ENDSTILLE, HOLLENTHON, GOD DETHRONED und SYNCRONOMICA am 09. November 2009 in der Werkstatt, Köln

Drei Bands – drei Headliner. Die gut gedachte Idee ging in Köln leider nicht so richtig auf, denn das deutsch-österreichisch-holländische Paket spielte vor gerade mal fünfzig Nasen.

Drei Bands – drei Headliner, so lautete das Motto der Tour auf der es mit ENDSTILLEHOLLENTHON und GOD DETHRONED ein bunt gemischtes Trio zu sehen gibt. So richtig aufzugehen schien die Idee leider nicht, denn zumindest in Köln war die Besucherzahl eher mau. Der Opener SYNCRONOMICA musste vor knapp dreißig Nasen ran, viel mehr als fünfzig waren es im Verlaufe des Abends zu keinem Zeitpunkt. Natürlich wird auch die Tatsache, dass das Konzert an einem Montag stattgefunden hat, seinen Teil dazu beigetragen haben. (agony&ecstasy)

SYNCRONOMICA
Belangloser Symphonic Black Metal zu Beginn – SYNCRONOMICA 

Als erstes mussten wie erwähnt die Münchener Symphonic Black Metaller SYNCRONOMICA ran. Gegen Viertel vor acht ertönte das bombastische Intro vor – wie oben erwähnt – dünner Kulisse und SYNCRONOMICA legten mit neuem Drummer, der die Songs erst einen Tag zuvor zum ersten Mal mit der Band gespielt hatte, los. Vom Sound her kamen Erinnerungen an CRYPTIC WINTERMOON auf. Negativ vielen vor allem die größtenteils kitschigen Keyboardpassagen auf. Auch Streicher gab es aus der Konserve, PANTHEON I zeigten vor kurzem in Essen noch, wie so etwas live und atmosphärisch funktionieren kann. Auch ansonsten gab es bei SYNCRONOMICA nichts zu hören, was mich zu Begeisterungsstürmen hingerissen hätte. Spielerisch nett, ansonsten aber völlig spannungsbefreit und einfallslos. Wie Symphonic richtig geht, zeigten später HOLLENTHON, und wie Black Metal zumindest besser geht, ENDSTILLE. Die vierzig Minuten, die der Band zugestanden wurden, kamen mir jedenfalls deutlich länger vor. (agony&ecstasy)

GOD
Setlist GOD DETHRONED: The Cross Of Sacrifice (Intro), Under A Darkening Sky, Serpent King, Soul Sweeper, Nihilism, Hating Life, In The Lair Of The White Worm, The Execution Protocoll, Nomans Land, Poison Fog, Boiling Blood, Villa Vampiria 

Nach dem längsten Soundcheck des Abends betraten GOD DETHRONED die Bühne. Wobei die Herren und die Dame zunächst von uns nicht erkannt wurden, bis Henry Sattler zum Intro des aktuellen Albums die Bühne betrat. Optisch gab man sich äußerst normal. Selbst für ununiforme Death Metal-Verhältnisse. Dass Death Metal aber nun nichts mit Kleidungsstil zu tun hat, ist zwar klar, aber GOD DETHRONED schienen es für nötig gehalten zu haben, diese Tatsache an diesem Abend zu untermauern und starteten mit Under A Darkening Sky in ein vorzügliches Set. Auf der Bühne war von Anfang an ordentlich was los, im Gegensatz zu vor der Bühne. Der Laden hatte sich zwar schon etwas mehr gefüllt, aber irgendwie schien niemand von sich aus die Lust verspürt zu haben, die vorderen zwei Meter zu beanspruchen. Ob sich das, überwiegend männliche, Publikum von Susan Gerl eingeschüchtert fühlte? Wer weiß. Jedenfalls bedurfte es einer Einladung seitens Herrn Sattler, um das Publikum näher an die Bühne zu verlagern. Im Gegensatz zu seinen beiden Mitstreiter(inne)n schien besagter Frontmann übrigens recht hüftsteif und introvertiert, wenn auch nicht abweisend. Dies glich er allerdings durch seine ausdrucksstarke Stimme wieder aus, mit welcher er an diesem Abend sicherlich nicht nur mich zu überraschen wusste. Denn ganz unverhofft kündigte er als dritten Titel den Passiondale-Hit Poison Fog an. Ich war gespannt, wie man plante, den für das Lied so signifikanten, klaren Gesangspart live umzusetzen. Die Antwort war so simpel wie überraschend: Henry Sattler sang ihn einfach selbst, wie er es scheinbar auch auf dem Album tat. Und machte dabei eine verdammt gute Figur. Fortan bahnte sich die Band ihren Weg durch (fast) ihren gesamten Backkatalog. An diesem Abend ging wohl kein Fan der Band unglücklich nach Hause. Jedes Lied fand ein paar Glückliche, welche dazu abgingen, und gegen Ende fanden sich sogar ein paar Leute zu einem kleinen Moshpit zusammen. Wobei pit hier nicht ganz wörtlich zu nehmen ist, in Anbetracht der Besucherzahl. Jene dankten es der Band, indem sie die sie nach guten fünfzig Minuten jubelnd von der Bühne verabschiedeten. Insgesamt lieferten GOD DETHRONED einen sehr guten und abwechslungsreichen Auftritt ab. Mir fehlte zwar der Song Tombstone von Into The Lungs Of Hell, aber das will ich mal nicht so eng sehen. (angel of despair)

HOLLENTHON
Hatten es trotz hervorragender Leistung beim Publikum etwas schwer – HOLLENTHON 

Nach dem guten, wenn auch nicht überragenden Auftritt von GOD DETHRONED folgte mein persönliches Highlight des Abends. Dass die Österreicher es live drauf haben, davon konnte ich mich bereits letztes Jahr auf dem DONG OPEN AIR überzeugen. Und auch diesmal machten Martin Schirenc und sein Anhang alles richtig und legten einen furiosen Start hin. Cooles Posing, großartige Songs und diesmal waren sogar die symphonischen Parts zu hören. Schade nur, dass bis auf ein, zwei Irre das Publikum wieder ein gutes Stück Abstand von der Bühne hielt, was vielleicht doch ein wenig auf die Stimmung drückte. Allgemein hatten es HOLLENTHON eine ganze Ecke schwerer als vorhin noch GOD DETHRONED. Es gab zwar höflichen Applaus nach jedem Song, so richtig gejubelt wurde aber nicht. Schade, denn HOLLENTHON boten einen erstklassigen Auftritt. Mit gleich drei Rampensäuen gesegnet machte die Band vom Stageacting her so ziemlich die beste Figur des Abends, auch wenn ENDSTILLE optisch vielleicht spektakulärer waren. Dafür hatten HOLLENTHON musikalisch deutlich mehr zu bieten. Besonders der Titeltrack der neuen EP Tyrants And Wraiths war ganz großes Kino. Nach fünfzig Minuten war der kurzweiligste Auftritt des Abends leider auch schon wieder vorbei. (agony&ecstasy)

ENDSTILLE
Setlist ENDSTILLE: Dominanz, The One I Hate, Biblist Burner, Ripping Angelflesh, Conquest Is Atheism, Bastard, Navigator, Depressive / Abstract / Banished / Despised, Frühlingserwachen

Bei dem, was ich vorher so gehört hatte, ging ich an den ENDSTILLE-Auftritt ohne große Erwartungen heran, gelten sie doch anscheinend als keine sonderlich gute Live-Band. So wurden meine Erwartungen dann auch nicht enttäuscht. Denn auch wenn ich die Band eigentlich ganz nett finde, so reichte es, trotz des Gastauftritts eines blutspuckenden Zingultus (GRAUPEL, ex- NAGELFAR) im letzten Song nicht für mehr als dem Fazit unterhaltsam. Dass sie Ballad Oft A Frosbitten Heart nicht gespielt haben, eines meiner Lieblingslieder, macht die Sache nicht besser. Wobei ich mir gar nicht so sicher bin, ob ich das Lied überhaupt erkannt hätte, wenn sie es gespielt hätten. Es war kaum möglich, irgendwelche Details herauszuhören. Die Lieder versanken in einem einzigen Rauschen und Scheppern. Nur selten ließ sich mal ein konkretes Riff heraushören. Das der Auftritt kein totaler Reinfall wurde, lag in erster Linie am Schauwert der Band, allem voran des Sängers und seines Organs. Jenes war wirklich herausragend, fast beängstigend die Inbrunst, mit welcher er seine Texte hervorbrachte. Und eine Rampensau ist der Typ sowieso. Ich möchte fast sagen, dass er wohl der Hauptgrund für mich war, nicht vorzeitig nach Hause zu düsen. Insofern nehme ich es der Band auch nicht allzu krumm, dass sie als Headliner des Abends das kürzeste Set der drei Hauptacts spielte. Obwohl das ja eigentlich ein Unding ist. Wobei ich der Fairness halber anmerken möchte, dass sich ein Großteil des Publikums nicht am miesen Sound störte und vor der Bühne wirklich der Teufel los war. Na ja, jeder scheint seine Prioritäten anders zu setzten. (angel of despair)

Fotos & Layout: agony&ecstasy