TODTGELICHTER: Schemen

Außen unscheinbar und schlicht. Drinnen starker, atmosphärischer Black Metal.

Wenn TODTGELICHTER etwas nicht in ihrem Aktivitätsspektrum besitzen, ist es Effekthascherei. Ein unspektakuläres, ja fast erschreckend schlichtes Cover, ein für Interpretationen aller Couleur offener Titel, weder schockierende noch Pathos-geschwängerte Songtitel und keine reißerischen Pseudonyme. Obwohl – an dieser Stelle bekommt die glatte Oberfläche des Unspektakulären erste Risse, denn der Drummer der 2002 gegründeten Black Metal-Formation nennt sich Tentakel Parkinson. Das aufkommende Bild einer Verquickung von Michael J. Fox und einem Tintenfisch lässt sich auch nicht durch die Auflistung der Gastmusiker, welche mit Didgeridoo und Saxofon anrücken, verscheuchen. Nun ist die Neugier geweckt – denn hinter dieser Fassade scheint eine wahrliche schwarzmetallische Gratwanderung zu schlummern.

Und Gratwanderungen sind heikel. Bei zuviel Experimentierlust gehen nicht selten Songwriting und Atmosphäre flöten, weil auf Teufel komm raus Innovation erzwungen werden will. Doch TODTGELICHTER tappen nicht in diese Falle. Eine saftige, authentische Produktion rückt ihren Schwarzmetall auf Schemen ins rechte Licht, wenngleich sich die Mucke der Deutschen zuerst etwas spröde gibt. Gleich fällt auf, dass das Drumming einen Tick mehr Ideen brauchen könnte – aber der Groove ist da. Ja. Der Groove. Schon nach vier Minuten Larva wippt man begeistert mit und dankt der geilen Rhythm/Bass-Fraktion, die hier mit Herzblut bei der Sache ist und einfach mitreißt. Auch in Segen kommen wieder heiße Basslines zum Einsatz, dass es eine wahre Freude ist (und meine Objektivität flöten geht).

Das Fundament ist somit gesetzt und TODTGELICHTER beweisen fortan, dass sie sehr wohl wissen, was man darauf aufbauen kann. Effekthascherei gibt es auch hier nicht. Aber vom Groove getragen geizt die Gitarrenfraktion nicht mit schlichten, aber gleichzeitig coolen Riffs, die von der Band zu stimmigen Songs mit viel dunkler Atmosphäre verwebt werden. Anbiedern an andere Truppen? Dafür sind sich die Deutschen zu schade und zeigen nur mit einem leichten Wink Richtung EMPEROR-Kälte in Hammer, dass sie wohl einen gut sortierten CD-Schrank zuhause stehen haben. So schleichen sich die Songs auf Schemen klammheimlich in die Gehörgänge. Ihren Charme offenbaren sie nicht im ersten Hördurchlauf, aber mehr und mehr stellt sich das Suchtpotential ein. Plötzlich merkt man, dass man Segen oder Für immer schweigen ernsthaft vermisst, wenn man sie länger nicht gehört hat.

Und was ist mit den exotischen Elementen und der Abwechslung? TODTGELICHTER wissen, dass diese wie Gewürze gehandhabt werden müssen. Wohl dosiert, dezent eingesetzt, nicht zuviel, nicht zuwenig. Und dieses Kochquintett hat genau das kompetent im Griff. Das Didgeridoo zaubert eine unheimliche Atmosphäre in Segen und der Einsatz des Saxofons im monumental wirkenden Aschentraum ist einfach sensationell stimmig. Ja selbst die Einbindung des melancholischen, cleanen Frauengesangs in Beginn des Endes kann nur als gelungen bezeichnet werden und sorgt für wohlige Gänsehautschauer als Abschluss von Schemen.

Schemen offenbart seine Qualitäten nicht auf den ersten Blick oder beim ersten Hördurchlauf. Aber dieses Album wächst. Es zeigt, dass genrefremde Elemente dezent, bereichernd und stimmig in schwarzmetallische Klangwelten integriert werden können, wenn das Drumherum stimmt. Somit klar beide Daumen nach oben für dieses zweite Werk der TODTGELICHTER. Starkes Album!

Veröffentlichungstermin: 01.05.2007

Spielzeit: 54:21 Min.

Line-Up:
Mort: Schreie
Tentakel Parkinson: Drums
Nils: Bass
Frederic: Gitarren
Claudio: Gitarren

Gastmusiker
Marta: Piano, Vocals
Martin: Didgeridoo
Trolfbert (NEGATOR): Lead Guitar
Klaus: Sax
Label: Folter Records

Homepage: http://www.todtgelichter.de/

Email: mails@todtgelichter.de

Tracklist:
1. Impuls
2. Larva
3. Segen
4. Blutstern
5. Für immer schweigen
6. Aschentraum
7. Hammer
8. Beginn des Endes