THE DEVIL WEARS PRADA: Color Decay

“Color Decay” ist ein überraschend reifes Werk, mit dem THE DEVIL WEARS PRADA ihr Spektrum erweitern. Dabei nimmt die Metalcore-Band zwar nicht den Fuß komplett vom Gas, erlaubt sich aber neue Freiheiten.

Es gibt Licht am Ende des Tunnels. Nachdem die Pandemie THE DEVIL WEARS PRADA mit der verbitterten EP „ZII“ (2021) zeitweise zurück zu ihrer härtesten Schaffensperiode geführt hatte, blicken die US-Amerikaner nun wieder nach vorne. „Color Decay“ ist ein überraschend reifes Werk, das sich seine Metalcore-Wurzeln in Ehren hält, dabei jedoch selbstbewusst den Schritt in stilistisch weiter gefasstes Terrain wagt.

Im Extremfall resultiert das in einer nachdenklichen Pop-Nummer wie „Fire“, wo Synthesizer, Akustikgitarre und Drumpads die Kulisse stellen, vor der Jeremy DePoysters einfühlsamer Klargesang den Löwenanteil des Stücks schultert. Gesanglich harmoniert der Gitarrist auf Album Nummer acht vielleicht so gut wie nie zuvor mit seinem aggressiven Gegenstück Mike Hranica. Während Letzterer mit rauen und ungeschliffenen Screams für ordentlich Kante sorgt, treffen die Clean-Vocals emotional stets den richtigen Ton. Die Ehrlichkeit, mit der das Gespann in „Broken“ etwa das Thema Depression angeht, ist geradezu entwaffnend.

Obwohl sich THE DEVIL WEARS PRADA Freiheiten erlauben, nehmen sie den Fuß nicht komplett vom Gas

„Color Decay“ mag somit die musikalische Härte der Vorgänger-EP nicht erreichen, trifft aufgrund der Umsetzung seiner allzu menschlichen Themen dafür auf anderer Ebene nicht minder schwer. Was jedoch nicht heißen soll, dass THE DEVIL WEARS PRADA den Fuß komplett vom Gas nehmen. „Watchtower“ rüttelt mit peitschenden Drums, flotten Riffs und einem verbissenen Breakdown auf, während „Sacrifice“ mit ähnlichen Stilmitteln, doch größerem Augenmerk auf modern-groovende Gitarren die Energie aufrechterhält.

Zu spüren ist auch hier eine melancholische Note, die den Refrain durchzieht und im Anschluss ebenso das Rückgrat von „Trapped“ und „Time“ bildet. In gewisser Weise fungiert diese Schwermut als roter Faden des Albums, egal ob nun „Salt“ durch Alternative-Rock-Anleihen im Stil von THE INTERSPHERE nach vorne geht oder das experimentelle „Twenty-Five“ im Kompaktformat mit Post-Rock-Vokabular hantiert. Gerade zum Ende hin nimmt sich „Color Decay“ auf diese Weise zusätzliche Freiheiten: Experimente, die meist, aber nicht immer ins Schwarze treffen, doch den Fluss der Platte glücklicherweise nur unwesentlich beeinträchtigen.

THE DEVIL WEARS PRADA erweitern mit “Color Decay” ihr Spektrum

Dafür ist das Songmaterial zu solide, die Vision THE DEVIL WEARS PRADAs zu schlüssig. Allein das finstere „ZII“ (2021) darf hierfür kein Maßstab sein, will das Sextett doch mit dem neuen Werk ganz offensichtlich sein Spektrum auch in die andere Richtung erweitern. Das gelingt, weil sich die zwölf Stücke tatsächlich nur am Rande mit metalcore-typischen Härtegraden befassen. So erfrischend kompromisslos der Nachfolger der „Zombie“-EP (2010) war, liegen die besten Tage hoffentlich noch vor uns. „Color Decay“ verspricht zumindest ein guter Anfang zu sein.

Veröffentlichungstermin: 16.09.2022

Spielzeit: 44:37

Line-Up

Mike Hranica – Vocals, Gitarre
Jeremy DePoyster – Gitarre, Vocals
Kyle Sipress – Gitarre, Backing Vocals
Jonathan Gering – Keyboards, Programming, Backing Vocals
Mason Nagy: Bass, Backing Vocals
Giuseppe Capolupo – Drums

Produziert von Jonathan Gering und Sam Guaiana (Mix); Mike Kalajian (Mastering)

Label: Solid State Records

Homepage: https://tdwpband.com/
Facebook: https://www.facebook.com/tdwp/

THE DEVIL WEARS PRADA “Color Decay” Tracklist

  1. Exhibition
  2. Salt (Video bei YouTube)
  3. Watchtower (Video bei YouTube)
  4. Noise
  5. Broken (Video bei YouTube)
  6. Sacrifice (Video bei YouTube)
  7. Trapped
  8. Time (Video bei YouTube)
  9. Twenty-Five
  10. Fire
  11. Hallucinate
  12. Cancer