AMARANTHE: Manifest

AMARANTHE: Manifest

Gratulation, die Kreativität verschlägt uns die Sprache. Von sechs Alben ziert bei Dreien ein Bandfoto das Cover. Die andere Hälfte kommt mit dem eigenen Logo aus – diesmal als strahlendes Gebäude in einer leblosen Stadt. Das ist so austauschbar wie uninspiriert; eine künstlerische Bankrotterklärung, die uns – ohne einen Ton vorwegzunehmen – klar macht, was uns auf „Manifest“ erwartet. AMARANTHE sind der Inbegriff all dessen, was das ohnehin schwammig definierte Sub-Genre „Modern Metal“ vielerorts zur Beleidigung herabgestuft hat.

Es geht dabei nicht einmal darum, dass die Schweden wahrscheinlich mehr Synthesizer als Gitarren auf dem Album haben und dabei von einer zuckrigen Gesangslinie zur nächsten eilen. Da sich AMARANTHE aber als Metal-Band vermarkten und dabei eigentlich kaum über Eurodance- und Pop-Arrangements hinauskommen, ist das neue Werk der Skandinavier nicht weniger als der pure Hohn.

„Manifest“ ist das Resultat eiskalter Berechnung

Wo die Prioritäten liegen, ist ohnehin beim Blick auf die Besetzung offensichtlich: drei Sänger*innen, aber nur ein Gitarrist, dessen abgedroschene Riffs dank einer leb- wie kraftlosen Produktion nicht mal im ZDF-Fernsehgarten für Empörung sorgen könnten. Der gestriegelte Mix, die langweiligen Songstrukturen, die ständigen Discobeats sind allesamt Resultat eiskalter Berechnung. „Manifest“ ist ein kalkuliertes Produkt, das auf maximale Publikumsresonanz gebürstet ist. Es hat keine Seele.

Beizeiten hat es den Anschein, dass die Alibi-Growls, die hier und da in den Strophen platziert sind, das einzige Stilmittel sind, das AMARANTHE von den großen Radiostationen trennt. Das Duett „Strong“ mit BATTLE BEAST-Frontfrau Noori Louhimo ist ein lupenreiner Popsong, während die Ballade „Crystalline“ sicher auch in irgendeinem künftigen Disney-Film Platz gefunden hätte. Gemein ist beiden Stücken der fehlende Spannungsbogen, Überraschungen gibt es auf „Manifest“ keine einzige.

AMARANTHE haben ein komplettes Genre verwässert

Ein kleiner Lichtblick ist immerhin Elize Ryd, deren Gesang mehr als formidabel ist, aber zwischen La-La-Melodien, abgedroschenen Texten und Disco-Beats nur wenige Akzente setzen kann. Auf dem Eurovision Songcontest hätten AMARANTHE mit ihren Pop Metal-Hymnen wie „Fearless“, „Adrenaline“, „The Game“ oder „Scream My Name“ sicher gute Karten. Auf Albumlänge hingegen wiederholt sich das Sextett jedoch schon nach wenigen Minuten: groovendes Breitwandriff, futuristischer Synth-Overkill, Drumcomputer, tanzbarer Europop-Refrain und dann alles auf Anfang.

Selbst prinzipiell gute Ansätze wie der Instrumentalpart im Cembalo-Stil („Archangel“) werden spätestens durch das uninspirierte und schlicht langweilige Drumming wieder in Form gebürstet. Einen eigenen Charakter dürfen die Songs nicht entwickeln. Wie verquer die AMARANTHE-Vision eines harten Metal-Tracks ist, zeigt uns schließlich der erbärmliche Tiefpunkt „Boom!“, dessen unsägliche Harteier-Riffs nur von seinem grenzdebilen Text unterboten werden. „What else goes boom, GG?“ – „The breakdown goes boom!“. Es hat augenscheinlich einen guten Grund, warum ‘cringe’ es dieses Jahr unter die Jugendwort-Finalisten geschafft hat.

Zu erwarten war das freilich schon beim ersten Blick auf das Cover-Artwork, das aber bei aller Ideenlosigkeit trotzdem nicht einfangen kann, wie sehr AMARANTHE das komplette Genre verwässert haben. „Manifest“ ist das Ergebnis, wenn du Metal auf Wish bestellst.

Veröffentlichungstermin: 2.10.2020

Spielzeit: 40:13

Line-Up

Elize Ryd – Vocals
Nils Molin – Vocals (clean)
Henrik Englund Wilhemsson – Vocals (growls)
Olof Mörck – Guitars, Keyboards, Synthesizers
Johan Andreassen – Bass
Morten Løwe Sørensen – Drums

Produziert von Jacob Hansen

Label: Nuclear Blast

Homepage: https://amaranthe.se/
Facebook: https://www.facebook.com/AmarantheBand

AMARANTHE “Manifest” Tracklist

1. Fearless (Video bei YouTube)
2. Make It Better
3. Scream My Name
4. Viral (Video bei YouTube)
5. Adrenaline
6. Strong (feat. Noora Louhimo) (Video bei YouTube)
7. The Game
8. Crystalline
9. Archangel (Video bei YouTube)
10. BOOM!
11. Wake Up And Die
12. Do Or Die

Bonus Tracks:
13. 82nd All The Way
14. Do Or Die (feat. Angela Gossow) (Video bei YouTube)
15. Adrenalina (Acoustic)
16. Crystalline (Orchestral)

Florian Schaffer
Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.