DOOM SHALL RISE: Das Doomcore/Sludge und Death-/Funeral-Doom Special

DOOM SHALL RISE: Das Doomcore/Sludge und Death-/Funeral-Doom Special

Wie auch schon in den Jahren zuvor, wollen wir euch auch 2005 die beim dritten Doom Shall Rise-Festival aufspielenden Bands in einem Special-Feature näher vorstellen. Im dritten und letzten Teil legen wir härtegradtechnisch nochmal ordentlich zu und stellen euch die Vertreter des Doomcore, Sludge, Funeral- und Death-Doom vor.

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Waren es sowohl beim traditionellen als auch beim epischen Doom, deren Entwicklung im ersten und zweiten Teil des DOOM SHALL RISE-Specials thematisiert wurde, BLACK SABBATH, die eine Vorreiterrolle einnahmen, so waren sie an der Entwicklung der Anfang der Neunziger neu in Erscheinung tretenden Spielarten des Doom in keiner Weise aktiv beteiligt. Auch diesmal waren es genrefremde Einflüsse, die dem Doom Metal ein neues Gesicht gaben. Als Antwort auf den populären Death Metal mit seinem rasanten Drumming und Riffing versuchten Bands wie die Amerikaner WINTER, die Australier DISEMBOWELMENT oder die Finnen THERGOTHON, die zentralen Elemente des Doom mit denen des Death Metal zu verbinden. Heraus kam ein Sound, der geprägt ist von der für den Doom so typischen Langsamkeit in Verbindung mit minimalistischen, aber weitaus böseren Riffs als zuvor sowie hasserfüllten Death Metal-Grunts. Bekannter wurde der Death-Doom jedoch durch ein Dreier-Gespann aus England, bestehend aus PARADISE LOST, ANATHEMA und MY DYING BRIDE, die über das Peaceville-Label Anfang der Neunziger Genre-Klassiker wie „Lost Paradise“, „Gothic“, „Serenades“ oder „Turn Loose The Swans“ veröffentlichten und sich in eine etwas melodischere und melancholischere Richtung entwickelten und sich dadurch vom bösen Death-Doom, wie er etwa von WINTER gespielt wurde, abhoben. Insbesondere MY DYING BRIDE, die zudem früh mit Geigen als genrefremdem Instrument experimentierten, und die frühen PARADISE LOST sollten den Death-Doom-Sound noch über Jahre hinweg prägen, und auch heute noch gelingt es nur wenigen Bands, dem riesigen Schatten zu entfliehen und einen eigenen Sound abseits offensichtlicher Anleihen bei den Engländern zu kreieren. Der Erfolg dieser Bands ist es wohl auch, der dafür verantwortlich ist, dass das Gros der nicht mit der Doomszene vertrauten Metalfans mit dem Begriff Doom in erster Linie den typischen Peaceville-Death-Doom assoziiert. Neben dem von dem englischen Dreier-Gespann so erfolgreich zelebrierten Death-Doom entwickelte sich aus dem Erbe der finnischen Vorreiter THERGOTHON zudem das Genre des Funeral Doom, der oft symphonische Elemente beinhaltet und bei dem das Schlagzeug seine Rolle als Rhythmusinstrument nur noch sporadisch einnimmt. Wen wundert es, dass mit SKEPTICISM wiederum eine finnische Band federführend war. Nach einer Single und einem Demo veröffentlichte man 1995 das Debütalbum „Stormcrowfleet“, bei dem die Gitarren, aber auch der oft nur sehr leise gegrowlte oder geflüsterte Gesang in den Hintergrund traten und die atmosphärischen Keyboards den Sound beherrschten.

Etwa zeitgleich mit der Entwicklung des Death-Doom traten – vor allem in den USA – einige Bands in Erscheinung, die Bestandteile des klassischen Doomsounds aufsaugten, um ein krankes und aggressives Gebräu zu mischen, den Sludge oder auch Doomcore. Wo der Death-Doom sich – je nach Spielart – durch tieftraurige Melodien und Harmonien auszeichnet und durch tiefe Traurigkeit gekennzeichnet ist, regieren hier Gram und Wut. Bei CROWBAR, deren erstes Werk „Obedience Through Suffering“ 1992 erschien, drückte sich dies in einer schier übermächtigen Gitarrenwand und wütendem Hardcore-lastigen Schreigesang aus. Ihre Landsmänner von EYEHATEGOD und GRIEF, die 1992 mit ihren Debütalben „In The Name Of Suffering“ bzw. „Dismal“ auf sich aufmerksam machen konnten, gingen noch weitaus extremer vor. Mit ihrem extrem dreckigen, drogengeschwängerten und von Feedback-Orgien, einem dröhnenden, wummernden Bass und krankem Geschreie geprägten Sound stellen sie auch für die heutigen Sludge-Bands noch einen entscheidenden Einfluss dar.

Mar De Grises - Das Doom Shall Rise Special
MAR DE GRISES – versprechen eine Latino-Jam-Show mit ihren mittelamerikanischen Freunden

Die exotischste Band auf dem dritten Doom Shall Rise-Festival sind mit Sicherheit die Chilenen MAR DE GRISES. Letztes Jahr veröffentlichte die Band mit „The Tatterdemalion Express“ ein überaus intensives, avantgardistisches Death-Doom-Album, welches aufgrund vielfältiger Einflüsse die Genre-Grenzen überschreitet und dessen beklemmender Atmosphäre man sich kaum entziehen kann. Dabei erwartet man, wenn man an Südamerika denkt, viel eher Latino-Musik als irgendeine Form von Doom, insbesondere eine solch düstere Spielart. Hört man sich die Musik von MAR DE GRISES an, so wird man jedoch nicht den geringsten Latino-Einfluss entdecken. Keyboarder und Sänger Marcelo Rodriguez pflichtet dem bei: „Ich habe eigentlich das Gefühl, dass Bands wie MOONSPELL mehr Latino-Vibes in ihrer Musik haben als es bei uns der Fall ist. Aus irgendeinem Grund scheint dieses ‚Latino-Ding‘ in unserer Musik nicht so stark vertreten zu sein, so wurde mir zumindest gesagt. Wie du schon meintest, erwarten viele, dass unsere Musik von Tito Fuente beeinflusst ist.“ Bei der Ursachenforschung gibt Marcelo eine kleine Geschichts-Nachhilfestunde und geht zurück bis ins 17. Jahrhundert: „Vielleicht liegt es daran, dass auch unsere Folklore gar nicht so nach Latino klingt, wobei ich von der bekannten Standard-‚Ricky Martin‘-Latino-Musik rede. Glaube mir, wenn ich sage, dass unser ‚Cueca‘ absolut nichts mit afro-kubanischer Musik zu tun hat. Ich glaube, der Grund dafür ist, dass die schwarzen Sklaven, die die Spanier während der Kolonialzeit 1600-1700 hierher gebracht haben, aufgrund des Wetters gestorben sind und weil die Einheimischen sie umbrachten. Wir hatten also in Chile nie eine signifikante schwarze Bevölkerung, und natürlich haben viele der Latino-Rhythmen, die man so kennt, ihren Ursprung in schwarzer Musik, um nicht zu sagen alle dieser Rhythmen. Was wir hier – was Folk angeht – haben, ist im Norden ein großer Einfluss von High-Lands-Musik (man denke an Machu-Picchu aus der peruanischen Musik) und in der Mitte und im Süden des Landes etwas, das man als wirklich lahme spanische Musik beschreiben kann, außerdem einige ethnische ‚Mapuche‘-Musik.“
Damit ist Marcelo jedoch noch nicht fertig, vielmehr räumt er gleich mit sämtlichen weiteren Klischeevorstellungen auf: „Wir essen kein würziges Essen – auch wenn man das aufgrund des Namens des Landes annehmen könnte, ist Chile eigentlich der Name eines Vogels in der Sprache der Einheimischen -, wir sind keine großartigen Tänzer, glaube mir, und das Wetter ist alles andere als tropisch. Du siehst also, dass wir hier nicht SO sehr Latino sind, zumindest nicht auf die übliche Art.“
Und wie klingt nun Latino-Doom? „WIR sind es, wie chilenische Latino-Musik klingt – wie können wir es nicht sein?“ Dabei sind MAR DE GRISES aber bei weitem nicht die einzige Doom-Band in ihrem Land. „Chile hat irgendwie eine große Doom-Metal-Szene, wenn man bedenkt, dass die Gesamtbevölkerung hier nicht allzu groß ist. Das Sub-Genre, welches heutzutage im Doom führend zu sein scheint ist Death/Funeral-orientiert, und wir – die chilenischen Bands – neigen dazu ein bisschen Dark Metal in diese Mixtur einfließen zu lassen. Das Ergebnis ist also in der Regel eine Melange oder ein Hybrid verschiedener Stile, von der eher romantischen bis zu extremeren Varianten.“
Auch die Musik von MAR DE GRISES stellt einen solchen Hybrid dar. Obwohl man einen überaus eigenständigen Sound aufzuweisen hat, kann Marcelo jedoch mit allzu kreativen Stilbeschreibungen nicht viel anfangen. „Das Gute an der Bezeichnung Death-Doom ist, dass es auf einer einfachen Grundlage erklärt, was mir musikalisch machen, ohne zu viele Informationen zu enthalten. Lass es mich so sagen: ich halte nicht viel von Bezeichnungen wie ‚Symphonic Noise Death Gothic Superdepressive irgendwie-Stoner-mit-einem-bisschen-Black Metal‘. Ich halte es lieber einfach, so dass das Publikum mehr oder weniger weiß, auf was es sich einlässt und sich keine falschen Erwartungen aufbauen.
Das Ärgerliche ist, dass so eine Bezeichnung nach einer Weile zu einer selbst auferlegten Begrenzung wird, und mit der Zeit verändert man sich, ob man es will oder nicht. Und diese Veränderung bedeutet auch eine Veränderung der Musik. Das ist der Moment, an dem man sich durch das, wofür man sich ursprünglich entschieden hatte, ein wenig eingeengt fühlt.“


Eine solche Limitierung ist jedoch zur Zeit bei den Chilenen kaum zu erkennen, was sich auch in der stilistischen Breite der für Doom völlig untypischen Einflüsse zeigt, die die Musiker verarbeiten, um den typischen MAR DE GRISES-Sound zu kreieren: „Jeder in der Band hat andere, aber wenn ich einige der Haupteinflüsse nennen müsste, wären das OPETH (unser Gitarrist ist ein Fan, was lustig ist, denn ich mag sie gar nicht so sehr, aber ich kann klar heraushören, wie sie unseren Gitarrensound beeinflusst haben), NEUROSIS (definitiv), Post-Rock-Bands wie MOGWAI, die späten RADIOHEAD und GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR (sie haben besonders auf mich einen großen Einfluss) und Noise-Bands (von den extremeren bis zu den etwas sanfteren).“
Der Weg auf das Doom Shall Rise-Festival war für das Quintett nicht einfach. Um sich überhaupt den Trip nach Europa leisten zu könnten, versuchte man eine Europa-Tour zu organisieren und für dieses Projekt staatliche Unterstützung zu bekommen. An die damit verbundene Arbeit denkt der singende Keyboarder nur ungern zurück: „Das bedeutete viel beschissenen Papierkram und eine Menge an vorausschauender und irgendwie sinnloser Fragen an die einzelnen örtlichen Veranstalter über einen Haufen ebenso unnützer Details. Dennoch hat uns Jochen, der, glaube ich, für die Promotion verantwortlich ist, alle Papiere sehr schnell zukommen lassen.“

Was jedoch schließlich nicht half, denn aus der staatlichen Unterstützung ist am Ende doch nichts geworden. Umso ärgerlicher, wenn man bedenkt, wie sehr sich die Band dafür ins Zeug gelegt hat. „Es hat uns etwa drei Wochen gekostet, in denen wir jeden Tag bis vier Uhr morgens wach waren, es gab also in der Zeit viele Kopfschmerzen und viel Stress.
Leider haben wir die Unterstützung, um die wir gebeten haben, nicht bekommen. Das Ministerium meinte, wir wären zu unbekannt in der chilenischen Szene, um das Geld dafür anzulegen. Das Gute ist, dass wir Unterstützung aus anderen Bereichen bekommen haben, und indem wir das meiste selbst gemacht haben, haben wir nun ein Budget, das auf dem beruht, was wir durch Konzerte eingenommen haben und die meisten Ausgaben, die wir haben werden, wenn wir erst einmal da sind, abdecken dürfte. Deshalb haben wir uns entschlossen es trotzdem zu machen. Wir müssen jedoch selbst die Flugtickets bezahlen. Wenn ich mich nicht irre, werde ich meine monatliche Zahlung dafür im Dezember oder Januar des nächsten Jahres abschließen. Falls also jemand aus der chilenischen Regierung dies lesen sollte: Chupame las balls!!“

Da kann man nur hoffen, dass sich dieser finanzielle Kraftakt für die Band in irgendeiner Form auszahlen wird. Marcelo, der selbst bisher nie in Europa gewesen ist, möchte die Gelegenheit auf jeden Fall auch nutzen, um möglichst viele Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Für den Auftritt auf dem Doom Shall Rise verspricht er einen besonderen Leckerbissen: „Wir werden all unsere mittelamerikanischen Freunde für eine gute Latino-Jam-Show mitbringen.“ (Doomster)

MAR DE GRISES
Discografie:

Demo (2002)

„The Tatterdemalion Express“ Album (2004)

Soundsamples:

El Otro…
To see Saturn fall
Storm
Recklessness
Self Portrait no1
Be welcome oh hideous hell
Onírica

Line-Up:

Sergio Alvarez – guitar
Alejandro Arce – drums
Rodrigo Gálvez – bass guitar
Rodrigo Morris – guitar
Marcelo Rodriguez – keys & vox

Homepage:

http://www.mardegrises.com

Beyond Belief - Das Doom Shall Rise Special
BEYOND BELIEF, die Death Metaller auf dem DSR 3

BEYOND BELIEF aus den Niederlanden gibt es bereits seit 1990 und haben auch schon zwei Full-Length-Alben veröffentlicht. Das Debüt „Towards the Diabolical Experiment“ erschien bereits 1993 über Shark Records und nachdem man damals schon einiges an Presseresonanz einfahren konnte, ist es dennoch erstaunlich, dass die Truppe keinen größeren Bekanntheitsgrad besitzt. Dabei kann es an der Musik kaum liegen, denn mit einem ähnlichen Sound haben MY DYING BRIDE in denselbem Zeitraum beachtliche Erfolge feiern können. Angesichts der Qualität der Songs kann man also nur wieder einmal feststellen, dass die Gesamtumstände oft bedeutender sind als die Musik. Auf MY DYING BRIDE als Einfluss angesprochen zu werden, damit haben BEYOND BELIEF keine Probleme. Den Vergleich möchte man aber dennoch nicht stehen lassen: „Um ehrlich zu sein, ist das die einzige so genannte ‚Doom Band‘, die ich mir anhöre. Wir haben ungefähr zur gleichen Zeit angefangen Songs aufzunehmen und wir sind schon etwas von den Briten beeinflusst. Aber ich denke nicht, dass wir derart ähnlich klingen – absolut nicht!“ Die Sache mit der „einzigen Doom-Band“ sollte man so dennoch nicht stehen lassen, schließlich sind die Landsmänner OFFICIUM TRISTE gute Freunde der Truppe und gleichzeitig auch die Band, die man als den wichtigsten Export in Sachen Poffertjes-Doom ansieht. Doch eine weitere nette Parallele gibt es zwischen BEYOND BELIEF und MY DYING BRIDE. Während die Briten in ihrem Sound die Violine als metallisch korrektes Instrument auch in Düstergefilden etablierten, experimentierten BEYOND BELIEF gerne mal mit dem Akkordeon – ein starker Effekt, den man einfach mal gehört haben sollte. „Wir haben das Akkordeon lediglich bei zwei unserer Songs als zusätzliches Instrument verwendet, um traurige Gefühle zu erzeugen. Es war letzten Endes genau das richtige Werkzeug dafür, aber wir werden in Zukunft keine ‚Nicht-Metal‘-Instrumente mehr benutzen. Dennoch – dass Akkordeon war schwierig zu spielen.“

Traurige Melodien sind ein wichtiger Bestandteil des Sounds der Holländer, der Begriff „Funeral Doom“ ist für die Truppe allerdings neu. „Um unseren Stil zu klassifizieren würde ich sagen, dass wir eine langsame Art von Death Metal spielen. Death Metal ist die Musik, die ich am meisten mag, ich bin nicht der Doom-Freak, für den mich viele halten könnten. Der Grund, warum wir langsamen Death spielen ist, dass wir dabei sehr viele unterschiedliche Dinge in unsere Musik einbinden können. Wir sind dabei stark von den Schweizern MESSIAH beeinflusst, die ebenfalls sehr merkwürdige Arrangements kreiert haben. Da wir ja einige traurige und tragische Melodien haben, kann ich mit der Einordung „Death/Funeral Metal“ gut leben.“

Die Vorliebe gegenüber dem Death Metal ist für BEYOND BELIEF auch der Hauptunterschied zu anderen Bands auf dem Doom Shall Rise. „Die Leute werden unsere Musik dennoch genießen“, gibt sich AJ dabei zuversichtlich. Auf das Billing hat man es in erster Linie durch den gemeinsamen Gig mit WELL OF SOULS beim Dutch Doom Day geschafft. „Ich bin sehr stolz, auf dem DSR zu spielen! Es ist das wichtigste Festival für langsame Musik weltweit! Und ich liebe Deutschland, ich habe dort einige Jahre in meiner Kindheit gelebt. Natürlich hatten wir dort auch immer viele Fans. Ich denke wir werden unseren Aufenthalt in Göppingen sehr genießen, nette Menschen treffen, mit einigen Freunden etwas trinken und die gesamte Rotterdamer Szene wird vor Ort sein {hello Pim, Manoloxx…}“

Mit Deutschland verbinden BEYOND BELIEF ohnehin einige interessante Geschichten. „Ich denke, die bizarrste Geschichte haben wir mit der Band erlebt, als wir unsere erste CD in den T&T-Studios in Gelsenkirchen aufgenommen haben. Wir hatten die Instrumente bereits im Kasten und eines Mittwochs Nacht warfen wir uns einen LSD-Trip – ich und unser Bassist Ronnie. Als wir so durch die Innenstadt von Gelsenkirchen liefen, erlebten wir sehr merkwürdige Dinge. Wir waren die ganze Nacht unterwegs und trafen gegen acht Uhr morgens wieder im Studio ein. Das war ein wirklich heftiger Trip.“ (Fierce)

BEYOND BELIEF
Discografie:

„Remind the Skull“ Demo (1991)

„Stranded“ Demo (1992)

„Towards the Diabolical Experiment“ Album (Juni 1993)

„Rave the Abyss“ Album (1995)

„The Terror“ EP (1997)

„Remind the Skull/Terror“ Vinyl (2003)

Soundsamples:

Cursed

Line-Up:

Robbie Woning – guitars
Michiel Dekker – bass
A.J. van Drenth – Vocals/Guitar
Sjoerd Visch – drums

Homepage:

http://www.beyondbelief.nl

Lahar - Das Doom Shall Rise Special
Schwer zu kategorisieren: LAHAR

„Poffertjes-Doom“ müsste nach Meinung von LAHAR vermutlich recht süß klingen. Das ist beim Sound der Holländer definitiv nicht der Fall, ansonsten hätten wir die Band sicher nicht in die Kategorie „Sludge“ eingeordnet. Dabei ist die Truppe eine der am schwierigsten zu kategorisierendsten Bands auf dem Doom Shall Rise. „Das geht uns genau so“, unterstreicht Bert-René diese Feststellung. „Wir sind definitiv kein Epic-/Power-Doom und auch kein Funeral/Death. Vielleicht sind wir dem Classic/70er-Doom am nächsten, aber da passen wir auch nicht so richtig rein. Aber es gibt beim Doom mehr als diese drei Kategorien, oder vielleicht eher weniger – es kommt darauf an, wie man es sehen will. Für mich ist die Einordnung in den „Sludge“ vollkommen okay. Uns sind Kategorien relativ egal, jeder hat sein eigenes System zu klassifizieren. Es ist schwierig zu sagen, was daran positiv ist, das kommt ganz auf die persönliche Interpretation an. Ich denke der „Sludge“-Part sagt in erster Linie etwas über unseren rohen Sound aus. Und der „Core“-Teil konnte bedeuten, dass man unsere Hardcore-Einflüsse in den Grooves und der Gesangsweise heraushören kann.“
LAHAR und BEYOND BELIEF bilden auf dem diesjährigen Doom Shall Rise die Holland-Connection, wobei eine Beziehung zwischen den beiden Truppen nicht besteht. „Um ehrlich zu sein, kenne ich BEYOND BELIEF nicht wirklich. Ich kann mich daran erinnern, ihr Demo vor langer, langer Zeit gehört zu haben, aber das wars auch schon. Aber dadurch bin ich neugierig, sie zu sehen.“ Da scheint der Bezug zum aktuellen niederländischen Doom-Aushängeschild weitaus tiefer zu greifen. „Ich denke der wichtigste Doom-Act unseres Landes ist OFFICIUM TRISTE, weil sie die Kerze am Brennen halten. HEAVY LORD wegen der neuen Inspiration. MARY BELL wegen des Schmutzes. Ich glaub das sind schon fast alle Doom Metal Bands, die es bei uns in den Niederlanden gibt…“
Außerhalb des Doom sind es Acts wie NEUROSIS, die den größten Einfluss auf LAHAR ausüben. „KEELHAUL, KNUT und ISIS sind ebenfalls Einflüsse. Wir hören alle sehr unterschiedliche Musik und ich denke wir nehmen von überall Teile und arbeiten sie bei LAHAR ein. Unser Drummer und Bassist hört alle möglichen Arten von Jazz/Fusion. Ich kann mir das nicht antun, aber ich weiß auch einen Scheiß über Jazz. Ich mag JOHNNY CASH und NICK CAVE, vielleicht hört das jemand bei meinem Lyrics raus. Um es zusammenzufassen: es gibt viele Einflüsse und es liegt am Hörer, diese herauszufinden.“
Einen echten Unterschied zu anderen Bands beim Doom Shall Rise sieht Bert-René eigentlich nur in der Herkunft. „Wir kommen aus Groningen / Friesland, das trifft sonst auf keine Band zu. Ich weiß nicht, ich denke alle Bands sind unterschiedlich. Manche ähneln sich vielleicht mehr als andere, aber jede ist auf ihre Weise eigenständig.“
Auch wenn LAHAR eher als Notlösung für VERSUS THE STILLBORN MINDED auf das Billing des Doom Shall Rise gerückt sind, ist das kein Problem für die Band. „Wir kamen recht unerwartet auf das Festival. Ich glaube irgendeine Band fiel weg und die Organisatoren waren einfach verzweifelt, hehe. Jochen hat mir eine E-Mail geschickt, was uns wirklich ehrte und wir sagten „Ja, wir kommen“! Es gab für uns alle keine Hürden, die überwunden werden mussten. Wir freuen uns auf das Festival, auf die anderen Bands, mit Freunden zu reden und Bier zu drinken.“ Und dazu werden LAHAR genug Zeit haben – der Vorteil der Opener-Band. (Fierce)

LAHAR
Discografie:

Demo 2004 (2004)

Soundsamples:

Terrors in the Whale

The Apocalypse Machine

Line-Up:

Bert – throat
Dirk – guitar
Jurgen – bass
Marco – drums

Homepage:

http://www.circlesix.com

Gorilla Monsoon - Das Doom Shall Rise Special
GORILLA MONSOON – die Rotzlöffel des Festivals

Genau diesen Vorteil werden auch GORILLA MONSOON genießen können, denn die Dresdner fungieren am zweiten Festivaltag als Opener und müssen schon in aller Frühe, um 15 Uhr, auf die Bretter. Da kann man nur hoffen, dass um diese Uhrzeit bereits viele Doom-Maniacs den Weg in die Chapel gefunden haben. Unseren Captain konnte die Band mit ihrem noch aktuellen „Demonstrating Heavieness„-Output zwar noch nicht vollends begeistern. Tatsächlich scheint der nur schwer zu kategorisierende Doom der Marke GORILLA MONSOON mit seinen dröhnenden Gitarren und Bässen, dem dreckigen Gesang und einem leichten Stoner-Einfluss aber bestens dazu geeignet zu sein, die Festivalbesucher von aller Müdigkeit zu befreien. Das sieht auch Schlagzeuger Sandro so: „Ich hoffe wir bringen etwas Frische in die Bude, etwas Rock’n’Roll-Attitüde. Wir passen nicht in ein typisches Schema, von wegen True-Doom, Sludge-Doom oder so. Ich glaube, wir sind eher so die Rotzlöffel.“ Dass sich die Musik der Dresdner so schwer kategorisieren lässt, hängt dabei sicherlich auch mit der spontanen Art des Songwritings zusammen, bei der es keine vorher gesetzten Grenzen gibt. „Wir spielen das, worauf wir Bock haben, wir nehmen uns nicht vor, irgendwie zu klingen. Wenn ein Riff geil ist, wird’s genommen! In erster Linie geht es darum, dass uns selber bei der Musik einer abgeht, und da spielen fette Riffs eben eine große Rolle. Es muss einfach fetzen. Ich denke aber, dass Doom im Besonderen eher eine Art Weltansicht ist, Doom ist man oder man ist es nicht. Wir sollten froh sein, dass es Doom überhaupt gibt und es nicht in Sorten unterteilen.“

Dass es auch außerhalb des Doom keinerlei Berührungsängste mit Bands anderer Genres gibt, zeigt sich, als Sandro über die Dresdner Szene berichtet: „In Dresden existieren die Stile nebeneinander und das ist gut so. Das heißt, dass man bei verschiedenen Dresdner Bands auch Doomeinflüsse raushört, man sie aber nicht als Doom-Band bezeichnen kann. Die eine oder andere Combo hat eben ihre Duftmarke hinterlassen. Es gibt auch Leute, die coole Bands nach Dresden holen, man kennt sich, irgendwie hängen doch alle zusammen oder? Man greift sich gegenseitig unter die Arme, auch überregional. Man könnte vielleicht von einer kleinen aber feinen Szene reden.“

Weltbekannt ist Dresden natürlich auch für seinen Christstollen-Doom. „Stell dir Mittelalter-Mugge auf langsamer Umdrehung, runtergepitcht, vor, im Hintergrund hörst du eine anfahrende Riesen-Stahl-Dampflok, du selber rauchst ’nen Dübel. Dein Gegenüber muss die ganze Zeit vom Stollen kotzen, während er seine Gitarre stimmt (nur die tiefsten drei Saiten)“, beschreibt Sandro diesen Exportschlager. Gut, dass GORILLA MONSOON sich nicht dazu entschlossen haben, auf diesen Trend aufzuspringen, sondern auch auf der in Kürze erscheinenden Split-Single mit WEED IN THE HEAD mehr oder weniger ihrer Linie treu geblieben sind: „Der Song ist relativ neu, wir spielen ihn aber schon live. Er ist etwas länger als die sonstigen Songs, quasi ein kleines Epos. Er klingt etwas mehr ‚achtziger‘. Ansonsten ist er hymnisch, fett, langsam und groovig, alles in einem, stell dir das mal vor!“ Damit erfüllen die Dresdner gleich vier Wünsche auf einmal, also mehr als ein Überraschungsei zu bieten hat.

Auch an kuriosen Geschichten mangelt es bei GORILLA MONSOON nicht. „In Rostock wollten wir mal ’nen Typen vermöbeln, weil er Phils Karre beschädigt hatte, also sind Jack und ich hinterher und kamen nach einer halben Stunde mit ’ner Riesentüte Gras zurück. Kurios fand ich aber auch, dass Wino Jacks Equipment aufgebaut hat, als wir vor THE HIDDEN HAND spielten.
Oder ist kurios, dass einer seine Pisse drinkt, damit der andere sich ’ne Bierpulle in den Arsch schiebt? So was richtig Krasses ist uns noch nicht passiert, ich kann mich aber auch an verdammt viel nicht mehr erinnern…
Oder warte; wir wachten mal in Schwarzenberg in ’nem besetzten Haus auf, wir hatten den Tag vorher dort gespielt, so viel weiß ich noch. Der Raum war knöcheltief voll Bier, die ganze Einrichtung war zerstört, aber wir haben das geilste Frühstück von den Leuten dort serviert bekommen, was wir seit langem hatten…“
Da kann man nur hoffen, dass die Hoteliers in Göppingen kein vampster lesen. (Doomster)

GORILLA MONSOON
Discografie:

„Deflowered World“ Demo

„Demonstrating Heavieness“ Demo

Soundsamples:

My way
Born to lose
Hatebreed
Codeine Commander
Deflowered World
Alone Now

Line-Up:

Jack Sabbath – Gesang, Gitarre
Phil – Gitarre
Drumster – Schlagzeug
Chris – Bass

Homepage:

http://www.gorilla-monsoon.de

The River - Das Doom Shall Rise Special
THE RIVER

THE RIVER gehören ebenfalls zu den Acts, die sich nur ganz schwer in die für dieses Special vorgegebenen Kategorien einordnen lassen wollen. Und selbst wenn man desöfteren in Reviews mit dem Begriff „Sludge“ konfrontiert wird und man durch die dröhnenden und wummernden Gitarren auch seinen eigenen Teil dazu beiträgt, fühlt sich die Truppe damit nicht ganz wohl. „Sludge impliziert, dass wir einen ähnlichen Sound wie EYEHATEGOD oder verwandte Bands aufweisen, was bei uns nicht zutrifft. Ich denke wir sind da einem schweren, eher heruntergestimmten, feedback-durchtränkten Oldschool-Doom näher. Um es aber positiv darzustellen…nun, es klingt heavy!“ Dabei kommt der Sound der Truppe ganz aus dem Bauch heraus. „Wir stöpseln ein und spielen! Wir haben nie einen bestimmten Stil gewählt, vielmehr ist das was wir spielen, unser Stil. Hauptsache die Gitarren braten also….so wie man das vom Ham & Eggs-Doom erwartet.

Ein weiteres wichtiges Merkmal im Sound von THE RIVER: die Band hat eine Sängerin am Start und das ist gleichzeitig auch eine Premiere für das Doom Shall Rise. Nichts, worauf sich die Briten etwas einbilden würden: „Ich denke, letztendlich ist jede Band auf dem DSR sehr individuell und ich freu mich schon darauf, Acts wie MIRROR OF DECEPTION, THE GATES OF SLUMBER, BURNING SAVIOURS und WELL OF SOULS live zu sehen!“

Und auch bei THE RIVER spielte der persönliche Kontakt mit Jochen Fopp eine große Rolle, wie man auf das Billing gelangt ist. „Ich habe Jochen kennen gelernt, als er mit MIRROR OF DECEPTION auf UK-Tour war, gemeinsam mit SOLSTICE und WARNING. Wir blieben in Kontakt und ich habe sogar ein Interview mit ihm geführt für ein Fanzine, für das ich einmal schrieb. Nachdem ich UNSILENCE verlassen hatte und bei THE RIVER eingestiegen bin, habe ich ihm eine CD geschickt – so ist das dann passiert.“

Die Art und Weise, wie Jon sich den Aufenthalt beim Doom Shall Rise vorstellen könnte, lässt dabei tief blicken: „Meine bizarrste Geschichte über das Doom Shall Rise ist, als ich um einiges zu viel getrunken hatte, ein Massen-MANOWAR-Sing-Along verursachte, gekotzt habe, ohnmächtig wurde und die Hälfte der Bands verpasste, die ich sehen wollte. Das ist noch nicht passiert, aber ich fühl mich gut dabei, mir ein derartiges Szenario auszumalen.“

„MANOWAR“ ist ein gutes Stichwort. Denn wenn es um Einflüsse außerhalb des Doom geht, geben sich auch THE RIVER ganz traditionell: IRON MAIDEN natürlich! Die gibt es schon derart lang und waren sich stets treu. Sie sind ganz sicher eine große Inspiration für uns alle. Wenn es aber auch noch um Einflüsse außerhalb des Metals gehen soll, dann ist es PJ HARVEY bei den Gesangs- und Harmonielinien. Die Art, wie sie eine simple Idee aufgreift und sie derart aufrichtig und aus dem Herzen darbietet ist etwas sehr spezielles.“

Sängerinnen scheinen bei THE RIVER eine besondere Rolle einzunehmen. Das trifft auch auf Vicky zu, denn als bizarrste Geschichte rund um die Band erklärt Jon: „You´ll see when we play live that when Vicky comes on stage, she whips `em off & it´s actually two midgets!! We shit you not!“

Während THE RIVER in der Heimat neben den bereits genannten Bands auch noch IRON HEARSE, CAMBIAN DAWN und ELECTRIC WIZARD als die wichtigsten Vertreter im Doom bezeichnen, kommt das wichtigste Doom-Album des Jahrzents für die Band einmal mehr aus Finnland: „REVEREND BIZARRE – ‚In the Rectory of the Bizarre Reverend‚ – einfach, weil es, so wie es aussieht, das Interesse am wahren Doom wieder geweckt hat. Und natürlich ist es auch ein großartiges Album!“ (Fierce)

THE RIVER
Line-Up:

Steve – Bass

Jon – Drums

Chris- Guitar

Vicky – Vocals

Homepage:

http://www.doomriver.co.uk/