NEON SUNRISE: Das hört sich gar nicht so schlecht an

Manchmal fragt man sich, warum einem denn eine gewisse CD von einer Plattenfirma zugeschickt wurde. Wäre es nicht besser, diese nicht zu veröffentlichen? Dann gibt es wiederum CDs, bei denen man sich wundert, warum sie einem nicht von einer Plattenfirma zugeschickt wurden. Als Eigenproduktion erreichte uns auch “Toxigenesis”. Imponierend präsentieren sich NEON SUNRISE auf ihrem jüngsten Album. Mit Schlagzeuger Mike sprach ich über das harte Leben auf der Suche nach einem Deal.

Manchmal fragt man sich, warum einem denn eine gewisse CD von einer Plattenfirma zugeschickt wurde. Wäre es nicht besser, diese nicht zu veröffentlichen? Dann gibt es wiederum CDs, bei denen man sich wundert, warum sie einem nicht von einer Plattenfirma zugeschickt wurden. Als Eigenproduktion erreichte uns auch “Toxigenesis”. Imponierend präsentieren sich NEON SUNRISE auf ihrem jüngsten Album. Mit Schlagzeuger Mike sprach ich über das harte Leben auf der Suche nach einem Deal.

Berichte uns mal etwas aus dem Leben eines unsigned Acts!

Das ist jetzt die erste CD, die wir mit einer Auflage von 1000 Stück gemacht haben. Alleine das ist ja für einen unsigned Act schon sehr schwierig. Wir konnten 1000 Stück machen, weil wir die Studiokosten nicht zahlen mussten. Wir haben unser eigenes Studio, in dem wir aufnehmen. Dort konnten wir jetzt erstmals eine Auflage von 1000 Stück machen. Gut ist, für die Leute, die die Musik gerne hören, dass wir den Preis ziemlich tief halten können.

Von den CDs wurden einige verschickt, die gingen an die großen Magazine, an die großen Online-Mags, dann auch an ein paar kleinere, die uns in der Vergangenheit auch unterstützt haben. Ich finde das wichtig, dass man die auch nicht vergisst. Selbst, wenn die innerhalb von zehn Jahren nur 8000 Hits haben. Aber irgendwann haben die uns auch mal unterstützt und deshalb machen wir das auch weiter. Ein paar Sachen gingen auch ins Ausland. Reviews haben wir in Belgien und Kanada bekommen. Man ist irgendwo immer um eine Plattenfirma bemüht. Es ist sehr schwierig. Gerüchten zufolge soll es letztes Jahr so gewesen sein, dass alle Bands, die unter 20.000 Kopien geblieben sind, gedropped wurden. Ich denke, da kommen wir vorerst mal nicht ran…

Bekommt ihr auch Resonanz von den Plattenfirmen oder müsst ihr euch mit schlichten Absagen begnügen?

Resonanz bekommt man so gut wie gar nicht. Die einzigen, von denen ich eine Resonanz bekommen habe – und die möchte ich jetzt auch nicht unbedingt schlecht machen, das liegt mir fern – sind Century Media. Die waren wenigstens noch so nett und haben uns abgesagt. Der Grund war: “Euch fehlt noch was.” Daraufhin habe ich in einem lockeren E-Mail-Kontakt mit den wirklich netten Leuten von Century Media geschrieben, dass mir das nicht ausreicht als Kritik. Da bekam ich dann zur Antwort: “Ja, weiß ich nicht.” Das hilft einem dann auch nicht weiter. In der Vergangenheit hieß es oft, dass wir zu wenig Presse hätten. Presse ist natürlich schwierig zu bekommen in den Printmedien. Da muss man erstmal große Auftritte spielen. Das ist auch das Schwierige. Wir können es im Grunde nur so machen: Wir verschicken um Reviews zu kriegen, und kriegen wir gute Reviews, freuen wir uns und können damit arbeiten. Zum Beispiel können wir das irgendwelchen Veranstaltern von Festivals anhand der Bandbiographie mitgeben, und dann können wir nur drauf hoffen, dass die sagen: “Ja ok, die Musik gefällt uns.” Die Musik muss immer gefallen, das ist ganz klar. Aber gut, wenn man nichts im Rücken hat, dann hat man natürlich auch nur ganz schwer die Möglichkeit auf den großen Festivals zu spielen. Es ist so gut wie unmöglich da reinzukommen. Versucht wurde das zwar alles schon, aber auch da kriegst man keine Resonanz. Man schreibt zwar nach Wacken oder zum Dynamo, aber zurück bleibt da relativ wenig. Man bräuchte jemanden, der sich permanent nur darum kümmert und den Leuten – auf Deutsch gesagt – auf den Sack geht und immer hinterher telefoniert.

Also einen Promoter!

Ja, wir haben das mal versucht über FBI Music aus Köln. Denen gibt man 20 Euro im Monat und sie besorgen einem Gigs. Für jeden Gig, den man über sie besorgt bekommt, zahlt man dann nochmal zehn Euro. Da sind wir jetzt seit etwa 18 Monaten dabei, seit einem halben Jahr haben die etwa unsere CD vorliegen und da ist bisher noch nichts rum gekommen. Obwohl ich ständig von irgendwelchen für uns interessanten Labels, wie InsideOut, Newsletter bekomme, in denen auch mal stand, dass ENCHANT hier um die Ecke drei Termine absagen mussten. Da habe ich dann FBI angeschrieben, und gesagt, dass da drei Termine ausgefallen sind und dass wir da doch mal einspringen könnten. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt, aber es kam leider nichts dabei heraus. Im Endeffekt müssen wir uns erstmal selbst um Auftritte bemühen. Bei Labels braucht man, wie gesagt, nicht viel nachzufragen, da hat man so gut wie keine Chance. Die wollen im Grunde genommen eine fertige Band haben, mit einer Fanbase von 800 Leuten pro Gig und die schon in allen großen Zeitungen auf der Titelseite war. Es nützt ja auch nichts, wenn man feinste Reviews bekommt. In den Printmedien haben wir einen Liebling: den Metal Heart. Denen haben wir drei CDs geschickt und die haben die sowas von abgefeiert. Ich habe mir den einen Metal Heart sogar gekauft, weil ich das Review so genial fand. Eigentlich wollte ich mir ja einen Joghurt für die Arbeit kaufen, aber da habe ich dann gehungert. Das bringt einen leider noch lange nicht weiter. Man freut sich tierisch darüber und denkt sich, vielleicht haben wir es ja jetzt geschafft, vielleicht geht es ja jetzt mal los. Aber man muss da, glaube ich, realistisch bleiben.

NEON SUNRISE
“Die hörten sich schlechter an, als die Leute, die bei Popstars in der ersten Runde rausfliegen.” – auf der Suche nach einem geeigneten Sänger begegnete man einigen interessanten Kandidaten…

Was bei euch sicher noch dazu kommt, sind die vielen Besetzungswechsel. Beschreibe mal, was das Problem ist, die richtigen Leute zu finden.

Der Posten, der problematisch war, war in den ganzen Jahren eigentlich nur der Gesang. Am Bass gab es den Wechsel von unserer ganz alten Bassistin zu unserem derzeitigen Bassisten. Das ist so gelaufen, weil sie eben absolut unzuverlässig war. Im Nachhinein habe ich gesagt bekommen, dass alle dachten, NEON SUNRISE wären total arrogant – aufgrund ihrer Art! Wir sind nicht arrogant, wir sind ganz normale Jungs, die Spaß haben, Metal zu machen. Dann haben wir sie aufgrund von Desinteresse an der Band rausgeschmissen. Inzwischen spielt sie bei Peter Tägtgren bei PAIN. Das ist für sie ein guter Aufstieg. Wir wünschen ihr da auch viel Spaß, den hat sich auch, ich habe zwischendurch mal mit ihr telefoniert. Man ist sich da nicht spinnefeind. Sie hat es auch eingesehen und gesagt, dass das Interesse für die Band nicht so da sei. Dadurch, dass die Bassistin mit dem Sänger von HATESQUAD zusammen war, kam die Sache dann wohl ins Rollen, bis sie schlussendlich bei Peter Tägtgren eingestiegen ist.

Das wichtige Vitamin B.

Na klar, auch die Gitarristin, eine Freundin von Alla, ist dann wohl so mit reingerutscht. Für die habe ich damals sogar noch eine Platte eingetrommelt. Sie suchte einen Drummer für ihre Platte und hat mich gefragt. Da habe ich mir dann gedacht, dass es ganz cool wäre, mal so ein bisschen Rotzrock zu spielen. Mit der Platte ist sie dann in die USA geflogen um ein bisschen Promotion zu machen. Damit ist das dann wohl irgendwie gekommen. Vorher waren sie auch mit den BOSSA BABES unterwegs. Bei MAMBO KURT waren die beiden auch. Die eignen sich anscheinend gut um irgendwo Background-Band zu sein. (lacht)

Das war jetzt die Sache mit dem Bass. Das wichtigere war aber eigentlich der Gesang. Wir haben früher oft Reviews bekommen, in denen es hieß: Musik super, Gesang schlecht. Es war ein guter Kumpel von mir, der da gesungen hat. Mit dem habe ich auch vorher schon sechs Jahre Musik gemacht, dann ist sowas natürlich immer besonders schwer. Wir haben ihm etwa eineinhalb Jahre Zeit gegeben, irgendwo mal Gesangsunterricht zu nehmen. Am Anfang war er auch gewillt, aber am Ende hieß es: “Da habe ich überhaupt keine Zeit für.” Dann haben wir uns von ihm getrennt und hatten zwischendurch zwei andere Sänger. Der eine davon, Ralf Hoffmeister, war wirklich ein guter Sänger, ausgebildet an einer Musikschule. Der hatte aber wiederum private Probleme und dann hatte sich das erledigt. Der nächste war auch nicht schlecht, mit dem haben wir “New Soul Design” aufgenommen. Ein bis zwei Monate nachdem die CD raus war, ging er dann auf die Meisterschule und hatte keine Zeit mehr. Dann standen wir wieder da. Wir haben dann eineinhalb Jahre nach einem Sänger gesucht. Da kamen Leute in den Proberaum, die behauptet haben, sie wären Sänger und dass sie schon vier Jahre Gesangsunterricht hätten, sogar Gesang schon studiert hätten. Die hörten sich schlechter an, als die Leute, die bei Popstars in der ersten Runde rausfliegen. Wenn du die dir jetzt noch fünf mal schlechter vorstellst, dann hast du die, die bei uns im Proberaum waren… (lacht)

Für Background reicht es vielleicht gerade noch so bei mir, aber die waren um Längen schlechter. Da kam auch mal einer mit Wandergitarre rein, der sagte dann, er habe zwei Jahre auf Mallorca gesungen. Der andere fühlte sich von der Gitarrenwand erschlagen. Was will man da machen? Nach einiger Zeit sind wir dann durch Kumpels zum Tim gekommen. Tim war damals 18, ist jetzt 19. Er kam rein und sagt: “Jo, hi”, ganz locker, wie er eben ist: “Ich kann hier singen.” Dann hat er ein paar Sachen gesungen und hat bei den Rock-Sachen überzeugt, und weil wir seit der ersten CD sehr viel Abwechslung im Gesang hatten, da kamen Death-Growls oder Black Metal-Gekeife, haben wir ihn das probieren lassen und das hat geklappt. Dann haben wir uns auch gedacht, der Junge ist erst 18 und hat jetzt schon so eine Stimme, was wird aus dem bloß werden, wenn der jetzt vier Jahre mit uns regelmäßig durchprobt. Er hat ein gewisses Naturtalent. Wenn zu mir einer kommt und sagt, “ich singe mal ein bißchen”, und dann im Studio zwei- bis dreistimmige Klamotten draus macht, dann muss ich einfach sagen, der kann es!

Euer Sound war ja nicht immer so, wie auf “Toxigenesis“. Kannst du mal die Entwicklung beschreiben?

Das Cover von 'Toxigenesis'
Auf “Toxigenesis” wird weniger gefrickelt als auf den ersten beiden Alben.

Wir haben etwas progressiver angefangen. Da wurde mehr gefrickelt. Es ist wahrscheinlich eine Art Reifeprozess, den man durchgehen muss. Im Laufe der Zeit sagt man sich, okay, etwas weniger Gefrickel, ein bisschen mehr Knallen. Die Leute haben bei den Konzerten auch immer wieder gesagt: “Toll, tolle Musiker”, und ich hatte denselben Effekt, wenn ich ins Publikum geschaut habe, wie wenn ich mir ein DREAM THEATER-Konzert anschaue. Dann stehe ich im Publikum und denke mir: “Boah, klasse!” Es gibt zwei bis drei Songs, das sind dann eher die alten, zu denen man richtig abgehen kann und dann hat man die neuen, bei denen teilweise nur abgefrickelt wird. Da steht man dann mit verschränkten Armen da, zwar die Kinnlade runter, aber das ist dann auch schon alles. Das ist dann der Punkt, an dem wir alle gesagt haben, das ist nicht, was wir wollen. Wir wollen nicht mehr Musik für Musiker machen. Also, dass die Leute da stehen und sagen: “Boah, technisch haben die echt was drauf.” Das kann man auch erreichen, indem man irgendwo mal einen Zwischenpart einbaut, in dem man dann zwei Minuten richtig Gas gibt, aber der größte Teil eines Fünf-bis-Sechs-Minuten-Songs ist dann auf den Gesang abgestimmt oder darauf, dass er richtig nach vorne geht. Das ist die Essenz, die wir aus den ersten Alben gezogen haben. Da wurde vielleicht zuviel gefrickelt. Mit dem Wechsel beim Gesang haben wir jetzt einen Sänger, der auch mal eine Melodie vorgeben kann. Er kann die Hookline geben und wir machen die Begleitung dazu – so, wie es im Chorus sein sollte, dort ist der Sänger im Vordergrund. Das konnten wir in den ersten Alben nicht machen. Das war auch das, was Diggi angekreidet wurde und weshalb er letztendlich die Band verlassen musste. Damals musste die Melodie von den Gitarren kommen, damit überhaupt Melodie in den Songs war.

Wie weit sehr ihr euch da auf eurem Weg? Seht ihr euch da schon an einem Ziel angekommen oder ist da noch vieles, was verbesserungswürdig ist?

Verbesserungswürdig ist es immer. Wenn man eine CD gemacht hat, beispielsweise “Toxigenesis”, kommen spätestens, wenn sie zum Presswerk geht, kommen die Gedanken: “Mensch, da hätten wir aber noch was besser machen können.” Es wird wahrscheinlich keine Band geben, die sagt, jetzt sind wir an unserem Status Quo angekommen und ab hier können wir uns nicht mehr verbessern. Es gibt im Metal-Bereich zwar viele Bands, die sich nur noch selbst kopieren, dann sagt man halt, das ist deren Stil und dann ist das in Ordnung. Bei uns sagt man zwar auch, bei jeder CD, die hören sich so ein bisschen an wie der oder der, aber die haben ihren eigenen Stil. Das ist natürlich eine schöne Sache, wenn die Leute von Anfang an sagen, das sind NEON SUNRISE. Damit kann man sich anfreunden. Der Stil an sich ist natürlich immer ausbaufähig, egal in welche Richtung. Das ist dann auch eine Sache, wie die Songs entstehen. Die Songs entstehen auch völlig unterschiedlich. Meistens entstehen sie im Proberaum oder ein Gitarrist kommt mit einem Riff an. Dann kommt der Drumpart drunter, dann werden Variationen probiert und so entwickelt sich das. Manchmal fällt mir auch beim Einspielen ein Beat ein. Dann entwickeln wir das aus der Richtung und schauen, wie und wofür die Parts so geeignet sind. Unser Sänger Tim sagt dann: “Darauf könnte ich singen, darauf eher nicht.” Und so entstehen dann die Songs. Das geht alles aus dem Bauch heraus. Von daher kann man nie sagen, ob die nächste CD jetzt härter wird, wie viele immer sagen: “Das ist das härteste Album, was wir bisher gemacht haben” – auch so ein schöner Spruch.

Hört man immer wieder gerne…

Aber leider zu oft! Ich kann nur definitiv sagen: Das Ziel erreicht man nie – meiner Meinung nach. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Mal bauen wir da einen Jazzpart ein, mal haben wir Funk drin. Es fällt einem ja immer wieder was Neues ein.

Ihr verarbeitet eine Menge verschiedener Sounds. Wie würdest du die Musik jemandem beschreiben, der sie noch nie gehört hat?

Sehr schwer! Die krassen Sachen, wie Jazz oder Funk, sind ja nur bruchstückhaft in der Musik verpackt. Wenn mich jemand fragt, was für eine Musik ich mache, dann sag ich erstmal Metal. Einfach nur Metal, fertig. Klar kann man das jetzt auch Prog-Thrash Metal mit Funk-Einflüssen nennen. Aber Funk und Jazz ist eigentlich nur bruchstückhaft drin. Im Grunde genommen ist es nicht nennenswert. Also ist es Metal. Dann sagen manche, es ist Thrash Metal, und weil noch ein paar Spielereien drin sind ist es progressiver Thrash Metal. Es wurde schon Techno Thrash genannt, es wurde Death genannt, weil ein paar Growls drin sind. It’s only metal, but I like it!

Kannst du uns ein bisschen was zu den Texten sagen? Wie entstehen sie und wer schreibt sie?

Auf dieser CD sind die Texte von mir und von der Alla. Sie sind aus der Not heraus geboren. Aber nur auf dieser CD, da wir bereits mit fertigen Songs im Studio waren und nur noch der Gesang fehlte. Den musste der Tim bei dieser CD möglichst schnell machen. Tim ist 18. Ich habe Abi gemacht, habe Englisch-LK gehabt, habe anschließend noch Wirtschafts-Englisch gehabt, von daher habe ich da ganz gute Kenntnisse. Tim tut sich da eher schwer. Da habe ich dann einfach gesagt, dass Alla, die Englisch studiert hat, und ich die Texte schreiben. Ich kann nur sagen, dass das irgendwelche Stories waren, die mir so eingefallen sind, die eventuell auch mal so passiert sind – aber dann eher unterbewusst.

Hat sich das im Vergleich zu euren ersten Alben auch verändert? Haben früher die Sänger die Texte geschrieben?

Ja, zu Diggis Zeiten hat er die Texte komplett alleine geschrieben, was auch nicht schlecht war, weil er eine äußerst lyrische Ader hat. Da stand man als Bandmitglied vor dem Text und fragte sich, was der Autor einem damit sagen möchte. Wenn er es einem dann erklärt hat, wurde es langsam klar. Man war ein bisschen verwirrt durch seine Texte, aber sie klangen klasse. Für “New Soul Design” hat Mirko die Texte auch selbst geschrieben. Für die nächste CD, die jetzt nach “Toxigenesis” kommt, wird es so, dass das auch eine Art Kooperation wird. Bei uns bringt sich jeder ein. Wenn einem eine coole Textzeile einfällt, dann geht die per E-Mail rüber zum Tim, vielleicht kann er sie irgendwo verwerten. Mir sind letztens zwei super Strophen für einen neuen Song eingefallen.

Wie wichtig sind bei euch die Texte im Verhältnis zur Musik? Ich habe bei euch den Eindruck, dass die Musik an erster Stelle steht.

Im Grunde genommen, ja. Ich würde das genauso sehen, dass die Musik einen hören Stellenwert hat als der Text. Es kann natürlich auch mal passieren, dass sich jemand die Gefühle von der Seele schreibt. Dagegen habe ich nichts. Ich habe auch nichts gegen politische Texte wie zum Beispiel bei KREATOR. Mille macht das immer sehr gerne. Solange die Politik intelligent in die Musik eingebaut ist und vernünftig damit umgegangen wird, habe ich damit keine Schwierigkeiten. Würde ich auch gerne machen, wenn mir der Sinn danach ist und wenn ich ein paar gute Textzeilen habe, werde ich das auch sofort machen. Aber bei uns steht die Musik doch im Vordergrund. Gesangslinien und Gesangsmelodie, das bekommen wir jetzt natürlich erst so langsam raus, nachdem wir jetzt bei Tim gesehen haben, zu was er überhaupt fähig ist. Damit können wir jetzt arbeiten und auch mal den Text im Vordergrund lassen und eine Ballade schreiben.

NEON SUNRISE live
“Alles klar, da steht ein Review. Nur was soll es bedeuten?” – Mike über ein Review im griechischen Metal Hammer

Wie seid ihr eigentlich auf euren Bandnamen gekommen? NEON SUNRISE ist alles andere als gewöhnlich für das Genre…

Ja, eigentlich schon. Wobei ich gesehen habe, dass jetzt auf dem ROCK HARD FESTIVAL SUNRIDE bestätigt sind. Ist ja auch nicht so weit weg. Sunrise an sich fand ich im Bandnamen gar nicht so schlecht. Mit einem Sonnenaufgang verbinde ich Wärme und das hört sich auch gar nicht so schlecht an. Das neon kam – wie der ganze Name – von Diggi. Es soll das Technische ausdrücken, was in unseren Songs auch vorhanden ist. Ob er da jetzt einen Neon-Lampen-Sonnenaufgang oder was auch immer gemeint hat, sei dahingestellt. Einen tieferen Sinn hat der Name nicht. Ein Einfall eines wirren Sängers.

Lasst ihr euch von Musik, die ihr hört, beeinflussen oder macht ihr eher euer Ding ohne links und rechts zu hören?

Das wäre Quatsch. Musik hört jeder, der Musik macht und selbst wenn man es nicht will, wird man irgendwie beeinflusst. Beispielsweise hast du uns ja mit SHADOWS FALL verglichen. Das höre ich zur Zeit im Auto. Kannte ich vorher nicht. Ich habe die erste und die zweite CD von denen mal bei unserem damaligen Sänger, dem Diggi, gehört und da klangen die noch total anders als jetzt. Deshalb hat mich das verwundert, als ich die zum ersten Mal gehört habe. Gefällt mir übrigens besser als die neue SOILWORK.

Die SHADOWS FALL ist großartig…

Ja, ganz großes Kino, kann man nicht anders sagen. Die setze ich auf eine Stufe mit KILLSWITCH ENGAGE. Jeder von uns hört eine andere Schiene. Seb, einer der Gitarristen, hört im Moment mehr Death Metal und ein teilweise auch ganz übles Geknüppel. Ich bin eher derjenige, der auch Progressive Metal und Metalcore-Sachen hört. Alte Heroen aus den 80ern, IRON MAIDEN beispielsweise, höre ich mir auch an. Unser anderer Gitarrist, der Andi, ist wiederum eher von den 80er- und 90er-Prog-Bands beeinflusst, Richtung PSYCHOTIC WALTZ. Es gibt eigentlich wenige Bands, die uns so richtig verbinden. TESTAMENT oder PANTERA hören wir alle gerne. Tim kommt eher aus der Rock-Schiene und hört NIRVANA, QUEEN und THE WHO. Hagen hört eigentlich alles, der will nächstes Jahr anfangen Tontechnik zu studieren. Er muss wahrscheinlich alles hören. Er hört von Klassik über Pop bis zum Drum’n’Bass alles. Wir wollen Metal machen, das ist für alle die Nummer eins Musikrichtung, aber die Mischung und was dabei rauskommt ist interessant. Wir wollen natürlich trotzdem unsere Schiene machen, weil man ja auch die Leute vor den Kopf stößt, die die letzte Platte gut fanden und bei den Konzerten Spaß hatten, wenn man dann beim nächsten Mal mit Folklore ankommt.

Wie geht ihr dann mit Kritik um? Nehmt ihr das ernst, was so geschrieben wird?

Es gibt Kritiken, die geben einem gar nichts. Wenn jemand einen Satz schreibt, wie: “Die CD ist absoluter Schrott”. Gut, das ist seine Meinung, aber warum ist sie Schrott? Das wäre etwas, was ich hinterfragen würde. Da bin ich mal mit Lärmbelästigung.net angeeckt. Die haben eine Kritik geschrieben, die unter jeder Würde war. Da hört es dann bei mir auf. Ich bin gerne bereit, eine schlechte Kritik einzustecken – überhaupt keine Frage. Ich bin da auch nicht so, dass ich nur alle Reviews, die über 6,5 Punkte sind, auf unsere Homepage schreibe. Wenn einer über uns schreibt und ich damit klarkomme, nicht wie bei Lärmbelästigung.net, dann habe ich damit keine Probleme. Aber das war für mich keine Kritik, sondern Rotz am Ärmel, was er da geschrieben hat. Wenn jemand schreibt: “Du kannst entweder von deinem Arbeitslosengeld II fürstlich auswärts speisen oder diese CD kaufen”, das finde ich etwas unter der Gürtellinie. Wenn jemand ein Review damit beginnt, indem er fragt, warum er über diesen Scheiß schreiben muss, dann kann ich das schon vergessen. Objektivität ist da wohl nicht mehr zu erwarten. Dann brauche ich eigentlich schon nicht mehr weiterlesen. Aber gut, ich habe weitergelesen. Auf der anderen Seite muss ich auch sagen, dass man sich Kritik immer zu Herzen nimmt. In der Vergangenheit kam es immer wieder dazu, dass der Gesang kritisiert wurde. Beim ersten Mal, bei “Burning In The Focus”, sagt man sich vielleicht noch: “Okay, der Sänger war vielleicht schlecht drauf. Schauen wir, wie es beim nächsten Mal ist.” Wenn dann beim nächsten Mal – trotz längerer Studiozeit – dasselbe bei rum kommt, dann hört man es selbst auch. Dann kriegt man wieder diese Kritiken und dann muss man reagieren. Wenn jemand geschrieben hätte, dass Tim ein dünnes Stimmchen hätte, dann hätte ich mir gesagt: “Okay, er ist erst 18. Er macht sich noch”, weil ich merke, mit welchem Eifer er dabei ist.

Die Kritik steht für uns nicht im Vordergrund, aber sie ist förderlich, solange sie objektiv ist und etwas bringt. Wir haben zwei Kritiken bekommen, in denen gesagt wurde, dass sich das Schlagzeug etwas pappig anhört. Das nehme ich mir zu Herzen. Ich war derjenige, der den Schlagzeug-Sound gemacht hat. Ich hab das gemeinsam mit Seb gemacht, der unser Poti-König ist, und war der Meinung der Sound wäre gut. Nur, jetzt habe ich das bei zwei Reviews bekommen, Kollegen haben mir gesagt, dass man da mehr hätte rausholen können. Das nehme ich mir zu Herzen und versuche das nächste Mal mehr Dynamik reinzubringen. Das klingt vielleicht doch etwas zu klinisch. Mit Kritik muss man leben und umgehen können.

Merkt ihr eigentlich, je nachdem wie die Kritiken ausfallen, auch Unterschiede, wie hoch eure Seite frequentiert wird? Ihr habt da jetzt auch schon einige Alben Erfahrung…

Wenn man gute Kritiken hat, dann kommen schon mehr Leute auf die Seite oder man hat viele MP3-Downloads. Ein bisschen merkt man das schon, aber es macht nicht besonders viel aus. Ich habe das mal bei der “Twisted Nerve” gemerkt, bei der wir richtig gute Kritiken hatten und die Scheibe auch in den Printmedien hatten. Da haben wir sehr viele Zuschriften bezüglich Vertrieb bekommen. Das ist relativ komisch, dass in der Hinsicht wegen der neuen Scheibe bisher noch nichts gekommen ist. Da bin ich wirklich überrascht. Ich bin davon ausgegangen, dass da mehr kommt. Wir haben zwar diverse E-Mails bekommen. Es kann sein, dass sich das jetzt auf E-Mails verlagert hat anstatt Briefe, die man vorzwei bis drei Jahren noch bekommen hat. Da haben wir also schon ein paar Anfragen bekommen. Eine Plattenfirma aus Griechenland hat uns angeschrieben. Bei den Griechen haben wir sowieso einen Stein im Brett. Wir standen damals im Metal Hammer Griechenland. Wir haben da zum ersten mal eine Zeitschrift in griechischer Schrift in den Händen gehalten und haben da unser Cover gesehen. Alles klar, da steht ein Review. Nur was soll es bedeuten? (lacht)

Wo seht ihr euch in ein paar Jahren?

Das ist eine sehr gute Frage. Immer weiter machen und nicht aufgeben ist die Devise. Ich denke, das ist auch das Wichtigste daran. Man kann auch mal den Leuten auf den Sack gehen. Wir würden in naher Zukunft gerne auf diversen Festivals spielen. Das heißt jetzt nicht Wacken oder sonst was. Es gibt genügend sehr kleine und sehr feine Festivals, wo auch super Nachwuchs-Combos spielen und die Stimmung klasse ist. Danach suchen wir im ganzen Bundesbereich und im angrenzenden Ausland. Österreich, Schweiz wäre, wenn es am Wochenende ist, auch kein Thema. Dann würden wir auch gerne im Vorprogramm von irgendwelchen größeren Acts spielen, um die Musik auch mal einem breiteren Publikum zu zeigen. Da kann man auch viel mit CD-Verkauf oder Give-Aways machen. Viel kann man auch über Live-spielen erreichen und jedes mal, wenn wir live gespielt haben, hatten wir sehr gute Resonanz. Ist natürlich schön, man fühlt sich geehrt und man weiß auch, dass die Band Live-Qualitäten hat. Die Mischung scheint nicht schlecht zu sein und sie kommt auch ganz gut an.