H-BLOCKX: Man kann eben nicht mit den amerikanischen Budgets konkurrieren und muss in erster Linie glaubwürdig sein!

Mit den H-BLOCKX verbindet mich eine echte Hassliebe. Die Band, die bereits 1980 in Münster gegründet wurde, war – wie ich finde – immer in der Lage, wirklich geile Songs zu schreiben. Doch sie hatte im Gegenzug auch das enorme Talent, Songs zu veröffentlichen, mit denen sie mir echt die gute Laune verderben konnte. Für mich waren die H-Blocks also eher eine Band der geilen Songs, nicht der starken Alben. Vor einigen Tagen erschien das neue Album. Dieses hört auf den Namen „No Excuses“ und überrascht mich in gleich mehrfacher Hinsicht. Ich sprach mit Sänger Henning über die Gegenwart und natürlich auch die Vergangenheit seiner Band.

Mit den H-BLOCKX verbindet mich eine echte Hassliebe. Die Band, die bereits 1980 in Münster gegründet wurde, war (wie ich finde) immer in der Lage, wirklich geile Songs zu schreiben. Doch sie hatte im Gegenzug auch das enorme Talent, Songs zu veröffentlichen, mit denen sie mir echt die gute Laune verderben konnte. Für mich waren die H-Blocks also eher eine Band der geilen Songs, nicht der starken Alben.

Ein Problem, das ich auch mit/bei Bands wie FAITH NO MORE, SKUNK ANANSIE oder den GUANO APES hatte/habe. Ich könnte mir bei jeder dieser Bands problemlos eine 80-minütige Greatest Hits zusammenstellen, hätte aber keine Mühe, mir eine „Worst of“-Compilation mit gleicher Spieldauer aufzunehmen. Doch der Erfolg gibt der Band um Sänger Henning Wehland eigentlich Recht.

Jedes einzelne Album erreichte mindestens die Top 20-Albumcharts und ermöglichte der Band Tourneen mit Bands wie BON JOVI (in Deutschland), BIOHAZARD, ICE T., EMINEM oder den SUICIDAL TENDENCIES
im Lande der unbegrenzten Dämlichkeiten).

Vor einigen Tagen erschien das neue Album. Dieses hört auf den Namen No Excuses
und überrascht mich in gleich mehrfacher Hinsicht, denn die Münsteraner hatten es in den letzten Jahren nicht immer leicht. Einige Bandmitglieder stiegen aus und es kostete Zeit, Geduld und Nerven neue Leute zu verpflichten und zu integrieren. Auch mit den bisherigen Labels lief es nicht immer nur rund, so dass man für das aktuelle Werk bei einem neuen Vertragspartner unterschrieb.

Auch im Vorfeld der aktuellen Veröffentlichung wurde das Line-up wieder kräftig durcheinander gewirbelt. Hauptsongwriter und Gründungsmitglied Stephan Gudze Hinz verließ (ebenso wie Drummer Dog) die Band. Doch dieses Mal musste die Band ihre neuen Mitstreiter nicht erst großartig auf Herz und Nieren prüfen, denn mit THUMB-Drummer Steffen Wilmking und Sänger Dave Gappa kehren zwei ehemalige Mitglieder in den Schoß der Familie zurück. Komplettiert wird das aktuelle Line-up durch Basser Fabio Trentini, der bisher u.a. als Produzent für die DONOTS
oder die GUANO APES in Erscheinung trat.

Überraschenderweise hat die Band alle diese Probleme abgeschüttelt und ein durch und durch stimmiges und homogenes Album eingespielt. Diese kann man getrost mit dem Rock-Etikett versehen, denn die bisher bekannten Rap- und Punkeinflüsse sind dieses Mal nicht mehr zu hören. Ich glaube zwar nicht, dass die Band wieder die Verkaufszahlen des Time To Move-Erstlings (1993) erreicht (das Album hielt sich 62 Wochen in den deutschen Charts und verkaufte sich weltweit über 750.000 Mal), aber das ist wohl im Moment eher ein allgemeines Problem, für das man der Band nicht den schwarzen Peter zuschieben sollte.

Ich sprach mit Sänger Henning über die Gegenwart und natürlich auch die Vergangenheit seiner Band, die Ende August übrigens als Support für PINK auf Tour geht.

Henning, ich bin eigentlich schon ein Fan der H-BLOCKX. Ihr habt auf wirklich jedem Album supergeile Songs. Aber andererseits gibt’s auch auf jedem Album Stücke, die ich einfach nur Scheiße finde. Könnte also zu jedem Album eine Plus/Minus-Kritik verfassen. Ähnlich geht es mir eigentlich nur bei Bands wie SKUNK ANANSIE, den GUANO APES oder FAITH NO MORE.

Danke für die ehrliche Kritik. Ist doch schön, wenn man mit einem Act wie FAITH NO MORE verglichen wird, bei deren Alben es mir übrigens genauso ging wie dir. Wir arbeiten als Band ja ähnlich, denn auch wir probieren Dinge aus, die anfangs nicht jedem 100%ig gefallen. Das war besonders beim aktuellen Album der Fall, bei dem wirklich jedes Bandmitglied mit den unterschiedlichsten Ideen in den Proberaum gekommen ist und sich niemand zu blöd war, jede noch so ungewöhnliche Idee in den Raum zu schmeißen. Interessanterweise sind dadurch Songs entstanden, die so etwas wie einen roten Faden haben!

Ich wollte ja auch nicht sagen, dass Eure Musik Scheiße ist, sondern eigentlich nur deutlich machen, dass ihr über die gesamte Albumspieldauer nicht so eintönig wie die RAMONES oder BAD RELIGION klingt. Ihr hattet im Vorfeld des Songwriting-Prozesses mit dem Problem zu kämpfen, dass das langjährige Bandmitglied Gutze ausstieg, was insofern eher schlecht war, weil er eben über all die Jahre der Hauptsongwriter der H-BLOCKX war! Wie problematisch war sein Ausstieg?

Richtig, Gutze war der Hauptsongwriter. Ich muss aber auch sagen, dass ich seit etwa acht Jahren Songs schreibe, die nicht unbedingt für die Band gedacht waren. So hab ich z.B. für den Film bzw. die TV-Serie Was nicht passt, wird passend gemacht einige Stücke geschrieben. Als Gutze ausstieg, waren wir schon an einem Punkt angelangt, an dem die Band nicht mehr richtig existierte. Unser Gitarrist Tim und ich sagten uns aber ziemlich schnell Jetzt erst recht und hatten zu dem Zeitpunkt bereits unser eigenes kleines Büro in dem wir uns um unser Management kümmerten und versuchten, unser Umfeld neu zu organisieren. Wir sagten uns, dass es erstmal scheißegal ist, ob wir ein Album veröffentlichen, einen Plattenvertrag haben, Videos drehen oder auf Tour gehen. Wir mussten in erster Linie zeigen, dass das Musik machen an sich großen Spaß macht. Das war anfangs gar nicht einfach, denn wir mussten ja erst wieder eine funktionierende Band an den Start kriegen. Das war allerdings deshalb nicht so einfach, weil Gutzes Ausstieg doch relativ überraschend kam und die Band bereits für einige Sommerfestivals gebucht war. Zu dem Zeitpunkt trennten wir uns von unserem Label, von unserem Verlag und auch von unserem Trommler, so dass wir wirklich nur noch zu zweit waren. Uns war in erster Linie wichtig, dass wir menschlich mit den Leuten, mit denen wir zusammenarbeiten, klar kommen. Schließlich kam dann der Stefan Wilmking in die Band, der zuvor bei THUMB war, aber, wie du vielleicht weißt, auch schon mal zwei Jahre für uns getrommelt hatte. Zuguterletzt stieß dann noch der Fabio Trentini zu uns, der ja zuvor schon mit den GUANO APES und den DONOTS gearbeitet hatte. Mit beiden klappte es nicht nur menschlich und musikalisch wirklich hervorragend, sondern mit beiden kehrte auch der Spaßfaktor in die Band zurück. Es war auch sicherlich von Vorteil, dass wir uns erstmal auf die Festivals vorbereiten konnten und nicht den Druck hatten, sofort neue Songs für eine neue Scheibe zu schreiben. Witzigerweise kam dann auch Dave Gappa wieder auf uns zu und teilte uns mit, dass er ebenfalls wieder Bock hätte, etwas Musik mit uns zu machen. So kam es, dass die alten Bandmitglieder wieder in der Überzahl waren und ein neuer Enthusiasmus herrschte. Nach den besagten Festivals produzierte Fabio dann das neue DONOTS-Album und anschließend ging es dann für uns gleich ins Studio, wobei wir allerdings noch nicht wussten, wie das neue Album klingen wird. Wir haben dann, quasi von Null auf Hundert und live, in nur zehn Tagen dreizehn Songs eingespielt, die eigentlich Demos werden sollten. Ich schrieb dann noch einige Melodien und Texte für die Songs und es ist tatsächlich so, dass einige der Demoaufnahmen für die finale Produktion übernommen wurden, weil wir eben einfach das Gefühl hatten, es nicht besser machen zu können.

Was wäre denn passiert, wenn das neue Material nicht nach den H-BLOCKX geklungen hätte. Hättet Ihr dann einen Namenswechsel in Erwägung gezogen?

H-Blockx
Das Cover zu No Excuses

Das ist eine sehr gute Frage, die wir uns witzigerweise nie gestellt haben. Ich hätte mir diese Frage gestellt, wenn keiner der anderen Musiker einen musikalischen Gegenpart zu meiner Art des Songwritings dargestellt hätte. Dann hätten wir ein echtes Problem gehabt, wobei es aber wohl nicht soweit gegangen wäre, ob man das Ganze noch unter dem H-BLOCKX-Label hätte veröffentlichen können – auch wenn meine Songs, etwas pathetisch ausgedrückt, mehr in die Singer/Songwriter-Ecke gehen. Meine Stücke sind eben etwas melancholischer und ruhiger, aber glücklicherweise hatte Fabio einige sehr gute Ideen für eher rifforientierte Songs, die Tim die Möglichkeit boten, sich als Gitarrist richtig einzubringen. Doch auch wenn meine Stücke etwas anders klingen, so habe ich als Bandmitglied der ersten Stunde und als Sänger den Band-Sound doch entscheidend mitgeprägt. Insofern ist es für mich auch nicht verwunderlich, dass wir gar nicht so weit von dem typischen H-BLOCKX-Sound entfernt sind.

Was ist denn der typische H-BLOCKX-Sound?

Das ist der, den man auf der Platte hört. Ich habe mich neulich erst mit Gutze unterhalten, und er sagte mir, dass die Scheibe mit ihm so nicht möglich gewesen wäre. Er ist halt ein sehr dominanter Charakter, mit dem leider zum Schluss nicht mehr möglich war, gemeinsam an Songs zu arbeiten. Gutze kam mit komplett fertigen Songs an, die die Band eigentlich nur noch aufnehmen musste. Jetzt war es zwar auch manchmal so, dass einer mit einem fertigen Song in den Proberaum kam, aber dieses Mal wurden die Songs von der Band durcharrangiert bzw. durchstrukturiert und auch umgeschrieben wenn es sein musste. Dieses Mal haben wir die Punk- und Rap-Einflüsse außen vor gelassen und uns auf das konzentriert, was die H-BLOCKX eigentlich schon immer ausgemacht hat. Nämlich eine Blues- und Classic Rock-orientierte Gitarrenführung, wenige Metal-Einflüsse und durchaus poprockige Gesangsmelodien. Also Songs, die in erster Linie auf einer Melodie aufbauen. Und wenn man nach so etwas wie einen roten Faden sucht, dann findet man den auf die Art und Weise, dass wir uns darauf reduziert haben, eine rock-beeinflusste Band zu sein. Früher war es halt so, dass ich extrem viel ausprobieren wollte und musste – und eigentlich gab es nichts, was mir keinen Spaß gemacht hat. Aber ich merkte eben, dass ich halt nicht aus der Punkecke komme. Ich habe zwar Bands wie RAMONES, HANS-A-PLAST oder STRASSENJUNGS gehört, hatte aber nie diese Punk-Mentalität, die wir teilweise auch im Stile einer Band wie BAD RELIGION oder PENNYWISE zu reproduzieren versuchten. Das ist einfach nicht mein Ding. Ich brauche halt eher diesen Rock’n’Roll-Gedanken, der eher was mit GUNS N ROSES oder AC/DC zu tun hat.

Waren denn, übertrieben gesagt, die H-BLOCKX die Gutze-Band?

Ich möchte vielleicht noch sagen, dass ich mich auf der neuen Platten viel freier entfalten konnte, weil ich nicht mehr diesen Druck verspürte, Gutze auf Teufel-komm-raus gefallen zu müssen. Das war nicht Gutzes Schuld, aber er ist eben ein so verdammt guter Musiker, dass ich permanent versucht habe, seinen Ansprüchen gerecht zu werden. Jetzt war es so, dass ich viele von meinen Songs einbringen und selbst entscheiden konnte, wie gut oder schlecht ich diese singe. Dadurch konnte ich mich gesanglich auch enorm weiterentwickeln, was man den Songs, glaube ich, auch anhört. Grundsätzlich ist es so, dass man das Ganze als eine Art Entwicklung sehen muss. Wir waren siebzehn, achtzehn Jahre als wir mit der Band anfingen. Zwar war Gutze auch da schon der dominierende Charakter, aber es wurde viel mehr im Proberaum kommuniziert. Wir hatten dann vier Jahre nach Bandgründung einen so enormen kommerziellen Erfolg, dass der Druck immer größer wurde. Gutze hat diesen Druck dann so kompensiert, dass er seine Verpflichtungen im Studio und am Computer gesehen und wahrgenommen hat und wie ein Berserker Songs schrieb. Diese hat er dann zu perfektionieren versucht, so wir quasi mit dem produzieren gar nicht nachgekommen sind. Zum Schluss war es dann so, dass ihm das Ganze musikalisch etwas zu langweilig wurde, weil er eben auch gerne mal ein bisschen experimentieren wollte. Er wollte eben nicht mehr von der Erwartungshaltung und den Vorgaben von Fans und Plattenfirma eingeengt werden. Er macht auch weiterhin Musik und hat sogar zu einem Song der neuen Scheibe einen Remix gemacht.

H-Blockx
Die H-Blockx sind jetzt beim Label ihres Entdeckers George Glück unter Vertrag

Ihr seit jetzt bei X-Cell unter Vertrag. Ist das euer eigenes Label?

Nee, das ist witzigerweise das Labels unseres Entdeckers George Glück, der mit uns damals schon die Time to Move (1994) und die Discover my Soul (1996) gemacht hat. Ich kenne George mittlerweile schon seit fast zwölf Jahren und bin auch sehr gut mit ihm befreundet. Er hat uns eben einen Plattenvertrag gegeben, obwohl er nicht einen Demosong von uns gehört hatte. Natürlich schlug auch er die Hände über dem Kopf zusammen als er hörte, dass Gutze ausgestiegen ist – ist dann aber dieses Risiko eingegangen. Diese Sicherheit einer Plattenfirma war für uns schon notwendig, obwohl wir alles in noch mehr Eigenständigkeit machen können, aber das wäre für Tim und mich ein zu großes Risiko gewesen.

Lass und jetzt ein bisschen über No Excuses sprechen. Leider musstet auch hier Eure Vorab-CD gegen das Reinstellen ins Internet schützen, habt die Sache aber recht gut gelöst, in dem ihr die Scheibe im Rahmen eines fiktiven Radiointerview vorgestellt habt.

Ich finde so was auch schade, aber du kannst natürlich mit jemandem, der das Album vorfinanziert, also enorme Unkosten hat, natürlich schlecht verhandeln. Ich würde es besser finden, wenn die CDs ganz normal rausgeschickt werden, damit sie auch für Interviewpartner und Rezensenten besser nachzuvollziehen sind, denn oft ist es, dass man einen Ganzen hören muss, um ihn verstehen zu können. Aber leider ist es momentan so.

Naja, dafür habt ihr das Problem recht interessant gelöst. Habt Ihr denn auch unter dem Phänomen der Downloaderei zu leiden? Wie stark haben sich Eure Verkaufszahlen verändert?

Klar haben wir das gemerkt, obwohl das für uns ein eher positiver Wandel war, zumal es so ist, dass wir weniger an den Platten verdienen, sondern vielmehr an den Konzerten. Unsere Verkaufszahlen halbierten sich schon vom ersten zum zweiten Album. Wir verkauften anstatt 500.000 Alben nur noch die Hälfte. Mit dem dritten Album Fly Eyes gingen die Verkaufszahlen dann sogar auf 120.000 verkaufte Einheiten zurück. Zusammen mit den Einbrüchen bei den Verkaufszahlen, sprach man dann im Allgemeinen von zwanzig- bis dreißig-prozentigen Markteinbußen. Damit konnte man natürlich die zurückgehenden Verkaufszahlen erklären und deutlich machen, dass es nicht unbedingt an uns oder am mangelnden Interesse der Fans lag, sondern schlicht und ergreifend daran, dass die Leute weniger Platten kaufen.

Aber weniger Fans kommen trotz der CD-Brennerei nicht zu Euren Konzerten, oder? Oder haben sich die Zuschauerzahlen auch reduziert?

Die Masse an Fans ist uns schon treu geblieben. Wir haben in den letzten vier, fünf Jahren gerade mal eine Platte gemacht, hatten aber trotzdem die Möglichkeit vier- bis fünfhundert Konzerte zu spielen. Das Interesse ist also immer noch vorhanden. Es ist interessant zu sehen, dass bei den Magazinen und bei den Musiksendern Leute arbeiten, die gerade mal Mitte Zwanzig und quasi mit unserer Musik groß geworden sind. Wir kriegen auch mit jeder neuen Scheibe neue Fans, während andere mittlerweile aus den H-BLOCKX-Schuhen raus gewachsen sind. Aber ich glaube schon, dass wir ein festes Klientel von 80.000 bis 100.000 Fans und potentiellen Käufern haben.

Ist denn da ein so ein großer Unterschied zu früher, als man sich die LPs von seinem Kumpel ausborgte um sich diese auf Tape zu überspielen?

Jein. Ich habe mir ja früher auch die Platten von meinen Kumpels auf Kassette überspielt oder mit dem Mikrophon vor dem Radio gesessen. Das wurde später dann mit den Ghettoblastern und Radiorekordern schon anders. Und wenn man dann jetzt vor dem Computer sitzt, ist das noch mal eine völlig andere Sache. Das wichtigste Problem für mich ist aber, dass in Deutschland in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren die Möglichkeit kaputtgemacht wurde, junge Band systematisch aufzubauen. Das ist eindeutig ein Verschulden der Platten produzierenden Industrie, die nur noch auf den schnellen Gewinn aus ist, was mit den ganzen singenden Big Brother-Idioten anfing. Mittlerweile ist es aber glücklicherweise wieder so, dass sich die Spreu vom Weizen trennt und die Leute wieder Musik wegen der Musik machen und sich etwas fernab von Plattenfirmen, Musiksendern und A&R-Managern bewegen. Es geht auch lobenswerterweise wieder einen Trend zur deutschsprachigen Musik, wenn ich da an junge Bands wie VIRGINIA JETZT! und TOMTE, aber auch an etablierte Bands wie WIR SIND HELDEN, ROSENSTOLZ oder SPORTFREUNDE STILLER denke. Ich hab’ zwar nie großen Wert darauf gelegt, in welcher Sprache die jeweilige Band singt. Ich habe an einem Tag die RAMONES und UDO LINDENBERG gehört und am nächsten hab ich dann ne Platte von den STRASSENJUNGS oder den RED HOT CHILI PEPPERS aufgelegt. Aber an diesen Bands und ihren Alben merkt man eben, dass es Leute gibt, die sich wieder mit der Musik identifizieren wollen.

H-Blockx
Die H-Blockx von links nach rechts: Fabio, Dave, Henning, Steffen (unten), Tim

Glaubst Du denn, dass eine Senkung der CD-Preise das Downloaden etwas reduzieren würde?

Auf jeden Fall. Ich finde selbst dreizehn Euro für eine CD recht happig. Wenn man dann aber sieht, dass riesige Firmen wie Universal oder die EMI mal eben sechshundert Mitarbeiter entlassen, aber weiterhin Musik produzieren und vermarkten können, dann frage ich mich natürlich, was diese sechshundert Mitarbeiter früher gemacht haben. Die Plattenfirmen haben sich einen riesigen Wasserkopf herangezüchtet, wo Leute sich selbst eingestellt und befördert bzw. ihr Gehalt selbst bestimmt haben. Das ist manchmal ein richtiger Pool von Verbrechern gewesen, der einen Haufen Geld gekostet hat. Das hat sich natürlich auf die CD-Preise ausgewirkt. Hinzu kommt, dass man immer nach England oder Amerika geblickt hat und auf einmal der Meinung war, man müsse ähnlich teure Produktionen finanzieren. Die Plattenfirmen hätten vielleicht etwas mehr auf deutsche Tugenden bzw. deutsche Wertarbeit legen müssen. Mehr arbeiten und weniger einen auf dicke Hose machen. Man kann eben nicht mit den amerikanischen Budgets konkurrieren und muss in erster Linie glaubwürdig sein.

Würdest Du sagen, es gibt wieder einen Trend hin zur deutschsprachigen Musik?

Vielleicht, aber das gab’s auch schon mal, denn als wir damals unseren ersten Plattenvertrag unterschrieben, fing es gerade mit SELIG und den FANTATISCHE VIER an. Da sprachen auch alle von einem neuen deutschen Bewusstsein. Und wir wurden eben von ziemlich vielen Labels abgelehnt, weil wir eben nicht deutsch singen. Unser Label wäre dann schon mit 20.000 verkauften Alben mehr als zufrieden gewesen. Dann entdeckte die breite Masse so Mitte der Neunziger den Crossover mit Bands wie DOG EAT DOG oder THUMB und englischsprachigen Texten. Schließlich kamen dann die GUANO APES und Crossover wurde fast zu einem Mainstream-Genre.

Ihr wart vor einigen Jahren auf US-Tour mit BIOHAZARD. Hat Euch diese Tour geholfen, den Namen H-BLOCKX in den Staaten bekannt zu machen?

Das lag weniger an der BIOHAZARD-Tour, die uns eher Credibilty eingebracht hat, zumal es in Deutschland nicht viele Bands gibt, die sich trauen würden, in den Staaten mit BIOHAZARD auf Tour zu gehen. Das liegt nicht daran, dass die Bandmitglieder so harte Jungs sind, sondern eher daran, dass die ein Publikum haben, das nur schwer zu bespielen ist. Viel mehr Anerkennung hat uns die „Vans Warped“-Tour mit EMINEM, BLACK EYED PEAS, ICE T., PENNYWISE oder den SUICIDAL TENDENCIES gebracht. Wir hatten das Glück, dass der Veranstalter unsere Musik mochte, wir dadurch zu neunzig Prozent auf der großen Bühne spielen durften und im Schnitt etwa 15.000 bis 20.000 Leute vor der Bühne hatten. Und das in Städten wie New York, Chicago oder Los Angeles. Wir hatten auch ein ziemliches gutes Standing bei der Plattenfirma, die anfangs Guerilla-Marketing-mässig Dampf machte und dafür sorgte, dass wir aus dem Stand etwa zehntausend Scheiben verkaufen konnten. Das war echt ein kleiner Achtungserfolg und gerade als wir in den College-Radios liefen und MTV die Zusage für die Rotation unseres Videos gegeben hatte, ging die Plattenfirma pleite bzw. brannte der Chef mit der Kohle durch, so dass man unsere CDs nicht in den Läden finden konnte.

Ihr habt eine typische H-BLOCKX-Tradition fortgesetzt und euer Repertoire an Coverversionen um das sehr gutes Remake von RICK SPRINGFIELDs Celebrate Youth erweitert. Wieso der Song?

Wir hatten, und da muss ich etwas ausholen, mal mit dem Gedanken gespielt, ein Album mit Coverversionen von Bands aufzunehmen, in deren Reihen schon mal jemand gestorben ist. Wir nahmen dann etwa sieben, acht Songs auf plus einige weitere, die allerdings nicht in das Konzept dieser Scheibe passten. Wir merkten aber recht bald, dass es nicht das ist, was wir eigentlich machen wollten. Fabio und Steffen waren früher ziemlich große RICK SPRINGFIELD-Fans und wir nahmen eben, neben True Faith von NEW ORDER, auch Celebrate Youth auf. Die Plattenfirma war von dem Song so begeistert, dass wir im Endeffekt auch keine Probleme damit hatten, das Stück mit auf die Platte zu nehmen. Natürlich gibt es auch extrem viele Leute, die keinen Bock auf Coverversionen haben und diese einfach langweilig oder Scheiße finden. Ich lese gerade viel über die BEATLES, die am Anfang ihrer Karriere auch unheimlich viele Coverversionen gespielt haben, was sie im Nachhinein gar nicht nötig gehabt hätten. Man kann aber auch durch das Covern und Verändern von Songs wahnsinnig viel über Musik lernen, was mich dann wieder als Musiker und Songwriter weiterbringt.

Ihr geht im August mit PINK! auf Tour! Ist das für ein kleines Label wie X-Cell nicht ne Spur zu teuer?

So ein kleines Label ist das gar nicht, denn u.a. ist SARAH CONNOR auf unserem Label. Aber das hat damit nichts zu tun. Wir haben schon damals im Vorprogramm von BON JOVI einen recht guten Job gemacht. Das hat sich bei den entsprechenden Veranstaltern wohl rumgesprochen, so dass der PINK-Veranstalter unseren Veranstalter angesprochen hat, ob wir Zeit und Lust hätten. Wir kriegen sogar ne kleine Gage, dürfen am Catering teilnehmen und müssen lediglich die Anfahrten zu den Konzerten selbst regeln und bezahlen. Ich finde es übrigens sehr bemerkenswert, wie PINK! sich gewandelt hat. Erst war sie ein Pop- und Soul-Sternchen, hat sich dann Linda Perry geschnappt und schreibt mittlerweile Songs mit dem Gitarristen von RANCID.