SCYTHE: Decay

SCYTHE: Decay

Zwei Jahre nach ihrem letzten Lebenszeichen machen sich die norddeutschen Sensenmänner wieder auf um dem Underground zu zeigen, wer in Deutschland für wirklich guten düsteren Death Metal steht. Das vierte Album in fünf Jahren beweist, dass SCYTHE nicht nur in der Lage sind sich innerhalb eines überschaubaren Zeitrahmens weiter zu entwickeln, sondern auch, dass düsterer Metal keinem Klischee entsprechen muss und trotz aller Bodenständigkeit sich niemandem anbiedern muss.

Decay ist kein einfaches Album, aber wer sich darauf einlässt, wird viel entdecken. SCYTHE stehen weder für Death Metal der alten Schule, noch für Doom Death oder für progressiven, melodischen Metal. Nein, SCYTHE sind auch keine Schnittmenge aus UNLEASHED, MORGION und Opeth, aber sie vereinen von allen Bands einige Trademarks um etwas Eigenes zu erschaffen. Gedanken über Konventionen machen sich die beiden Musiker erfreulicherweise noch immer nicht und somit steht wieder hohe Qualität ins Haus, vor allem in Anbetracht der ungewöhnlichen Songs des Albums. So ist A Glimpse of the Eastern Sunrise mit seinen 13 Minuten, den langen epischen Passagen und der leicht orientalisch klingenden Harmonik ein wahrer Leckerbissen. Auch das atmosphärische, leicht progressiv angehauchte Cogwheel und das an alte OPETH erinnernde, wunderschöne October wird aufgeschlossene Ohren beglücken, hier ist wieder Gänsehaut angesagt.

Im Vergleich dazu schwächeln ansonsten starke Nummern wie Pretending Not to See und Das Leben das ich selbst gewählt schon fast, was natürlich quatsch ist, denn diese Songs zeigen düsteren und kräftigen Death Metal, die auch ohne wahnsinniger Geschwindigkeit und technischer Überfrachtung mitreißen können. Dennoch lassen sich SCYTHE nicht lumpen, vor allem Gitarrist und Sänger Sven. Denn sein Gitarrenspiel ist vor allem im Bereich der Lead-Gitarren wirklich hochklassig und sein klarer Gesang ist sehr harmonisch und passt gut zur Musik – in Abwechslung mit dem Death Metal-Gebrüll ist das eine sehr gelungene Kombination.

Zu meckern gibt es nur, dass das Soundgewand ein wenig drucklos ist und mehr Bässe vertragen hätte, außerdem ist mit Bitterness ein Song dabei, der nicht so recht zünden will. Aber ansonsten, Operation gelungen, SCYTHE haben ein wirklich tolles Metalalbum abgeliefert, das vor Spielfreude nur so sprüht und der geneigten Hörerschaft viele Stunden voller komplexer, anspruchsvoller und fordernder Musik bietet.

Veröffentlichungstermin: Oktober 2006

Spielzeit: 56:20 Min.

Line-Up:
Sven Hosan – Vocals, Guitars, Bass
Norman Müller – Drums, Percussion

Live:
Oliver Frank – Guitar
Alexander Raithel – Bass

Produziert von Jens Ballaschke & SCYTHE
Label: Witches Brew

Homepage: http://www.scythe-metal.de

Tracklist:
1. Intro
2. Years of Patience and Regret
3. Pretending Not to See
4. Bitterness
5. A Glimpse of the Eastern Sunrise
6. Das Leben, das ich selbst gewählt
7. Cogwheel
8. While Everyone Sleeps
9. October

Captain Chaos
Ehemann, Vater, Musikenthusiast, Plattensammler, Trauerbegleiter, Logistiker, Autor, Wandergeselle