GRAVEYARD: Hisingen Blues

GRAVEYARD: Hisingen Blues

Als sich 2000 die Schweden NOORSKEN auflösten und in WITCHCRAFT und GRAVEYARD splitteten, hat sicher niemand damit gerechnet, dass letztere mal bei einem Label wie Nuclear Blast landen. Ihr Sound auf dem ersten Demo und dem folgenden selbstbetitelten Debüt waren schlichtweg typischer Transubstans-Records-Stoff, wo ja auch passend das Debüt erschienen war. Nun denn, auch dem schwäbischen Metal-Label ist nicht entgangen, dass Retro-Rock wieder gut angesagt ist. Ein guter Griff, sich die GRAVEYARD-Jungs zu schnappen, die man hoffentlich nicht mit aggressiver Labelpolitik kaputtpromotet und man ihnen den typischen schwedischen Hippie-Charme weginternationalisiert.

Dass man es mit Schweden zu tun hat, das hört man halt sofort, einfach weil dieser Sound genau so halt heute fast nur noch aus Wasa-Land kommt. LED ZEPPELIN treffen sich mit GRAND FUNK RAILROAD zum Speedbootfahren auf dem Hjälmaren-See, so kommt man sich beim Opener Ain´t Fit To Live Here oder auch beim Titelsong vor. Dabei gehen sie aber nicht so fast überzogen energisch vor wie z.B. die Kollegen von THE CRYSTAL CARAVAN, GRAVEYARD gehen deutlich abwechslungsreicher vor und treten nicht nur Popo. Klar ist es einfallslos, bei jeder Retro Rock-Band auf LED ZEPPELIN zu verweisen, aber wenn man das gleich als zweiten Song gesetzte Highlight No Good, Mr Holden präsentiert, eine herrlich bluesige Hippie-Halbballade, da ist das unvermeidbar. Zumal auch die Vocals sich gern mal, aber zum Glück nicht ausschließlich an Robert Plant orientieren. Beim intensiven, ebenfalls ruhig dahinbluesenden Uncomfortably Numb packt man eine dicke Scheibe FREE/BAD COMPANY auf´s Knäckebrot, bei manchen Songs taucht sogar mal hier eine Prise ROLLING STONES, dort MOTT THE HOOPLE oder BLUE CHEER auf. Anfangs etwas irritierend wirkt Longing, grob BLACK SABBATH´s Planet Caravan goes Wild West klingt das smooth dahingleitende Instrumental mit dezentem, gutgelauntem Gepfeife, als würde Karl Mays Sam Hawkins auf einem Space-Muli gemächlich entlang des Svartån-Ufers zotteln. Betörend klingt die Lergok (eine schmucke schwedische Keramikpfeife), irgendwie strange, aber spaßig passend zum sympathischen Gesamtbild der Schweden. Langweilig wird das Album nie, es bietet bei gutem Sound einen kurzweiligen Trip zurück in die frühen 70er, echte Nullnummern gibt es keine.

Wer den typischen schwedischen Retro/Hippie-Rock mag, der kommt an GRAVEYARD nicht vorbei. Spannend bleibt, wie weit sich solch eine Band auf einem Metal-Label treu bleiben kann. Hoffen wir im Namen der Flower-Power, dass Nuclear Blast da ein geschicktes Händchen beweisen.

Veröffentlichungstermin: 25.03.2011

Spielzeit: 39:33 Min.

Line-Up:
Joakim Nilsson – Gitarre, Gesang
Jonatan Larocca Ramm – Gitarre, Gesang
Rikard Edlund – Bass
Axel Sjöberg – Schlagzeug

Gäste:
Petrus Fredestad – Hammond (6, 7)
Nils Dahl – Piano (6)
Erik Sjoberg Ridderstrom – Lergok (6)

Produziert von Don Ahlsterberg
Label: Nuclear Blast

MySpace-Seite: http://www.myspace.com/graveyardsongs

Tracklist:
1. Ain´t Fit To Live Here
2. No Good, Mr Holden
3. Hisingen Blues
4. Uncomfortably Numb
5. Buying Truth
6. Longing
7. Ungrateful Are The Dead
8. RSS
9. The Siren

Frank Hellweg
Lebensmotto "stay slow", Doomer halt.... Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!