Fiddler's Green live in München 2025

FIDDLER’S GREEN, WÜSTENBERG: Konzertbericht – Backstage Werk, München – 18.12.2025

35 Jahre lang machen FIDDLER’S GREEN nun schon die Bühnen unsicher. Dass sie dabei immer noch kaum Alterserscheinungen zeigen, lässt für uns nur einen Schluss zu: Irish Folk hält offensichtlich jung.

Wie die Zeit vergeht. Haben FIDDLER’S GREEN nicht gerade erst die drei Jahrzehnte vollgemacht? Nun jedenfalls sind sie schon wieder auf halbem Weg zum nächsten Zwischenziel. 35 Jahre macht die Irish Folk Rock-Band nun schon die Bühnen unsicher und zeigt dabei immer noch kaum Alterserscheinungen. Zugegeben, die Konzerte waren früher vielleicht ein bisschen länger, doch halbe Sachen darf man bei den Erlangern nach wie vor nicht erwarten.

Deshalb gibt es auch zum diesjährigen Jubiläum das typische FIDDLER’S-Versprechen: gute Laune, maximale Spielfreude und eine Setlist, die neben großen Hits und manchem Evergreen sogar den Blick zurück zu den Anfangstagen wagt, wo man – so erklärt es uns Sänger Albi – seinerzeit geflissentlich in Bassist Rainer Schulz‘ Küche geprobt habe.


WÜSTENBERG

Wüstenberg live in München 2025

Bevor wir allerdings in nostalgischen Erinnerungen schwelgen dürfen, verlangt uns zunächst das Hier und Jetzt: Für das Vorprogramm zeichnet diesmal nämlich ein Newcomer verantwortlich, der allerdings nicht unbedingt grün hinter den Ohren ist. Hinter WÜSTENBERG verbirgt sich nämlich ein alter Bekannter: Bandgründer und Namenspatron Franz Wüstenberg war zuvor lange Jahre bei THE O’REILLYS AND THE PADDYHATS aktiv, will sich mit seiner neuen Folk-Rock-Truppe allerdings nicht mehr auf die rein irische Sparte beschränken.

Insofern ist es keine Überraschung, dass die sieben Musiker:innen nicht nur auf der Bühne fest im Sattel sitzen, sondern darüber hinaus ihre eigene kleine Fangemeinde mitgebracht haben. Dutzende Papierschilder mit dem Bandlogo strecken sich WÜSTENBERG während des Openers „Call Me A Fool“ entgegen, das sodann fleißig mitgesungen werden darf.

Schon bei WÜSTENBERG ist die Stimmung meist ausgelassen

Wüstenberg live in München 2025

Überhaupt ist die Stimmung im Münchner Backstage am frühen Abend ausgelassen, was wir vor allem dem kurzweiligen und beschwingten Material der Anfangsviertelstunde zuschreiben wollen: „Trading Manners For The Madness“ und die Single „The King’s Gambit“ laden zum Mitklatschen ein, bevor zum Ende des Sets mit „Good People“ sowie dem Rausschmeißer „Revenge Is For The Weak“ die rockigen Klänge inklusive Gitarrensolo ihre Zeit im Rampenlicht bekommen.

Allein im Mittelteil geht WÜSTENBERG zwischen oft gedrosseltem Tempo und zahlreichen Ansagen der Elan flöten. Das gilt mitunter sogar für das lautstark mitgesungene BON JOVI-Cover „Livin‘ On A Prayer“, für welches das reife Publikum natürlich leichte Beute ist, das jedoch andererseits mit Ausnahme des frischen Geigensolos mit angezogener Handbremse interpretiert wird. 

WÜSTENBERG Setlist – ca. 45 Min.

1. Call Me A Fool
2. Trading Manners For The Madness
3. Paradox Of Love
4. Man With No Baggage
5. Hold On To
6. Livin’ On A Prayer (BON JOVI-Cover)
7. Good People
8. Happy Birthday
9. Revenge Is For The Weak

Fotogalerie: WÜSTENBERG


FIDDLER’S GREEN

Fiddler's Green live in München 2025

Privat schalten wir ja selten das Radio ein, doch was gerade im Backstage durch den Äther dringt, klingt tatsächlich vielversprechend. Bekannte Stücke aus 35 Jahren FIDDLER’S GREEN bringt der Tuner hervor, bis das Intro in München endlich bei „Irish Air“ vom 2007er Werk „Drive Me Mad“ hängenbleibt. Als Auftakt ist das ausgelassene Stück eigentlich ideal geeignet, obgleich das Publikum heute noch ein paar Augenblicke länger zu benötigen scheint.

Mitgeklatscht wird eifrig, doch brechen soll das Eis erst im umjubelt aufgenommenen „Down“, wo die Fans zum Auftakt aus der Hocke springen, um sodann zum Pogotanz überzugehen. Es geht also doch, obwohl in der Vorweihnachtszeit Lebkuchen und Stollen sicherlich hier und da die eigene Trägheit begünstigen. Das Gegenmittel servieren FIDDLER’S GREEN sodann im entschlossen dargebotenen „Mrs McGrath“, wo Stefan Klug zur Bodhrán greift, um den Takt vorzugeben.

Bei FIDDLER’S GREEN regiert auch nach 35 Jahren noch die Spielfreude

Fiddler's Green live in München 2025

So beherzt die Fans hier auf und abspringen, so inbrünstig schreien sie im folgenden „Old Dun Cow“ diesen einen Namen in die Nacht: Die Worte „McIntyre“ dürften Sänger Albi wohl noch bis in die Morgenstunden verfolgen, so ungläubig wie er den Kopf schüttelt. Die Stimmung ist mittlerweile nicht nur vor der Bühne ausgezeichnet, selbst auf den Brettern steht den Musikern das Grinsen ins Gesicht geschrieben.

Zeit für Faxen bleibt selbstverständlich immer, als sich der Frontmann zwischendurch hinter dem seitlichen Vorhang zu verstecken scheint oder man die jüngste Single „Botany Bay“ zusammen mit Franz Wüstenberg zum Besten gibt. Überraschungen wie diese gibt es am laufenden Band, wobei natürlich die eine oder andere Showeinlage schon länger zum Repertoire FIDDLER’S GREENs gehört.

Für FIDDLER’S GREEN-Drummer Frank Jooss wird sogar ein Bierfass zum Percussion-Instrument

Fiddler's Green live in München 2025

So begleiten nicht weniger als drei Fahnenschwinger:innen den Schunkler „Greens And Fellows“ , bevor Geiger Tobis obligatorisches Solo mit Nebel speiender Drehorgel und Bierfass-Percussion angereichert wird. Es soll nicht das einzige Mal sein, dass der flinke Musiker im Zentrum steht: Als nach dem launigen Traditional „The Bog“ in der Arena eine Leiter aufgerichtet wird, wissen langjährige Anhänger:innen bereits, was nun bevorsteht.

Für das tanzbare Jig erklimmt Tobi unerschrocken die Sprossen, um inmitten des Circle Pits die feierwütigen Fans noch weiter anzustacheln. Bei so viel Publikumsnähe kommt schlussendlich auch der Rest der Band nicht aus und versammelt sich für „Raggle Taggle Gypsy“ nun in voller Stärke im Hallenzentrum.

Mit einem kleinen Akustik-Block reisen FIDDLER’S GREEN bis zu ihren Anfangstagen zurück

Fiddler's Green live in München 2025

Dass diese Einlage auch dramaturgisch ein cleverer Schachzug ist, erfahren wir im direkten Anschluss, wo sich die Bühne in der Zwischenzeit in ein heimeliges Pub verwandelt hat. Hinter dem Tresen demonstrieren FIDDLER’S GREEN zu „John Kanaka“ ihre hypnotische Percussion-Choreografie inklusive fliegender Bierbecher, nur um den soeben gestarteten Akustikblock mit ein paar nostalgischen Nummern zu krönen. Dass Sänger Albi für „Creel“ vom Debütalbum extra die Bouzouki abgestaubt hat, wissen wir ebenso zu schätzen wie das traditionelle Medley – ein Novum für die Band, wie wir erfahren -, das aber durchaus ein wenig länger bei den einzelnen Stücken hätte verweilen dürfen.

Dafür gibt es den Klassiker „Rocky Road To Dublin“ in voller Länge, wo sich natürlich auch das Backstage an der „Wall of Folk“ versuchen darf, bei welcher die beiden Seiten nicht nur wildgeworden ineinander krachen, sondern „elegant aneinander vorbeigleiten“ sollen. Diese Koordinationsprobe besteht die bayerische Landeshauptstadt mit Bravour und zeigt sich auch beim ausgelassenen „Perfect Gang“ weiterhin ausdauernd. Die überdimensionalen Luftballons in irischen Nationalfarben überleben den Song zum Großteil zwar nicht, fordern jedoch zumindest auch Bassist Rainer und Geiger Tobi kurzzeitig alle fußballerischen Qualitäten ab, um die wild umherfliegenden Utensilien zurück ins Publikum zu befördern.

Die Zugaben füllen FIDDLER’S GREEN mit Hits und Evergreens

Fiddler's Green live in München 2025

Dass man auf der Zielgeraden die heute schön durchgemischte Setlist durch ein paar Hits und Evergreens ergänzen muss, versteht sich indes von selbst. Vom starken „One Fine Day“ bis zum treibenden Closer „Folk’s Not Dead“, bei dem Gitarrist und Sänger Pat nach überstandener Fingerverletzung ein kleines Solo beisteuern darf, geht es in der Halle mit vollem Elan weiter.

Die künstlich eingeschobenen Zugabenblöcke hätte es unseretwegen zwar nicht gebraucht, die kleine Pause aber wollen wir einer Band im 35. Jahr ihres Bestehens allerdings gerne zustehen. Zumal mit „The Galway Girl“, dem rockigen „Victor And His Demons” und schlussendlich dem wieder ins Set zurückgeholten Rausschmeißer „Blarney Roses“ noch einige Schweißtropfen die Schläfen herabrinnen sollen.

Selbst nach 35 Jahren suchen FIDDLER’S GREEN noch vergeblich nach den „Blarney Roses“

Fiddler's Green live in München 2025

Eine letzte Tradition lassen sich FIDDLER’S GREEN in diesem Zug selbstverständlich nicht nehmen: Für den folkigen Ausklang laden die Erlanger wie gehabt ihre Anhängerinnen auf die Bühne ein, wo das beliebte Traditional genauso freudig zelebriert wird wie vor über dreißig Jahren. Dass nicht einmal FIDDLER’S GREEN von diesen nostalgischen Ritualen genug haben, ist durchaus nachvollziehbar, erinnern sie doch auch daran, wo die Band einst herkam. Und wer weiß, wie es in fünf, zehn, 15 Jahren aussieht: Ob bis dahin jemand herausgefunden hat, wo die namengebenden Rosen denn nun blühen? Wir jedenfalls wollen auch dann gerne noch bei der Suche helfen.

FIDDLER’S GREEN Setlist – ca. 110 Min.

1. Irish Air
2. P Stands For Paddy
3. Down
4. Mrs McGrath
5. Old Dun Cow
6. A Good Old Irish Bar
7. Botany Bay
8. Greens & Fellows
9. Geigen-Solo
10. Take Me Back
11. The Bog
12. Jig
13. Raggle Taggle Gypsy
14. John Kanaka
15. The Creel
16. I’m Here Because I’m Here/This Old Man/Donkey Riding/The Mermaid
17. Rocky Road To Dublin
18. Perfect Gang
19. We Don’t Care
20. One Fine Day
21. A Bottle A Day
22. Folk’s Not Dead
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23. The Galway Girl
24. Victor And His Demons
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25. The Wild Rover
26. Blarney Roses

Fotogalerie: FIDDLER’S GREEN

Fotos: Tatjana Braun (https://www.instagram.com/tbraun_photography/)