WINO: Sunn Amps and Smashed Speakers

WINO: Sunn Amps and Smashed Speakers

Gitarristen aufgepasst! WINO erzählt euch alles wissenswerte über Sunn-Amps. Die Doom-Legende veröffentlicht dieser Tage endlich ihr grandioses Soloalbum Punctuated Equilibrium, bei dem mit CLUTCH-Drummer Jean Paul Gaster und Bassist Jon Blank von REZIN illustre Gäste mit zu Werke gehen. Was der unwahrscheinlich freundliche, lebhafte Gesprächspartner über die Songs des neuen Albums zu erzählen hat, warum THE HIDDEN HAND das Handtuch warfen, was von seinem neuen Baby SHRINEBUILDER und der neuesten Reunion von SAINT VITUS zu erwarten ist, lest ihr im folgenden Interview.

 

Hallo WINO, wie geht es dir? Alles gut in Maryland?

Mir geht es blendend. Ich hatte schon eine Menge Interviews in den letzten Tagen, nun ebbt es langsam ab.

Schön zu hören, dass das Interesse an einem Urgestein der Underground-Musik noch immer ungebrochen ist. Vor zwei Tagen kam dein Album Punctuated Equilibrium bei mir an, was eigentlich kein richtiges Soloalbum ist.

Ja, es ist ziemlich abwechslungsreich geworden. Es gibt Rock ´n´ Roll, es gibt Doom, es gibt Uptempo-Nummern, es gibt persönliche Texte, aber hier und da schleichen sich auch politische Kommentare ein. Ich habe mit dem Label einen Kompromiss geschlossen, denn die Vinylausgabe besteht aus vierzehn Songs und einer dieser vier Bonustracks sollte als erstes auf dem Album stehen. Aber SOUTHERN LORD empfahlen Release Me als Opener, was mich überrascht hat, denn ich dachte, sie würden Release Me am wenigsten mögen.

Nach dem Split von THE HIDDEN HAND habe ich im Internet ein Statement gefunden, dass du von SOUTHERN LORD enttäuscht warst, nun kommt Punctuated Equilibrium doch über dieses Label heraus.

Nein, gar nicht. Wo stand das? Ich war mit dem letzten Album von THE HIDDEN HAND unzufrieden, aber nicht mit SOUTHERN LORD. Es lag viel mehr an der Produktion, das ist eine sehr lange Geschichte. Wir haben sehr hart an The Resurrection of Whiskey Foote gearbeitet, und Bruce war sehr frustiert, er hatte Probleme den richtigen Sound zu finden, das Resultat war enttäuschend, denn es klang einfach ziemlich schwach. Wir hatten hohe Erwartungen in dieses Album gesteckt, immerhin war es der Nachfolger von Mother Teacher Destroyer, einer der besten Scheiben, auf denen ich jemals mitwirken durfte. Mit SOUTHERN LORD hatte das nichts zu tun, mit Greg Anderson habe ich seit jeher ein gutes Verhältnis. Es ist wirklich traurig was damals passierte, die Songs sind gut, was wir drei gespielt haben war echt gut, nur die Produktion hat einiges kaputt gemacht. Gemixt wurde es dann von J. Robbins, der den Karren noch versucht hat aus dem Dreck zu ziehen.

Er hat auch an Punctuated Equilibrium Hand angelegt.

Genau, er war Toningenieur, hat es gemischt und gemastert, ich habe es nur co-produziert.

Die Produktion ist auf jeden Fall einzigartig. Das Klangbild ist recht altmodisch, jedes Instrument steht einzeln, wird aber schön verbunden mit den jeweils anderen. Auch der Gitarrensound ist wundervoll, er erinnert mich hier und da an verzerrte Bässe aus den späten Siebzigern.

Das ist cool! Ich verwende auch Equipment aus den Siebzigern.

Welche Amps nimmst du her?

Ich verwende Sunn-Amps, und zwar Model T. Sunn war übrigens die erste Firma, die große Bass-Amps für speziell für Tourzwecke herstellte. Sie waren die Ersten, deren Verstärker die großen Arenen beschallen konnten. Heutzutage machen das Ampeg, sie haben Sunn verdrängt. THE WHO haben damals Sunn-Amps benutzt und auch JIMI HENDRIX hat mal auf welchen gespielt, aber er mochte sie nicht wirklich. Das ist eigentlich eine ziemlich herzzerreißende Geschichte, denn der Gründer der Firma Sunn, ein Amerikaner deutscher Abstammung namens Conrad Sundholm, war völlig aus dem Häuschen, weil HENDRIX seine Geräte probieren wollte. Dieser hat jedoch das brandneue Zeug komplett zerstört, seine Gitarre durch die Lautsprecher gedroschen und so weiter. Und JIMI HENDRIX sagte nicht mal danke. Das war der Moment, in dem die Musik der Siebziger für Konrad Sunnhall seine Faszination verlor, weil er von HENDRIX so behandelt wurde.

Aber zurück zu den Model T-Amps. Das war ein einzigartiger Amp. Er hat einen verdammt guten Preamp und schöne, modifizierte Power Tubes, also Röhren darin, und wirklich gute Verzerrer. Und in den Siebzigern haben wirklich viele Bassisten diesen Gitarrenamp auch verwendet, weil man da einen wirklich knirschenden, wuchtigen Sound bekommt. Das wurde zu einer Art Geheimtipp der US-Bassisten zu dieser Zeit. Ich weiß auch einfach, wie ich die Preamps einstelle, damit ich den für mich passenden Klang bekomme. Ich verwende auch einige Pedale, um die Songs zusätzlich zu würzen, wie in Eyes of the Flesh. Da verwende ich ein verrücktes Noise-Pedal, mit dem ich einen dreckigen Sound herbekomme. Normalerweise spiele ich mit einem Sound von Anfang bis zum Ende, aber hier und da versuche ich durch Effekte ein paar Farbtupfer einzufügen, wenn es nötig ist. Ansonsten ist es nur meine Gitarre, mit aufgemotzten Tonabnehmern und auch aufgemotzten Röhren.

 WINO
Wenn es an der Zeit ist, etwas zu tun, dann steh verdammt nochmal auf und tu es! Jetzt ist genau die richtige Zeit für das All-Star-Projekt SHRINEBUILDER.

Eyes of the Flesh ist ein gutes Stichwort. Ein relativ düsterer Song auf dem Album, auch die Nummer, die mich am ehesten an SAINT VITUS erinnert, wenn ich das so sagen darf.

Ja, darfst du. Da stimme ich dir auch zu hundert Prozent zu. Dieses Stück handelt von Menschen, die für Lust programmiert werden, es handelt von allen Spielen und Scharaden, die damit in Verbindung gebracht werden. Ich kenne eine indianische Medizinfrau, die mir das Konzept nahe gebracht und erklärt hat. Die Gesangslinien sind so langsam, waren zunächst ein wenig unspektakulär, deshalb haben wir sie durch abgefahrene Lautsprecher gejagt, so dass es jetzt recht fies klingt.

Auch der Titeltrack deines Albums ist ziemlich düster und heavy, ein richtiger Metalsong, der mich am ehesten an Divine Propaganda, das Debütalbum von THE HIDDEN HAND erinnert.

Yeah.

All diese unterschiedlichen Stimmungen auf deinem Soloalbum könnten einerseits schrizophren wirken, ich glaube jedoch, dass sie den Titel Punctuated Equilibrium hervorragend verbildlichen.

Ganz genau so ist es. Meine Frau hat schon gesagt, dass dieses Album meine Persönlichkeit ganz genau wiedergibt. Sie hat es so empfunden: Ich lasse alles auf mich wirken, lasse alles nah an mich ran, aber spreche nicht darüber. Bis zu dem Zeitpunkt, da es aus mir herausbricht. Ich finde, das ist ein schönes Konzept und passt perfekt zu meinem Soloalbum. Als wir im Studio das Album aufnahmen, erzählte ich J. Robbins dieselbe Geschichte und er meinte, suchen wir im Internet doch mal nach dem Begriff Punctuated Equilibrium. Wir fanden heraus, dass es da eine wirklich tiefe wissenschaftliche Theorie diesen Titels gibt, die folgendes aussagt: Stell dir eine große Gesellschaft vor, zum Beispiel das europäische Festland. Dort brauchen evolutionäre Veränderungen eine unvorstellbar lange Zeit. Wenn du eine kleine Gruppe von Menschen, wie zum Beispiel auf einer Insel beobachtest, wirst du feststellen, dass solche Veränderungen deutlich schneller passieren. Das war wirklich witzig, wir sind völlig ausgeflippt.

Mein Lieblingssong auf Punctuated Equilibrium ist momentan übrigens Smilin´Road.

Den mögen viele sehr gerne. Es wird nur schwierig sein, ihn live zu spielen, mit den ganzen zweistimmigen Gitarrenharmonien. Ich habe den Text dazu im Studio geschrieben, konnte ihn also noch nie live darbieten. Wir arbeiten daran, ihn auch live hinzubekommen, es ist nicht einfach, aber wir versuchen es. Vielleicht kommt ja ein zweiter Gitarrist mit auf diese Tour.

Ich finde es sehr interessant, dass auf einem Album mit zehn Songs fast die Hälfte aus Instrumentals besteht.

Ja, wir lieben es zu Jammen. Jean Paul steht sehr auf Jazz und das fließt bei ihm direkt mit ein. Es ist ja auch wundervoll, wenn die alten Jazzmeister improvisieren.

Das war auch einer meiner ersten Eindrücke, dass euch das Jammen hörbar wichtig war.

Wild Blue Yonder ist zum Beispiel fast komplett im Studio entstanden, wir hatten im Vorfeld nur das erste Riff. Wir gingen damit ins Studio und bauten den Rest darauf auf, weil wir wissen wollten, wo es uns hinträgt. Meine Hoffnung war einen magischen Jam zu erhalten, aus dem wir einige schöne Passagen herausziehen könnten. Und genau das passierte. Es war zunächst ein achtzehnminütiger Track, aus dem J. und ich sechseinhalb Minuten heraus editierten und der die besten Stellen beinhaltete: Das Basssolo, das verrückte Wahwah-Solo und so weiter. Es hat wirklich super funktioniert.

In The Woman in the Orange Pants gibt es auch solche Stellen.

Dafür verwende ich meinen Gitarrensynthesizer, ein cooles Fußpedal, mit schönen Presets und drei Programmierplätzen. Ich benutze diese recht häufig. Dadurch gibt es einen schönen Sound, ähnlich wie bei RAGE AGAINST THE MACHINE.

Wirklich interessant ist auch der recht kurze Track Water Crane, der mich an die neueren Werke von EARTH erinnert, mit ziemlichem Western-Feeling.

Water Crane wurde von einem arabischen Mädchen inspiriert, mit dem ich vor langer Zeit ein paar mal ausgegangen bin. Sie hieß Dawna, persisch für Wasserkranich. J. hat im Studio ein paar dezente Keyboards unterlegt und für den Bass haben wir einen E-Bogen verwendet, außerdem kam ein Gong zum Einsatz. Das war sehr experimentell.

 WINO
Eeigentlich ist doch alles so einfach. Versuche das, was du kannst, liebe so sehr wie du nur kannst und mach es einfach. Scott Wino Weinrich und seine bodenständige Philosophie.

Du hast gesagt, es wird persönliches und politisches auf Punctuated Equilibrium verarbeitet. Ich gehe davon aus, dass Gods, Frauds, Neo-Cons and Demagoges für das politische Element steht.

Jawohl, Sir. Wenn du dir das genau anhörst, wirst du im Hintergrund einige Samples erkennen. Basierend auf einer altertümlichen Versammlung des Papstes, mit seinen Bischöfen, Kardinälen und den ganzen anderen hohen Katholiken, wo sie gefressen, getrunken und gefickt haben. Einer der Kardinäle sagte damals: Die Ablehnung des Christentums hat uns gut gedient. Ich erinnere mich stets daran, denn es ist nicht so, dass ich nicht an Gott glauben würde, ich weiß auch mehr über die Bibel als die meisten anderen Menschen. Jesus und Maria waren die höchsten Priester damals, aber die Katholiken wollten aus Jesus eine Art Krieger machen und Maria haben sie als Prostituierte verdammt, obwohl sie seine Frau war, das war schon lange vor dem Da Vinci Code bekannt, auch der Song von THE HIDDEN HAND Magdalene ist älter als dieser Roman. Ich weiß nicht, was mit Jesus passierte, ob er gekreuzigt, oder einfach nur feige ermordet wurde, und daran glaube ich. Was ich in meinen Nachforschungen herausgefunden habe ist, dass außer den Christen niemand an Jesus glaubt. Sogar die Geheimbünde, wie die Freimaurer, Templer und so weiter, sie glauben an Jah. Das war den Mentor von Jesus und er wurde ziemlich übersehen. Im Booklet meiner CD sind auch Liner Notes zu den Songs, darin erläutere ich auch solche Dinge. Ich glaube an eine höhere Kraft, an einen Gott, einen großen Geist, aber nicht an die weltliche Macht, die davon ausgeht. Diese Fragen wurden schon bei Divine Propaganda aufgeworfen: Ist der jüdische Gott besser als der christliche Gott, wo sie doch sowieso die gleichen sind? Ich glaube auch streng an die Trennung von Kirche und Staat. Die USA haben Schulen für Anwälte eingerichtet, die darauf ausgelegt sind, dass diese Anwälte rechte christliche Aspekte in unsere Gesetze einbringen. Das ist völlig verrückt und schlecht. Wir können so glücklich sein, dass wir dank Obama eine Chance haben. Hast du dir den Anfang des Songs mal genau angehört?

Da ist ein Grunzen zu hören.

Ja, das Grunzen eines Schweins. Das ist John McCain. Mit einem coolen Programm namens Wiretap konnten wir seine Stimme verlangsamen, machten sie zusätzlich tief und erzeugten dieses Grunzen. Wir waren völlig aus dem Häuschen, wir haben ein Schwein aus einem Schwein gemacht. Dann haben wir noch George W. Bushs größte Fauxpas eingebaut, zum Beispiel: Our enemies are always looking for new ways to hurt us, and so are we. Natürlich ist das alles keine große Philosophie. Weil eigentlich ist doch alles so einfach. Versuche das, was du kannst, liebe so sehr wie du nur kannst und mach es einfach.

Die einfachsten Sachen, sind die wirkliche Philosophie.

Absolut.

Apropos Jesus, kennst Du das Buch Das Evangelium nach Jesus Christus? Das Evangelium, das einen Menschen zeigt – solltest du gelesen haben.

Ich kenne leider nur den Titel. Aber gerade die letzten Jahre im Leben von Jesus wurden in den Evangelien stark verändert, um der katholischen Kirche zu nutzen, mit Details wie der Dämonisierung von Frauen, die Kopfbedeckung der Juden, und so weiter. Kopfbedeckung ist übrigens ein gutes Stichwort. In den östlichen Religionen, auch welche jene Jesus studiert hat, glauben die Menschen an Prana, eine gute Energie, die durch den Kopf aufgesaugt wird. Darum rasieren sich auch die buddhistischen Mönche die Köpfe. In so vielen Religionen zählen Kopfbedeckungen zur Tradition, wie im Islam, aber das ist völlige, methodische Unterdrückung.

Nach diesem faszinierenden Exkurs zurück zu Punctuated Equilibrium. Das erste Stück des Albums, Release Me, ist ein sehr hoffnungsspendendes Lied.

Geh zurück in die Arme, derer, die dich liebt, Mann! Es ist einfach, es ist glückselig, kann auch schmerzvoll sein. Oftmals möchte ich kein Teil der Welt sein, so fühle ich mich einfach manchmal. Aus diesem Gefühl heraus habe ich auch das Riff geschrieben, der Text, Release me from this world of pain geht davon aus. Das ist ein recht altes Fragment, dass ich bis dieses Jahr nicht fertig gestellt habe. Das Konzept ist so einfach: Wir leben in einer Welt voller Schmerzen und wir brauchen etwas, das uns erlöst.

Da war sie wieder, die magische Einfachheit. Aber nun mal zu der Besetzung deiner Band. Wie bist du eigentlich auf CLUTCH-Drummer Jean Paul Gaster gekommen?

Ich liebe das Spiel von Jean Paul. Ich kenne CLUTCH schon sehr lange, und bewundere sie. CLUTCH ist eine wirklich große Band in den USA und Jean Paul ist einfach einer der besten und kreativsten Schlagzeuger hier aus dieser Gegend und wir wollten schon lange zusammen etwas machen. Es macht ihm einfach verdammt viel Spaß.

Wird er auch auf deiner Tour im Frühjahr dabei sein?

Ja, das wird er.

Bezeichnenderweise seid ihr drei dann auch Teil des ROADBURN FESTIVALS und des DOOM SHALL RISE 

 WINO
Ich lasse alles auf mich wirken, lasse alles nah an mich ran, aber spreche nicht darüber. Bis zu dem Zeitpunkt, da es aus mir herausbricht. WINO über sein Eingeschränktes Gleichgewicht.

FESTIVALS. Die perfekten Events für euch.

Das finde ich auch. Wir sind auf dem DOOM SHALL RISE FESTIVAL Headliner, das ist natürlich für eine junge Band wie uns schon etwas Großes. Wir beschränken uns dabei natürlich nicht nur auf mein Solomaterial, auch SPIRIT CARAVAN und THE HIDDEN HAND werden wieder zum Leben erweckt. Auf dem ROADBURN FESTIVAL spielen wir auf dem Afterburner-Event am Sonntag, davor sind zwei Tage ohne Gig, am Freitag ist ja die SAINT VITUS-Reunion.

Ein gutes Stichwort. Das ist schon eure zweite Wiedervereinigung. Wird sie dieses Mal von längerer Dauer sein?

Das weiß ich nicht. Meine ganz persönliche Meinung ist, dass dies eine gute Gelegenheit ist, unsere Musik zu spielen. Würde es nach mir gehen, würden wir zehn Konzerte in den USA spielen und zehn Gigs in Europa. Aber Davids Manager meint, wir sollen nur die großen Festivals spielen. Ich hätte es lieber gehabt, in den ganzen alten Clubs mal wieder aufzutreten. Die großen Festivals interessieren mich eigentlich gar nicht. Aber wir werden sehen, was alles noch kommt. Es ist auch schwierig für uns geworden, wir leben alle in verschiedenen Bundesstaaten und wir sind älter geworden. Wir können nicht einfach unser Zeug zusammenpacken und auf große Tour gehen, wir haben Mieten zu bezahlen, unsere Hunde, um die wir uns kümmern müssen und natürlich müssen wir unseren Kindern beim wachsen zusehen. Aber trotzdem glaube ich, wir sollten mehr spielen und den Leuten geben, was sie wollen. Wir sollen für alle spielen, nicht nur für die zweitausend Leute, die schon Tickets für das ROADBURN FESTIVAL haben, während alle anderen jetzt schon doof aus der Wäsche kucken.

Also wird für dich dein Soloprojekt im Hauptfokus stehen.

Ja, aber ich werde bei SAINT VITUS natürlich auch einhundert Prozent geben.

Lustigerweise ist diese Völkerwanderung aus verschiedenen Staaten auch bei SHRINEBUILDER (eine Band mit Scott Kelly, Al Cisneros und Dale Crover – Anm. d. Verf.), deinem neuen Projekt, angesagt.

Ja, wir werden im Januar ein Album aufnehmen. Das ist auch ein bisschen kompliziert, weil die anderen Jungs alle von der Westküste, aus Oregon und Kalifornien, stammen und ich der Einzige von der Ostküste bin. Ich werde nach LA reisen und wir werden an diesem Album arbeiten. Das wird ein wirkliches Kunstprojekt, weil wir bisher nur drei Proben hatten. Mein guter Freund Pig vom PIGMY LOVE CIRCUS sagte einmal: When the goin´ gets rough, the weirdos get pro. Ich glaube, das wirst du nicht verstehen, es bedeutet einfach: Wenn es an der Zeit ist, etwas zu tun, dann steh verdammt nochmal auf und tu es! Es mag trivial klingen, aber das ist eine echte Ethik des Arbeitsgeistes.

Wird das nur ein Projekt über ein Album sein?

Wir werden auf jeden Fall touren, nachdem das draußen ist. Immerhin kosten die Flüge allein schon ein Haufen Geld und irgendwie muss es auch wieder reinkommen.

Wie schaut es bei SHRINEBUILDER nun musikalisch aus?

Scott wird seinen typischen Gesang und seine heftigen Vocals beisteuern und auf der Gitarre Atmosphäre erschaffen, die Noten halten, Feedback erzeugen und solche Dinge. Ich werde die meisten Leadgitarren beisteuern und auch singen. Es wird ziemlich heavy werden und rocken, aber es wird auch psychedelisch werden und einige gejammte Stellen beinhalten. Der Plan ist auch, dass wir, sobald wir alle in einem Raum stehen, einfach drauf los spielen und die Mikros anschalten. Ich glaube von ganzem Herzen an die magischen Momente. Es wird dennoch eine spannende Angelegenheit, denn wir haben uns geschworen, wenn es nicht unseren eigenen Ansprüchen genügt, dann lassen wir es gut sein. Wir versuchen es, wenn es nicht klappt wollen wir uns nicht zum Affen machen, denn für eine Band wie SHRINEBUILDER sind die Erwartungen enorm hoch gesteckt.

Bevor wir aufhören, möchte ich nochmals auf THE HIDDEN HAND zu sprechen kommen. Ich war der Meinung, das Bruce und du ein verdammt gutes Duo wart.

Das war auch eine coole Partie! Bruce ist ein hervorragender Songschreiber und er hatte auch ein verdammt gutes Händchen für Texte. Aber Bruce hatte ein großes Problem damit, dass fast die gesamte Aufmerksamkeit mir galt. Aber er hatte eben noch keine musikalische Karriere. Es tat mir wirklich leid, dass es nicht anders möglich war, die Band zu führen, aber das ist eben heutzutage einzige Möglichkeit um Platten zu verkaufen. Wir wären wirklich Narren gewesen, hätten wir das nicht ausgenutzt. Auf der anderen Seite mochten viele Leute seine Stimme nicht, was ich auch für Humbug halte, sie ist nämlich großartig. Er nahm es sich immer sehr zu Herzen, wenn er etwas derartiges in der Presse las. Der wirkliche Wendepunkt in der Bandgeschichte war allerdings, als er nicht mehr zu dem Sound stehen wollte, den er uns damals als Toningenieur verschafft hat. Aber hör dir doch mal Divine Propaganda an, was für ein erdiger Sound das ist. Oder Night Letters, unsere Split mit WOOLY MAMMOTH. Mother Teacher Destroyer kam danach, für mich immer noch eines der besten Alben meiner Karriere, das ohne diesen einzigartigen Klang, niemals so gut geworden wäre. Ganz plötzlich flippte er aus, er wollte nicht mehr als der Typ gelten, der für diesen Klang verantwortlich war. Die Produktion von The Resurrection of Whiskey Foote gab er schließlich auf, wir klangen nie, als wären unsere Instrumente gestimmt gewesen und er wollte das auf mich schieben, aber ich benutze dieselbe Ausrüstung seit Jahren. Die Songs waren so gut, das Drumming von Evan war phänomenal, aber wenn du dir diese Platte anhörst, wirst du fast keinen Bass hören. Hör dir das Album sofort an und vergleiche es mit Punctuated Equilibrium. The Resurrection of Whiskey Foote ist wirklich heavy, aber es hat keine Bässe. Wir waren ein Trio, ich bin ein Fan von BLACK SABBATH, da ist der Bass ein Muss.

Wird sofort geschehen, Sir. Eines muss ich aber noch loswerden, bevor wir zum Schluss kommen. Mit dem Mother Teacher Destroyer-Song Half Mast verbinde ich einen der schönsten Momente eines Lebens.

Aber das ist eigentlich ein Song über Krieg und Krieg ist schrecklich. Aber ich bin wirklich froh, dass dieser Song dir viel bedeutet.

Captain Chaos
Ehemann, Vater, Musikenthusiast, Plattensammler, Trauerbegleiter, Logistiker, Autor, Wandergeselle