Live: PARTY.SAN OPEN AIR 2003. Mehr von PARTY.SAN OPEN AIR

  • 7. bis 9. August 2003, Bad Berka





    Vorwort
    Freitag, 08.08.2003
    HELHEIM | DISBELIEF | GOD DETHRONED | VADER | MALEVOLENT CREATION | NAGLFAR

    Samstag, 09.08.2003
    FALLEN SAINTS | DARK FORTRESS | KATAFALK | THORIUM | ABORTED | PRIMORDIAL | DIMENSION ZERO | BEHEMOTH | KATAKLYSM | MARDUK

    Foto-Gallery vom PARTY.SAN 2003



    Vorwort
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    Es liegt in der Natur des Menschen, solange zu überlegen, bis man etwas zum Rummäkeln gefunden hat. Beim Party.San 2003 muss man aber schon eine ganze Weile nachdenken, denn offensichtliche Kritikpunktpunkte gibt es einfach nicht. Die Veranstalter haben sich einmal mehr so richtig ins Zeug gelegt und so kann man die übliche Festival-Beschwerden-Checkliste schnell beiseite legen. Die sanitären Einrichtungen waren in Ordnung, die Preise vorbildlich, das Essensangebot war ebenfalls in Ordnung - auf dem Party.San gab es tatsächlich Essen und nicht nur weitgehend geschmacksfreie Substanzen. Kurzfristige Bandabsagen gab es ebenfalls keine, lediglich NAGLFAR und MALEVOLENT CREATION tauschten ihre Plätze im Billing – diese Änderung sprach sich aber schnell rum. Die Security war locker, aber bestimmt, wenn es drauf ankam. Für Souvenirjäger gab es neben den offiziellen Merchandise (der mit fairen Preisen zu Buche schlug) weitere Stände mit Shirts oder Platten. Alles in allem war das PARTY.SAN 2003 für uns das schönste und entspannteste Festival des Jahres, auch leichte Soundprobleme konnten den Spaß an diesem wirklich außergewöhnlichen Festival nicht verderben.





    Die Macher des PARTY.SAN konzentrieren sich auf den extremen Metal – statt einen faulen, von Sonnenaufgang bis Sonnenaufgang voll gestopften Kompromiss-Billing, das möglichst viele Leute ansprechen soll, wird beim Party.San auf Death- und Black Metal gesetzt. Dabei herrschte eine gesunde Mischung, neben tourfreudigen Bands wie VADER holten die Veranstalter auch die ein oder andere Band auf die Bühne, die man nicht alle Tage live sehen kann. Als Höhepunkte kann man sicher die Auftritte von NAGLFAR, PRIMORDIAL, KATAFALK und BEHEMOTH sehen – den Verliererplatz dürfen sich DIMENSION ZERO mit THORIUM teilen.



    Freitag, 08.08.2003

    HELHEIM
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    Es ist schon ziemlich surreal, wenn man nach mehrstündiger Fahrt in einem Glutofen von Auto erschöpft auf das Festivalgelände zockelt und dort grimmige Nordmänner ihre Kettenhemden in der Sonne blitzen lassen. HELHEIM schafften es leider auch nicht hundertprozentig, die gemütliche Grillabend-Atmosphäre zu kippen und Wikinger-Feeling aufkommen zu lassen. Die Band bewegte sich tapfer und riskierte so den ein oder anderen schweißbedingten Rostfleck in der Gewandung, doch trotz wirklich guter Songs, die sowohl vom aktuellen Album Yersinia Pestis und den älteren Scheiben stammten, wollten sich nur wenige Besucher auf die nordischen Epen der Band einlassen. Doch nicht nur die widrigen Umstände wie strahlender Sonnenschein und höchste Temperaturen machten HELHEIM einen dicken Strich durch die Rechnung, auch der Mischer war der Band unüberhörbar schlecht gesonnen. Wer die Songs schon einmal von CD gehört hatte, war klar im Vorteil, denn wer nur den flüchtigen Eindruck vom Party.San mitnahm, weiß wahrscheinlich bis heute nicht, dass HELHEIM recht gute Songs schreiben können.


    DISBELIEF
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    Mit wirklich druckvollem Sound meldete sich dann eine der interessantesten deutschen Bands unüberhörbar zu Wort. Sänger Jagger ist mehr als nur ein Ersatz für alle, die gerne wieder etwas vom nahezu unerreichten OBITUARYHELHEIM nicht gelingen wollte, schafften DISBELIEF mit links: Sie bauten Atmosphäre auf. Düster, bedrohlich und weitab vom Durchschnittsgeknüppel. „To The Sky“, „Ethic Instinct“„ Misery“, „Falling Without Reason“, „God? Master!“ irgendwie haben alle Songs dieser Band eine rohe Gewalt, die nicht in purer Geschwindigkeit gründet, sondern in ihrer Dichte, die durchaus klaustrophobische Anfälle hervorrufen kann. Bei DISBELIEF passte an diesem Abend alles: Fies sägende Gitarreriffs, treibendes Druming und Jaggers außergewöhnlich intensive Vocals. Nach diesem Auftritt wirkte sogar das Zwitschern einiger unerschrockener Vögelchen bedrohlich.


    GOD DETHRONED
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    Die holländischen Veteranen überraschten. Man kann von GOD DETHRONED eigentlich eine routinierte Show erwarten, doch irgendwie habe ich bei der Band immer den Eindruck, dass sie sich auf der Bühne nicht hundertprozentig wohl fühlt. Beim Summer Breeze zwei Wochen später bestätigte sich dieser Eindruck dann auch wieder. Das Set beim Party.San hingegen war deutlich über dem Durchschnitt; zwar konnten die Tulpenköpfer die Distanz zwischen Publikum und Band auch hier nicht ganz überbrücken, doch der Auftritt zu vorgerückter Stunde ließ die - wie immer - ein wenig statische Show in viel überzeugenderem Halbdunkel erscheinen. Mit einer ordentlichen Lichtshow wirken Songs wie „Villa Vampiria“, „Into The Lungs Of Hell“, „Soulsweeper“, „Somberness of Winter“ oder „Serpent King“ gleich viel beeindruckender und so war es auch nicht weiter verwunderlich, dass die Band vom Publikum ausgesprochen freundlich empfangen, durch das Set begleitet und verabschiedet wurde.


    VADER
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    „Och nöööö... Nichschonwiederdie“ - dieser Gedanke schießt spontan wohl nicht nur mir durch den Kopf, wenn er das Logo der Polen auf irgendeinem Plakat erblickt. Doch genau genommen ist es viel komplizierter. Das Faszinierende an VADER ist nicht nur, dass sie wirklich überall spielen und dabei immer fast schon zu perfekt sind. Nein, sie schaffen es obendrein, dass man trotz anfänglicher Vorbehalte die Shows letztendlich doch gut findet. So war es dann auch beim Party.San: Ganz seelenlos schienen die Polen mit dem Hauptwohnsitz „on the Road“ an diesem Abend nicht zu sein. Sie ratterten ihre Songs quer durch die Diskographie zwar wie eine bestens geölte Nähmaschine runter, doch ab und zu blitze neben dem Stroboskop auch so etwas wie Gefühl durch die Tourmaschinerie. Neben „Xeper“, „Reign forever World“ und „Nomad“ gab es zum krönenden Abschluss auch noch die obligatorische „Reign In Blood“ Coverversion – und spätestens da waren dann wirklich alle wider wach, egal aus welchen Gründen sie vor sich hindämmerten.


    MALEVOLANT CREATION
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    Die Amis mussten ihre Show vorverlegen, da sie einen Flieger erreichen musste, der verständlicherweise keine Rücksicht auf den Terminplan von ein paar Musikern nehmen konnte. Und ich kann es nicht ändern, ich mag die Band einfach nicht. Das liegt weniger an den Songs als an dem meiner Meinung nach recht unsympathischen und prolligen Auftreten der Band. Sänger Kyle Symons Stimmbänder waren zudem anscheinend nicht in Bestform – ein wenig schlabbrig und drucklos klang er schon. Auch wenn er brüllte wie ein Irrer, mir fehlte die Tiefe, um Songs wie „Blood Brothers“, Slaughter Of The Innocent“ oder „Multiple Stabwounds“ richtig zünden zu lassen. Wahrscheinlich ist das ein rein subjektiver Eindruck, aber auch beim Party.San wurde ich nicht warm mit der Band. Das war solide und tight und aggressiv und - in meinem Augen - durchschnittlich. Mit „Malevolent Creation“ schüttelte die Band noch ein Überraschungssong aus dem modrigen Ärmel und Feuerchen auf der Bühne heizten die Stimmung, die vor der Bühne wirklich gut war, zusätzlich an. Über mangelnden Zuspruch konnten sich MALEVOLENT CREATION nicht beschweren, und ich werde mich halt noch mal die ein oder andere Platte der Band anhören – vielleicht komme ich ja dann endlich hinter das Geheimnis.


    NAGLFAR
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    NAGLFAR rutschten unverhofft auf die Headlinerposition und wurden dieser Stellung mehr als gerecht. Dem Video vom PARTY.SAN 2001 nach zu urteilen, muss die Show damals unglaublich gut gewesen sein. Zwei Jahr später standen die Schweden nun zum zweiten Mal auf der Bühne in Bad Berka und konnten alle Erwartungen erfüllen. Die Verwandlung der Band von netten Jungs, die artig Autogramme schreiben und übers sonnengeflutete Festivalgelände tappern, zu unheimlichen Düstergestalten mit enormem Faszinationspotential ist schlicht unglaublich – doch sie hat funktioniert. Die Setlist bestand zur Hälfte aus Songs vom aktuellen Album Sheol, die zweite Hälfte aus älteren Stücken wie „As Twilight Gave Birth To The Night“, „Emerging From Her Weepings“ oder „Horncrowned Majesty“. Doch nicht nur die exzellente Songauswahl machte den Auftritt von NAGLFAR zu einem Highlight der diesjährigen Festivalsaison. NAGLFAR wirkten im Gegensatz zu manch anderer Band, die mit schöner Beständigkeit die Bühnen beackert, hungrig, motiviert, hundertprozentig von eigenen Tun überzeugt und waren deshalb absolut mitreißend. Gesten und Posen, die zum Standardrepertoire vieler Exrem-Metal Bands gehören, werden von dieser Band mit Leben erfüllt – der eiskalte, atmosphärische Hauch, der über das Gelände wehte, war nicht tot, sondern voller Kraft und Stärke. Man konnte nur mit offenem Mund dem Spektakel auf der Bühne folgen und NAGLFAR ausgiebig bejubeln – ein höllisch guter Auftritt einer teuflisch guten Band.


    Samstag

    FALLEN SAINTS
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    Nicht nur optisch, sondern auch musikalisch erinnert diese Band etwas an AMON AMARTH – was durchaus positiv zu verstehen ist. Kaum zu glauben, aber laut der Ansage des Sängers stand die Band beim Party.San erst zum zweiten Mal auf der Bühne eines Open Airs – Respekt, denn dafür schlugen sich die Jungs mehr als wacker. Schwedischer Death Metal mit melodischem Einschlag, der zwar nicht übermäßig durch Eigenständigkeit glänzte, dafür aber mit grundsoliden und mitreißenden Songs überraschte, war genau das, was die Besucher brauchten, um aufzuwachen. Als Anheizer für einen langen (und wiederum sehr heißen) Festivaltag machten FALLEN SAINTS ihre Sache perfekt. So tummelten sich dann auch immer mehr Besucher vor der Bühne und belohnten eine wirklich gute Band mit viel Applaus. FALLEN SAINTS haben an diesem Nachmittag mit Sicherheit Interesse wecken können und den ein oder anderen Fan dazu gewonnen.


    DARK FORTRESS
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    Auf DARK FORTRESS haben offenbar eine ganze Menge Leute gewartet, denn das Menschenaufkommen vor der Bühne war beachtlich angesichts der Tatsache, dass die Band als zweite des Tages in glühender Hitze spielen musste. Black Metal unter blauestem Himmel funktioniert selten, und auch DARK FORTRESS konnten keine klirrende Kälte verursachen – stattdessen gab es fiesen Black Metal mit Kreischvocals, zerschmelzendes Corpsepaint und Stageacting, das keine Rücksicht auf Schweißströme nahm. Ein durchweg ordentlicher Auftritt, der die dunkle Seite des Party.Sans, der in diesem Jahr durch das eher deathmetal-lastige Billing etwas weniger betont wurde, zeigte. Die Erwartungen des Publikums schienen erfüllt zu werden, denn alle harrten tapfer aus und auch wenn ich persönlich mit Black Metal im Allgemeinen einfach wenig anfangen kann, hat mich der Auftritt der Band durchaus gefallen.


    KATAFALK
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    KATAFALK waren DIE Überraschung des Festivals. Ihr Debüt Storm Of The Horde hatte ich eher als lau in Erinnerung, doch als die Band die Bühne betrat, hatten sie schon durch ihre durchweg freundliche und sympathische Ausstrahlung gewonnen. Energiegeladenes Stageacting, gute Musiker und Deathgerumpel mit Thrash-Einschlag, ließen den faden ersten Eindruck, den ich von der Band hatte, schnell vergessen. Diese Band ist hungrig. Auch wenn sie mit ihrer Musik sicherlich keinen Originalitätspreis gewinnen werden, wusste Henri Sattler von GOD DETHRONED offenbar genau, was er tat, als er KATAFALK bei seinem Label Cold Blood Industries unter Vertrag nahm. KATAFALK sind jung, beherrschen ihre Instrumente und gehen überaus motiviert auf die Bühne. Neben Songs von Debüt wie „Rise Now“ (passenderweise gleich als Aufforderung an den Beginn des Sets gestellt), „Astethic Vampire“ oder „Redeemer“ spielten die Jungs auch einen neuen Song, der in dieselbe Kerbe zwischen Death und Black schlägt. Bleibt zu hoffen, dass die Band in Zukunft immer so frisch und motiviert ans Werk geht – dann könnte da was draus werden!


    THORIUM
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    Eine Band, die ich auf CD immer sympathisch fand. Die Vergangenheitsform ist mit Bedacht gewählt, denn der Auftritt von THORIUM hat einiges an dem positiven Bild, das ich bislang von der Band hatte, geändert. Ich hatte den Dänen immer eine gesunde Portion Selbstironie unterstellt, doch davon war live nicht viel zu sehen – im Gegenteil. THORIUM pflegten ihr Image als prollige Death Metal Band dermaßen, dass sich etliche auf dem Gelände von der Bühne zu den Getränkeständen schlichen. Musikalisch war alles im grünen Bereich, die Songs der beiden Alben und sowie ein CANCER- und ein DEICIDE-Coversong haben auch live die Power und den Mitreißfaktor, der die Band auf CD auszeichnet. Was störte, waren die ewig langen und ziemlich dummen Ansagen von Sänger Michael H. Anderson, das übertriebene Gepose der Band und die unglaublich gekünstelt wirkende Haltung der Musiker. Es ist ja schön und gut, wenn man Spaß auf der Bühne hat – wenn der Humor aber nicht ankommt, könnte man sich als Musiker auf die Songs konzentrieren, damit wäre der Band und den Zuschauern eher gedient. THORIUM ließen diese Chance jedoch ungenutzt an sich vorüberziehen und so kann man die eingangs von der Band gestellte Frage „We are THORIUM and who the fuck are you?“ recht einfach beantworten. Ich bin ein Zuschauer, der keine Clowns auf der Bühne sehen will. Ganz besonders dann nicht, wenn die Band Songs am Start hat, die eigentlich überzeugen sollten.


    ABORTED
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    Ein kleines Intro und dann war die Hölle auf der Bühne los. Belgier sind offensichtlich äußert hitzeresistent, den durchgehendes Synchron-Banging und viel, viel Bewegung auf der Bühne zeigten, dass es auch ohne Kaspereinen geht. ABORTED operierten mit chirurgischer Präzision den Unwillen über ihre Vorgänger aus den Sinnen. Death Metal mit grindigen Einsprengseln, bei dem die Erwähnung einzelnen Songs überflüssig ist. Das klang alles wie aus einem Guss und lockte mehr und mehr Leute vor die Bühne. Enttäuscht dürfte keiner gewesen sein, dann was die Band optisch und akustisch über Bad Berka hereinbrechen ließ, war beeindruckend.


    PRIMORDIAL
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    PRIMORDIAL-Sänger Alan A. Nemtheanga ist offenbar nicht ganz so immun gegenüber hohen Temperaturen. Oder sein etwas unsteter Gang und knallroter Kopf vor dem Konzert ist auf das ein oder andere Getränk zurückzuführen. Wie auch immer, das Ergebnis dieser Überlegungen bleibt der Spekulation überlassen. Meine Erwartungen waren hoch, denn seit dem überwältigendem Auftritt beim With Full Force 2000, bei dem das Wetter plötzlich umschlug und ein kleiner Regensturm den richtigen Rahmen für dem Auftritt der Iren schaffte, mag ich diese Band einfach gerne. In Bad Berka war nicht mit einem Wetterumschwung zu rechnen, die Sonne bretzelte weiter unbarmherzig vom Himmel. Letztendlich sind PRIMORDIAL auch nicht auf Nebensächlichkeiten wie das Wetter angewiesen, denn Frontman A.A. Nemtheanga ist nicht nur Sänger, sondern auch Zeremonienmeister. Mit einer gemischten Setlist, die unter anderem „Gods To The Godless“, „Sons Of The Morrigan“ und „The Burning Season” beinhaltete, schaffte es die Band, durchaus die ein oder andere Gänsehaut über verschwitze Rücken zu jagen. Nemtheanga steht nicht nur auf der Bühne, er lebt die Songs, er leidet, er fordert, er klagt an, er gibt alles und verwandelt sich vom rotgesichtigen Iren in einen Menschen voller Charisma und Ausstrahlung. Er ist in der Lage, engen Kontakt zum Publikum aufzubauen. Diejenigen, die erfahren haben, wie es ist, wenn er seinen flackernden Blick auf die eigene Person heftet, wissen, was gemeint ist. Der Rest der Band tritt zwangsläufig zurück und steht im Schatten, doch es lohnt sich, den blick vom übermächtigen Frontmann abzuwenden, denn Stageacting gibt es bei PRIMORDIAL auch im Hintergrund. Das Publikum war zu Recht begeistert und somit konnten PRIMORDIAL einen vollen Erfolg verbuchen.



    DIMENSION ZERO
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    Erstaunlicherweise leerte sich der Platz vor der Bühne nach dem gefeierten Auftritt von PRIMORDIAL recht zügig. Man könnte meinen, dass DIMENSION ZERO, bei denen immerhin recht bekannte Musiker wie Jesper Strömblad und Glenn Ljüngström (IN FLAMES, bzw. Ex-IN FLAMES), Jocke Göthberg (Ex-MARDUK) und Hasse Nielson, (ex-CRYSTAL AGE und DIABOLIQUE), etwas mehr ziehen. Doch offenbar war das Interesse eher gering. Viel verpasst hat man auch nicht. Es sei denn, man steht auf ein viel zu langes Intro, schlechten Sound und statische Bühnenshow. Über die Qualität der Songs kann man nicht streiten, denn dass die Herren ihr Handwerk verstehen, steht außer Frage. Fraglich ist eher, warum die Band so gelangweilt in die Runde blickte und sorgsam darauf bedacht war, den Aktionsradius so überschaubar wie möglich zu halten. Vielleicht wog die Enttäuschung über die nicht besonders dicht gedrängten Reihen im Publikum zu schwer? Nachdem die anfänglichen Soundprobleme, besonders der Schlagzeugsound war übel – außer den Toms war praktisch nicht zu hören - gelöst waren, taut wenigstens Sänger Jocke Göthberg ein wenig auf und versuchte das Ruder herumzureißen. Leider war er der einzige auf der Bühne, der sich Mühe gab. Songs wie die zum Zeitpunkt des Party.Sans noch gar nicht veröffentlichten „Killing My Sleep“, oder „Blood On The Streets“ sowie ältere Stücke wie „Not Even Dead“ oder „The Murder-Inn“ hätten sicher einige Leute überzeugen können. Allerdings gehört dazu auch eine vernünftige Show und in der Hinsicht waren DIMENSION ZERO eine große Enttäuschung.


    BEHEMOTH
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    BEHEMOTH war für mich die größte Überraschung des Party.Sans. Mit dem Gedanken „Naja, schaun wir halt mal“ und in der Erwartung seelenlosen Hochgeschwindigkeitsgerumpels zwischen Black und Death Metal wurde ich eines Besseren belehrt. Bei diesem Auftritt war den Blick von der ersten bis zur letzten Minute auf die Bühne geschweißt, es war kaum möglich sich der Faszination zu entziehen. Mit seelenloser und unmenschlicher Präzision spielten sich die Polen durch ihr Set – in diesem Punkt erfüllten sie all meine Erwartungen. So konnte man nur mit heruntergeklappter Kinnlade verfolgen, was zwischen dem Opener „Antichristian Phenomenon“ und dem Abschlussong „Pure Evil and Hate“ passierte. Nicht nur, dass die komplette Band ihre Songs live eins zu eins umsetzen kann, sie findet auch Zeit und Muse, etwas fürs Auge zu bieten. Besonders faszinierend ist Schlagzeuger Inferno, der ein solches entfacht und gleichzeitig unablässig mit den Haaren wirbelt. Vom Jubel der Fans ließen sich BEHEMOTH nicht aus dem Konzept bringen und boten eine straighte, energiegeladene Show die von einer dezenten, aber ausgesprochen wirkungsvollen Lightshow zusätzlich ins rechte Licht gerückt wurde. „Christians To The Lions“ oder „As above, so below“ – es war egal, welchen Song von welchem Album sie dem Publikum um die Ohren und offen stehenden Münder bretterten, alles war bis ins Detail perfekt und so konnte die Band eine beängstigend kalt-sterile Atmosphäre aufbauen. In ihrer Perfektion wirkten BEHEMOTH vollkommen unnahbar, doch die meisten Fans wären vor Staunen wohl auch gar nicht in der Lage gewesen, auf Kontaktversuche der Band einzugehen.



    KATAKLYSM
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    Abgesehen davon, dass der Auftritt von KATAKLYSM dem des Wacken Open Airs eine Woche zuvor sehr, sehr ähnlich war, schlugen sich die Kanadier verdammt gut. Obwohl sich die meisten bei der grandiosen Show von BEHEMOTH verausgabt hatten, konnten KATAKLYSM noch einmal letzte Energiereserven beim Publikum freisetzen. Technisch ebenso perfekt wie die Band zuvor, schlugen KATAKLYSM einen anderen Weg ein. Statt sich nur auf die Wirkung der Songs zu konzentrieren, baute Sänger Maurizio Iacono mehr Kontakt zum Publikum auf. Er stellte den neuen Schlagzeuger Martin Maurais vor, der sein Können mit einem längeren Drumsolo eindrucksvoll unter Beweis stellte. Durchaus beeindruckend, doch leider hat diese Soloeinlage den Gig auch etwas auseinandergerissen. Ein weiterer Song, bei dem die gesamt Band ihre Duschschlagkraft unter beweis stellen konnte, wäre unter Umständen effektiver gewesen. Naja, dafür war es eine nette Geste gegenüber dem neuen Mitglied und den kritischen Fans. Zurück zu dem Songs, diese überzeugten alle, wobei „In Shadows and Dust“, „Manipulator Of Souls“, oder „Machiavellian“ als Höhepunkte hervorstachen. Die Live-Qualitäten der Band bleiben auch nach diesem Auftritt unbestritten.



    MARDUK
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    Vollkommen ausgelaugt und erledigt nach einem langen, heißen Festivaltag hieß es nun noch ausharren, denn irgendjemand hatte Gerüchte in die Welt gesetzt, dass dieses Set ein besonderes werden sollte. Was auch nicht schlecht gewesen wäre, denn MARKUKs Livepräsenz ist enorm – zumindest was die Anzahl der Auftritte angeht. Außerordentlich war an diesem Abend der Auftritt von Ex-Sänger Jocke Göthberg, der zu einem Song auf die Bühne kam. Ansonsten blieb der Abschlussgig auf der Open Air Bühne ohne weitere Besonderheiten. Auf den ein oder anderen DEVILS WHOREHOUSE-Song oder außergewöhnliche Coverversionen hatte man vergeblich gehofft.

    Abschließend bleibt zu sagen, dass das Party.San Open Air 2003 wieder ein perfekt organisiertes Festival mit guter Bandauswahl war!


    Für euch vor Ort waren
    vampi (Bericht)
    boxhamster (Fotos)



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    Ich bin der Fischflüsterer

    Andrea hat eine ganz besondere Beziehung zu den Bewohnern ihres Aquariums

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