CD-Review: HORSEBACK: The Invisible Mountain. Mehr von HORSEBACK

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    Amerika ist tot, und dies ist sein Requiem. Zusammen mit den sterblichen Überresten von Folk, Psychedelic Rock, Ambient, Drone und LoFi-Sludge zieht der Leichenzug HORSEBACK über eine verdörrte, staubige Landschaft, in Richtung Süden, dort hin, wo angeblich noch Wasser existiert und und es noch Nahrung gibt. Der Wind wirbelt den heißen Sand auf, der auf der Haut brennt und Abschürfungen und Schwielen hinterlässt. HORSEBACK ist eine gemeine Erfahrung, bei der du dich fühlst, wie einer der Überlebenden nach einem Atomkrieg, wo alles, das dich umgibt, feindlich und böse ist. "The Invisible Mountain", ihr drittes Album wägt dich in trügerische Sicherheit, es hypnotisiert, baut Wände mit offenenen Gitarrenakkorden auf, Black Metal-Kreischen sammelt sich im Hintergrund, bei den teils verzerrten Bassläufen werden vordergründig die Gitarren seltsame Melodien spielen.

    Diese Musik ist Anti. Anti-Folk, Anti-Psychedelic, Anti-Alles. So roh und schräg, dass sie zurecht auf AURORA BOREALIS veröffentlicht wird, zumindest auf Vinyl. Um den digitalen Tonträger kümmern sich RELAPSE, die sich hier auf stilistisches Neuland begeben. Aber klar ist, HORSEBACK sind im Vergleich zu üblichen AURORA BOREALIS-Veröffentlichungen leicht verdaulich. "The Invisible Mountain" ist eine schmerzhafte Reise durch graue Welten, die grimmig aussieht, sich aber mehr und mehr erschließt und eine bittere Poesie inne hat, dabei aber immer flimmert wie die Luft über dem Asphalt an einem Tag mit über vierzig Grad Celsius. Wo die ersten drei Songs noch zu bösen Klagegesängen werden, ist das überlange abschließende "Hatecloud Dissolving Into Nothing" eine fast versöhnliche Angelegenheit, die sich mit schönen Gitarren, flächigen Synthesizern und melancholischen Details langsam aufbaut und deren Gesamteindruck auch nicht vom Kreischen Jenks Millers, dem Hauptverantwortlichen dieser surrealen spirituellen Reise, zerstört werden kann.

    HORSEBACK ist das, was aus der Musik wird, wenn die Liebe zum Geschäft immer wichtiger wird und dabei auf die Kunst verzichtet wird. Ein hässliches, aber trotzdem wunderschönes Gegenstück zu allem, was angesagt ist, ein Ritual zwischen Aleister Crowley und Schamanismus zum Bekämpfen der Seelenlosigkeit. Da drängt sich die Frage auf, ob wir nicht schon mitten in der Postapokalypse stecken. So oder so, "The Invisible Mountain" ist pur und rein, auch wenn es wie ein Koloss an Schlechtigkeit wirkt. Oben ist unten und unten ist oben. Dieses knöcherne Pferd trägt dich entweder direkt in den Himmel, oder in die Hölle.

    Veröffentlichungstermin: 30. Juli 2010

    Spielzeit: 38:08 Min.

    Line-Up:

    Jenks Miller - Vocals, Electrical Guitar, Piano, Bass, Lap Steel, Ebow, Keyboard, Synthesizer, Tanpura, Shruti Box, Drums, Percussion, Processing, Fuzz FX


    Label: Relapse Records

    MySpace: http://www.myspace.com/horsebacknoise

    Tracklist:

    1. Invokation
    2. Tyrant Symmetry
    3. The Invisible Mountain
    4. Hatecloud Dissolving Into Nothing


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