UNANIMATED: Ich werde die Welt mit meinem Vater regieren!

UNANIMATED: Ich werde die Welt mit meinem Vater regieren!

 

Totgesagte leben bekanntlich länger und umso größer war die Freude, als dieses Jahr UNANIMATED mit In The Light Of Darkness stilvoll ihre Reanimation zelebriert haben. Unterstützt wurden die Stockholmer hierbei von zahlreichen Gastmusikern aus der reichhaltigen örtlichen Death Metal-Szene, und so wurde es Zeit, bei Sänger Micke Jansson mal virtuell anzuklopfen. Dieser stellte hierbei gleich noch einen kleinen Rekord auf – nicht mal 24 Stunden dauerte es, bis die Interviewantworten im Mailfach lagen…

Die Standardfrage gleich zuerst: Wo warst du, als die Idee zur Reanimation von UNANIMATED einschlug?

Nun, die Idee kam uns, als wir uns kurz nach Ancient God Of Evil dazu entschlossen, eine Pause einzulegen.

Eigentlich war nie vorgesehen, dass diese Pause so viele Jahre lang dauern sollte, aber am Ende dauerte sie halt so lange. Immer wieder kam etwas dazwischen – andere Bands, Richards Umzug nach Texas, Gefängnisaufenthalte und anderer Scheiß, den das Leben so bietet – darum war es halt erst jetzt soweit. 14 Jahre dauerte die Pause am Ende. Um zu deiner ursprünglichen Frage zurück zu kommen – wir waren wohl irgendwo nahe dem Boden einer Flasche Alkohol.

Dort sollen sich ja so einige Ideen tummeln. Wenn du eine andere Band reanimieren könntest, welche wäre es (tot oder lebendig)?

Eine merkwürdige Frage. Nun ja, eine große Inspiration für uns waren immer BATHORY. Und ich glaube, dass Quorthon (Tomas Forsberg) noch viel mehr zu geben hatte und viel zu früh aus dem Leben gerissen wurde. Ruhe in Frieden, Bruder.

Das stimmt indes. Kommen wir aber zu eurer Reunion zurück. Was hat dich mehr motiviert: wieder ein Album aufzunehmen oder live zu spielen?

Wie schon vorhin gesagt: Es war einfach nicht möglich, früher wieder zusammenzukommen. Die größte Motivation war natürlich 14 Jahre Hunger! Wir wollten die Band außerdem auf ein neues Level hieven. Ancient God Of Evil erschien einfach nicht richtig als Ende einer Band wie UNANIMATED.

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Erik Danielsson fand genau den Look, den wir wollten – UNANIMATED sind zufrieden mit der visuellen Seite von In The Light Of Darkness

Bevor wir zu den musikalischen Aspekten kommen, würden mich noch die visuellen interessieren. Auffallend bei den drei UNANIMATED-Alben ist, dass sie sich visuell komplett voneinander unterscheiden. Es scheint kein verbindendes Konzept zu geben, nicht mal im entferntesten Sinne. Wie wichtig ist das Coverartwork bei UNANIMATED?

Vielleicht war es uns in unseren Anfangstagen nicht wichtig und wir haben noch immer die Ansicht, dass die Musik auf dem Album wichtiger ist als das Coverartwork. Aber ich stimme dir zu, die Coverartworks unserer drei Alben haben absolut nichts miteinander gemeinsam. Allerdings muss ich anmerken, dass ich bei In The Light Of Darkness mit allem sehr zufrieden bin – also auch mit der visuellen Seite.

Welche Gedanken stehen denn hinter dem Coverartwork von In The Light Of Darkness?

Wir wollten einfach, dass das Coverartwork die Musik widerspiegelt, wie wir sie erleben. Ich denke, das ist mit diesem Artwork gelungen. Der für das exquisite Artwork Verantwortliche ist Erik Danielsson (WATAIN), der genau den Look dafür gefunden hat, den wir wollten.

Seine Arbeiten sind auf jeden Fall klasse, ich denke da etwa an ein Shirt für DISMEMBER, das er mal designt hat… Der Tod ist ja ein präsentes Thema in eurer Arbeit. Hast du Angst vor dem Tod?

Angst? Nicht wirklich, nein.

Was denkst du erwartet dich nach dem Tod?

Lass es mich so sagen: Absolut nichts. Warum sollte nach dem Leben etwas sein?

Wir sind einfach Kreaturen, die leben und sterben. Die Menschen haben schon immer daran gelitten, dass sie darüber nachdachten, ob sie in den Himmel oder in die Hölle kommen, wie speziell sie sind und so weiter. Wir sterben, einfach so. Es ist großartig, dass Menschen ihren Glauben haben, es ist wirklich schön. Aber wir sind einfach Asche, weißt du. Außer ich – ich werde die Welt mit meinem Vater regieren!

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Kleingeistige Menschen irritieren mich zu Tode – und Mickes Liste geht noch weiter

Hehe… und du singst ja auch über diabolische Dinge, was sicherlich einige Leute provoziert. Aber was provoziert bzw. irritiert dich? Luzifer wird es kaum sein…

Kleingeistige Menschen irritieren mich zu Tode. Und diejenigen, die meinen, etwas Besseres zu sein. Ehrlich gesagt könnte ich diese Liste für immer fortsetzen, da mich so vieles in dieser Welt irritiert.

Aber beeinflusst es dich auch, was in der Welt abgeht? Landen die Tagesschau-Nachrichten irgendwann in deinen Texten?

Nein, die heutige Welt inspiriert uns nicht. Ich meine – die Welt lebt und stirbt. Es ist jeden Tag der gleiche Mist – same shit different day, sozusagen. Und unsere Lyrics sind nicht wirklich politisch. Die Dunkelheit und das Böse sind unsere Inspirationsquellen. Aber wir kratzen wohl nur an der Oberfläche. Schließlich sind es einfach Lyrics und kein Buch, das wir schreiben.

Meines Wissens nach habt ihr ja mit einigen Gastmusikern zusammengearbeitet auf In The Light Of Darkness. Wer hat genau was gespielt in den einzelnen Songs?

Das ist wahr und definitiv kein Geheimnis. Du kannst die Informationen im Booklet finden. Auf jeden Fall sind es alles Freunde von uns und wir dachten, es sei eine nette Idee, sie auf dem Album dabei zu haben. Das machte es auch interessanter, diese kleinen Details…

Leider habe ich zum Album eben kein Booklet mit diesen Infos bekommen. Wenn wir es gerade von anderen Musikern haben: Ihr seid oder wart ja alle auch in anderen Bands aktiv. Welchen Stellenwert nimmt da UNANIMATED ein?

Momentan nehmen wir es gemütlich, aber es ist einiges für die Zukunft geplant. In naher Zukunft wird es einige Performances geben. So oder so nehmen wir das Ganze sehr ernst – wir haben hart daran gearbeitet, dass UNANIMATED wieder da sind.

Schweden ist ja bekannt für seine vielen guten Metal-Bands. Hast du irgendwelche Empfehlungen aus dem Underground?

Ich weiß von einigen großartigen Bands im schwedischen Underground. Es gibt jeden Tag neue Bands, die richtig gut klingen. Trotzdem habe ich keine Empfehlungen. Ich bin sowieso schlecht darin, mir Namen zu merken. Aber die Bands wissen eh, wer gemeint ist.

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Es gab eine Zeit, als ich BATHORY lebte und atmete – Micke über seine grösste Inspirationsquelle

1996 habt ihr ja auf einem Tribute-Album für BATHORY mitgemacht. Du hast schon vorher die Relevanz von BATHORY für dich erwähnt. War es diese Band, die dich zum extremen Metal gebracht hat?

Ja. BATHORY war immer eine enorme Inspiration für uns – und damit stehen wir nicht alleine da. Es gab eine Zeit, als ich BATHORY lebte und atmete. Das tue ich wohl noch immer in einem gewissen Mass. Wir machten beim Tribute-Album mit, um unseren Respekt zu zeigen und BATHORY die Ehre zu erweisen. Über die Jahre hinweg haben uns natürlich noch zahlreiche andere Bands inspiriert – und auch BATHORY tut dies noch immer.

1996 sah die Szene ja um einiges anders aus. Was vermisst du am meisten aus dieser Zeit?

Viele Dinge, denke ich. Und gleichzeitig nicht viel. Ich schaue nicht zurück und überlege mir auch nicht, was hätte sein können. Das ist einfach Zeitverschwendung, weißt du.

Ich nehme mal an, dass die Szene heute ziemlich anders ist als diejenige damals. Aber eigentlich weiß ich gar nicht, wie die Szene jetzt ist. Abgesehen von der anderen Musik, die heute gemacht wird, weiß ich nicht, ob ich das Heutige mag. Allerdings ändern sich die Zeiten – und wir uns auch…

Eine große Rolle dabei spielt ja auf jeden Fall das Internet. Ihr habt als große Band lediglich eine Myspace-Site. Wo siehst du als Musiker die Vor- und Nachteile des WWW?

Es ist offensichtlich, dass der größte Vorteil der ist, dass man so viele Leute mit dem Internet erreichen kann. Der Nachteil: Die Leute können sich deine Musik runterladen, noch bevor das Album erschienen ist. Allerdings weiß ich nicht wirklich, ob das negativ ist. Denn die Leute, die eine Band wirklich mögen, kaufen sich das Album sowieso. Momentan arbeiten wir übrigens an einer regulären Homepage, aber brauchen wir das wirklich?

Das wird wohl erst die Entwicklung im Myspace-Universum zeigen… Was bevorzugst du: Vinyl, CD oder Mp3?

Nun, als Oldtimer liebe ich einfach meine Vinyl-Platten. Allerdings will ich sie so lange wie möglich haben, also höre ich mir vor allem CDs an. Mp3s höre ich mir nicht an. Ich möchte die Musik LAUT auf meiner Anlage hören.

Nehmen wir an, du hast deine Anlage nicht dabei. Mit wem würdest du dann am liebsten für zwei Stunden im Lift steckenbleiben?

Das müsste dann wohl meine versaute Frau sein. Sie weiß, was in den nächsten zwei Stunden zu tun ist um mich zu unterhalten.

Hehe… Wie siehts eigentlich mit einer Tour zu In The Light Of Darkness aus?

Wir arbeiten daran, allerdings gibt es noch keine Details, die 100% sicher sind. Wir werden wohl noch etwas warten müssen. Ende Sommer werden wir aber definitiv in Stockholm auftreten und zwei Gigs spielen. Keine Angst, du erfährst es noch genug früh.

Gibt es sonstige Infos zur Zukunft von UNANIMATED?

Wer weiß? Viele Festivals und Konzerte. Vielleicht ein viertes Album? Wer weiß das schon. Aber wir sind da draußen in der Dunkelheit, das ist sicher. Hail the hordes!!!

Fotos: Label / Sureshotworx
Layout: Arlette Huguenin Dumittan

Arlette Huguenin Dumittan
Arlette ist seit 2000 bei vampster und unsere Schweizer Fachfrau für schwarze Musik und vegane Backrezepte. Lieblingsbands: DARKTHRONE, MAYHEM, HAIL OF BULLETS. Genres: Black Metal, Death Metal, Dark Metal/Rock.