THEM: Return To Hemmersmoor

THEM: Return To Hemmersmoor

KK Fossor ist zurück! Nicht völlig überraschend fand der Protagonist der ersten beiden THEM-Alben am Ende von “Manor Of The Se7en Gables” doch nicht sein Ende auf dem Scheiterhaufen. Sein persönlicher Assistent war zum richtigen Zeitpunkt zur Stelle, um ihn vor einer erneuten Röstung zu bewahren. Dieser entpuppt sich im Intro “Diluvium”, dem Einstieg in das dritte Album der deutsch/amerikanischen Band, gleich auch noch als fähiger Motivations-Coach. KK ist eigentlich schon bereit, die Brocken hinzuschmeißen und den Zylinder an den Nagel zu hängen, da erinnert sein treuer Sidekick ihn daran, dass man ja noch eine Kleinigkeit zu erledigen habe. Nicht weniger als die Wiederbelebung von KK Fossors Tochter Miranda steht noch auf der To Do-Liste. Also frisch ans Werk, zurück nach Hemmersmoor!

THEM lassen es zum Einstieg auf “Return To Hemmersmoor” so richtig krachen!

Und da ja nun doch etwas Eile geboten ist, gibt es mit “Age Of Ascension” und “The Tumultuous Voyage To Hemmersmoor” gleich ein rasantes Power Thrash-Doppel zum Einstieg. Beide Songs kommen in ungefähr dreieinhalb Minuten ins Ziel, dabei passiert in beiden Stücken aber verdammt viel. Das Gitarrenspiel ist unglaublich abwechslungsreich, jede Menge Riffs und rasante Soli reihen sich aneinander. KK Fossor zeigt sich gesanglich ebenfalls gewohnt variabel, wechselt spielend zwischen hohen Screams, seiner normalen Singstimme und aggressiven Shouts. Und dann ist da noch Schlagzeuger Angel Cotte (u.a. DEMOLITION HAMMER), der den Rest der Mannschaft mit seinen Drumsticks im Alleingang nach Hemmersmoor prügelt. Dabei bauen THEM selbst in diesen zwei kurzen Thrash-Gewittern auch noch ein paar melodische Passagen ein. So geht anspruchsvolles und effektives Songwriting!

Nach dem Thrash Gewitter haben THEM Hymnisches und Theatralisches im Gepäck

Danach wird es eine ganze Ecke melodischer, das vorab veröffentlichte “Free” sowie “Fileds Of Immortality” sind echte Hymnen samt Mitsing-Refrain, wobei natürlich auch bei diesen Songs musikalisch eine ganze Menge passiert. Auch hier gibt es einen Haufen Wendungen und KK Fossor läuft gesanglich zu Hochform auf. “The Thin Veil” glänzt mit tollen Gesangsarrangements und einem ganz großen Gitarrensolo im Schlusspart. Bei “Waken” ist es dann endlich soweit: Miranda wurde erfolgreich wiederbelebt. Oder was man so erfolgreich nennt, denn der Zahn der Zeit (und vor allem der Verwesung) haben ganz schön an Töchterchen genagt, so dass sie inzwischen wohl eher aussieht wie das Ergebnis, wenn man Kinder bei Wish bestellt (copyright Schaffi). Von manchen Sachen lässt man halt lieber die Finger – Wiederbelebung von Toten ist eines davon, das weiß man ja nun spätestens seit „Friedhof der Kuscheltiere“. Musikalisch ist “Waken” allerdings ganz großes Kino. Wieder mal wechseln THEM von treibenden Power Metal-Passagen zu Bombast, Theatralik und großer Epik.

Immer Ärger mit den untoten Kindern…

Wie wir im folgenden Zwischenspiel “Memento Mori” erfahren, hat der allgemeine Verfall Mirandas Stimmbänder allerdings verschont, klingt ihre Stimme doch glockenklar und nicht – wie nach Tod im Feuer und Verwesung zu erwarten wäre – so abgewrackt und krächzig wie Chris Barnes auf “Nightmares Of The Decomposed”. Im Endspurt ziehen THEM den Härtegrad wieder an, lassen es wieder in der Schnittmenge von Power Metal und Thrash krachen. Vor allem bei “Battle Blood” tritt die Band das Gaspedal nochmal bis zum Bodenblech durch. Im abgehackten, stakkatomäßigen “Maestro’s Last Stand” findet KK Fossor’s Geschichte ein dramatisches Ende. Doch ein Happy End war auch nicht zu erwarten, für die Verdammten gibt es keine Erlösung!

Hinter dem ganzen Mummenschanz haben THEM eine Menge musikalischer Substanz zu bieten

Auch Album Nummer drei macht großen Spaß. Trashiger Horror und thrashige Songs – das passt tatsächlich zusammen. Doch natürlich bietet “Return To Hemmersmoor” viel mehr als nur Geballer, das Songmaterial ist wieder sehr abwechslungsreich ausgefallen, kein Song, der nicht die eine oder andere Wendung nimmt. Und Thrash mit epischem und theatralischen Power Metal zu kombinieren kann auch gewaltig in die Hose gehen, doch THEM sind verdammt gute Songschreiber und Musiker, so dass hier wirklich gar nichts anbrennt. Wer die bisherigen Alben mochte, wird nicht enttäuscht sein, und wer THEM bisher noch nicht angecheckt hat, sollte das so langsam wirklich mal nachholen, denn hinter dem ganzen Mummenschanz steckt eine Menge musikalischer Substanz!

Veröffentlichungsdatum: 30.10.2020

Spielzeit: 48:43

Line Up:
KK Fossor – vocals
Markus Johansson – guitars
Markus Ullrich – guitars
Alexander Palma – bass
Angel Cotte – drums
Richie Seibel – keyboards

Label: SPV/Steamhammer

Bandhomepage: https://www.them666.com/
Facebook: https://www.facebook.com/thembandofficial
Bandcamp: https://them6.bandcamp.com/

THEM „Return To Hemmersmoor“ Tracklist

01. Diluvium 3:02
02. Age of Ascension 3:25
03. The Tumultuous Voyage to Hemmersmoor 3:47
04. Free 5:01 (Lyrics-Video bei YouTube)
05. Field of Immortality 5:53
06. The Thin Veil 6:36
07. Waken 5:43
08. Memento Mori 1:31
09. Hellhounds: The Harbingers of Death 3:20
10. Battle Blood 3:56 (Video bei YouTube)
11. Maestro’s Last Stand: 5:40
12. Finis 0:45

agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.