Vorsicht, Metal ist was anderes. Aber seien wir ehrlich, nach einem Scheißtag, an dem du nur Hiobsbotschaften erhältst, an dem mal wieder das Auto verreckt oder die Finanzen derbe Scherze mit dir treiben, wenn alles so weit ist, dass es nicht mehr schlimmer geht, dann tut es doch mehr als gut, wenn die Sonne wenigstens aus dem CD-Player SCHEINt.
Nach ihrem Debütalbum wollen die bayerischen Funkrocker beweisen, dass sie keine Eintagsfliege sind und dass sie Rock und Easy Listening mit musikalischem Können paaren, so als gäbe es nichts Leichteres. Die funkigen Gitarren und die dicken Basslinien geleiten dich durch die Songs, dazu kommen Bläser, die der Musik ihren frischen, leichten Touch gibt. Klar, SCHEIN beleuchten wie der Name schon sagt, eher die Sonnenseite des Lebens oder bauen dich auf, wenn du mal wieder angepisst bist. Zum Abreagieren oder zum sich in der Musik zu verlieren und in andere Welten abzutauchen eignet sich die Musik der acht jungen Burschen nicht.
Aber ansonsten ist der gebotene Groove unwiderstehlich, ebenso wie die Ohrwürmer, die vor allem durch die cleveren Bläserarrangements zum Leben erweckt werden. Diese lassen SCHEIN auch so frisch und frech wirken. Songs wie Was ganz ganz Cooles oder Hut ab verlassen das Hirn auch nach Tagen nicht, der Remix Raumstation Re:Start hingegen wäre verzichtbar gewesen. Die Texte der Band reichen von kitschig wie Hast du Bock? bis hin zu leicht bissig wie im genialen Superband – letztendlich keine große Lyrik, aber dennoch alles andere als dumm oder belanglos. Dargeboten werden die Texte von Sänger Georg, der seine Stimme gut einsetzt und auch mit rockigem Sprechgesang überzeugt.
In Szene gesetzt wurde diese kurzweilige EP von RPWL-Mastermind Yogi Lang, der einen makellosen Sound gezaubert hat und nicht nur den enorm talentierten Bassist M. W. Fire, sondern auch den virtousen, aber dezenten Drummer Le Treu bestens beleuchtet. Abschließend ein kleiner Tipp von mir: Seid ihr Metaller offen und kennt das Wort Scheuklappen nicht, dann hört in ExtraPortion rein, mit der ihr die leider noch weit entfernte Grillsaison prima einleiten könnt, glaubt mir. Und SCHEIN, die haben das Zeug, groß zu werden und die dröge deutsche Musiklandschaft deutlich aufzupeppen.
Veröffentlichungstermin: 3. Februar 2006
Spielzeit: 35:24 Min.
Line-Up:
Georg – Vocals, Air-FX
Sedi – Gitarren
M. W. Fire – Bass, Gesang
Le Treu – Schlagzeug, Gesang
Christoph – Percussion
Hardy – Posaune
Häns – Saxophon
Flo – Trompete
Produziert von Yogi Lang
Label: Red Farm Records
Homepage: http://www.scheinland.de
Tracklist:
1. Was ganz ganz Cooles
2. ExtraPortion
3. Hast du Bock? (Radio Edit)
4. Wir Fliegen
5. Superband
6. Wo geht´s lang?
7. Hut ab
8. Hast du Bock?
9. Raumstation Re:Start (S. Obermaier Remix)