BLACK SHAPE OF NEXUS: High-Fidelity geht anders

Sie sind garantiert nicht die typische Doom Metal-Band, sondern eine akustische Massenvernichtungswaffe. BLACK SHAPE OF NEXUS aus Mannheim haben mit ihren legendären Shows schon allerhand Clubs und Festivals zerlegt. Nun ist das heimische Wohnzimmer dran. "Negative Black", das erste Album seit dem Dronewerk "Microbarome Meetings" bannt die Destruktion und Dissonanz der Shows auf CD und geht tief unter die Haut. Das achtzigminütige Werk "Negative Black" ist dabei so konsequent brachial, dreckig und heavy, so kreativ und kompromisslos, dass BLACK SHAPE OF NEXUS damit ihren Kollegen meilenweit voraus sind. Wir befragen das Sextett zum neuen Album, dessen Hälfte, nämlich Sänger Malte, Gitarrist Geb und Keyboarder Jan, ausführlich antwortet.

Sie sind garantiert nicht die typische Doom Metal-Band, sondern eine akustische Massenvernichtungswaffe. BLACK SHAPE OF NEXUS aus Mannheim haben mit ihren legendären Shows schon allerhand Clubs und Festivals zerlegt. Nun ist das heimische Wohnzimmer dran. Negative Black, das erste Album seit dem Dronewerk Microbarome Meetings, bannt die Destruktion und Dissonanz der Shows auf CD und geht tief unter die Haut. Das achtzigminütige Werk Negative Black ist dabei so konsequent brachial, dreckig und heavy, so kreativ und kompromisslos, dass BLACK SHAPE OF NEXUS damit ihren Kollegen meilenweit voraus sind. Wir befragen das Sextett zum neuen Album, dessen Hälfte, nämlich Sänger Malte, Gitarrist Geb und Keyboarder Jan, ausführlich antwortet.

Negative Black ist ein sehr griffiger Albumtitel, der Erwartungen schürt. Haltet ihr diese Erwartungen, was glaubt ihr selbst?

Geb: Wir hatten nicht den Anspruch, irgendwelche Erwartungen bei Hinz und Kunz zu schüren. Wichtig war es uns in erster Linie, unseren eigenen Erwartungen gerecht zu werden und das Beste herauszuholen, was derzeit möglich war. Ich für meinen Teil bin generell unzufrieden und der Meinung, man hätte hier und da noch etwas verändern können, aber das ist wohl normal.

Malte: Ich sehe das wie Geb. Das einzige, was zählt, sind die Erwartungen an uns selbst. Auch ich bin mit der Platte nicht hundertprozentig zufrieden. Vor allem im Ausdruck ist da noch Luft nach oben. Auf der anderen Seite ist dies natürlich erfreulich, da ich somit nicht das Gefühl haben muss, bereits am Ende angekommen zu sein.

Jan: Sehe es ähnlich wie Geb und Malte, zumal der Albumtitel eben auch griffig sein und hängen bleiben soll. Letztlich fasst er meiner Meinung nach die verschiedenen Stimmungen des Albums auch gut zusammen, zumal das Negativ von schwarz auch weiß ist.

Einige von euch sind schon lange aktive Musiker. Hat sich, vor allem im Hinblick darauf, dass ihr recht verstreut lebt, die Art eine Band zu führen verändert? Dauert nun alles etwas länger, die Zusammenarbeit läuft aber effektiver ab?

Geb: Ich glaube, wir gehen mittlerweile etwas konsequenter und strukturierter zu Werke, und es ist nicht immer notwendig, dass alle Bandmitglieder bei einer Probe vor Ort sein müssen. Eine Rumpfbesetzung arbeitet praktisch ständig an Ideen. Es hat sich als der einzig machbare Weg erwiesen. Das bringt natürlich seine Schwierigkeiten mit sich, da es bei uns üblich ist, alles im Konsens zu entscheiden, aber es funktioniert… irgendwie.

Malte: Im Grunde leben wir nicht so sehr verstreut. Als ich früher noch in Dortmund gewohnt habe, haben die Proben schon amtlich rein gehauen. Inzwischen ist die Fahrt von Stuttgart nach Mannheim und zurück auch unter der Woche gut machbar. Der Konsens als Form der Entscheidungsfindung ist jedenfalls ein Schmerz in meiner Gesäßfuge. Aber wahrscheinlich eben, weil bei uns jede noch so kleine Entscheidung manchmal in eine unerträgliche Diskussion ausartet, ist unsere Musik so, wie sie ist. Hätten wir einen Bandhitler, dann würden wir wahrscheinlich klingen wie… na, wie Bands mit Bandhitlern eben klingen.

Zwischen eurem selbstbetiteltem Debüt und Negative Black liegen sechs Jahre, in denen ihr Microbarome Meetings und eine Split mit KODIAK gemacht habt. Stammt das Material aus diesen sechs Jahren, oder stammt es aus einer kürzeren Session?

Geb: Einige Ideen liegen sogar noch weiter zurück. Als wir nach Michaels Ausstieg endlich die Ruhe gefunden haben, an neuen Songs zu arbeiten, haben wir eine Bestandsaufnahme von Ideen gemacht, die sich im Laufe der Jahre angesammelt hatten. Angefangene Songs, verworfene Ideen und Sessions. Daraus ist Negative Black entstanden.

Malte: Illinois und RMS sind erst wenige Wochen vor der eigentlichen Aufnahme entstanden. Der Rest existierte in unfertiger Form in der Tat schon länger.

Wie läuft das Songwriting bei euch ab? Trefft ihr euch ab und an und arbeitet dann an den Ideen der einzelnen Mitglieder, oder stammen ganze Songs von einem von euch?

Geb: Die Songs entstehen bei den gemeinsamen Proben. Wie oben schon angedeutet auch durch diese Rumpfbesetzungen. Es ist aber schon so, dass der kreative Input sich hauptsächlich auf ein paar Mitglieder beschränkt und sich ein Song mit der Zeit entwickelt, und jeder daran feilen und bauen kann, bis wir alle mehr oder weniger damit zufrieden sind.

Welchen Anteil am Songwriting hatte euer neuer Bassist Stefan? Hat er das aktuelle Gesicht von BLACK SHAPE OF NEXUS mit geformt?

Geb: In den Prozess war Stef voll und ganz integriert. Vielleicht war es auch hilfreich, dass wir uns bereits vorhandene Ideen vorgenommen haben und Stef genau zu diesem Zeitpunkt in die Band kam. Er war wirklich ein Ruhepol in einer für uns schwierigen Zeit. Stefs Bassspiel ist zwar das komplette Gegenteil zu Michaels, aber ich hatte nie das Gefühl, dass die kreative Arbeit dadurch entscheidend beeinflusst worden wäre. Wir kennen Stef schon sehr lange, und er passt zu uns wie der berühmte Arsch auf den Eimer.

Malte: Das einzige, was mich interessiert ist die Gesichts(ver)formung des Publikums. Und das sollte mit dem Low-End Bassteppich von Stef ganz wunderbar funktionieren.

Jan: Stefan hat das Gesicht von BLACK SHAPE OF NEXUS auf jeden Fall menschlich mit geformt, da er einfach ein sehr netter und unkomplizierter Typ ist! Aber natürlich hat und wird er sich musikalisch auch weiterhin voll einbringen.

Oft wirken Doom und Sludge-Bands auf mich so, als würden sie das perfekte Riff suchen. Bei euch ist es vielmehr so, als hättet ihr dieses Stadium hinter euch gelassen und sucht nach etwas Größerem. Oder war die Prämisse schlicht, gutes Material zu schreiben?

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Es galt die Lücke zwischen Live-Energie und den bisher existierenden, streckenweise etwas verhalten klingenden Aufnahmen zu schließen. Sänger Malte über die Produktion von Gitarrist Ralph.

Geb: Ich bin ständig auf der Suche nach dem perfekten Riff, aber die anderen machen es immer wieder kaputt… Hahaha! Nein, im Ernst – wir haben keine Agenda, nach der wir Songs schreiben. Wie gesagt, es entwickelt sich und wir versuchen schlicht, das Optimum aus dem Vorhandenen zu machen. Dabei hat jeder die größtmögliche Freiheit, sich auszuprobieren und sich zu verwirklichen. Wir sind halt Hippies.

Malte: Ich sehe das auch so! Wir sind nicht auf irgendeiner Suche. Ich sehe das ganze eher als Dokumentation unseres jeweils momentan herrschenden Zustandes.

Jan: Das perfekte Riff macht noch langen keinen guten Song aus. Viele Bands knallen ein Hammerriff ans andere, und trotzdem kommt meiner Meinung nach nicht viel rum, beziehungsweise bleibt wenig nachhaltig hängen. Bei BLACK SHAPE OF NEXUS machen eher die Kleinigkeiten, die jeder einbringt, den Sound und die Atmosphäre. Weniger offensiv und plakativ, sondern oftmals mit Nuancen, die nicht gleich ins Ohr springen sollen.

10000 µF und Neg. Black sind Beispiele dafür, wie ihr euch repetitiv ins Hirn grabt, mit der Zeit verstreichen die Songs immer schneller und schneller. Wollt ihr den Hörer (und euch selbst) in Trance bringen?

Geb: In erster Linie wollen wir uns dabei selbst gut fühlen. Wenn ich beim Spielen der Songs ein Grinsen im Gesicht der anderen Dudes sehe, haben wir alles richtig gemacht. Das ist für mich der einzige Indikator!

Malte: Interessanterweise geht es mir selbst als Hörer auch so. Wenn in Neg. Black nach 14 Minuten der Übergang in den nächsten Part kommt, bin ich jedes Mal überrascht, wie schnell die Zeit bis dorthin vergangen ist. Repetition ist sicher eines unserer Merkmale, aber auch dahinter steckt kein besonderes Kalkül.

RMS ist der einzige Song, bei dem ich an Improvisation denken musste. Das klingt ein wenig nach 70ies Drogen-Ritual, eigentlich fungiert es aber nur als Soundcollage zum abschließenden Durchatmen vor dem Titelsong, richtig? Oder steckt mehr hinter dieser Nummer?

Geb: Eigentlich soll es keine Soundkollage sein, das ist ein Song wie die anderen auch. Er steht für sich. Aber Du hast Recht, es war eine spontane Improvisation. Ich hatte diesen Einfall bei den Demoaufnahmen. Die anderen sind spontan drauf eingestiegen und Ralf hat die Session aufgenommen. Das war die Grundlage und mehr steckt nicht dahinter.

Malte: Ich sehe das, was in RMS passiert, ein Stück weit als sehr wichtige Grundlage für unser weiteres Schaffen. Von daher ist dieser Track genauso wie Illinois nicht zu unterschätzen.

Negative Black ist überraschend abwechslungsreich, kein pures Sludge-Drone-Album mit nur einem Tempo nah am Nullpunkt. Es gibt groovigere, etwas kürzere Songs, sowie Sludge und Drone. Ist eine gewisse Abwechslung wichtig, um achtzig Minuten dieser Musik durchzuhalten?

Geb: Wir hatten nie vor, ein Platte von achtzig Minuten zu veröffentlichen. Irgendwann war das Material da, und es war alles gut genug, um es auf die Platte zu packen. Das abwechslungsreiche Gesamtbild hat sich einfach ergeben.

Malte: Wenn die Musik wirklich gut ist, kann sich auch eine achtzigminütige Platte in einem homogenen Geschwindigkeitsbereich bewegen. Abwechslung ist keine Frage variierender Tempi.

Neben CORRUPTED und BURIED AT SEA, wenn es brachial ist, denke ich gerade bei den beschwingteren Momenten – ihr nennt es so schön Boogie Doom – vor allem an IRON MONKEY. Welche Bands haben euch sonst noch beeinflusst? Ähnlich derbe gehen ansonsten nur POTOP aus Mazedonien ran, die auch einen Hardcore-Background haben.

Geb: Ich glaube, es wäre schwierig, die Einflüsse, die sich in der Band widerspiegeln, an nur wenigen Bands festzumachen. Dafür haben wir auch alle zu unterschiedliche Geschmäcker. Das reicht von den MELVINS über BLACK FLAG bis hin zu VENOM. Alles vorhanden und für den Leser sicherlich nicht überraschend.

Malte: Für mich immer ganz vorne mit dabei sind 5IVE. Keine Ahnung, wie oft ich auf der Autobahn schon über deren Stücke gebrüllt habe.

Jan: Wissentlich beeinflusst hat uns keine Band direkt, aber klar hört jeder von uns zig Musikstile, die bestimmt irgendwie mit einfließen. Schön, dass du POTOP erwähnst, die meiner Meinung nach sträflich unterbewertet sind. Auf jeden Fall anchecken, auch Ivans FUCK YOGA Label!

Der Anfang von 10000 µF lässt mich an Through Silver In Blood von NEUROSIS denken. Auch ein Einfluss für euch, oder eher Zufall?

Geb: Das ist eine der Bands, für die ich mich nicht wirklich interessiere. Also muss das wohl Zufall sein.

Malte: Ich glaube, ich habe die Platte in meinem Leben einmal gehört.

Überhaupt, im Vergleich zu den meisten anderen Sludge-Bands, sind bei euch der Synthesizer und Samples mehr als nur Beiwerk, sie haben großen Anteil an der Atmosphäre der Musik und heben euch vom Großteil der Szene ab. Welchen Stellenwert räumt ihr selbst diesen Elementen ein?

Geb: Mit der Elektronik lässt sich herrlich rumlärmen und hier und da auch schön Atmosphäre schaffen. Man muss nur aufpassen, dass es nicht zu cheesy wird.

Malte: So ist es. Bei uns ist der Tastenmann nicht fürs Rumorgeln, sondern wie überhaupt jeder von uns für Krach und Fläche zuständig.

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Wir sind halt Hippies. Laut Gitarrist Geb soll sich bei B.SON jeder Musiker selbst verwirklichen können. 

Davon, dass ihr teils Wurzeln im Crust und Hardcore habt, hört man wenig. Kommt da musikalisch überhaupt noch etwas durch?

Geb: Davon hörst du bei Bands wie DYSTOPIA oder AMEBIX auch herzlich wenig. Ich denke, das ist nur ein Teil unseres Einflusses, vielleicht nicht unbedingt musikalisch, aber in der Art, wie wir an Dinge herangehen. Vielleicht atmet, pathetisch ausgedrückt, auch ein wenig davon in unserer Musik mit, es steht aber sicher nicht im Vordergrund.

Malte: Hinsichtlich unserer Haltung erkenne ich bei uns Muster, beziehungsweise Parallelen zu Crust und Hardcore. Auch was die Bühnenaction angeht, kann ich den Vergleich in einem gewissen Maße nachvollziehen. Musikalisch fühle ich mich diesen Genres wenig zugehörig und kann das in unserer Musik auch nicht erkennen.

Jan: Neulich hörte ich die Songs selbst zum ersten Mal in voller Lautstärke über schlechte Laptopboxen, da klang der Sound sogar eins zu eins wie bei Bands a la D-CLONE, NERVESKADE, et cetera. Vielleicht die neue Scheibe mal auf 45 rpm laufen lassen, dann klingt es vielleicht sogar wie DISCHARGE, haha. Ernsthaft, in Sachen Dynamik höre ich da schon noch Überbleibsel.

Richtiger Gesang kommt nur bei vier der sieben Songs vor. Beim Titelsong ist er ziemlich verfremdet und wirkt eher wie ein Instrument. Hattet ihr Lust zum Experimentieren, oder hat normaler Gesang nicht dazu gepasst?

Malte: Es ist umgekehrt. Für mich ist der Gesang, so wie er zurzeit ist normal. Derzeitig würde somit regulärer Gesang das Experiment darstellen. Dass der Gesang wie ein Instrument klingt, das ist in der Tat korrekt. Aber auch hier kein Kalkül, sondern einfach ein Resultat meines Zustandes sowie meiner Neigungen und Fähigkeiten.

Verwendet Malte eigentlich auf den Aufnahmen sein Kehlkopfmikro? Oder ist das Geschrei anderweitig so herrlich übersteuert?

Malte: Das Kehlkopfmikro kam nicht zum Einsatz. Einen großen Teil der Vocals habe ich gemeinsam mit der Instrumentensektion live eingesungen. Deswegen ist da auch so viel Dreck auf der Spur. Zum Einsingen habe ich eine abgewrackte Transistor-Combo mit der vielsagenden Bezeichnung Hollywood 2001 benutzt. Das Teil steht permanent kurz vor der Explosion. Der Amp rauscht wie Sau, wenn Du an den Reglern drehst denkst Du, dass es gleich die Membran zerfetzt, und ein Wackelkontakt sorgt zyklisch für ein Feedback, das wie ein Ozeandampfer klingt. High-Fidelity geht jedenfalls anders. Gekauft habe ich den Verstärker bei einem Händler für Requisiten, der unter anderem eine acht Meter hohe Rakete im Garten stehen hat.

Der Sound ist unglaublich, alles live in Eigenregie aufgenommen – da habt ihr gute Arbeit geleistet. Alles klingt sehr organisch, roh, dynamisch und ultrafett. Welchen Anspruch hattet ihr an den Sound? Und jetzt sagt nicht: Es soll wie live klingen.

Geb: DOCH! Hahaha! Ralf hat da wirklich einen ganz fantastischen Sound abgeliefert. Wir haben für ein kleines Label aus Malaysia ein Livetape veröffentlicht und waren alle der Meinung, dass das genau der Sound ist, der uns am nächsten kommt. Vermutlich war das der einzige Plan, den wir für die neue Platte hatten. Es sollte, wie Du schon sagst, roh, dynamisch und organisch klingen. Ich glaube, wir sind dem schon sehr nahe gekommen, es lässt sich aber sicher noch optimieren. Zunächst wollten wir ein Studio besuchen und haben uns letztendlich doch dazu entschieden, die Aufnahmen wieder selbst in die Hand zu nehmen. Wir hatten dadurch keinen Druck und durch Ralf die größtmöglichen Freiheiten. Für den armen Kerl bedeutete das natürlich doppelten Stress.

Malte: Tut uns leid, aber genau das war, wie Geb schon sagt, der Anspruch. Es galt, die Lücke zwischen Live-Energie und den bisher existierenden, streckenweise etwas verhalten klingenden Aufnahmen zu schließen. Ich denke, dass wir mit Negative Black diesen Graben wieder etwas mehr zuschaufeln konnten. Auch von mir ein ganz, ganz großes Lob an Ralf, der wie irre malocht hat und etwas geschaffen hat, auf das er mit Recht stolz sein darf.

Live seid ihr allerdings unschlagbar. Euch eilt da ein enormer Ruf voraus. Habt ihr Angst, Negative Black könnte Leute enttäuschen, die euch zum ersten Mal auf Platte hören und schon einige Shows von euch gesehen haben?

Geb: Wir machen uns da keinen Kopf, die Leute haben immer die Wahl.

Malte: Natürlich bin ich auf die Reaktion der Leute gespannt. Sorgen mache ich mir aber nur, dass ich selbst mit der eigenen Darbietung mal wieder nicht zufrieden sein werde. Haha!

Das Artwork ist überraschend, nichts von wegen Smell The Glove von SPINAL TAP, sondern eine Collage, deren Farben sehr schön sind. Es sieht aus, als würde alles verschwimmen, verflüssigen, eine Masse ergeben. Das passt ein wenig zum Thema der Dekonstruktion in den Lyrics. War das der Gedanke dahinter? Oder ist dieser Fluss, dieses Verschwimmen das Gefühl, das der Hörer nach dem Album hat?

Malte: Da müsste man jetzt eigentlich Sahba, der das Artwork geschaffen hat, fragen. Mir fällt jedenfalls auf, dass Du dir mehr Gedanken über das Artwork gemacht hast als wir. In den vergangenen Jahren hat sich meine Sicht auf Plattenartworks übrigens gewandelt. Früher besaß das Artwork einen weitaus höheren Stellenwert für mich. Aber mal ehrlich: Das einzige was sich die Leute wirklich merken ist, wenn eine Platte richtig beschissen aussieht. Dieser inflationäre Gebrauch von zugegeben großartigem Design stößt bei mir inzwischen wirklich auf Ablehnung. Wenn ich heute zum Beispiel eine Platte mit einem Design von John Dyer Baizley sehe, bewegt mich das eher, mir die Musik erst recht nicht anzuhören. Das ganze Designzeugs im Heavybereich inklusive Namedropping ist mir schon viel zu viel im Mainstream angekommen.

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Amplifier Worshipping – Ein titelgebender Elko für B.SONs neues Album.

Die Songtitel sind bizarr, stehen in keiner wirklichen Verbindung zu den Texten. Auffallend ist dabei, dass Illinois und Neg. Black die einzigen Titel sind, die aus echten Namen bestehen. Ist das Zufall oder doch eher egal?

Geb: Vorher haben wir unsere Songs durchnummeriert und es stiftete Verwirrung, jetzt haben sie Namen und es ist auch wieder nicht recht… Hahaha! Malte baute einen Elko (Elektrolytkondensator – Anm. d. Verf.) aus einem alten, aufgeschraubten Gesangsverstärker, und darauf standen Album- und Songtitel. Es war praktisch Eingebung.

Malte: Siehe Bild. Dann wird es klar. Die Songtitel können in einem gewissen Rahmen als Amplifier Worshipping betrachtet werden. Letztlich war das Titelkonzept einfach schlüssig. Intern läuft die Songnumerierung von 35 (400H) bis 41 (RMS). Wir haben erst gestern eine Rezension zu lesen bekommen, in der auf die einzelnen Titel eingegangen wurde. Einige von uns wissen auch heute noch nicht, welcher Track gemeint ist, wenn zum Beispiel von 60WV die Rede ist. Intern ist das Song 36. Herrliches Eigentor.

Bezüglich der Texte habe ich mit Malte schon mal geschrieben. 60WV dreht sich dabei wohl um den Dekonstruktivismus Jacques Derridas, 14d ist der erste Weltkrieg aus der Sicht der Expressionisten (Toller, Hiller, Trakl? – sehr passend, übrigens!) und 10000 µF handelt von menschenfressenden Häusern, mein Lieblingsthema. Gibt es noch mehr dazu zu sagen?

Malte: Die Texte existieren letztlich nicht, weil ich etwas Besonderes zu sagen hätte. Es geht fast ausschließlich um die Reproduzierbarkeit der Phrasierung. Allerdings haben sich einige Zeilen dann doch ob Ihres Inhalts eingebrannt. Viel wichtiger jedenfalls ist der Ausdruck mit dem ich die Texte vortrage. Abweichungen vom eigentlichen Text sind allein schon aufgrund akuten Sauerstoffmangels oder einem Whisky zu viel üblich. Das ist streckenweise gewollt oder zumindest nicht weiter tragisch. Wir machen schließlich keine Musik zum Feuerzeugschwenken und Mitsingen.

In Sachen Label seid ihr bei EXILE ON MAINSTREAM RECORDS untergekommen, das gut zu euch passt, auch wenn ihr dort ein wenig heraus stecht. Ist es die Möglichkeit, eure DIY-Ethik weiterhin behalten zu können und die Freundschaft mit Andreas wichtiger, als bei einem großen Namen wie zum Beispiel SOUTHERN LORD in Lohn und Brot zu stehen?

Geb: Nun ja, als DIY-Label im klassischen Sinne kann man EXILE ON MAINSTREAM sicher nicht mehr sehen. Andreas und Beate stecken wirklich sehr viel Herzblut in ihre Arbeit, und sie gestehen den Bands die größtmögliche Freiheit zu. Wir fühlen uns bei EXILE ON MAINSTREAM bisher sehr gut aufgehoben, die Wege sind kurz und man hat immer ein offenes Ohr. Größere Namen brauchen wir nicht, und wir denken auch nicht darüber nach. Wir fühlen uns der DIY-Idee nach wie vor sehr verbunden und wollen über das, was wir tun, die Kontrolle behalten. Ich kann mir nicht vorstellen, nur wegen guter Plattenverkäufe von einem größeren Label gesigned zu werden, um mir anschließend vorschreiben zu lassen, wie viele oder welche Shows oder Festivals ich im Jahr spielen muss, oder über Vertriebswege im Unklaren gelassen zu werden. Das würde zumindest meinem Verständnis der Band zuwider laufen.

Malte: Absolute Zustimmung! Bei EXILE ON MAINSTREAM herrscht die perfekte Balance aus Professionalität, Business, künstlerischer Freiheit, Herzblut, Aufrichtigkeit und Musikverständnis.

Jan: Ich denke bei EXILE ON MAINSTREAM sind wir aktuell gut aufgehoben, da ich hier eine ausgewogene Mischung von Engagement und Idealen sehen. Größere Namen halte ich heutzutage für absolut überflüssig, da ein kleineres Label mit gutem Vertrieb sowieso Ähnliches leisten kann. FUGAZI waren auch nie bei einem größeren Label, und sie sind trotzdem weltweit bekannt.

In Kürze geht es los mit einer kurzen Deutschland-Tour, danach spielt ihr Einzelgigs. Wird es eher dabei bleiben, oder strebt ihr jetzt mit Negative Black größere und ausgedehntere Touren an? Gibt es schon was Spruchreifes, zum Beispiel SOUTH OF MAINSTREAM?

Geb: Nach der Tour stehen bisher nur Einzeldates, und dabei wird es für dieses Jahr auch bleiben. Konkretes erfährt man dann im Netz. Wir haben alle noch ein Leben neben der Band und wollen das nicht überstrapazieren. Es soll ja schließlich Spaß machen.

Malte: Neue Orte zu besuchen, an denen wir bisher noch nicht gespielt haben, ist mein Wunsch. Sprich das europäische Ausland wäre sehr reizvoll. Für das SOUTH OF MAINSTREAM sind wir jedenfalls bestätigt.

Was können wir von den kommenden Shows erwarten? Das Album am Stück, in seiner ganzen Pracht, plus ein paar alte Hits und zerlegen der Clubs?

Geb: Das Hauptaugenmerk liegt sicherlich auf den neuen Songs, die alten Songs gehen uns langsam aber sicher auf den Wecker, aber auch davon sind welche dabei.

Malte: Wenn wir im April auf Tour gehen, ist die neue Platte noch nicht raus. Es wäre unfair, nur neue Sachen zu spielen, die die Leute dann nicht kennen. Clubzerlegung natürlich immer gerne. Wobei wir die Bude nicht abreißen, sondern nur soweit destabilisieren, sodass die Hütte dann bei der nächsten strunzdummen, alle Klischees bedienenden Electrocore-Show zusammenbricht, um das ganze Elend unter sich zu begraben.

Ich habe euch lange genug aufgehalten – wenn ihr jetzt noch was loswerden wollt, hier ist die Gelegenheit!

Malte: Danke fürs Interview und den Support! Doom over the wörld, Alter!

Jan: Danke für dein Interesse!

Titelbild (c) BLACK SHAPE OF NEXUS / Artwork (c) EXILE ON MAINSTREAM RECORDS / Promofoto (c) Bernhard Höll / Elko (c) Malte Seidel