist. Damals beim Vietnam-Krieg wollte Kennedy das Budget für die Verteidigung kürzen und er wurde erschossen. Nachdem George Bush ein Texaner ist hatten sie es nicht nötig, sie mussten Amerika nur aufwecken. Wenn ich Bin Laden wäre würde ich vielleicht eher das weiße Haus treffen als das World Trade Center, da es noch eine größere Symbolkraft hat. Es musste doch auch jeder wissen, der das tut, dass die Amerikaner zurück schlagen werden. Ich weiß nicht, welche Theorie richtig ist, aber ich denke die Wahrheit werden wir genauso wie auch bei JFK nie erfahren.

Gut, kommen wir wieder etwas von diesem Thema ab, bleiben aber bei deinen Texten, bzw. bei deinem Gesang. Was mir auffällt ist, dass ich kaum einen Metalsänger kenne, den man so gut verstehen kann wie dich. Hat das auch damit zu tun, dass ihr im Booklet lediglich Auszüge aus den Texten abgedruckt habt und den Hörer vielleicht noch mehr zum Zuhören animieren wollt?

Das hat mehrere Gründe gehabt. Zum einen wollten wir damit einfach etwas unsere Homepage bewerben. Zum anderen habe ich eigentlich seit dem Beginn meiner Karriere versucht, eine saubere englische Aussprache zu pflegen, denn ich denke es ist wichtig, dass die Leute die Texte verstehen können. Ich habe auch immer versucht die Texte nicht zu sehr ins Abstrakte abdriften zu lassen. Die Quintessenz von jedem Text steht ja auch im Booklet drin und ich denke es ist doch ganz gut, wenn man sich wirklich mal reinhört. Mir ist es bei der Lateralus von TOOL so gegangen, da steht ja wirklich gar nichts. Und das ist dann irgendwie geil, wenn sich das Album von mal zu mal mehr erschließt. Die meisten Leute haben ja heutzutage Internetzugang und wenn ihr die Texte wirklich braucht, dann schaut einfach auf unsere Homepage, da sind sie zu finden. Wir werden sie aber wahrscheinlich wieder beim nächsten mal die Texte ins Booklet setzen, weil die Leute auf unserer Homepage schon geschrieben haben, dass der Fan mit Kopfhörern und dem Textheft dasitzt. Und diese Fans wollen wir auf keinen Fall vergraulen, denn das sind die wahren Fans.

Wenn ich mir manchmal Reviews durchlese, die ich vor Jahren geschrieben habe, dann ist mir das manchmal ganz schön peinlich. Gibt es Texte von dir, die dir im Nachhinein peinlich sind, oder bei denen du heute nicht mehr nachvollziehen kannst, wie du auf solche Gedankengänge gekommen bist?

Gute Frage, da muss ich erst mal nachdenken. Ich denke, dass ich nie so richtig daneben gegriffen habe. Es ist einfach immer so gewesen, dass mir diese ganzen Klischee-Texte zu blöde waren. Ich konnte das auch nicht, komischerweise. Ich habe vor kurzem ein altes Notizbuch gefunden mit Texten von meiner allerersten Band und da habe ich auch laut gelacht. Aber die Themen waren damals schon eher sozialkritisch, da mir das auch immer sehr wichtig war. Ich bin mit Bands wie BLACK SABBATH, MERCYFUL FATE, OVERKILL oder SLAYER aufgewachsen und mir ist es wichtig, dass Reizthemen angesprochen werden. Ich denke Rockmusik muss auch provozieren. Da muss etwas sein wo die Eltern sagen hey, jetzt mal langsam. Es gibt einen Text, den ich mal umgeschrieben habe, aber der war nicht von mir. Das war ein Text, der auf der Grand Ominous Dreams von BIG HEAT drauf ist, No Reason. Eine wunderschöne Ballade und da hat Günter den Text geschrieben und der ist ein bisschen out of my direction, etwas sehr machomässig. Nicht mein Ding.

Ich fand das ja damals eh faszinierend. Ich habe euch erst mit der Solum Mente Infirmis kennengelernt und mir die Grand Ominous Dreams nachgekauft. Ich konnte es aber einfach nicht verstehen, wie ihr euch zunächst den Namen BIG HEAT geben konntet, dass passte einfach nicht zusammen.

Ich bin ja ganz lustig zu dieser Band gekommen, denn die haben im Metal Hammer annonciert und ich kannte den vorigen Sänger und deren Album. Ich habe damals in einer anderen Band gespielt und wir haben wirklich darüber gelacht, obwohl es völlig unberechtigt war, da das Album musikalisch ja völlig in Ordnung ist. Der Gesang war halt etwas…na ja. Ein Freund von mir hat dann ein Tape von unserer Band dahin geschickt, aber da hat sich niemand gemeldet. Ein Jahr später hat dann der Günter angerufen und gemeint er hätte da mein Tape gehört. Ich sagte, dass ich noch zwei andere Sachen am Laufen habe und sagte eher nein. Ich meinte aber, sie sollten mir mal ein Tape schicken und da sang Günter. Das war sehr lustig, denn so begnadet er auch als Gitarrist ist, so wenig hat er es mit dem Gesang. Er hatte halt keine andere Wahl. Ich dachte dann neenee, das ist nicht meine Welt. Aber bei einem Song war ein Soloteil, bei dem die Nummer voll abgebogen ist. Da war ein total genialer, epischer Soloteil drin, der dann bei The Edge wieder aufgetaucht ist. Ich hab dann mit meinem Freund beratschlagt und er hat gesagt, das sind Bombenmusiker, du musst da unbedingt hin. Ich bin dann hingefahren und wir haben geprobt und zackbum, das hat gepasst.

Und bei der Gelegenheit hast du dann auch gleich den Namen geändert.

Naja, das war so, dass ich gesagt habe mit BIG HEAT werden wir nichts reißen. Wenn du Grand Ominous Dreams hörst, dann ist das ja ein absolut witziges Album. Denn da sind ein paar Songs, die auf diesem Demo drauf waren und ein paar Songs, die eben neu geschrieben wurden – Spirits Rising, Mindraped, The Edge. Diese Stücke sind dann schon eher in die STIGMATA-Richtung gegangen. Und die Band hat sich mit meinem Einstieg dann schon sehr verändert. Worüber ich mich aber am meisten ärgere ist, dass ich die Idee für den Namen STIGMATA hatte. Wir haben damals nachgeschaut und keine andere Band gefunden die so hieß. Ich meine STYGMA ist im Grunde genommen jetzt wieder das Gleiche, es ist sogar die griechische Schreibweise mit dem Y. Aber es war der größte Fehler. Die Band hat einen neuen Namen gebraucht und die Grand Ominous Dreams haben wir dann ja auch mit dem STIGMATA-Inlay verkauft. Das hat auch der Limb (L.M.P.) damals gesagt. Er hat das Cover gesehen, hat den Namen gelesen und das Ding erst mal weggelegt. Monate später hat er die CD dann gehört und meinte die Musik wäre Wahnsinn aber der Name würde nicht passen. Und so hat dann halt die ganze Scheiße angefangen.

Wie sieht das denn eigentlich bei euch aus – wenn man sich einen Song wie Sleep anschaut, fragt man sich, wie lange ihr eigentlich daran tüfteln müsst, bis der dann so arrangiert ist, dass er den Hörer auch über die gesamte Länge von der Musik gefangen ist?

Sleep ist im Prinzip das Kernstück des Albums. Wir sind auch sehr froh, dass die Reaktionen auf Sleep bisher sehr positiv sind, denn wir hatten nicht immer das Glück auf unsere langen Stücke solch gute Resonanzen zu bekommen. Sleep ist glaub ich wirklich von Gethsemane auf dem Vorgängeralbum inspiriert. Günter musste sich da die Noten zu dem Song rausschreiben, da wir keine von Jesus Christ Superstar gefunden haben. Er hat dabei eben sehr viel gelernt. Das hört sich zwar blöd an, wenn man von einem reifen Gitarristen sagt er hat gelernt, aber es ist so dass Andrew Lloyd Webber sehr viele Taktwechsel in den Song eingebaut hat, die man aber fast nicht hört. Und es ist auch so dass der Aufbau sehr interessant und sehr gut ist. Nachdem wir Phobia fertiggestellt hatten, hat er gemeint, dass er für das nächste Album unbedingt einen langen durchkomponierten Song machen möchte. Ja und so hat das dann abgefangen. Es hat dann Monate gedauert, bis wir das Stück zusammengetüftelt haben und ursprünglich war er eine Spur länger, aber ich habe dann einen Part entfernt, da ich einfach keinen Gesang dazu gefunden habe. Er hätte das ganze zu sehr zerhackt. Das schwierige war dann, zu diesem Song Gesangsmelodien zu machen, denn nachdem wir nicht DREAM THEATER sind und musikalisch alles wegblasen können, war natürlich klar, dass der Song ein Song bleiben und wir darauf achten mussten, dass der Hörer immer wieder mit etwas neuem, gutem verwöhnt wird um ihn bei Stange zu halten, um das mal so auszudrücken. Und das ist eben immer dieser wundersame Prozess bei uns: ich bin bei Sleep im Prinzip ohne ein Wort Text geschrieben zu haben ins Studio gegangen und habe den Song gemacht. Ich wusste er musste Sleep heißen, das wollte der Günter so, und dann hat er irgendwie noch gesagt, an dieser Stelle muss Peace kommen und dann hab ich gesagt weißt du was, dann bereite ich einfach nichts vor und dann lassen wir das schlicht geschehen. Und das hat auch funktioniert. Es ist dann auch oft so, dass ich nicht mehr weiß, wie ein Text zustande gekommen ist. Es ist auch einfach eine Gabe, dass wenn man Musik hört, dass einem irgend eine Melodyline einfällt. Es war auch ein ziemlich hartes Stück Arbeit diesen Song einzusingen, denn ich denke, dass in Sleep alle Elemente von STYGMA IV im Prinzip in einem Song gebündelt wird. So eine Art Leistungsschau, kann man fast schon sagen. Es hat jeder im Prinzip für sich Grenzen überschreiten müssen, damit der Song so geworden ist.

Ein anderer Song, der musikalisch aus dem Album heraus sticht ist meiner Meinung nach At the End of my Daze. Vor allem durch das Keyboard und das Schrubb-Riffing hat der Song schon fast etwas Gothic-Metal-lastiges. Ich weiß nicht, ob du dich mit dieser Beschreibung so wohl fühlst…?

Ich würde überhaupt generell diese ganzen Schubladen gerne abschaffen. Wenn du nach Amerika gehst, dann wirst du feststellen, dass dort alles Rock´n´Roll ist – SLAYER oder BILL HALEY. Ich denke auch nicht, dass sich die Presse wirklich einen Gefallen damit getan hat, diese Schubladen zu schaffen, aber gut. End of my Daze ist das Problemstück dieses Albums gewesen, weil der Song zu poppig geraten ist. Es ist eigentlich ´ne absolut witzige Geschichte, denn den Song gibt es irgendwie schon seit unserer ersten Tour. Das war im Grund genommen immer der Soundchecksong. Wenn wir die Keyboards eingestellt haben, war das eben immer diese Melodie, die gespielt wurde. Irgendwann hab ich gesagt lasst uns doch daraus einen Song machen. Dann kam eben dieses Join Me von HIM, während unser Song schon fertig war und das war etwas blöde. Aber der Song ist dann eh noch etwas anders geworden. Zum Schluss hab ich zum Günter gesagt, er soll eben die Gitarren noch mehr aufdrehen, denn ich wollte ihn gerne auf dem Album haben – weil er eben zeigt, dass wir auch eingängige Songs schreiben können.

Der Sound des Albums ist erneut sehr gut geworden, aber das zeichnet ja alle eure Veröffentlichungen aus. Da würde mich jetzt zuerst mal interessieren, ob das nun wirklich stimmt, dass Solum Mente Infirmis im Grunde genommen im Wohnzimmer aufgenommen wurde.

Ja, das stimmt, bis auf das Schlagzeug. Aber ich kann dir verraten, dass wir auch dieses mal wieder alles außer dem Schlagzeug dort aufgenommen haben. Inzwischen ist das ein Studio, wobei es wirklich gut ist, dass dieses Studio noch niemand groß betreten hat. Ich will gar nicht wissen, wie lange es dauern würde, bis derjenige wieder mit lachen aufhören würde. Wir haben uns für dieses Album ein 16-Spur-Gerät von Roland gekauft und der Günter ist wirklich ein Genie. Grand Ominous Dreams ist ja auf einem 4-Spur-Gerät aufgenommen worden und klingt auch schon sehr ordentlich. Ich habe damals die Band völlig geschockt, denn ich hab die Aufnahmen zum ersten Mal gehört und gesagt okay, da machen wir eine CD draus. Die anderen haben gesagt nee, spinnst du, das kannst du doch nicht auf CD brennen. Aber ich denke acht Punkte im Rock Hard sprechen eine deutliche Sprache und wir haben auch alle CDs verkauft. Günter ist ein echtes Genie, was diese kleinen Teile betrifft. Der kann wochenlang nicht schlafen, bis er das Gerät wirklich beherrscht und er spielt darauf wie auf einem Klavier. Es ist auch für die Gesangsaufnahme einfacher, mit diesen Geräten zu arbeiten, als mit ADAT. Mir liegt diese Arbeitsweise sehr gut.

Was denkst du denn, warum sich andere Bands so schwer tun, einen gescheiten Sound hinzubekommen?

Wir sind ja im Prinzip auch nie zufrieden. Mit dem neuen schon, aber die Phobia hat vom Rock Hard ja sogar so etwas wie eine Ohrfeige bekommen. Da hat irgendwie – ich glaube der Schäfer – von einer Billigproduktion geschrieben und das fand ich absolut unangebracht. Wir wollten das Album so produzieren, dass man wirklich jedes Instrument hört und wir wollten versuchen, einen eigenen, älteren Sound zu erreichen. Und ich denke das haben wir auch geschafft. Wie das klingt ist dann natürlich Geschmackssache. Wir haben sicher auch immer mit dem Sound zu kämpfen gehabt, aber der Günter ist einfach ein Genie und er hat in seiner Geschichte nicht ein Gerät gekauft, das er nicht Hundertprozent ausgenutzt hat. Ich denke das ist das Geheimnis. Dieser Mensch hat eine Akribie, die unfassbar ist. Er macht Spurenpläne, da wird alles genau aufgeschrieben. Dieses mal haben wir den Mix allerdings jemand anderem überlassen, da wir eben einen anderen Sound wollten. Die ersten drei Songs auf dem Album sind ziemlich in die Fresse und wir wollten dieses mal den Leuten auch zeigen, dass wir auch das können. Die Kritik im Rock Hard hat dem Günter doch auch sehr sehr wehgetan und da hat er gesagt, wir sollten mal jemand anderen mischen lassen. Aber bei Sleep zum Beispiel hört man eindeutig, dass er da wieder am Werk war.

Wenn du jedes Album in eurer Karriere mit einem kurzen Satz beschreiben solltest, was würdest du zu Grand Ominous Dreams sagen?

The Beginning – der Anfang.

Solum Mente Infirmis?

Hmm…ein Album, das zum Teil auf meinen Überredungskünsten basiert.

Court of Eternity?

Schwer zu toppen.

Phobia?

Die Reifste.

The Human Twilight Zone?

Zurück in die Zukunft.

In einem Interview zu Phobia habe ich irgendwann einmal gelesen, dass es in Österreich sehr schwer ist, geeignete Musiker zu finden. Für mich hat sich das so angehört, als wärt ihr im Grunde genommen eher aus dieser Not heraus noch zusammen. Wie ist es denn tatsächlich um die Band bestellt, wie sieht euer Zusammenhalt aus?

Hahaha. Für uns ist es so, dass wir das Glück haben, dass man in Österreich in seiner Karriere vermutlich nur ein Mal die richtigen Leute findet. Und ich denke, dass bei uns nicht so leichtfertig Musiker aus einer Band rausgeschmissen werden, wie bei euch zum Beispiel. Wir sind nicht so wie Jugendfreunde, sondern mehr wie eine Familie. Jeder kennt die Unarten des anderen und ich denke die Band hat sich innerhalb der letzten Jahre sicher drei Mal aufgelöst und am nächsten Morgen war wieder alles okay. Es geht ab und zu wirklich heiß her und wir sind auf der Tour auch sehr extrem, da drei von vier Vierteln der Band dem Bier sehr gerne und sehr viel zusprechen – natürlich nach dem Konzert – und da kann es schon vorkommen, dass es ordentlich abgeht. Es ist so, dass die Jungs seit zwölf Jahren zusammen spielen und ich bin auch schon sechs oder sieben Jahre in der Band und man lernt sich einfach kennen. Es ist im Prinzip so dass wir wissen, dass wenn wir einen austauschen müssten, die Band nicht mehr existieren würde. Jeder Musiker bei STYGMA IV ist prägend für den Sound der Band. Und es macht auch Spaß mit den Leuten zu spielen.

Das Wacken Konzert würde ich natürlich auch noch gerne ansprechen. Euer Gig hat mir sehr gut gefallen, allerdings hatte ich da das Gefühl, dass ihr nicht unbedingt eine Festivalband seid. Bestimmt wirst du mir da widersprechen…

Ich sehe das eigentlich nicht so, da unsere Songs meiner Meinung nach eine gewisse Größe haben. Was STYGMA IV auf jeden Fall brauchen würden, wäre Licht, damit die ganze Bühnenmagie zur Geltung kommt. Aber ich denke für 11 Uhr haben wir uns ganz wacker geschlagen, wenn man auch bedenkt, dass das der erste Auftritt seit einem Jahr war.

Ein Bekannter von uns hat sich bei eurem Auftritt zu dem Ausspruch hinreißen lassen da besorgen sich SAVATAGE so eine Gothic-Schlampe und da oben steht genau der richtige Sänger für diese Band. >g< Was hältst du denn davon?

Ja, das Statement find ich eigentlich ungerecht dem neuen Sänger gegenüber. Ich hab den in Wien gesehen und ich finde der Mann hat der Band eine Frischzelleninjektion verpasst…der kann alles singen. Ich hab Beyond the Doors of Dark live gehört und ich war weg! Was ich nicht verstanden habe war, dass der Tontechniker den Gesang so leise gedreht hat. Aber ich denke dass ich wahrscheinlich auch bei SAVATAGE singen könnte, von der Stimme her. Aber ich bin ganz froh so.

Und wenn Oliva eure CDs in die Hände bekommen und dich gefragt hätte, ob du einsteigen möchtest, wie hättest du dich entschieden?

Ja, das ist immer schwierig. Wenn ich sage frag mich wie du dich verhältst, wenn jemand mit einer Pistole auf dich zielt, dann ist das genau so. Ich denke ich hätte es nicht getan. Es müsste schon noch eine Etage höher sein, dass ich wirklich ins Schwanken kommen würde. Wenn Steve Harris angerufen hätte, bevor der Blaze Bailey gekommen wäre oder wenn mich Ritchie Blackmore anrufen würde, für ein RAINBOW-Album oder Toni Iommi, dann würde das wahrscheinlich auch jeder in der Band verstehen. Aber ich denke ich hätte mir auf jeden Fall auch Freiheiten für STYGMA IV rausgehauen und da hätte der Oliva wohl keine Freude dran gehabt. Ich möchte das auch gerne zu Ende bringen, weißt du, was ich meine? Das heißt nicht, dass ich aufhören möchte, sondern ich möchte einfach so lange weiter machen, bis es entweder nicht mehr geht oder bis wir was erreicht haben.

Wir haben zur Zeit bei uns auf der Homepage so eine kleine Geschichte am Laufen, was wäre wenn Band xy den Herr der Ringe verfilmt hätte. Wie würde der Herr der Ringe denn aussehen, wenn STYGMA IV den Film gedreht hätten?

Da fragst du den richtigen. Ich hab zu Weihnachten die Bücher bekommen, weil ich gesagt habe, ich geh nicht ins Kino, bevor ich nicht die Bücher gelesen habe. Ich ging frisch nach dem Buch ins Kino und ich muss sagen wow! Ich bin voll begeistert, weil er auch die nötige Härte hat und ich würde gar nichts ändern. Ich hoffe dass die DVD dann vier Stunden dauert, dass dann alles aus dem Buch drin ist, denn ich denke, dass Peter Jackson alle Szenen gedreht hat, aber ansonsten würde ich überhaupt nichts ändern. Der Film ist geil! Ich finde Peter Jackson hat das sehr gut gelöst. Ich hab auch schon The Frighteners gesehen, der mir sehr gut gefallen hat und ich denke die Ringgeister und die Orks sehen genau so aus, wie sie aussehen sollen. Die Figuren sind sehr gut gewählt und es gefällt mir, dass nicht auf Stars wert gelegt wurde, sondern auf gute Schauspieler.

Bei welchem Film könntest du dir denn am ehesten die Musik von STYGMA IV vorstellen?

Schwierig. Wir sind schon öfters gefragt worden, da unsere Songs für gewisse Leute filmmusikartigen Charakter haben. Ich denke wir könnten zum Highlander gut ´nen Soundtrack machen.

Wirklich?

Ja, schon, ich denke unsere Musik hat schon so was. Aber es ist eine schwierige Frage, denn wenn du Filmmusik machst, musst du dich ja immer ans Drehbuch halten. Ich denke wir könnten so etwas machen, aber es würde eher ein dunkler Film sein, in dem wohl auch gemordet wird. So etwas wie Sieben zum Beispiel.

Ja genau an so etwas hab ich auch schon eher gedacht. Mir persönlich ist da Die Mächte des Wahnsinns eingefallen, da eure Musik meiner Meinung nach auch schon immer diese gewissen Sanatorium-Schwingungen hat, wenn du weißt, was ich meine…

Ja, den kenn ich, Carpenter! Genau, das mit der Irrenanstalt stimmt. Vielleicht sollten wir ja mal den Soundtrack zu The Fool machen, wenn die Geschichte je verfilmt wird, haha. Sicher, aber ich denke schon auch, dass wir zu so einem Fantasy-Film den Soundtrack machen könnten. Günter liebt große Melodien und ich liebe sie auch. Ich habe sie lieben gelernt, denn ich wollte am Anfang gar keine Melodien singen, die irgend jemand gefallen könnten, haha.

Wie wäre es denn, wenn ihr ein Buch vertonen solltet?

Hmm….tja…hmmm….auch ´ne tolle Frage, hehe. Hmm….ich denke gerade über eine Geschichte nach…es gibt zwei Sachen, die mich als Konzept reizen würden. Das wäre zum einen die Wiedergeburt Christi, so in der Art von Das Omen vielleicht. Und dann habe ich vor kurzem mit einem Freund gesprochen wegen einem Thema für eine Konzeptgeschichte und das wäre im Grunde genommen die Lebensgeschichte von einem Typen. Ich denke dass unser ganzes Leben dazu dient, unsere Kindheit zu verarbeiten. Das wäre auch ein Thema das mich sehr interessieren würde und das nicht so abgedroschen ist. Diese Kindheitstraumas, Einsamkeit, Prügel, Missbrauch, irgend so eine fiktive Geschichte.

Was waren die letzten drei Alben, die du dir selbst gekauft hast, oder die dich besonders beeindruckt haben?

Lateralus von TOOL – absolut genial. THE MUSE, Origin of Symmetry – eine geile Band, die recht abgedreht ist, sehr geil. Und dann würde ich noch Dead Heart in a Dead World von NEVERMORE sagen.

Was waren eure lustigsten Live-Erlebnisse?

On Stage oder off stage?

Du darfst gerne von beidem was erzählen…

Das eine war sicher die Jam-Session mit VIRGIN STEELE und RIOT Musikern, als Günter so besoffen war und ihn der Mike auf die Bühne geholt hat, ihm eine Gibson Les Paul in die Hand gedrückt hat und er nicht mal mehr gerade stehen konnte.

Offstage war sicher das Highlight, wie unser österreichischer Busfahrer in Graz in den Bus gepisst hat. Der traf sich mit Freunden, weil er eben aus Graz ist, hat zuviel getrunken, dann im Bus geschlafen und da hat er im Schlaf gemeint er wäre irgendwo, ist aufgestanden und hat an die vordere Busbank gepisst. Die Amis haben es alle gesehen und geschrien Oh my God. Der Günter und alle sind im Eck gesessen und haben gelacht wie kleine Kinder. Ich habe ihn dann mehr oder weniger wieder mit Wasser zu Bewusstsein gebracht. Das war dann so, dass alle einen neuen Busfahrer wollten, aber ich habe gesagt wartet mal bis morgen, dann ist wieder alles okay und im Endeffekt war es dann auch so. Das war anfangs sehr lustig, aber dann doch etwas stressig.

Welche Person würdest du in deinem Leben gerne einmal treffen und warum?

Das Problem ist, dass ich schon einmal so eine Erfahrung gemacht habe. Ich habe eigentlich denjenigen, den ich schon immer als Kind mal treffen wollte, getroffen und das war Bruce Dickinson. Und da musste ich dann halt feststellen, dass er eben auch einfach nur ein Mensch ist.

Ich denke Jesus, oder Hitler. Oder auch Stalin. Ich denke dass diese Leute die Menschheit nachhaltig beeinflusst haben und ich wäre da gerne mal dabei gewesen und würde wissen wollen, was da so alles im Hintergrund abgegangen ist. Ich glaube wie gesagt, dass wir nur das wissen, was wir wissen sollen – bei vielen Sachen. Es gibt ja auch im Vatikan noch Schriften, die kein Mensch gesehen hat. Ich denke es wäre sehr interessant da live dabei gewesen zu sein.

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