V.A.: Face Your Underground 7 – Deathmetal.be Sampler

V.A.: Face Your Underground 7 – Deathmetal.be Sampler

Einmal wieder hauen die belgischen Kollegen von Deathmetal.be einen weiteren Teil ihrer Samplerreihe raus. Wäre ich ein fauler Mensch, dann könnte ich eigentlich eines der Reviews zu den Vorgängerteilen nehmen, ein paar Bandnamen ändern und schon wäre die Sache gegessen. Aber da ich kein fauler Mensch bin, möchte ich hierzu noch ein paar eigene Worte loswerden. Denn zum einen gibt hier nicht, wie man beim Namen des Herausgebers annehmen würde, nur reinen Death Metal. Zum anderen haben sich in diesem Wust aus guten, aber eigentlich austauschbaren, Bands auch einige verdammt gute Truppen versteckt, welchen genug Potential aufweisen, um sich in den kommenden Jahren auch auf internationalem Parkett behaupten zu können.

Und mit genau so einem Kandidaten geht die Show auch los. AFTER ALL können dank der Formel SLAYER + Göteborg Sound + J. D. Kimball (R.I.P) Gedächtnissänger = äußerst sympathisch direkt einmal überzeugen. Mit dieser, dezent bizarr anmutenden Mischung zeigt die Band einen Willen zum Außergewöhnlichen, welcher den meisten Band auf dieser Zusammenstellung fehlt. Die folgenden ALWAYS FALLEN und MOKER könnten in Zukunft auch richtig was reißen, wenn sie sich denn bitte schleunigst wegen ihres Breakdown/Cleangesang-Syndroms in Behandlung begäben. Ärgerlich ist das. Ganz anders BATTALION. Mit schwedisch beeinflusstem Death Metal verbreitet Vulcanic Death genau dieses finstere und brutale Feeling, welches diese Musik einst so auszeichnete. Bei SUHRIM stellt sich mir dann die Frage, was ein Cover Song, welcher in diesem Fall das PESTILENCE-Lied Out Of The Body zum Vorbild hat, auf einem Underground Sampler verloren hat.

Nach ein paar unspektakulären bis durchwachsenen Beiträgen ziehen GORATH mit Metempsychosis dann so richtig vom Leder und liefern den wohl stärksten Beitrag dieser CD ab. Hier gibt es zur Abwechslung mal keinen Death Metal, sondern Black Metal der Extraklasse. Sowohl ältere als auch neuere MAYHEM standen wohl Pate. Der Song beginnt frostig rasend und sorgt zunächst mit einer begleitenden Bass-Melodie, im besten Life Eternal-Stil, für Gänsehaut. Im Folgenden wechselt er mehrfach zwischen Uptempo und langsameren, teils dissonanten Passagen, welche mit düster-beschwörendem Sprechgesang unterlegt werden, wobei der Bass sich stehts die Rolle als vollwertiges Instrument erhält. Schließlich lassen GORATH den Song mit einem verfremdeten Frauenchor ausklingen, was sehr verstörend rüberkommt. Ganz, ganz großes Kino. Von der grandios frostklirrenden, dennoch klaren, differenzierten und an allen Ecken authentischen Produktion ganz zu schweigen. Viel besser war Black Metal auch vor 15 Jahren nicht produziert.

Der zweite Black Metal-Beitrag folgt auf dem Fuße, in Form der Band SPECTRE, welche zwar ziemlich gut rüberkommen, aber im Vergleich zu GORATH ziemlich blass bleiben. Nicht so MY LAMENT. Der Name deutet schon an, dass hier kein Guts´n´Gore auf dem Plan steht. Stattdessen begeistert Shepherd Of Sorrow mit melancholisch schwelgerischem Death Doom. Mit allem Drum und Dran, was der Fan des Genres gerne hört. Die thrashigen YCON entfesseln, mit etwas zu langer Anlaufphase, im Anschluss einen wahren Brecher im Stile alter DARK TRANQUILLITY und IN FLAMES. Und im etwas zu verkitschten Melodic Black Metal von BERSERKIR sticht dann lediglich einer der lachhaftesten Black Metal-Verzweiflungsschreie heraus, welcher mir jemals untergekommen ist.
Die folgenden COLCOTHAR zählen wiederrum zu den vielversprechendsten Beiträgen. Die Band kombiniert in Black Sun Rises viel Thrash Metal mit einigen SUFFOCATION-Anleihen. Dabei gibt es sowohl fiese Growls, herrlich kaputtes Geschrei und nicht weniger freakigen, halbklaren Gesang, welche in einem scheinbaren Durcheinander kombiniert werden. Dazu beweist die Band auch noch, dass sie einen ganz ausgezeichneten Sinn für frische, schräge Melodien besitzt. So originell gehen CREATURE dann leider nicht zu Werke und liefern lediglich konventionellen, wenn auch wirklich guten Black Metal.

Die Trefferquote war ja bisher ziemlich gut. Deutlich besser, als ich es von einem Underground Sampler erwartet hätte. Damit das nicht so bleibt, wollen uns VARANGIAN zeigen, dass es auch in Belgien Wikinger gibt. Und wie bei den meisten AMON AMARTH-Klonen kommt das auch hier extrem ausgelutscht und vollkommen uninteressant rüber. Dagegen wirkt der Schweden Death Metal von BLACK BLEEDING, der zwar nix mit Metalcore zu tun hat, aber trotzdem danach klingt, trotz seiner Banalität recht erholsam.
Die letzten drei Beiträge stehen ganz im Zeichen des Grindcores. WITNESS THE END kann man sich ja noch grade so anhören, aber was STEENGRUIS da abliefern, entbehrt jeglicher Qualität. Und ich bin irgendwie froh, dass der Text zu Smoel Vol Kak in Flämisch gehalten ist. Grausig, primitiv, langweilig, geschmacklos. Zum Schluss strapazieren I SCREAM PROTEST meine Nerven mit einer Parodie auf eine Produktion. Der Song an sich mag ja nicht schlecht sein, aber in diesem Soundgewand?

Alles in Allem also eine wirklich gelungene Zusammenstellung, auf der sich zwar gegen Ende ein paar Tiefschläge befinden, die aber auch mit GORATH, AFTER ALL und COLCOTHAR auch einige Bands zu bieten hat, welche es absolut wert sind, sie im Auge zu behalten. Trotzdem bleibt dieser Sampler für den Durchschnittsdeutschen eher uninteressant. Der Großteil der Bands auf diesem Sampler lassen sich in ähnlicher Form auch im lokalen Underground finden. Für grenznah Wohnende, die mal eben zu einem Konzert nach Belgien rüberfahren können, könnte dieser Überblick über die belgische Szene aber durchaus von Interesse sein.

Veröffentlichungstermin: 2009

Spielzeit: 79:00 Min.
Label: Rotten To The Core

Homepage: http://www.deathmetal.be/face7

Tracklist:
1. AFTER ALL – My Own Sacrifice
2. ALWAYS FALLEN – Hail To Fire
3. MOKER – Reminiscence Of A Psychopath
4. BATTALION – Vulcanic Death
5. SUHRIM – Out Of The Body (PESTILENCE Cover)
6. PUTRID INBRED – You, Me And Taxidermy
7. CRIMSONN FALLS – If I´d Become A Father
8. DEAD END PATH – Behold The Line
9. GORATH – Metempsychosis
10. SPECTRE – Ichor
11. MY LAMENT – Shepherd Of Sorrow
12. YCON – Never Again
13. BERSERKIR – The Fallen
14. COLCOTHAR – Black Sun Rises
15. CREATURE – The Serpent´s Legacy
16. VARANGIAN – Into Valhalla`s Hall
17. BLACK BLEEDING – War Is Fun
18. WITNESS THE END –Mental Breakdown
19. STEENGRUIS – Smoel Vol Kak
20. I SCREAM PROTEST – La Libertad Guiando Al Pueblo