DORO: Forever Warriors, Forever United [2CD]

DORO: Forever Warriors, Forever United [2CD]

Was soll man groß zu DORO schreiben? Für die einen ist sie die einzig wahre Metal Queen, die als Sinnbild einer ganzen Szene steht. Für andere verkörpert sie im Umkehrschluss das lebende Metalklischee. Aber wirklich jeder, selbst als nicht-Metal-Fan, kennt diese Frau, das muss man erstmal schaffen! Nachdem die letzten Alben ja wieder deutlich besser waren, die letzte „Für immer“-Sammlung kenne ich nicht, legt DORO nun mit einem Doppelalbum ein fettes, hübsch aufgemachtes Großpaket vor. Dafür braucht es reichlich Material, das war da, warum also nicht. Die harte und die zarte Seite wollte Doro Pesch ausleben. Zum Glück entschied man sich nicht für einen konsequenten Split der beiden Stile, es wurde sinnvoll gemischt mit dezentem Fokus hart auf „Forever Warriors“ und mehr auf zart bei „Forever United“.

DORO liefert mit Nummer 20 ein Doppel-Album

Fragen gibt es keine, „Forever Warriors“ legt sofort amtlich vor. Der Opener „All For Metal“ bringt alles mit, um jeden DORO-Fan glücklich die Faust nach oben strecken zu lassen. Zudem gibt es hier eine ordentliche Runde Gäste, von der man jedoch nicht viel heraushört. So gibt es hier wohl doch u.a. Mille (KREATOR), Johan Hegg (AMON AMARTH), Chuck Billy (TESTAMENT), SABATON und ein letztes Mal Warrel Dane (SANCTUARY, NEVERMORE) zu hören. „Bastardos“, ein simpler, überraschend rasanter Song. „If I Can´t Have You – No One Will“, ein klasse Beauty and the Beast-Song mit Hitcharakter. Johan Hegg kontert mit seinem tiefen Gegrunze DORO´s Stimme perfekt. „Turn It Up“, da hat man tatsächlich das Metalgirlie wieder vor Augen, kurz nach der „Burning Witches“ etwas schüchtern noch im schwarzen Catsuit mit Ledergürtel. Auch „Blood Sweat And Rock ´n´Roll“ tritt mit reichlich TWISTED SISTER-Vibes ordentlich Popo. Das wars dann auch, „Don’t Break My Heart Again“ fand ich schon bei WHITESNAKE unnötig, DORO steht er aber durchaus gut.

Dem gegenüber stehen die bei DORO unvermeidbaren Kitsch-Balladen. Sowas wie „Soldier Of Metal“, das schmalzige „Love´s Gone To Hell“ oder „Freunde fürs Leben“ muss man nicht mögen. Sehen die Die Hard-Fans sicher anders, bei letzterem liegen sich live sicher alle glücklich in den Armen. Beim theoretisch letzten „Backstage To Heaven“ groovt es recht nett, braucht man einen coolen Part mit Saxophon? Klar, wenn das von HELGE SCHNEIDER kommt, warum nicht. Braucht man Bonussongs, die sich nicht wirklich absetzen, weil sie stimmig zum Album passen? Ja, „Black Ballad“, eine schwere tiefe Ballade mit herrlich traurigen Streichern. Nicht nur im Titel, auch in der Grundstimmung erinnert der Song an den ruhigen Teil von KISS´ „Black Diamond“. Sicher kein Zufall, das sogar das Solo einen starken ACE FREHLEY-Touch hat. Auch „Bring My Hero Back Home Again“ mit reichlich Folk/Flower Power-Flair passt gut zu DORO´s Stimme, das kann sie also auch.

Oft typisch DORO, mal auch neue Töne auf „Forever Warriors, Forever United“

Und was kann „Forever United“? Laut rocken mit „Résistance“, aber zumeist unfassbar auf die Tränendrüse drücken wie bei „It Cuts So Deep“ oder „1000 Years“. Hier etwas poppige Melodien, dort ein Touch Alternativ-Rock, bunt ja, aber oft wenig packend. Nett die Version des MOTÖRHEAD-Songs „Lost In The Ozone“, mit „Living Life To The Fullest“ widmet DORO unserem LEMMY einen eigenen Song und im Booklet das ganze Album. Fair muss man sein: DORO selbst spielt oft mit neuen Melodien und Klangformen. Das ist mutig und stimmig, nur die Songs können oft nicht mithalten. Zu vorhersehbar, zu simpel um den klassischen DORO-Fan nicht zu erschrecken. Mut beweist DORO hingegen beim als Bonus nachgerutschten „Caruso“. Sauber abgeliefert, aber schwer verdaulich für den geneigten Hard`n´Heavy-Fan. Unnötig, aber ein klares Statement wie sie zu ihrer aktuellen Band steht ist das Instrumental „Tra Como E Coriovallum“. Wobei das mit der Band auf dem Album relativ ist, der Großteil wurde komplett von Andreas Bruhn eingespielt. Mit ihm hat DORO auch die meisten Songs geschrieben und das Album produziert. Reichlich Gäste sind zu hören, hier und da gab es Unterstützung von anderen Songwritern. Ja ja, „Metal Is My Alcohol“, ein plumper Rocker im GIRLSCHOOL-Stil, Spaß macht er schon irgendwie. Die Produktion ist wenig überraschend gut, die oft recht dünne Gitarre hätte aber gern etwas mehr Druck haben dürfen.

„Forever Warriors, Forever United“: viel drauf, viel gut, viel nur nett

Das prägt so das ganze Doppelalbum: viel drauf, viel gut, viel nur nett, manches sehr Geschmackssache. Alles macht durchaus Spaß, wenn man DORO mag, aber in der Summe der Songs halten sich die wirklich guten und die nicht prickelnden die Waage. Hätte man ein Album zusammengezogen, das wäre richtig stark. Den Rest als Bonus auf die übliche Fan-Edition und alles passt. So gibt es halt auf „Forever Warriors, Forever United“ ein fettes Paket DORO, hübsch verpackt, bei dem weniger durchaus mehr gewesen wäre. Dass dies Album mal eben von 0 auf Platz 4 die Charts knackt zeigt, das DORO auch so ihre Fans glücklich gemacht hat. Etwas, dass dieser Frau glaubhaft wichtig ist.

Veröffentlicht: 17.08.2018

Spielzeit: 52:55 / 47:11 Min.

Lineup:
Doro Pesch – Vocals
Nick Douglas – Bass, Keyboards, Vocals
Bas Maas – Guitars, Vocals
Luca Princiotta – Guitars, Keyboard, Vocals
Johnny Dee – Drums, Vocals

Label: Nuclear Blast

Website: https://www.doromusic.de

Mehr im Web: https://www.facebook.com/DoroPeschOfficial

Die Tracklist von „Forever Warriors, Forever United“:

„Forever Warriors“
1. All For Metal
2. Bastardos
3. If I Can´t Have You – No One Will
4. Soldier Of Metal
5. Turn It Up
6. Blood Sweat And Rock `n´ Roll
7. Don´t Break My Heart Again
8. Love´s Gone To Hell
9. Freunde Fürs Leben
10. Backstage To Heaven
11. Be Strong (Bonus)
12. Black Ballad (Bonus)
13. Bring My Hero Back Home Again (Bonus)

„Forever United“:
1. Résistance
2. Lift Me Up
3. Heartbroken
4. It Cuts So Deep
5. Love Is A Sin
6. Living Life To The Fullest
7. 1000 Years
8. Fight Through The Fire
9. Lost In The Ozone
10. Caruso (Bonus)
11.Tra Como E Coriovallum (Bonus)
12. Metal Is My Alcohol (Bonus)

Frank Hellweg
Lebensmotto "stay slow", Doomer halt.... Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!