SCHWEDEN ROCK 2004 / 2005 (EIN VOR-NACH-BERICHT)

SCHWEDEN ROCK 2004 / 2005 (EIN VOR-NACH-BERICHT)

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus, denn vom 09. bis zum 11. Juni diesen Jahres findet im schwedischen Sölvesborg zum 14. Mal das „Schweden Rock“-Festival statt. Und das Billing ist – wie immer – absolut Klasse, trifft man doch nicht nur auf alte Festivalhasen, sondern auch auf Bands, die sich sonst eher selten nach Europa verirren.

Mit dabei sind in diesem Jahr u.a. ACCEPT, ROBIN TROWER, BLACK LABEL SOCIETY, BLACKFOOT, MÖTLEY CRÜE, MOTÖRHEAD, MAGNUM, YNGWIE MALMSTEEN, KANSAS, SEBASTIAN BACH, STATUS QUO, HAMMERFALL, KIM MITCHELL, DIO, CANDLEMASS, ANGRA,
ROB ROCK, BEHEMOTH, SAXON, CRUCIFIED BARBARA, OVERKILL, WITHIN TEMPTATION, VIXEN, NAZARETH, HELLFUELED, SAMMY HAGAR AND THE WABOS, HELIX, DREAM THEATER, STYX, THERION, FORCE OF EVIL, ANTHRAX (mit Joey Belladonna hinterm Mikro), MEGADETH, SONATA ARCTICA und THYRFING.

Tickets für das Festival sind ab sofort für 165,- Euro bei „Metaltix“ (Tel: 04627/18380 oder www.metaltix.de) erhältlich und ich kann dieses Festival wirklich nur JEDEM Heavy Metal-Fan empfehlen, auch wenn der hohe Ticketpreis und die Entfernung im ersten Moment eher abschreckende Wirkung haben dürften.

Sweden Rock Festival
Der normale Wahnsinn auf dem Schweden Rock

Ich war bereits u.a. im letzten Jahr dabei und kann auch mit dem Abstand von über acht Monaten nichts Negatives über das Festival berichten. Es herrschte eine entspannte Stimmung, der Löwenanteil der Fans benahm sich trotz des enormen Alkoholkonsums vernünftig, die Toiletten und Duschen waren in einem wirklich guten Zustand (Nein, auch das „Schweden Rock“ ist kein „Fünf Sterne“-Hotel), die stets aufmerksame Security agierte auf professionelle und höfliche und (wenn es angebracht schien) sehr bestimmte Art und Weise und auch der Zeitplan wurde ohne nennenswerte Verzögerungen eingehalten. Die Preise für Verpflegung in flüssiger/fester Form bewegten sich in den festival-typischen Dimensionen (wobei man aber immer im Hinterkopf haben sollte, dass die skandinavischen Länder eh etwas höhere Preise als wir hier in Deutschland haben) – Super und nachahmenswert!

Zum Gelände gehören mehrere Campingplätze, für die keine extra Gebühr anfällt und ein gebührenpflichtiger Campingplatz, auf dem sich mehr sanitäre Anlagen als auf den anderen Plätzen befinden. Außerdem gibt es auch dieses Jahr wieder einen gesonderten Biker-Campingplatz für die Motorradfreunde.

Aber lest doch einfach den folgenden „Erfahrungsbericht“ aus meiner Feder…

Die Ouvertüre

Ich bin zwar durchaus das, was man einen alten Festival-Hasen nennen kann, aber trotz des neunmaligen Besuchs des dänischen „Roskilde“-Festivals, zwei Stippvisiten beim holländischen „Dynamo“-Festival und immerhin zwölf „Wacken Open Airs“ war ich doch etwas aufgeregt, denn das im Jahre 2004 zum 13. und für meine Wenigkeit zum zweiten Male stattfindene „Schweden Rock“ war für mich – festivaltechnisch gesehen – immer noch Neuland. Und ich war erneut überrascht, wie friedlich und komplikationslos ein Festival mit über 20.000 Besuchern über die Bühne gehen kann…

Der erste Tag – Donnerstag, 10.06.

Nach einer von Trink- und damit verbundenen Pinkelpausen geprägten, ansonsten aber absolut komplikationslosen sechseinhalbstündigen Autofahrt und zwei Fährüberfahrten (von Deutschland nach Dänemark bzw. von Dänemark nach Schweden) erreichten meine beiden Mitstreiter (Marco, 28 und Martin, 41) ich am späten Donnerstagnachmittag das kleine (aber feine und gemütliche) Städtchen Hällevik.

Dort befindet sich – ca. 250 Meter von der Ostsee entfernt – ein Camp namens „Hällevikslägret“ (erinnerte so ein bisschen an diesen typischen US-Freizeitlager, in denen Filme wie „Freitag, der 13“ spielen), in dem wir die nächsten drei Tage/Nächte nicht nur verbringen wollten, sondern auch tatsächlich verbrachten.

Nach den üblichen Formalitäten und kurzen Diskussionen, wer in welchem Etagenbett oben bzw. unten liegt, machten wir uns ins das etwa 20 Kilometer entfernte Sölvesborg auf.

Mittlerweile war es knapp 20:00 Uhr und wir hatten Bands wie u.a. PARAGON, D.A.D. und T.N.T. leider (??) verpasst.

Zu den Klängen von MEMORY GARDEN, betraten wir das weitläufige, aber auch überschaubare Gelände.

Leider konnte mich die eigentlich recht kompetente dargebotene Mischung aus SOLITUDE AETURNUS, MEMENTO MORI und CANDLEMASS nicht zu einem längeren Verweilen bewegen, so dass wir uns erst etwas umschauten und anschließend auf den Auftritt von HELLOWEEN warteten – der (für mich) zu einer DER Enttäuschungen des Festivals werden sollte.

 

Helloween Live auf dem Sweden Rock 2004
Etwas bock- und lustlos auf dem Sweden Rock – HELLOWEENs Weiki

Warum? Kann ich noch nicht mal sagen! Es lag sicherlich nicht daran, dass Sänger Andi Deris gewichtsmäßig ordentlich zugelegt hat (das haben wir ja alle, hüstel!). Gut bei Stimme war er auch (obwohl Umfang/Power zum Ende doch hörbar in den Keller ging), das war also nicht der Grund. Auch die Setlist bestand aus einer ausgewogenen „Alt-und-Neu“-Mischung mit Stücken wie „Starlight“, „Murderer“, „Dr. Stein“, „Keeper Of The Seven Keys“, „Future World“, „Power“ (inkl. eines rund zehnminütigen Singalongs mit den Fans, der tierisch nervte), „Open Your Life“, „Eagle Fly Free“, „Forever And One (Neverland)“, „Back Against The Wall“, „Sun For The World“, „Hey Lord“ oder „If I could Fly“.

Aber irgendwie kam mir besonders Weiki (den ich sonst eigentlich als sympathischen Gesprächspartner sehr schätze) extrem bock- bzw. lustlos und gelangweilt vor.

Ich möchte aber fairerweise erwähnen, dass der Großteil des Publikum nicht meiner Ansicht war, feierte es die Band doch nach nahezu allen Regeln der Kunst ab!

JUDAS PRIEST

 

JUDAS PRIEST Live auf dem Sweden Rock 2004
Die Maschine ist noch nicht überall gut geölt und dennoh triumphierte die Band – JUDAS PRIEST

Und dann kam sie – meine ganz persönliche Premiere. Klar, ich habe Rob „Der Metal ist tot!“ Halford mit FIGHT und HALFORD live gesehen. Und ja, ich besuchte auch einen JUDAS PRIEST-Gig während der Tim Owens-Phase. Aber noch nie hatte ich die Gelegenheit einer Show beizuwohnen, bei der Rob Halford, Gitarrist Kenneth ‚K.K.‘ Downing, Basser Ian Hill, Glen Tipton (seit 1972 Gitarrist der Band) und Scott Travis (der sechste Drummer der Bandgeschichte und bereits seit 1990 dabei) gemeinsam auf einer Bühne stehen.

Aber knappe 30 Jahre nach dem Release des „Rocka Rolla“-Debüts war es dann um um 23:00 Uhr endlich soweit. „The Priest Is Back“, mit diesen Worten begrüßte der knapp 53-jährige Halford seine Gefolgschaft und zeigte sich stimmlich SEHR deutlich besser in Form als in den letzten Monaten vor der Reunion.

Klar, die Band verbrät alle nur erdenklichen Metal-Klischees (u.a. Lederklamotten, Motorräder, Texte), aber man sollte bitte schön nicht vergessen, dass die Briten diese Klischees quasi (mit) erschaffen haben.

Erwartungsgemäß gab es keine neuen Songs oder Tracks aus der Ripper-Phase, sondern ein reines Best of-Programm, das mit Stücken wie „Victim Of Changes“, „The Ripper“, „Diamonds And Rust“, „Beyond The Realms Of Death“, „The Green Manalishi (With The Two Pronged Crown)“, „Hell Bent For Leather“, „Touch Of Evil“, „Breaking The Law“, „Living After Midnight“, „Metal Gods“, „Painkiller“, „Heading Out To The Highway“, „You´ve Got Another Thing Comin´“, „United“ oder „Turbo Lover“ zur Zufriedenheit aller ausgefallen sein dürfte (auch wenn der eine oder andere den einen oder anderen Song vermisst haben könnte!).

Klar, die Bewegungen der Bandmitglieder wirkten etwas statisch, aber man darf nicht vergessen, dass es einer der ersten Reunion-Gigs war und die Maschine noch nicht überall einen gut geölten Eindruck vermittelte.

Für mich ganz persönlich war dieser Auftritt kein Sieg – er war ein Triumph (auch wenn einige Nörgler es anders sahen/hörten)

 

Der zweite Tag – Freitag, 11.06.

 

Nach einer kurzen Nacht, einer leider nicht sehr heißen Dusche (Yeah, call me „Warmduscher“ – ich stehe dazu, wie ich auch dazu stehe ein „Sitzpinkler“ zu sein. Wie soll man auch mit einer Hand gleichzeitig lesen und umblättern können? Grins!), einem leckeren Frühstück (der Butterkäse war eines der in Erinnerung gebliebenen Festival-Highlights) und einer ausgedehnten Parkplatzsuche erreichten wir endlich und erneut das Gelände.

 

PINK CREAM 69

PINK CREAM 69 Live auf dem Sweden Rock 2004
Machten mit Best-Of-Programm nichts verkehrt – PINK CREAM 69

„Unser“ Tages-Opener hieß PINK CREAM 69, der bei wechselhaftem Wetter von 12:00 – 13:15 auf der „Rock Stage“ stand. Und die hochsympathische (allen voran David Readman – für mich ein Sänger mit Weltklasseformat, der auch als Frontmann eine mehr als gute Figur abgibt) Multi-Kulti-Truppe aus Karlsruhe machte alles richtig.

Sie spulte ein „Best of“-Programm ab und mischte auch den einen oder anderen aktuellen Track unter die Setlist. Zwar hatte die Band etwas Pech mit dem Wetter, aber musikalisch gehörte dieser Gig zu den Highlights des Festivals, was bei Nennung der Setlist deutlich wird.

Mit Songs wie „Carnaby Road“, „Living My Life From You“, „Do You Like It“, „Lost In Illusion“, „Back To Silence“, „Talk To The Moon“, „The Spirit Goes On“, der Ballade „That Was Yesterday“, „Seas Of Madness“, „Keep Your Eye On The Twisted“, „Welcome The Night“, „Shame“ oder dem THE POLICE-Cover „So Lonely“ (mit eingebautem „No Woman No Cry“-Zitat) kann man nichts verkehrt machen. Ein großartiger Auftritt!!

Y&T

 

Y&T Live auf dem Sweden Rock 2004
Präsentierten vor allem die alten Stücke – Y&T

Von 13:30 – 14:45 Uhr standen Y&T bei erstklassigem Wetter auf der „Festival Stage“.

Zwar erschien das letzte reguläre Studioalbum („Endangered Species“) bereits 1997, aber der echte Y&T-Fan möchte eh die Songs der Jahre 76 – 85 höre. Und genau diese präsentierten Dave Meniketti (Lead Guitar/Lead Vocals), John Nymann (Guitar), Phil Kennemore (Bass) und Leonard Haze (Drums & Mayhem) ihren (für mich überraschend) zahlreichen Fans auch.

Zwar war das Outfit von Dave Meniketti sehr retro und durchaus diskussionswürdig, aber am bluesigen, teilweise an die frühen SAMMY HAGAR-Soloscheiben erinnernden Hardrock gab es nichts auszusetzen.

Herr Meniketti dudelte mir zwar etwas zu sehr auf seiner Gitarre rum, aber das sei ihm verziehen, zumal die Performance von Songs wie „Mean Streak“, „Hurricane“, „Open Fire“, „Black Tiger“, „Eyes Of A Stranger“, „Summertime Girls“, „Dirty Girl“, „I believe In You“, „25 Hours A Day“, „Rescue Me“ oder „Wild If I Wanna“ (vom „Unearthed Album“, 2003) wirklich erstklassig war. Ein sehr guter Auftritt (auch wenn man eigentlich „nur“ als Ersatz für SKID ROW verpflichtet worden war), der das Warten auf neues Material für die Die Hard-Anhänger der Band sicherlich nicht leichter werden lässt.

SLADE

Slade Live auf dem Sweden Rock 2004
Die Überraschung des zweiten Festivaltags – SLADE

DIE Überraschung und Sensation des zweiten Tages waren SLADE auf der „Sweden Stage“.

Kein Witz, ich hatte mich gegen den zeitgleich stattfindenen TESTAMENT-Gig und für den Auftritt der Briten entschieden. Im Nachhinein kein Fehler, denn auch wenn Ur-Sänger Noddy Holder (und damit sein markantes Organ) seit 1991 nicht mehr zur Band gehört, machten die beiden Ur-Mitglieder – der 58-jährige Gitarrist David John Hill bzw. der gleichaltrige Drummer Donald George Powell – und der seit 1993 zur Band gehörende Sänger Steve Whalley klar, dass das Motto ihres Gigs nur „Party“ heißen konnte.

Die durch Basser John Berry komplettierte Band zündete ein wahres „Best of SLADE“-Feuerwerk und präsentierte der im Kollektiv ausrastenden Meute vor der Bühne Klassiker wie „Everyday“, „Far Far Away“, „Coz I Luv You“, „Cum On Feel The Noize“, „Cum On Let´s Party“, „Lock Up Your Daughters“, „Look What You Done“, „Merry Xmas Everybody“ (ein Weihnachtslied bei knapp 25 Grad zu spielen ist wohl das, was man „britischer Humor“ nennt…), „My Oh My“, „Red Hot“, „Goodbuy t´Jane“, „Get Down And Get With It“ und „Mama Weer All Crazee Now“.

Hätten der nur 1,62 m große Gitarrist und seine Mitstreiter auch noch „We’ll bring the House down“, „Rock’n Roll Preacher“, „Till Deaf Do Us Part“ oder „Slam The Hammer Down“ gespielt – mein Festival-Highlight hätte festgestanden.

 

MONSTER MAGNET

Zu MONSTER MAGNET nur soviel: Die Band war gut, spielte mir aber eine Spur zu routiniert ihr aus neuen Songs und alten Klassikern bestehendes Programm runter. Nicht schlecht, aber auf Dauer leider viel zu eintönig. Habe die Band schon x-mal besser gesehen und wurde in meiner Meinung bestärkt, dass MONSTER MAGNET eher in mittelgroße Hallen als auf große Open-Air-Bühnen gehören. Nicht übel, aber trotz brennender Gitarre und abrasiertem Wyndorf-schen Schnurrbart (leider) kein Höhepunkt.

U.F.O.

Dann hatte ich die Qual der Wahl? EXODUS oder U.F.O.? Erstklassiger US-Speed’n’Thrash oder traditionelle Hardrockklänge?

Ich entschied mich für die seit über drei Dekaden hartrockenden Briten um Sänger Phil Mogg – und bereute diese Entscheidung zu keiner Sekunde.

Klar, knackige und frische Musiker sehen anders aus, aber darauf kommt es (mir) ja auch nicht an.

Phil Mogg (mag zwar körperlich etwas gebrechlich aussehen, aber stimmlich gab es keinen Grund zur Klage), Basser Pete Way (agil wie immer), Gitarrist Vinnie Moore (hat zwar sicherlich die Klasse eines Michael Schenker – aber noch nicht dessen Charisma), Tastendrücker Paul Raymond (setzte keine hörbaren Akzente, erledigte aber solide seinen Job) und Drummer Jason Bonham (hätte ich mit ohne Haare erst fast gar nicht erkannt…) präsentieren mit „Daylight Goes To Town“, „Baby Blue“, „The Wild One“ drei Songs des aktuellen Albums („You Are Here“) und mit „Fighting Man“ einen Track der „Sharks“-Scheiblette aus dem Jahre 2002, ignorierten ansonsten die eigene Diskografie der Achtziger und Neunziger, widmeten sich sehr ausführlich der zweiten Hälfte der Siebziger und spielten elf der dreizehn Songs (lediglich auf „I´m A Loser“ und „Natural Thing“ verzichtete man), die auch auf der legendären „Strangers In The Night“-Livescheibe aus dem Jahre 1978 zu hören waren/sind.

Und wenn man ganz ehrlich ist, will man doch auch Klassiker wie „Rock Bottom“, „Doctor Doctor“, “ Let It Roll“, „Shoot Shoot“, „Mother Mary“, „Out In The Street“, „Lights Out“, „Too Hot To Handle“, „Only You Can Rock Me“, „This Kids“ und „Love To Love“ hören, wenn man zu einem U.F.O.-Gig geht, oder?

Eine wirklich guter U.F.O.-Show und ich fand es schön, mal wieder einen gesehen/gehört zu haben.

SCORPIONS

 

Scorpions Live auf dem Sweden Rock 2004
Übertrugen ihre gute Laune auf das Publikum – die SCORPIONS

Mein letztes SCORPIONS-Konzert besuchte ich 1993, es wurde also mal wieder Zeit, einem Gig der Niedersachsen beizuwohnen.

Die Band legte eine enorme Spielfreude an den Tag, hatte merklich gute Laune und übertrug diese auch auf die zahlreichen Fans.

Der 56-jährige Klaus Meine zeigte sich immer noch gut bei Stimme, machte ähnliche Ansagen, spielte immer noch vergleichbare Spielchen mit den Fans und hatte auch seinen Klamottengeschmack im Vergleich zu früher nicht grundsätzlich ver- oder geändert.

Über das Stageacting (für mich der „Grandmaster of Peinlich-Power-Posing“) und das Outfit (ein hellblaues Netzhemd – Hey Rudi, wer hat dich klamottentechnisch beraten? Corinna May?) seines gleichaltrigen Kollegen Rudi Schenker konnte man sicherlich schmunzeln, handwerklich gab es an seiner Performance natürlich nichts auszusetzen.

Drummer James Kottak (42 Jahre alt) und Neu-Basser Pawl Maciwoda (mit 37 Jahren das Nesthäkchen der Band) spielten solide und routiniert, bekamen aber – wie Gitarrist Matthias Jabs (48 Jahre jung und optisch im Vergleich zu früher auch kaum verändert) – auch die Gelegenheit zu (zum Glück nur kurzen) Solo-Arien.

Die Setlist bestand glücklicherweise nicht aus Nervensägen wie „Wind Of Change“, „White Dove“ oder „Send Me An Angel“, sondern aus vielen alten Rock-Klassikern wie „Bad Boys Running Wild“, „The Zoo“, „Big City Nights“, „Blackout“, „Tease Me, Please Me“, „Lovedrive“, „Still Loving You“, „Rock You Like a Hurricane“, „Coast To Coast“ und gleich sieben (!!) Songs des aktuellen Albums „Unbreakable“ (z.B. „New Generation“, „Love ‚Em Or Leave ‚Em“, „Deep And Dark“, „Through My Eyes „, „Remember The Good Times“).

Nun gut, vielleicht hätte man zwei oder drei neue Stücke weniger spielen und dafür auf Songs wie „In Trance“, „He’s A Woman, She’s A Man“, „Another Piece Of Meat „, „Only A Man „, „No One Like You“ oder „Can’t Live Without You“ zurückgreifen können, aber ich kann die Band verstehen, dass sie den Gig auch als Testballon genutzt hat, um zu sehen, wie die neuen Stücke live „funktionieren“.

Das taten sie gut und rundeten einen durch und durch gelungenen Auftritt ab.

Keine Frage, ein würdiger Headliner!

 

Der dritte Tag – Samstag, 12.06.

 

Unser kurze Abstecher in die Innenstadt von Sölvesborg dauerte leider etwas länger, denn ich verpasste so den Beginn des DANGER DANGER-Gigs, auf den ich mich mit am meisten gefreut hatte.

DANGER DANGER

 

Y&T Live auf dem Sweden Rock 2004
Ein richtig geiler „Gute Laune“-Auftritt – DANGER DANGER

DANGER DANGER waren (zusammen mit FIREHOUSE) schon immer meine Lieblingsband aus dem Bereich „Kraftvoller US-Partyrock der 80er“.

Das Album „Skrew It“ (1991) gehört nicht nur zu meinen Alltime-Favoriten, sondern definitiv auch zu meinen „fünfzig Inselscheiben“. Zwar war es für mich etwas unverständlich, dass die Band ihren Sänger Paul Laine in die Wüste schickte (zumal die mit ihm eingespielten Scheiben wie z.B. „Four The Hard Way“, „The Return Of The Great Gildersleeves“ wirklich gut waren) und nach zwölf Jahren (und nach vielen bösen Worten von beiden Seiten) Ur-Sänger Ted Poley zurückholte , aber dieser Live-Gig bewies, dass die Entscheidung zumindest keine falsche war.

Sicher, Paul Laine mag der bessere Sänger, Songschreiber und auch Gitarrist sein – aber Ted Poley ist mit ganz klar der bessere Frontmann, der immer noch aussieht wie eine Mischung aus BRET MICHAELS und Vince Neil, aber besser singt – zumindest als der Letztgenannte.

Die Setlist setzte sich erwartungsgemäß und hauptsächlich aus Songs des selbstbetitelten Erstlings (z.B. „Naughty Naughty“, „Under The Gun“, „Bang Bang“, „Rock America“), der o.g. „Skrew It“-Scheibe (z.B. „Monkey Business“, der Schmachtfetzen „I Still Think About You“) und des „Cockroach“-Albums (z.B. „Afraid Of Love“, „Good Time“, „Goin´ Goin´ Gone“) zusammen und dürfte keinen Fan der Band enttäuscht haben.

Einer Band, die merklich Spaß an ihrem Auftritt hatte, auch wenn man darüber sicher diskutieren könnte, ob es in den heutigen Zeiten eine wirklich gute Idee ist, die Ami-Flagge auf der Bühne dermaßen enthusiastisch wie Herr Poley zu schwenken, aber von vereinzelten Pfiffen abgesehen blieb diese Aktion weitestgehend unbeachtet, zumal man sich hier auf einem schwedischen Rock-Festival und nicht auf den Feiern zur Wiederwahl des amerikanischen Präsidenten befand – ein richtig geiler „Gute Laune“-Auftritt und der ideale Einstieg in (unsere) letzten Stunden „Schweden Rock 2004“.

Für uns ging es dann weiter mit:

AXEL RUDI PELL

Axel Rudi Pell Live auf dem Sweden Rock 2004
Hatten fürs Sweden Rock einen Clown gefrühstückt – AXEL RUDI PELL

AXEL RUDI PELL und seine Band absolvierten ihren ersten Schweden-Gig überhaupt. Diesen begannen sie Arschkriecher-like (*g*) mit einem ABBA-Intro (ich glaube, es war „Arrival“), bevor sie „Tear down the Wall“, „Nasty Reputation“, „Strong as a Rock“, „Call her Princess“ (wie geil wäre es gewesen, wenn FOGHAT-Sänger Charlie Huhn, der diesen Song des Debüts einsang, für einen Performance auf die Bühne gekommen wäre?), „Follow The Sign“, das „The Masquerade Ball/Casbah“-Medley, „Temple Of the King“, „Carousel“ und „Fool Fool“ vom Stapel ließen.

Das Publikum reagierte anfangs zwar etwas verhalten, aber je länger der Gig dauerte, desto mehr nahm die Begeisterung zu. Das lag sicherlich nicht nur an den erstklassigen Stücken, sondern auch an den Solo-Darbietungen von Mike Terrana, Ferdy Doernberg und Axel himself – und auch an der sehr sympathischen Ausstrahlung ALLER (!!!) Musiker (die teilweise so albern wirkten, als ob sie einen Clown gefrühstückt oder an ein paar Scherzkeksen geknabbert hätten)

NIGHTWISH

NIGHTWISHhatten in zweierlei Hinsicht Pech. Zum einen finde ich die Musik wirklich gut, kann aber mit Tarja’s Gesang nicht wirklich viel anfangen. Nichts gegen diese Art, aber länger als zwanzig Minuten am Stück kann zumindest ich das nicht aushalten. Aber die Menge vor Bühne war von der Mischung aus aktuellem Material und Klassikern, der dezent aber wirkunsvoll eingesetzten Pyrotechnik und der Performance (die ein wenig unterkühlt und arrogant WIRKTE) sichtlich begeistert.

Zum zweiten setzte kurz nach Beginn Regen ein. Und ich meine Regen! REGEN! R-E-G-E-N! Richtig viel Wasser! Wassermassen sozusagen.

Die Flucht vor dem Wetter führte mich/uns direkt in ein kleines, völlig überfülltes Zelt. Auf der Bühne stand eine Band, die auf den Namen DR. FEELGOOD hört. Dabei handelt es sich NICHT um eine MÖTLEY CRÜE-Coverband, sondern um eine uralte Bluesrock-Kapelle aus England (die unter diesem Namen bereits 1973 ihren ersten Gig spielte).

Diese zockte so was von tight ihre Setlist runter, dass es eine wahre Freude war, dieser Band zuzuhören bzw. zuzusehen.

Nein, technische Feinheiten waren nicht zu bestaunen. Auch auf ein ausgefeiltes Stageacting wartete man vergeblich. Die Songs? Nun, originelles Songwriting ist definitiv etwas anderes! Aber trotzdem war es ein sehr geiler Gig einer Band, die unglaublich tight zusammen spielte und mit ihrer Mischung aus knackigem Rhythm´n´Blues und erdigem Rock´n´Roll das Zelt zum (Über-)Kochen brachte.

Wie sagte schon das Ur-Mitglied der Band, der 1994 verstorbene Lee Brilleaux : „You don´t have to be a musician to play rock and roll. You´ve just got to love it and want to play it.“. Recht hatte er damals – und Recht hat er mit dieser Aussage auch noch im Jahr 2005.

Zwar ist heutzutage kein Gründungsmitglied mehr dabei, aber Drummer Kevin Morris und Basser Phil Mitchell gehören schon seit Mai 1983 zum Line-up – und dürften deshalb auch durchaus als „alte Feelgood-Hasen“ bezeichnet werden. Gitarristen Steve Walwyn ist seit 1989 dabei und Sänger Robert Kane ist auch schon seit 1999 ein Mitglied der Band.

Der Vierer hatte sichtlich Spaß an dem wohl unerwarteten, aber wetterbedingten großen Andrang in dem kleinen Zelt, gab alles, ließ sich von kleineren technischen Problemen nicht aus der Ruhe bringen und lieferte eine Performance ab, die ich einfach nur als „true“ bezeichnen kann. Hier wurde der Rock´n´Roll noch gelebt, gearbeitet und geatmet. Mein Dank nochmal an den ollen Petrus für den Regen, ohne den ich den Weg zu diesem Gig vielleicht nicht gefunden hätte.

U.D.O.

U.D.O. Live auf dem Sweden Rock 2004
So gut wie selten – U.D.O.

Auch wenn ich schon bei etlichen Konzerte von U.D.O. vor Ort war – so gut wie auf dem diesjährigen „Schweden Rock“ war er selten.

Aber kann dieser Mann mit einem solchen Backkatalog und Kultstatus in der Hinterhand überhaupt irgendetwas verkehrt machen? Ich glaube nicht. Und Herr Dirkschneider und seine Band machten nicht nur nichts verkehrt. Nein, sie machten alles richtig. Es gab „Thunderball“ und „Pull the Trigger“ von der neuen Scheibe, den einen („Man & Machine“) oder anderen („Animal House“, „Independence Day“) Song aus seiner Solokarriere und ansonsten einen ACCEPT-Klassiker nach dem anderen.

Egal, ob die Band „Metal Heart“, „Livin’ For Tonite“ oder „Restless & Wild“ anstimmte – sie konnte nichts falsch machen. Weiterhin wurden „Son of a Bitch“, „Up to the Limit“, „I’m a Rebel“ und „Balls To the Wall“ auf die im Kollektiv ausrastende Menge abgefeuert.

Diese bekam erstens nicht genug und dafür zweitens noch „Burning“ und „Princess of the Dawn“ um und in die Ohren geballert.

Ein geiles Konzert und für uns ein würdiger Abschluss des diesjährigen Schweden Rock-Festival..

Danach ließen wir EUROPE EUROPE sein (was ich anhand der im Nachhinein gelesenen und durchweg positiven Reviews schon ziemlich bereue…)und machten uns völlig erschöpft und der Erkenntnis auf in Richtung unserer Etagenbetten, dass wir ein in allen Bereich erstklassiges Festival besucht hatten, das uns auch im Jahre 2005 wieder als Gäste begrüßen darf/kann/wird…

 

Ach ja, neben den o.g. Bands spielten auch noch u.a.

HEART, HAWKWIND, TESTAMENT, IN FLAMES, CHILDREN OF BODOM, PARAGON, ASTRAL DOORS, HIRAX, APRIL WINE, FOGHAT, PAT TRAVERS BAND, CONEY HATCH, MAGIC SLIM & THE TEARDROPS, KINGDOM COME, WASA EXPRESS, OPETH, ENTOMBED, NARNIA

LOST HORIZON, DEBASE, NICKY MOORE, ABRAMIS BRAMA, BRAINSTORM, LAKE OF TEARS, PATHOS, RITUAL, PERSUADER, GRAND MAGUS, CAGE und LUMSK aber wie immer sieht man auf den Festivals, die man besucht, viel weniger Bands, als man sich vor dem Festival vorgenommen hat.

Text/Fotos : Oliver Loffhagen