CRADLE OF FILTH, CHRISTIAN DEATH & USURPER im Volkshaus, Zürich, am 6. Dezember 2000

Das Volkshaus in Zürich wurde in Schutt und Asche gelegt…

Der grosse Tag ward gekommen. Nach meinem Interview mit CRADLE OF FILTH im Oktober war dieser Mittwochabend der wohl meisterwartete Tag in diesem Jahr (von eigenen Konzerten mal abgesehen).

Überpünktlich fingen dann USURPER mit ihrer Show an.

„Hmmm… Was zum Teufel soll das,“ dachte ich mir. „Lassen die seit neustem Roadies die Konzerte spielen? Nö, Roadies können die ihnen anvertrauten Instrumente zumindest stimmen – können also keine Roadies sein.“

Köstlich war es dennoch, den Leuten da auf der Bühne zuzuschauen.

Aufs Genaueste schien ihre grazile (Ha! Die Bierbäuche hättet Ihr sehen müssen!) Synchron-Bang-Action einstudiert zu sein. Dass sie sich am Anfang immer gegenseitig anschauen mussten, um im richtigen Takt ihre Rüben zu schwingen, zeugte durchaus von Professionalität! Und dann diese Harmonien und die komplizierten Rhythmen! Das war für jeden CRADLE OF FILTH-Fan und auch für mich 7/8-nach-4/4-wechsel-und-wieder-zurück-kein-problem-basser zu viel. Bei USURPER hatte tatsächlich jeder Musiker seinen eigenen Rhythmuspart und sein eigenes Taktmass! Bravo! Keine Ahnung, wie man sowas vollbringt. Mal unseren Jazz-erfahrenen Drummer fragen. Ich bin mir aber sicher, nicht mal der schafft das. Aber eben: So ist Black Metal. Man ist nur mit dem besten zufrieden (ROFL).

Naja, nach etwa 15 Minuten war mir das ganze zu viel, vor Gehirnüberlastung wäre ich fast zusammengebrochen. Was für Musiker!

Falls es noch irgendjemand nicht gemerkt haben sollte: Das war purer, reissender Sarkasmus. So etwas schlechtes wie USURPER habe ich noch nie live gesehen. Pfui Deibel!

Als USURPER endlich fertig waren, folgten nach einer kurzen Umbaupause CHRISTIAN DEATH.

Ich verstehe diese Band nicht. Gebe ich zu. Am Anfang kamen die Musiker im Militäroutfit auf die Bühne. Total vermummt. Gute Show. Später wurden die Kleider immer weniger und (z.B. bei der Sängerin/Bassistin) SEHR spärlich. Als sie dann kaum noch etwas anhatte, kam doch ein Anflug von Billigkeit rüber. Schocken kann man auf diese Art ja niemanden mehr. Weshalb musste sich die Frau dennoch ausziehen?

Mit CHRISTIAN DEATHs Sound konnte ich leider auch nicht viel anfangen. Sie haben ihre Songs jedoch (soweit ich das beurteilen konnte) sauber und mit viel Emotion gespielt.

Dann kam die Band, auf die ich nun 2 Monate gewartet hatte: CRADLE OF FILTH. Bevor ich anfange folgende Warnung: Ich kann bei dieser Band nicht objektiv sein – die Engländer sind einfach zu gut.

Nach dem obligatorischen „Ave Satanas“-Intro vom OMEN III-Soundtrack enterten sie die Bühne – und vom ersten Ton an war klar: CRADLE OF FILTH sind zurück. Sie starteten mit einem grandiosen „Ebony dressed for sunset“, das direkt in „The forest whispers my name“ überging. Dieser Anfang zeigte schon deutlich die Richtung an, wo es an diesem Abend hingehen sollte. Viele alte Stücke, ein paar neue, jeweils genau EINEN von „Cruelty and the Beast“ und einen von „From the Cradle to enslave“ – das war ein klares Zeichen.

Bald gab es dann den ersten Song von „Midian“, „Cthulhu Dawn“, und der Song zeugte nur so von Spielfreude – man sah sie CRADLE OF FILTH geradezu an.

Dani war zwar wie immer etwas missmutig aufgelegt („You could show at least a bit appreciation“ – und das mehr als einmal), dafür war Gian, der direkt vor mir stand, umso aktiver.

Spätestens bei „Her Ghost in the Fog“ war dann alles gewonnen – die Leute tobten. Das war genau das, was das Volk an diesem St. Nikolaus-Abend brauchten. Und vor allem nach USURPER war es eine richtige Freude, diesen überaus guten Musikern zuzuhören. Als die Band dann zum Schluss das 10-Minütige „Queen of Winter, Throned“ anstimmte, war es um mich geschehen – besser hätte man den Abend einfach nicht beenden können.

Ich war schlussendlich praktisch zufrieden. Etwas habe ich aber zu bemängeln. CRADLE OF FILTH nicht allzu lange gespielt. Bitte nächstes Mal mehr!

Bericht: al
Fotos: Karin Fretz