THE CRANBERRIES: Something Else

THE CRANBERRIES: Something Else

1995, Acts wie TAKE THAT und COUGHT IN THE ACT quälten uns im Radio, Rocker wie BRYAN ADAMS, AEROSMITH und Co. brachten nur noch Balladen. Aber egal ob man gerade SAINT VITUS´ „Die Healing“ und MY DYING BRIDE´s „The Angel And The Dark River“ abfeierte oder doch eher zu CARCASS´s „Swansong“ oder MOTÖRHEAD´s „Sacrifice“ abhotten wollte – wenn in der Rockdisco „Zombie“ lief, dann waren alle auf der Tanzfläche oder zumindest fleißig am Fußwackeln. Die Alternative Rocker THE CRANBERRIES stehen auch bei Schubladenfreien Fans harter Musik für die 90er und für die irische Rockmusik dieser Zeit. „No Need To Ague“, das Album zum Megahit, stand gefühlt in jeder Musiksammlung. 2003 aus privaten Gründen von Sängerin Dolores O´Riordon aufgelöst, 2012 mit neuem Album wieder am Start, präsentieren THE CRANBERRIES nun einen Best Of-Mix, komplett entrockt im Akustikgewand. Dazu gibt es noch drei gänzlich neue Songs, alles aufgenommen mit dem Irish Chamber Orchestra an der Universität von Limerick.

Keine Frage, einem Song wie dem Hit „Linger“ passt das neue Soundgewand super, die melancholischen Melodien vertragen sich wunderbar mit ruhigem Sound und verträumten Streicherklängen. Sehr schön mit poppiger Ohrwurmmelodie das neue „The Glory“, peppigere Schunkelsongs wie „Dreams“ oder „Ridiculous Thoughts“ lassen sich auch gut hören. Und „Zombies“, nun ja, ein guter Song bleibt ein guter Song. Hier kommt der Megahit mit einem tollen, fast beswingtem Drive, der zwar die dunkele Stimmung des Originals etwas wegfegt, aber sicher wenig überraschend das Highlight auf „Something Else“ ist. Durchgehend ist vor allem die Stimme von Dolores O´Riordon im Vordergrund, die auch heute noch so jung und zerbrechlich klingt wie in den 90ern. Klingt schön, so mancher Kickser ist auch mal zuviel, eigentlich liegt sie immer etwas neben der Spur, aber eben das macht ihren Gesang aus, den man sofort wiedererkennt, auch wenn man die originalen Songs der Band ewig nicht mehr gehört hat. Ihr hauchiger Gesang beim neuen Song „Rapture“ wirkt dann auch mal arg überzogen. Bei „Ode To My Family“ oder „Animal Instinct“ wickelt sie einen mit ihrer Stimme dann doch wieder erfolgreich ein. Bei letzterem muss ich in diesem Sound immer an die tollen Italiener DRIVING MRS. SATAN denken. Nur das bei der Band um lovely Claudia so eher ein ANTHRAX-Cover klingen würde. Musikalisch wird hier alles souverän begleitet, gefühlt klingen die Songs in diesem Klangbild noch irischer als die Originale. Auch tut es gut, wenn die Akustikgitarre mal etwas energischer aus dem Streicheroverload etwas heraussticht. Kritisch betrachtet hätte man gern auch öfter mal statt den Streichern ein Piano erklingen lassen können, um dem Klangbild etwas mehr Abwechslung zu verpassen. Und gern etwas mutiger als bei „Rapture“, dem einen oder anderen Song hätte das sicher gutgetan. So wird man etwas eingelullt vom recht gleichförmigen Sound. Aber der gefällt trotzdem, von einer Band wie den CRANBERRIES erwartet man nun mal keine fröhlichen Partykracher. Abschließend gibt es mit „Why?“ die Single, ein sehr schöner neuer Song, der zeigt, dass THE CRANBERRIES auch heute noch überzeugen können.

Melancholische, nachdenkliche Musik mit niedlichem Gesang und Texten mit Aussage, die in diesem Akustikgewand halt besser zum Sonntags-Hangover oder zur Kuschelrunde mit Frau, Mann, Katze, was auch immer passt als in verrauchte, kultige Rockclubs wie die Originale aus den 90ern. Wer THE CRANBERRIES damals geliebt hat und mit ihnen gereift ist, der wird sich mit „Something Else“ garantiert wohlfühlen. Wer die Band noch nicht kennt, der sollte besser erstmal zu einer „Best Of“ oder dem Überflieger „No Need To Ague“ greifen und den sehr eigenen Sound dieser tollen Band für sich entdecken. Auch „Something Else“ mitzunehmen ist aber sicher kein Fehler.

VÖ: 28.04.2017
Spielzeit: 54:22 Min.

Lineup:
Dolores O´Riordan – Vocals, Guitar, Keyboards
Noel Antony Hogan – Guitar
Michael Gerard Hogan – Bass
Fergal Patrick Lawler – Drums

Label: BMG

Homepage: http://www.cranberries.com
Mehr im Web: https://www.facebook.com/TheCranberries

Tracklist:
1. Linger
2. The Glory
3. Dreams
4. When You´re Gone
5. Zombie
6. Ridiculous Thoughts
7. Rupture
8. Ode To My Family
9. Free To Decide
10. Just My Imagination
11. Animal Instinct
12. You & Me
13. Why

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Frank Hellweg
Lebensmotto "stay slow", Doomer halt.... Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!