NEON SUNRISE: Toxigenesis [Eigenproduktion]

Ganz starker Auftritt einer versierten Band, die hoffentlich nicht lange ohne Deal bleiben wird.

Aus Bochum erreicht uns diese überaus interessante Eigenproduktion. NEON SUNRISE existieren seit 1998 und haben seither 4 selbst Produzierte EPs an den Start geschickt. Auf dem neuen Output Toxigenesis ändert man die Traditionen nicht und mischt das Lineup mal wieder kräftig durcheinander. Die beiden Neuen, Sänger Tim Lorenz und Bassist Hagen Utikal, sind beide noch nicht im Club der 20er.

Dies ist dem Album allerdings überhaupt nicht anzuhören. Im Gegenteil. Die Band zeigt sich in allen Belangen versiert. Na gut, abgesehen von der Tontechnik, aber das ist bei einer Eigenproduktion zu entschuldigen.

Es ist unglaublich schwierig die Elemente des Bandsounds stilistisch zu trennen. Es lassen sich zarte Parallelen zu SHADOWS FALL, die ja ihrerseits schon sehr vielseitig sind, ziehen. Der Vergleich liegt in dem spürbaren Death Metal begründet, der sich unter alle anderen Einflüsse mischt, die im klassischen Heavy Metal liegen oder auch schon im Power Metal zu finden sind. Der Death Metal wird durch tiefe Vocals vertreten, die dann in teils glasklare Melodien münden und über das gesamte Spektrum, das dazwischen liegt, teilweise bis den Power Metal reichen. Statt Blastbeats oder ähnlichen Death Metal-artigen Attacken, konzentriert man sich instrumental auf anspruchsvolles, gut strukturiertes Riffbuilding. Der Opener No Love Lost ist ein Beispiel für diese Symbiose. Im Gegensatz zu vielen anderen Bands erzeugt die Bandbreite überhaupt keine Brüche in der Musik. Selbst die wohl aus der Jazz Harmonik stammenden ruhigen Passagen wie in „Patchworx“ oder „Toxigenesis“ sind perfekt in das Gesamtbild integriert. Das hat natürlich auch mit den sehr guten instrumentalen Qualitäten der Band zu tun. Das gewaltige Riffing von Schlagzeug und Gitarre bewegt sich auf einem hohen Niveau, ohne dass die Instrumente irgendwelche Alleingänge suchen. Die vielen kleinen Fills und Breaks bereichern die ohnehin rhythmisch interessanten Strukturen zusätzlich. Das zeugt von hoher Qualität und verleiht dem Gesamtwerk einen dezent progressiven Anstrich. Es fällt schwer einzelne Songs hervorzuheben. Sie sind – wie die gesamte Musik – unglaublich homogen, auf hohem Niveau und trotz des Anspruchs atmosphärisch und intensiv. Cold Embrace kann vielleicht wegen des Gesangs und dem Gitarrensolo, während dem einem manchmal die Initialen KH durch den Kopf geistern, hervorstechen – andere Songs haben andere Qualitäten.

Endlich ist das Fazit mal wieder eine einfach Angelegenheit. Es gibt an alle Leser, die etwas mit anspruchsvollem Metal anfangen können, die Empfehlung Toxigenesis über die offizielle Homepage zu bestellen und an alle Plattenfirmen die Bitte NEON SUNRISE zu signen.

Veröffentlichungstermin: 2004

Spielzeit: 28:35 Min.

Line-Up:
Tim – Gesang

Hagen – Bass

Andi – Gitarre

Seb – Gitarre

Mike – Schlagzeug

Homepage: http://www.neon-sunrise.de

Email: hagen@neon-sunrise.de

Tracklist:
1. No Love Lost

2. Concept Of Hate

3. Patchworx

4. Toxigenesis

5. Cold Embrace