TITO & TARANTULA: Substage, Karlsruhe, 07.09.2007

TITO & TARANTULA: Substage, Karlsruhe, 07.09.2007

Das ist ja hier die totale Freakshow, flüstert mir mein Begleiter zu, als er die Menschenmenge im ausverkauften Substage sieht. Bitte nicht falsch verstehen – er meint das gar nicht böse. Es handelt sich vielmehr um eine nüchterne Feststellung in der Art von Das Essen schmeckt heute irgendwie anders als sonst. In der Tat sind die Charakterköpfe beim Karlsruher TITO & TARANTULA-Konzert nicht nur auf der Bühne zu finden. Ich kann daher meinem Begleiter nur beipflichten: Das ist wirklich die totale Freakshow.

Bislang habe ich ein OZZY OSBOURNE– und ein IGGY POP-Double gesehen, die gesammelte Mannschaft der hiesigen Hells Angels, diverse Menschen, die direkt aus den 70er Jahren in die heutige Zeit gesogen worden zu sein scheinen (ohne die Chance, sich vorher umzuziehen), ein paar optische Bänker und Versicherungsvertreterinnen sowie Heerscharen normaler Rocker. Kurzum: das perfekte, schräge Ambiente für den Tex-Mex-Rock à la TITO & TARANTULA, wenn gerade kein offener Straßenkreuzer auf einem staubigen Highway griffbereit ist.

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Auch die Band sieht aus, als sei sie gerade dem Film entsprungen, der sie in den 90er Jahren schlagartig berühmt machte. Große Cowboyhüte, noch größere schwarze Sonnenbrillen, schwere Boots, wettergegerbte, vernarbte Gesichter, dazu eine Quotenfrau für´s Auge. From Dusk Till Dawn lässt grüßen. Die Musik, die TITO & TARANTULA seit Jahren (zu Recht) so erfolgreich macht, klingt erwartungsgemäß wie der Soundtrack zu eben diesem grandiosen Splatter-Roadmovie. Düster, rau, atmosphärisch – ohne Frage großes Kino.

Die Gitarrenriffs wabern durch die Gluthitze in der Location, die englischen und spanischen Vocals schneiden sich einen Weg in den Gehörgang frei, die Drums prügeln mit voller Wucht im Takt des eigenen Herzschlages, der Bass bringt den Puls zum Rasen. Kein Ton zu viel gespielt und trotzdem perfekt. Man merkt, dass die Band schon lange im Geschäft ist und genau weiß, welche Knöpfe sie drücken muss.

Natürlich kommen auch die beiden Hits von TITO & TARANTULA zu Gehör: After Dark und Angry Cockroaches. Die Menge schreit – wie könnte es anders sein – nach Salma Hayek, bekommt aber nur einige Fans auf die Bühne gestellt, die ihrerseits versuchen, die Musik mit rhythmischer Tanzgymnastik zu unterlegen. Das entbehrt nicht einer gewissen Komik, tut aber der Qualität der Songs keinen Abbruch. Diese sind einfach für die Ewigkeit gemacht.

Tito+Tarantula01-LiveKa070909_byElisaReznicek

TITO & TARANTULA bringen einmal mehr das Genre auf den Punkt und werden von ihren Fans umjubelt. Kurz nach Elf endet das Konzert nach nur rund 80 Minuten. Doch zumindest bleibt jetzt noch genug Zeit, um sich beim Mexikaner um die Ecke stilecht einen Tequila (oder auch zwei) zu gönnen.

Artikel und Fotos: Elisa Reznicek