BRAIN DAMAGE: Born To Lose…Live To Win [Eigenproduktion]

BRAIN DAMAGE: Born To Lose…Live To Win [Eigenproduktion]

Eine CD-Besprechung wird leicht von situationalen Einflüssen geprägt. Morgen gehe ich endlich mal wieder auf ein BLIND GUARDIAN-Konzert. Dementsprechend bin ich schon beim Opener Anarchy geneigt, Born To Lose…Live To Win als bombast- und folkorefreies Gardinen-Material zu beschreiben. Thrash-Riffs treffen auf Speed-Elemente und stimmige Melodie-Fragmente. Bei Terrorizer gehen die Assozationen nahtlos weiter: Klangen so nicht damals GRINDER? Flott in der Strophe, beim Refrain mehr Wucht, weniger Tempo – und wieder eine gewisse Ähnlichkeit mit dem BLIND GUARDIAN-typischen Riffing. Spätestens beim Titeltrack Born To Lose bleibt kein Zweifel mehr, dass es sich hier um einen Leckerbissen für Fans des Teutonen-Thrash handelt. Die Einflüsse von SLAYER, EXODUS und Co. beschränken sich auf ein Minimum. Stattdessen gibt es die typische Abwechslung bei den Arrangements und bei den Lead-Gitarren passenderweise auch ein Gastspiel von Charly Steinhauer (PARADOX). Das Grundtempo ist hoch, wird jedoch regelmäßig durch Midtempo-Teile aufgelockert und nie durch hirnloses Gebolze gestört. Und wo TANKARD und SODOM mit Punk-Einflüssen liebäugeln, bedienen sich BRAIN DAMAGE lieber beim riff-orientierten Power Metal, wie man ihn einst auf den ersten ICED EARTH-Alben hörte. Selbstredend ist die CD frei von Metal Core-Ausbrüchen und Keyboard-Spielereien.

Die Songs klingen wuchtiger und weniger rumpelig als früher bei VENDETTA, der Ex-Band von Bandkopf Micky Wehner und BRAIN DAMAGE-Mitgründer und -mitsongwriter Daxx. Der raue Gesang kann sich nur sporadisch gegen die kraftvollen Gitarren durchsetzen. Natürlich klingt das Endergebnis immer noch zigmal schlüssiger als das Gekrächze bei MEGADETH. Insgesamt sollte man aber nicht allzu gesangsfixiert sein, um Live To Lose…Live To Win zu mögen, zumal der längste Song des Albums, Arachnophobia, instrumental daherkommt (und erfreulich spannend durchkomponiert wurde). Die gut ausbalancierte Produktion drängt die Stimme zum Glück nicht ständig in den Vordergrund. Klar, der Bass ist bei so einer Musik weniger wichtig, dafür kommen die Gitarren und das Schlagzeug bestens rüber, ohne dass die einzelnen Spuren hier digital zu Tode sterilisiert wurden.

Auch wenn der Stil der Band altmodisch sein mag, die Musik klingt frisch. Das große Publikum gab es für diese Art des Metals eigentlich noch nie. Doch das Interesse ist auch nie ganz erloschen, so dass die traditionelle Fraktion der Thrash-Szene mit BRAIN DAMAGE Bekanntschaft schließen sollte.

Das Album gibt es für 7,50 Euro (inkl. V+P) bei der Band.

Veröffentlichungstermin: 14.04.2014

Spielzeit: 39:31 Min.

Line-Up:
Micky Wehner: Gesang, Gitarre
Michel Lorz: Gitarre (live)
Michäl Guerra: Bass (live)
Daniel Buld: Schlagzeug

Produziert von Micky Wehner

Homepage: http://www.brain-damage.eu

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/braindamagemetal

Tracklist:
1. Anarchy
2. Terrorizer
3. Bite
4. Born To Lose
5. The Fall
6. Shooter
7. Arachnophobie
8. Revenge