ABHORRENCE: Megalohydrothalassophobic

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ABHORRENCE brauchen nicht mal eine halbe Stunde, um den ewigen Schlaf von Cthulhu zu beenden. H.P. Lovecrafts mythologische Gestalt mit dem Tentakelgesicht erhebt sich aus dem Meer und bringt das Verderben – und im Hintergrund lärmen ABHORRENCE und zeigen, wie man Old-School-Death Metal mal schleppend, mal im Grindcore-Tempo spielt und dabei alles und jeden mitreißt. Passender könnte ein Lovecraft-Soundtrack kaum sein.

Dabei ist’s eigentlich nur Old-School-Death Metal, der wirklich sehr, sehr altmodisch und räudig ist – und aus einer Zeit stammt, in der sich noch keiner so recht traute, Poser-Kram in seine Songs integrieren. Die finnischen Landsmänner von DEMIGOD oder CONVULSE haben auf ihren ersten Alben im selben trüben, modrigen Wasser nach Ideen gefischt und allerlei Abscheuliches an Land gezogen. Und natürlich hingen auch ABHORRENCE biertrinkend dort am Ufer rum, jedenfalls solange bis Tomi Koivusaari mit AMORPHIS in andere Gewässer stach.

ABHORRENCE sind mehr als eine Legende

Ja, ABHORRENCE sind auch eine dieser Band-Legenden: Neben AMORPHIS-Gitarristen Tomi Koivusaari spielen auch einige Musiker von REBIRTH mit und neuerdings ist PARADISE LOST– und VALLENFYRE-Drummer Waltteri Väyrynen mit an Bord. Anfang der Neunziger brachten ABHORRENCE ein Demo, eine Split und eine EP raus, danach gab’s nur noch eine Compilation der Plattenfirma und den Legendenstatus – zu dem mit Sicherheit beigetragen hat, dass der ABHORRENCE-Song „Vulgar Necrolatry“ von Tomi Koivusaari ins Repertoire seiner neuen Band AMORPHIS gerettet wurde. Seit einigen Jahren tauchten ABHORRENCE hier und da auf Festivals auf – und nun gibt’s mit „Megalohydrothalassophobic“ ein Album. Zwar nur mit einer knappen halben Stunde Spielzeit, die hat es aber in sich.

„Megalohydrothalassophobic“ ist Strudel, der alles einsaugt

„Megalohydrothalassophobic“ ist alles andere als eine dieser „Komm, wir lass uns nochmal was zusammen machen“-Veröffentlichungen, die man sich mühevoll aus Nostalgie schönhören muss. Auf dieser Platte sitzt jeder Ton, jedes Geräusch, jeder der vielen (Sound)Effekte. Mit „The End Has Already Happened“ haben ABOHORRENCE eine Hymne und ein Lehrstück für den alten Death Metal geschrieben, die jeden ködern sollte, der in irgendeiner Weise an extremer Musik interessiert ist.

Fast scheint es, als ob ABHORRENCE die letzten zwanzig Jahre über diesen vier Songs gebrütet hätten, bis wirklich alles passt – wäre da nicht dieser unwiderstehliche Groove, mit dem ABHORRENCE alles und jeden in die schwarze Tiefe des Lovecraftschen Universums locken. Sowas kann man nicht planen oder erzwingen (sonst würden’s mehr Bands tun). In jedem der Songs stecken so unglaublich viele Parts, Riffs, Breaks und Ideen – und trotzdem verheddern sich ABHORRENCE zur keiner Sekunde. Man kann „Megalohydrothalassophobic“ immer wieder und wieder hören und entdeckt im Mahlstrom der Songs auch immer und immer wieder neues bis die Wellen erneut über allem zusammenschlagen. Der grandiose, druckvolle Sound von „Megalohydrothalassophobic“ tut sein Übriges. Besser kann man seinen Legendenstaus nicht zementieren.

Veröffentlichungstermin: 15. September 2018

Label: Svart Records

ABHORRENCE „Megalohydrothalassophobic“ Tracklist

1. Intro – The Mesh
2. Anthem For The Anthropocene (Audio bei YouTube)
3. The Four Billion Year Dream
4. Hyperobject Beneath The Waves (Audio bei YouTube)
5. The End Has Already Happened

Line-up ABHORRENCE

Jussi „Juice“ Ahlroth – Bass (ex-DISASTER, ex-REBIRTH)
Kalle Mattsson – Gitarre (ex-REBIRTH)
Tomi Koivusaari – Gitarre (u.a. AMORPHIS, ex-AJATTARA)
Jukka Kolehmainen – Gesang (ex-REBIRTH)
Waltteri Väyrynen – Drums (u.a. PARADISE LOST, VALLENFYRE)

andrea
Kümmere mich seit 1999 um Reviews, Interviews und den größten Teil der *Verwaltung*, Telefon-Dienst, Beschwerdestelle, Versandabteilung, Ansprechpartner für alles, Redaktionskonferenz-Köchin...