WINTERFYLLETH: The Mercian Sphere

WINTERFYLLETH: The Mercian Sphere

Da sage noch einer, WOLVES IN THE THRONE ROOM hätten keinen Einfluss auf den Black Metal dieses Jahrhunderts. Neben den Iren ALTAR OF PLAGUES zeigen nun auch WINTERFYLLETH aus England, dass Black Metal mehr ist, als nur platte Symbolik und kindischer Hass. Auf ihrem zweiten Album begehen die Musiker aus Manchester einen ähnlichen Weg wie ihre Vorbilder und heben sich vom krassen Sludge ihrer Nebenband ATAVIST ab. Sofort wird hier klar, dass The Mercian Sphere von typischen Black Metal-Musikern gespielt, ganz anders klingen würde. Stattdessen erhält The Mercian Sphere gute Riffs, leidenschaftliche Raserei, zum tief durchatmen geschaffene, atmosphärische Stellen, etwas Folk und typisch angelsächsisch geprägte, epische Chöre. Zwischen Kitsch und dem, was Black Metal mit Tiefgang seit Two Hunters sein kann, zeigen WINTERFYLLETH eine hohe Anzahl an treffsicheren Ideen. The Mercian Sphere punktet mit langen Songs, die in ihrer Epik und mit ihrem atmosphärischem Charakter durchaus das Potenzial haben mit ihren Genrekollegen mitzuhalten. Das Pathos, was sie stellenweise an den Tag legen, erreicht aber das genaue Gegenteil von dem, was diese Musik eigentlich ausmacht.

The Mercian Sphere leidet allerdings nicht nur hieran, sondern an seiner enormen Länge. Dies bedeutet, dass sich keine dichte, unheimliche Atmosphäre über die ganze Spielzeit hinweg aufbaut, sondern es immer wieder zu viel des Guten wird. Die markanten, folkigen Zwischenstücke zerstören den Fluss des Albums keineswegs, sie helfen ihm viel mehr, dass der Hörer The Mercian Sphere nicht aus den Augen verliert, aber wegen der zu vielen zu langen Songs, entsteht kein wirklich geschlossener Gesamteindruck, keine wirkliche Intensität. Dennoch, Gateway To The Dark Peak / The Solitary One Waits For Grace (The Wayfarer Pt I), The Ruin, To Find Solace… Where Security Stands (The Wayfarer Pt III) und Defending The Realm sind starke, ausladene Songs, die stellenweise den Geist des Hörers auf die Reise schicken. Durchgehend packend agieren WINTERFYLLETH leider nicht, den Stil haben sie von WOLVES IN THE THRONE ROOM, WEAKLING und LUDICRA, aber nicht deren songschreiberische Klasse. The Mercian Sphere ist dennoch meilenweit von den Peinlichkeiten des Black und Pagan Metal-Sumpfes entfernt, dank einer ansprechenden Produktion und einem gewissen Sinn für Stil. Mit dem, dieses Jahr erschienen Konkurrenzprodukt Marrow Of The Spirit von AGALLOCH kann The Mercian Sphere aber leider nicht mithalten, WINTERFYLLETH belegen sozusagen die Reservebank. Freunde von Black Metal der epischen, testosteronfreien Art, dürfen aber durchaus ein Ohr riskieren.

Veröffentlichungstermin: 27. August 2010

Spielzeit: 68:25 Min.

Line-Up:

Chris Naughtin – Vocals, Guitar
Mark Wood – Guitar
N. Wallwork – Bass, Vocals
Simon Lucas – Drums, Vocals

Label: Candlelight Records
MySpace: http://www.myspace.com/winterfylleth

Tracklist:

1. Gateway To The Dark Peak & The Wayfarer Pt. 1 – The Solitary One Waits For Grace
2. The Wayfarer Pt. 2 – Awakens He, Bereft Of Kinsmen
3. The Fields Of Reckoning
4. Children of the Stones
5. The Ruin
6. The Honour Of Good Men On The Path To Eternal Glory
7. The Wayfarer Pt. 3 – To Find Solace… Where Security Stands
8. When The Woods Were Young
9. A Valley Thick With Oaks
10. Defending The Realm

Captain Chaos
Ehemann, Vater, Musikenthusiast, Plattensammler, Trauerbegleiter, Logistiker, Autor, Wandergeselle