WINTERFYLLETH: The Reckoning Dawn

WINTERFYLLETH: The Reckoning Dawn

Ich kann mich gut an den Wow-Effekt erinnern, den WINTERFYLLETH in ihren Anfangsjahren bei mir hervorgerufen haben. Die Melodiösität und die Erhabenheit in ihrem Atmospheric Black Metal beeindruckte mich – vor allem, weil die Engländer als Band noch in ihren Kinderschuhen steckten.

Inzwischen hat die Band auch schon über ein Jahrzehnt auf dem Buckel und neben einer Reihe von „normalen“ Studioalben mit „The Hallowing of Heirdom“ (2018) gar auch ein Akustik-Album veröffentlicht. Vom damals (beeindruckend) eingeschlagenen Weg ist das Quintett aus Manchester nicht abgekommen. Doch wie sieht es beim neuen Album „The Reckoning Dawn“ mit dem Wow-Effekt aus?

WINTERFYLLETH haben nach ihrem Akustik-Ausflug nichts verlernt

Nun, verlernt haben WINTERFYLLETH den Atmospheric Black Metal nach ihrem Akustik-Ausflug nicht. Davon zeugen der epochale Opener „Misdeeds Of Faith“ und das abschließende „In Darkness Begotten“, wo die Engländer treffsicher ihre Stärken einzusetzen wissen: die gewissenhafte Melodieführung, treffsicher eingestreute Chor-Passagen und etwas Pathos. Trademarks, welche die Band seit Anbeginn der Karriere auszeichnet. Doch „The Reckoning Dawn“ hat auch mit etwaigen Längen zu kämpfen. So braucht „A Hostile Fate (The Wayfarer Pt. 4)“ etwas länger, um zu zünden, wenn der Song ab der Hälfte giftiger wird, und „A Greatness Undone“ bleibt als Gesamtwerk etwas blass. Gerade bei solchen Songs würde man sich eine etwas andere Produktion wünschen. Denn der grundsätzlich gute Sound wurde recht hell belassen.

Auf „The Reckoning Dawn“ fühlt man sich auf Anhieb heimisch

Dieser Helligkeit wirken WINTERFYLLETH nicht allzu häufig entgegen. Denn auch der Gesang ist – trotz seiner Bissigkeit – recht hell und hoch. Dem gegenüber setzen die Engländer auf angenehmen Chor-Gesang, dessen Einsatz jedoch nicht überstrapaziert wird. Am dunkelsten wirkt das Album ausgerechnet in der längeren Akustik-Passage von „Absolved In Fire“. Hier wird ruhig und mit einem Hang zur Dramatik Spannung wie für einen Film Noir aufgebaut, ehe der (eigentliche) Song schön eingängig losbrettert. Aber die Sache mit der Eingängigkeit beherrscht das Ensemble aus Manchester schon lange. Daher nimmt es nicht wunder, dass man sich in Songs wie dem Titeltrack gleich heimisch fühlt. Wenngleich der Viking Metal inspirierte Song auch gut als Schlachtgesang in ein Fußballstadion passen würde – hm, oder spricht da einfach nur die Sehnsucht nach Sport und vollen Stadien aus mir?

Im Endeffekt wissen WINTERFYLLETH nicht zu überraschen

Im Endeffekt ist „The Reckoning Dawn“ ein recht starkes Album. Zwar gibt es kaum etwas zu bekritteln, doch der ganz große Wow-Effekt bleibt bis auf wenige Ausnahmen aus. WINTERFYLLETH sind nun einmal an einer Sprosse ihrer Karriereleiter angekommen, wo es nicht mehr so leicht fällt, (positiv) zu überraschen.

Veröffentlichungstermin: 08.05.2020

Spielzeit: 59:31 Min.

Line-Up:
Christopher Naughton – Gitarre & Gesang
Simon Lucas – Schlagzeug
Nick Wallwork – Bass & Backing Vocals
Dan Capp – Gitarre (lead) & Backing Vocals
Mark Deeks – Keyboards & Backing Vocals

Produziert von Chris Fielding @ Foel Studios, Wales

Label: Candlelight Records / Spinefarm Records

Homepage: https://www.winterfylleth.co.uk

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/Winterfylleth
Mehr im Netz: https://winterfylleth.bandcamp.com

WINTERFYLLETH „The Reckoning Dawn“ Tracklist

1. Misdeeds Of Faith (Audio bei YouTube)
2. A Hostile Fate (The Wayfarer Pt. 4)
3. Absolved In Fire
4. The Reckoning Dawn (Audio bei YouTube)
5. A Greatness Undone
6. Betwixt Two Crowns
7. Yielding The March Law
8. In Darkness Begotten

BONUS CD (Digipack Only)

9. Upon Gallows Frail
10. Woden (Cover of the ENSLAVED song „Wotan“)
11. In Darkness Beholden

Christian Wögerbauer
Christian ist seit 2005 unser Vertreter der Österreicher Metalszene, rezensiert gern im Bereich Doom / Death / Black / Thrash und auffallend gern Bands mit Sängerin. Genres: Death Metal, Doom-Death Metal, Doom Metal, Symphonic Metal, Gothic Metal, Sludge.