SIGUR RÓS: ( )

SIGUR RÓS haben mit Heavy Metal nichts am Hut. Entfremdete Gitarrenklänge und sphärische Keyboards dominieren stattdessen das Klangbild eines wunderschönen und bewegenden Albums, das seit seiner Veröffentlichung vor einem halben Jahr zurecht viele Fans gefunden hat.

Bereits vor einem halben Jahr erblickte ( ) das Licht der Musikwelt. Ich möchte nun aber trotzdem noch ein paar Worte darüber verlieren, da die Musik auf dem Album ungemein bewegend und absolut zeitlos ist.
Vorweg muss ich anmerken, dass SIGUR RÓS mit Heavy Metal nichts am Hut haben. Nicht zuletzt deshalb habe ich so lange gezögert, dieses Review zu schreiben. Allerdings lässt sich ( ) ohnehin nur schwer in ein bestimmtes Genre einordnen.

Den Songtiteln nach zu urteilen sind SIGUR RÓS Schwaben. Denn anders lässt sich dieser Wortgeiz nicht erklären. In Wirklichkeit stammen die vier Musiker allerdings aus Island, was sich deutlich in der Musik wiederspiegelt.

Entfremdete Gitarrenklänge und sphärische Keyboards dominieren das Klangbild. Darüber setzen wahlweise Klavier oder Gesang musikalische Farbtupfer. Die Lieder fließen mehr, als dass sie klingen. Besonders das instrumentale dritte Stück besticht dabei durch eine bemerkenswerte Schlichtheit. Eine einfache Klaviermelodie breitet sich minutenlang über einem langsam anschwellenden Klangteppich aus.

Trotz ihrer elegischen Grundstimmung strahlen die ersten vier Lieder allesamt so etwas wie Freude und Optimismus aus, wobei einzig Lied Nummer zwei qualitativ etwas abfällt und nicht ganz so zu fesseln vermag wie der Opener (die aktuelle Single) oder das aus dem Film Vanilla Sky bekannte vierte Stück.

Nach einer kurzen Pause beginnt die zweite Hälfte von ( ) zunächst sehr verhalten. Das Schlagzeug und der Gesang wirken verloren in einer mit Hall gefüllten Klangdämmerung. Mit der Geschwindigkeit eines Sonnenuntergangs wird das Stück mit jeder Minute intensiver, stürzt dann aber nach neun Minuten in sich selbst zusammen, als es gerade dabei ist seinen Höhepunkt zu erreichen.

Die folgenden Stücke sind nach dem gleichen Prinzip aufgebaut. So beginnt auch Lied Nummer sechs mit sanften Klangschleiern und einem zurückhaltenden Schlagzeugbeat. Der hohe, klare Gesang wirkt etwas entschlossener und zugleich auch trauriger. Mit traumwandlerischer Sicherheit verbinden SIGUR RÓS im weiteren Verlauf introvertierte Dynamik mit wunderschönen Harmonien, bevor am Ende alles in ein intensives, instrumentales Finale mündet.

Bei Lied Nummer sieben gibt sich die Band dann endgültig der Melancholie hin. Noch ausladender und realitätsfremder dauert es über eine Minute, bis der Song überhaupt erst richtig anfängt. Doch trotz der vermeintlichen Ruhe nimmt die Spannung langsam aber sicher zu. Nach knapp sieben Minuten erreicht sie ihren ersten Höhepunkt. Bald darauf beruhigt sich das Lied wieder. Allerdings nur um nach elf Minuten um so vehementer auszubrechen. In Jónsis Gesang klingen Leidenschaft und Schmerz mit, während sich die Instrumente um ihn herum verzweifelt aufbäumen. Am Ende bleibt schließlich wie schon nach dem vierten Lied – jeglichen Effekten beraubt – nur die Stimme übrig.

An dieser Stelle ist ( ) allerdings noch nicht zu Ende. Denn das beste Stück haben SIGUR RÓS bis zum Schluss aufgehoben. Wie auch das Album beginnt es eher sanft und freundlich. Nach sechs Minuten kippt aber die Stimmung. Mit einem Mal schwillt das Schlagzeug an und der Gesang wechselt in eine höhere Lage. Es dauerte Minuten bis die Spannung ihren endgültigen Höhepunkt erreicht. Während dieser Zeit nimmt man die Welt um sich herum nicht mehr wahr. Stattdessen taucht man ein in eine Klangwelt jenseits aller Worte.

Natürlich mag ( ) auf viele Leute sehr unwirklich und karg wirken, zumal das Album im Vergleich zu seinem Vorgänger Ágætis Byrjun noch um einiges sperriger ausgefallen ist.

Wenn man aber etwas Geduld mitbringt und Ruhe nicht automatisch mit Langeweile gleichsetzt, sollte man nach dem schlicht und zugleich liebevoll aufgemachten Album Ausschau halten. Natürlich nur, wenn man es nicht bereits sein Eigen nennt.

Veröffentlichungstermin: 28.10.2002

Spielzeit: 71:51 Min.

Line-Up:
Jón þor Birgisson: Gesang, Gitarre

Kjartan Sveinsson: Keyboards

Georg Holm: Bass

Orri Páll Dýrason: Schlagzeug

Produziert von SIGUR RÓS
Label: Play it again Sam

Homepage: http://www.sigur-ros.co.uk

Tracklist:
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